mini|Paweł Kukiz (2016) Paweł Piotr Kukiz (* 24. Juni 1963 in Paczków) ist ein polnischer Musiker, Politiker und Gründer der im Sejm vertretenen Bewegung Kukiz’15. Von 1984 bis 2013 war er festes Mitglied der Rockband Piersi. Im Jahr 2015 trat er bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen an.

Familie und Ausbildung Der Sohn eines Arztes beendete die Volksschule sowie die Sekundarschule in Niemodlin, wo er 1984 die Rockband Piersi mitgründete.

Er studierte Verwaltung an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Breslau und später Politik- und Rechtswissenschaft an der Universität Warschau, ohne einen Studiengang zu beenden.

Kukiz ist seit 1991 verheiratet und hat drei Töchter.

Karriere als Musiker mini|hochkant|Kukiz bei einem Konzert in Poznań (2007) 1984 bis 2013 gehörte er der Rockband Piersi an und war währenddessen auch Bandleader. 1997 bis 2004 wurde diese auch als Kukiz i Piersi bezeichnet. Zusammen mit der Band veröffentlichte er insgesamt neun Alben. Eine Kontroverse löste das gegen den polnischen Klerus gerichtete Musikstück ZChN zbliża się (Die Christlich-Nationale Vereinigung kommt näher) aus, das in manchen Augen religiöse Gefühle verletzte.

1989 bis 1993 trat Kukiz als Sänger der Gruppe Emigranci auf. Des Weiteren beteiligte er sich 2001 an dem Musikprojekt Yugoton und führte dieses später unter dem Namen Yugopolis fort. 2003 brachte er ein Album zusammen mit Jan Borysewicz raus. Im Duett mit Pih sang er das Lied Młodość, das 2014 in einem Album herausgebracht wurde.

In den 1990er Jahren trat Kukiz in der Werbung von Pepsi auf.

2009 war Kukiz neben Marek Horodniczy Gastgeber der im öffentlich-rechtlichen Sender TVP1 ausgestrahlten Sendung Koniec końców. 2010 nahm er als Juror des Festiwal Piosenki Angielskiej (deutsch Festival englischer Songs) in Brzeg teil.

Die Plattenfirma Sony Music Entertainment, die Kukiz unter Vertrag hatte, kündigte 2015 nach Bekanntwerden seiner Präsidentschaftskandidatur die Zusammenarbeit auf.Wojciech Rylokowski: . In: WBJ.pl. 13. Februar 2015.

Karriere als Politiker mini|hochkant|Paweł Kukiz (2007) Bei der Präsidentschaftswahl in Polen 2005 war Kukiz Mitglied im Unterstützungskomitee für den Kandidaten Donald Tusk. Später unterstützte er auch die Wahlkampagnen der liberalkonservativen, von Tusk geführten Partei Platforma Obywatelska bei den Kommunalwahlen 2006 und der Parlamentswahl 2007.

2009 wurde Kukiz Redakteur des Internetportals nieobecni.com.pl, das sich der Dokumentation von Gräbern in den ehemaligen Ostgebieten Polens wie auch historischen Gräbern im Lande widmet. Im Rahmen einer politischen Zusammenarbeit mit Piotr Duda von der Gewerkschaft Solidarność nahm er 2013 das gegen die Politik der deutschen Vertriebenenpräsidentin Erika Steinbach gerichtete Lied „Heil Sztajnbach“Diese Präsidentenwahl macht Polen ratlos welt.de, 12. Mai 2015, abgerufen am 12. Mai 2015 auf und stilisierte sich zunehmend zu einem systemkritischen, dem eigenen Selbstverständnis nach eine Volksbewegung gegen die verkrustete Parteienlandschaft anführenden Politiker. Nach Einschätzung ausländischer Korrespondenten hat sich Kukiz „vom witzigen Punkrocker immer mehr zum teils rechtsextremen Rockbarden“ entwickelt, seit er um 2010 „scharf rechts“ abgebogen sei.Paul Flückiger: Rockmusiker Pawel Kukiz. Polens neue Wutbürger. In: Stuttgarter Zeitung, 7. April 2013 2010 und 2011 gehörte Kukiz zum Unterstützungskomitee des Marsches der Unabhängigkeit (Marsz Niepodległości), der immer am 11. November, dem polnischen Unabhängigkeitstag, in Warschau stattfindet.Kaczyński Paweł Kukiz odchodzi z komitetu honorowego Marszu Niepodległości.

Nachdem Kukiz im Februar 2015 bekanntgegeben hatte, dass er für die Präsidentschaftswahl im Mai kandidieren werde, mäßigte er seine politischen Positionen.Paul Flückiger: Kaczyński schickt Trojanisches Pferd in den Wahlkampf. In: Die Presse. 8. Mai 2015. Nach dem Einreichen der benötigten 100.000 Unterschriften wurde er am 25. März offiziell als Kandidat registriert. Sein wichtigster Programmpunkt war neben der Senkung von Steuern die Einführung der Mehrheitswahl, die dazu dienen sollte, die hergebrachten parteipolitischen Strukturen aufzusprengen und für kleinere Gruppen zu öffnen. Kukiz schaffte es, sich als unbekannte Größe mit laut Umfragen 5 bis 10 Prozent Unterstützung als gegen das System gerichteter Kandidat zu etablieren, der das Protestpotenzial vor allem unzufriedener Jungwähler ansprach. Beim ersten Wahlgang am 10. Mai 2015 erreichte Kukiz mit 20,8 Prozent der Wählerstimmen den dritten Platz nach Andrzej Duda und Bronisław Komorowski.

mini|Paweł Kukiz während der Debatte in Bielsko-Biała (2016) Nach der Präsidentschaftswahl kündigte Kukiz die Bildung einer neuen politischen Gruppierung sowie deren Teilnahme an der Parlamentswahl im Herbst 2015 an. Beobachter gingen davon aus, dass er eine rechtspopulistische Bewegung anführen würde, womöglich gemeinsam mit dem politisch ähnlich ausgerichteten Janusz Korwin-Mikke, einem weiteren Kandidaten bei der Präsidentschaftswahl.Aleks Szczerbiak: Which issues will determine the Polish presidential election? In: The Polish Politics Blog. 1. Mai 2015 Korwin-Mikke trat jedoch mit seiner eigenen Partei an, während Kukiz die Bewegung Kukiz’15 gründete.

Am 6. September 2015 wurde eine von ihm angeregte Änderung des Wahlrechts zum Sejm in einem Referendum zur Abstimmung gestellt, erlangte jedoch aufgrund der geringen Stimmbeteiligung keine Wirkung.Oficjalne WYNIKI referendum. Frekwencja 7,8 proc. se.pl, 7. September 2015.

Kukiz kandidierte als Spitzenkandidat seiner neuen Bewegung bei der Parlamentswahl 2015 an, welche auf Anhieb mit 42 Sitzen drittstärkste Kraft im Sejm wurde.

Kukiz wendet sich gegen die Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare sowie gegen Abtreibung. Als Befürworter der Mehrheitswahl organisiert er die Aktion „Zmieleni.pl“. Er forderte die „Verteidigung der polnischen Industrie“, insbesondere der „polnischen Kohle“, gegen die von der Europäischen Union vorangetriebene „Auflösung der Industrie Polens“, die nach seinen Worten vor allem die deutschen Nachbarn anstreben. Der Mitte-Rechts-Regierung in Warschau unter Premierministerin Ewa Kopacz warf er vor, „Statthalter Angela Merkels in Polen“ zu sein.Kukiz: trzeba powstrzymać wygaszanie polskiej gospodarki , onet.pl, 8. Oktober 2015. Im Vorfeld der Parlamentswahl im Oktober 2015 sprach Kukiz von einer geplanten „Vernichtung des Polentums“: Während zweieinhalb Millionen junge, produktive Polen ausgewandert seien und weitere anderthalb Millionen dies vorhätten, würden „fremde Nationen“ im Land angesiedelt. Damit bezog er sich auf die Zusage der polnischen Regierung, 7000 Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak aufzunehmen.Florian Kellermann: Polen vor der Parlamentswahl – Rechte im Aufwind. In: Deutschlandfunk, Sendung Hintergrund, 22. Oktober 2015.

Während der Debatte um die Änderung des Gesetzes über das Institut des Nationalen Gedenkens („Holocaust-Gesetz“) 2018 fiel Kukiz mit den Holocaust relativierenden Äußerungen auf. So erklärte er: „Die Polen mitverantwortlich zu machen für den Holocaust ist ein moralischer und ethischer Holocaust an den Polen.“ Die Juden hätten „eine moralische Krise, weil sie den Polen die Beteiligung an solchen Verbrechen vorwerfen“. Zudem machte er Juden für die kommunistische Herrschaft in Polen verantwortlich: „die ganze Führungsriege des Geheimdienstes, des NKWD und die ganze Richterschaft“ habe aus Juden bestanden.Rafał Pankowski: Die Renaissance des antisemitischen Diskurses in Polen. In: Christian Heilbronn u. a.: Neuer Antisemitismus? Fortsetzung einer globalen Debatte. Suhrkamp Verlag, 2019, S. 310–340, auf S. 318.

Bei der Parlamentswahl 2023 kandidierte er im Wahlkreis Opole als Listenerster von PiS und bekam mit 43.292 Wählerstimmen ein Abgeordnetenmandat Parlamentswahl in Polen 2023 (polnisch).

Diskografie Alben 1998: Raj na ziemi (PL: )Auszeichnungen für Musikverkäufe: PL 2003: Borysewicz & Kukiz (PL: ) 2005: Piracka płyta (PL: ) 2010: Starsi panowie (PL: ) 2012: Siła i honor (PL: ) 2014: Zakazane piosenki

Singles und Musikstücke 1996: Już nie ma dzikich plaż 1997: Hej Janicku 1999: Żywot staruszka 1999: Chodź, zabiorę cię 2000: Na opolskim rynku 2001: Rzadko widuję cię z dziewczętami 2002: Niby jestem, niby nie 2003: Bo tutaj jest jak jest 2003: Jeśli tylko chcesz 2004: Jest taki dzień 2007: Miasto budzi się 2009: Heil Sztajnbach 2012: Czyste oczy 2012: Old Punk 2014: Samokrytyka (dla Michnika)

Filmografie 1982: Jarocin ’82 1985: ... jestem przeciw 1986: Fala – Jarocin ’85 1995: Girl Guide 1998: Billboard 1998: Matki, żony i kochanki 1998: Poniedziałek 1999: Stacja PRL 2000: Dzieci Jarocina 2001: Wtorek 2004: Czwarta władza 2006: S@motność w sieci

Auszeichnungen 1995: Nagroda Fundacji Kultury Polskiej für den Film „Girl Guide“ 2003: Fryderyk Nominierung für das Album „Borysewicz & Kukiz“ 2006: Order Uśmiechu

Weblinks Internetpräsenz seiner Wahlkampagne (polnisch) Kurzvorstellung auf Filmweb.pl (polnisch)

Einzelnachweise

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