mini|hochkant|Friedrich Spee SJ – zeitgenössisches Porträt mini|hochkant|Stich nach dem Gemälde Friedrich Spee von Langenfeld (* 25. Februar 1591 in Kaiserswerth bei Düsseldorf; † 7. August 1635 in Trier) war ein deutscher Jesuit, Theologe und Dichter. Er wurde berühmt als Kritiker der Hexenprozesse, durch seine Schrift Cautio Criminalis, aber auch als Kirchenlieddichter.
Name Der Familienname des adligen Geschlechts Spee lautete in früheren Zeiten „Spede“; im Laufe der Jahrhunderte wurde er zu „Spe“ oder „Spee“ abgewandelt. Der Zusatz „von Langenfeld“ bezieht sich auf die Herkunft seines Familienzweiges vom Rittergut Haus Langenfeld in Wachtendonk-Wankum (Niederrhein).mobile-geschichte.de
Die gelegentlich selbst von Institutionen verwendete Bezeichnung „Friedrich von Spee“ ist falsch, korrekt ist Friedrich Spee von Langenfeld.Gunther Franz (Hrsg.): Friedrich Spee zum 400. Geburtstag. Kolloquium der Friedrich-Spee-Gesellschaft Trier. Paderborn 1995. Mehrere Schulen und Bildungseinrichtungen wurden nach ihm benannt; so gibt es die Friedrich-Spee-Gesamtschule Paderborn, Friedrich-Spee-Gymnasien in Geldern, Rüthen und Trier und eine Realschule in Neumagen-Dhron; bis Januar 2024 bestand das Friedrich-Spee-Kolleg des Erzbistums Köln in Neuss.
Leben mini|hochkant|Epitaph für Friedrich Spee, Bert Gerresheim (1991), an St. Suitbertus Düsseldorf-Kaiserswerth Friedrich Spee von Langenfeld wurde 1591 in Kaiserswerth bei Düsseldorf als Sohn eines hohen kurkölnischen Beamten geboren.Trutznachtigal. Nach der Ausgabe von Klemens Brentano kritisch neu herausgegeben von Alfons Weinrich. Herder, Freiburg im Breisgau 1908, S. 7 ();Catalogus personarum provinciae societatis Jesu ad Rhenum inferiorem (1594–1687) (StB Trier, Hs. 1620/407,1). Seine Eltern waren Peter Spee von Langenfeld († vor 1612) und Mechtel (Mechtild) geborene Nunum genannt Dücker (* um 1565) aus Altenkriegenbeek. Er hatte wohl zwei Schwestern und zwei Brüder.
Er genoss eine gute Erziehung und auch das Wirken des örtlichen Pfarrers Caspar Ulenberg dürfte nicht ohne Einfluss auf Spee geblieben sein.Ulrich Grun: „Er hat viel geschrieben, besonders gegen die Protestanten“ – Kaspar Ulenberg vor 450 Jahren in Lippstadt geboren. In: Kreis Soest (Hrsg.): Kalender des Kreises Soest. Soest 1998, ISBN 3-928295-29-2, S. 95. 1610 trat er gegen den Willen seiner Eltern mit 19 Jahren in Trier in den Jesuitenorden ein. Da in Trier die Pest ausbrach, wechselte er nach Fulda und legte dort 1612 das erste Gelübde ab. Nach seiner dreijährigen Zeit im Noviziat absolvierte er 1612–1615 das vorgesehene Philosophiestudium in Würzburg. 1615 bis 1619 unterrichtete er an der Schule des Jesuitenkollegs Worms die Inferiora, die untere Klasse.Jutta Kling: Das Jesuitenkollegium und das Fürstbischöfliche Gymnasium als höhere katholische Schulen des 17. und 18. Jahrhunderts und ihre Probleme in der protestantischen Freien Reichsstadt Worms. In: Burkard Keilmann (Hrsg.): 475 Jahre Rudi-Stephan-Gymnasium Worms. Festschrift zum Schuljubiläum = Humanitas Band 47. . Selbstverlag des Rudi-Stephan-Gymnasiums Worms, Worms 2002. Ohne ISBN, S. 53–65 (57). Seinen Wunsch, als Missionar nach Indien zu gehen, lehnte der Orden 1617 ab. 1619–1623 studierte er Theologie in Mainz und wurde am 28. März 1622 im Mainzer Dom zum Priester geweiht. Nach seinem Studienabschluss arbeitete er 1623–1626 als Dozent an der Jesuiten-Universität in Paderborn und war in Paderborn Domprediger.westfaelische-geschichte s.v. 1631; 1629–1630: Er absolvierte in Speyer (1626/27) sein Tertiat, das dritte Probejahr des Ordens.
Ab Herbst 1627 lehrte Spee an den Kollegs in Wesel und Köln und entwarf für die Seelsorge der Kölner Devotessen (fromme Frauen) geistliche Texte, die später als Das Güldene Tugendbuch veröffentlicht wurden. Es ist eine Art Andachtsbuch über die drei göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe.
Im Oktober 1628 bekam er den Auftrag, in Peine die Rekatholisierung durchzusetzen. Die Peiner Bürger wurden vor die Wahl gestellt, die Stadt zu verlassen oder den katholischen Glauben anzunehmen. Es wird vermutet, dass dies der Anlass für den Angriff auf Friedrich Spee im Jahr 1629 war, bei dem er schwer verletzt wurde.Joachim Lehrmann: Für und wider den Wahn – Hexenverfolgung im Hochstift Hildesheim. Lehrte 2000, ISBN 978-3-9803642-3-2, S. 184 ff.
Nachdem Friedrich sich von seinen Verletzungen erholt hatte, erhielt er 1629 eine Professur für Moraltheologie in Paderborn, die ihm aufgrund starker Widerstände im Orden gegen seine Lehrinhalte bereits 1631 wieder entzogen wurde.Emmy Rosenfeld: Friedrich Spee von Langenfeld. Eine Stimme in der Wüste (= Quellen und Forschungen zur Sprach- und Kulturgeschichte der germanischen Völker. Neue Folge, 2). Walter de Gruyter & Co., Berlin 1958, S. 61 f. ().
1630 wandte sich der Ordensgeneral der Jesuiten, Pater Vitelleschi, gegen ein disziplinarisches Vorgehen im „Fall Spee“, konnte aber dessen Amtsenthebung 1631 nicht verhindern. Noch im Januar 1632 sprach sich Vitelleschi für die Wiedereinsetzung Spees als Professor für Moraltheologie aus, im August desselben Jahres, nach Erscheinen einer anonymen Ausgabe der Cautio Criminalis, jedoch für eine Entlassung aus der Gesellschaft Jesu.Emmy Rosenfeld: Friedrich Spee […]. 1958, S. 61–74.
1633, zwei Jahre nach Veröffentlichung der Cautio Criminalis, versetzte ihn der Orden als Professor für Kasuistik und Beichtvater der Gefängnisse und Krankenhäuser nach Trier. Dort vollendete Spee die vermutlich bereits zehn Jahre früher begonnene „Trutznachtigall“, eine Sammlung mit kunstvollen lyrischen Gedichten und heute noch bekannten Kirchenliedern, die posthum 1649 in Köln erschien.
Bei der Betreuung und Pflege von verwundeten und pestkranken Soldaten in Trier steckte er sich an und starb am 7. August 1635 im Alter von 44 Jahren. Sein Leichnam liegt in einer nach ihm benannten Gruft unter der Trierer Jesuitenkirche am Trierer Priesterseminar, dem ehemaligen Jesuitenkolleg, begraben. Dort hatte man ihn zunächst zwischen seinen Mitbrüdern bestattet, erst 1980 konnte sein Grab bei archäologischen Untersuchungen identifiziert werden. Die Gruft wurde daraufhin restauriert und zugänglich gemacht, Spees Gebeine ruhen heute in einem dort aufgestellten, spätantiken Sarkophag.
Kritik an Folter und Hexenwahn mini|hochkant|Erstdruck der Cautio Criminalis 1631 Etwa zur gleichen Zeit wie Johann Matthäus Meyfarts Christliche Erinnerung im Luthertum und 30 Jahre nach dem „Gründlichen Bericht von Zauberey und Zauberern“ von Anton Praetorius erschien Spees Schrift Cautio Criminalis im Mai 1631 anonym, die im katholischen Bereich erste Einwendungen gegen Folter und Hexenglauben vortrug. Ein deutlicherer Titel wie etwa „Wider den Hexenwahn“ wäre ein klarer Verstoß gegen allgemein herrschende Überzeugungen gewesen. Schon die Bezeichnung cautio – Vorsicht war geeignet, den Verfasser (sowie Drucker und Verleger) noch in Verdacht zu bringen, Hexen in Schutz zu nehmen und so die Partei des Satans zu stärken, weshalb die Schrift nur anonym erscheinen konnte.
Nach neueren Forschungen (Franz 2001, S. 122f) ist es nicht sicher, ob Spee als Beichtvater der „Hexerei“ angeklagte Frauen betreute oder zum Scheiterhaufen begleitete. Gewiss aber hat er während seines Aufenthalts in Zentren der Hexenverfolgung (Köln, Trier, Würzburg, Mainz, Speyer und Paderborn) Hexenprozesse beobachtet. Entgegen der damaligen Rechtsauffassung gab er zu bedenken, dass Folter möglicherweise nicht der Wahrheitsfindung diene. Daraus leitete er die damals kühne Vermutung her, die verdächtigten Frauen seien unschuldig, obwohl sie unter Folter gestanden hatten. Innerhalb der Gesellschaft Jesu konnte seine Autorschaft an der gefährlichen Schrift nicht verborgen bleiben, und zeitweise drohte ihm die Entlassung aus dem Orden. Neuere Forschungsergebnisse lassen jedoch darauf schließen, dass die zweite Auflage der Cautio Criminalis (1632) mit Billigung der Provinzialleitung der Jesuiten erschienen ist. Die juristische Umsetzung der Ansichten Spees erfolgte später vor allem durch Christian Thomasius,Emmy Rosenfeld (1958), S. 294–352 (Die Cautio Criminalis), hier: S. 329 f. und 344–346. der wesentlich zur Abschaffung der Hexenprozesse beitrug.
Eine Schwägerin von Friedrich Spee, Anna Spee von Langenfeld, Ehefrau seines Halbbruders oder Vetters Robert Spee von Langenfeld, wurde am 20. September 1631 als „Hexenkönigin von Bruchhausen“ hingerichtet.Frank Wegerhoff, Heiko Schäfer, WDR-Fernseh-Dokumentation: Vorfahren gesucht – Wolfgang Niedecken; Rainer Decker: Neue Quellen zu Friedrich Spee von Langenfeld und seiner Familie. In: Westfälische Zeitschrift. 165, 2015, S. 160 f. (lwl.org PDF).
Der Lyriker Trutznachtigall mini|links|hochkant|Die Trutznachtigall in einer Handschrift des Verfassers mini|hochkant|Trutz Nachtigal, oder Geistlichs-Poetisch Lust-Waldlein, Köln 1649 Spees lyrisches Hauptwerk bildet eine kunstvoll zusammengestellte Sammlung von 52 geistlichen Gesängen Trutznachtigall oder geistlich-poetisch Lustwäldlein, die erst posthum im Jahre 1649 bei Wilhelm Friessem in Köln erschien. In ihr zeigt sich Spee als sehr eigenständiger und origineller barocker Dichter, dem es nach eigenem Bekunden um nichts anderes geht, „als dass Gott auch in deutscher Sprach seine Poeten hätte, die sein Lob und Namen ebenso künstlich als andere in ihren Sprachen singen und verkünden können“
Neben seiner heimisch-ripuarischen Sprache verwendete er (etwa in der „Trutznachtigall“) auch Idiome der von ihm erlernten Mainzer, Würzburger und anderer süddeutscher Dialekte.Emmy Rosenfeld (1958), S. 225 ().
Spee erweist sich darin als poeta doctus, der formal an die antike Schäferlyrik, insbesondere des Vergil,Emmy Rosenfeld: Friedrich Spee von Langenfeld. Eine Stimme in der Wüste. 1958, S. 232–255 (Geistliches Arkadien), insbesondere S. 246–250. anknüpft, deren heidnische Bildsprache jedoch in den motivischen Zusammenhang einer theologisch bzw. christologisch akzentuierten, geistlichen Passionslyrik überführt. Spee gilt seit seiner Wiederentdeckung während der deutschen Romantik als der bedeutendste katholische Dichter des deutschen Barock. Seine Bildsprache und die dem modernen Leser fremde Tradition der Schäferdichtung können den Zugang heute jedoch erschweren.
Kirchenlieder und geistliche Lieder mini|hochkant|Diese anonyme, Spee zugeschriebene Schrift von 1622 enthält den Erstdruck des Liedes O Heiland, reiß die Himmel auf. Neben der Trutznachtigall hat Friedrich Spee auch eine große Zahl von Kirchenliedern verfasst, die allerdings alle anonym erschienen sind.Karl Keller: Friedrich Spee von Langenfeld (1591–1635). Leben und Werk des Seelsorgers und Dichters. Keuck, Geldern 1990, S. 64–113. Einige dieser Lieder erfreuen sich bis heute großer Beliebtheit und finden sich in den modernen Gesangbüchern der beiden großen Konfessionen. Im katholischen Gebet- und Gesangbuch Gotteslob von 1975 bzw. 2013 finden sich das Adventslied O Heiland, reiß die Himmel auf, das Weihnachtslied Zu Bethlehem geboren, das Passionslied O Traurigkeit, o Herzeleid, die Heiligenlieder Ihr Freunde Gottes allzugleich und Unüberwindlich starker Held (nur Gotteslob 1975), das Marienlied Lasst uns erfreuen herzlich sehr sowie die Osterlieder Die ganze Welt, Herr Jesu Christ und Ist das der Leib, Herr Jesu Christ. Auch das Weihnachtslied Vom Himmel hoch, o Engel, kommt (abgedruckt in einigen Regionalteilen des Evangelischen Gesangbuchs) wird ihm zugeschrieben. Im Gesangbuch der Evangelisch-methodistischen Kirche findet sich sein Osterlied Christus ist auferstanden von 1623.
Der geistliche Schriftsteller mini|hochkant|Statue von Heinrich Gerhard Bücker in Paderborn