Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der italienischen Fußballnationalmannschaft bei Europameisterschaften. Italien nahm 2024 zum elften Mal an der Endrunde zur Europameisterschaft teil und wurde zweimal Europameister, sowie zweimal Zweiter, wobei im Endspiel jeweils gegen den amtierenden Weltmeister verloren wurde.
Übersicht Italien nahm 2024 zum elften Mal an der Endrunde zur Europameisterschaft teil und war zweimal Gastgeber. Die bislang besten Ergebnisse sind der erste Platz im Jahr 1968 und 2021 sowie die zweiten Plätze 2000 und 2012.
Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Letzte(r) Gegner Ergebnis Trainer Bemerkungen und Besonderheiten 1960 Frankreich nicht teilgenommen 1964 Spanien nicht qualifiziert Im Achtelfinale am Titelverteidiger und späteren Vizeeuropameister UdSSR gescheitert. 1968 Italien Finale Jugoslawien Europameister Sieg im Wiederholungsspiel 1972 Belgien nicht qualifiziert Im Viertelfinale am späteren Dritten Belgien gescheitert. 1976 Jugoslawien nicht qualifiziert In der Qualifikation am späteren Dritten Niederlande gescheitert. 1980 Italien Spiel um Platz 3 Tschechoslowakei Vierter Niederlage im Elfmeterschießen des letzten EM-Spiels um Platz 3 1984 Frankreich nicht qualifiziert Als Weltmeister in der Qualifikation an Rumänien gescheitert. 1988 Deutschland Halbfinale UdSSR 4. 1992 Schweden nicht qualifiziert In der Qualifikation an der UdSSR gescheitert. 1996 England Vorrunde Deutschland, Russland, Tschechien 10. Nach einem Sieg gegen Russland, einer Niederlage gegen den späteren Vizeeuropameister Tschechien, und einem Remis gegen den späteren Europameister Deutschland als Gruppendritter ausgeschieden. 2000 Belgien und Niederlande Finale Frankreich Vizeeuropameister Niederlage durch Golden Goal 2004 Portugal Vorrunde Bulgarien, Dänemark, Schweden 9. Nach zwei Remis gegen Dänemark und Schweden sowie einem Sieg gegen Bulgarien aufgrund des schlechteren Torverhältnisses als Gruppendritter ausgeschieden. 2008 Österreich und Schweiz Viertelfinale Spanien 8. Niederlage im Elfmeterschießen gegen den späteren Europameister 2012 Polen und Ukraine Finale Spanien Vizeeuropameister In der Vorrunde trafen die Italiener auf Weltmeister und Titelverteidiger Spanien, Kroatien und Irland. Im Viertelfinale wurde England besiegt, im Halbfinale Deutschland. 2016 Frankreich Viertelfinale Deutschland 5. Antonio Conte Nach Siegen gegen Belgien und Schweden stand Italien schon vor dem letzten Gruppenspiel gegen Irland als Gruppensieger fest. Im Achtelfinale wurde Titelverteidiger Spanien entthront. Im Viertelfinal erstmals gegen Deutschland bei einem Turnier ausgeschieden (Niederlage im Elfmeterschießen) 2021 Europa Finale England Europameister Roberto Mancini Italien bestritt in der Gruppenphase drei Spiele in Rom. Im Achtelfinale wurde Österreich, im Viertelfinale Belgien und im Halbfinale Spanien (nach Elfmeterschießen) bezwungen. Im Finale setzte Italien sich im Elfmeterschießen gegen England durch. 2024 Deutschland AchtelfinaleSchweiz Luciano Spalletti Gegner in der Qualifikation waren England, die Ukraine, Nordmazedonien und Malta. Gegner bei der Endrunde in der Gruppenphase waren Albanien, Spanien und Kroatien.
Endrunden mit vier Teilnehmern EM 1960 An der ersten Fußball-Europameisterschaft 1960, die noch als „Europapokal der Nationen“ ausgetragen wurde, nahm Italien wie viele andere Mannschaften nicht teil.
EM 1964 Vier Jahre später wollten schon mehr Mannschaften als 1960 teilnehmen, darunter auch Italien. Daher wurde dem Achtelfinale eine Vorrunde vorgeschaltet. Italien, das seit dem Vorrundenaus bei der WM 1962 von Edmondo Fabbri trainiert wurde, musste gegen die Türkei antreten und gewann das Heimspiel mit 6:0 und das Rückspiel mit 1:0. Im Achtelfinale trafen sie auf Titelverteidiger Sowjetunion und verloren in Moskau mit 0:2. Im Rückspiel in Rom reichte es nur zu einem 1:1, so dass Italien ausschied. Fabbri blieb zunächst im Amt, nach dem sensationellen Vorrundenaus bei der WM 1966 gegen Nordkorea endete aber seine Zeit als Nationaltrainer. Die UdSSR erreichte dann erneut die Endrunde und das Finale, verlor dort aber den Titel an Spanien.
EM 1968 links|mini|Aufstellungen im ersten Finalspiel mini|Die Mannschaft auf einer adschmanischen Briefmarke mini|Aufstellungen im zweiten Finalspiel
Für die Fußball-Europameisterschaft 1968 wurden in der Qualifikation erstmals Gruppenspiele angesetzt. Italien musste gegen Rumänien, die Schweiz und Zypern antreten. Italien, seit 1967 alleinverantwortlich von Ferruccio Valcareggi trainiert, gewann fünf Spiele und spielte einmal remis in der Schweiz. Damit war Italien mit fünf Punkten Vorsprung vor Rumänien als Gruppensieger für das Viertelfinale qualifiziert. In diesem trafen sie auf Bulgarien. Nach einem 2:3 in Sofia konnten sie sich mit einem 2:0 im Rückspiel in Neapel für die Endrunde qualifizieren, die sie dann auch ausrichten durften.
Im Halbfinale am 5. Juni 1968 trafen sie in Neapel auf Vizeeuropameister Sowjetunion. Da beiden Mannschaften in 120 Minuten kein Tor gelang, musste zum einzigen Mal bei einer EM das Los entscheiden. Der deutsche Schiedsrichter Kurt Tschenscher wollte eigentlich die Münzentscheidung im Mittelkreis des Spielfeldes im Beisein der beiden Mannschaftskapitäne Giacinto Facchetti und Jurij Istomyn vornehmen. Dagegen wandten sich die beiden Verbandspräsidenten Walentin Granatkin und Artemio Franchi, die verlangten, den Münzwurf in einem geschlossenen Raum durchzuführen. Beide trafen sich zusammen mit dem Schiedsrichter in dessen Kabine, während die beiden Mannschaftskapitäne vor der Kabinentür und die Mannschaften auf dem Platz warten mussten. Granatkin verlangte zunächst einen Probewurf, der zweite Wurf sollte der entscheidende sein. Italien wurde hierdurch als Sieger ermittelt. Hätte schon der erste gegolten, wäre die UdSSR ins Endspiel eingezogen.Diese Darstellung des Geschehens stammt vom Schiedsrichter in einem , im Spielbericht der UEFA waren es die beiden Kapitäne, die mit Betreuern in der Kabine am Münzwurf teilnahmen und die UEFA nennt in der Spielaufstellung Albert Schesternjow als Kapitän. Da alle Beteiligten den Münzwurf als große Ungerechtigkeit empfanden, wurde er bei internationalen Turnieren kaum noch angewandt.
Siehe auch: Liste der Losentscheide im Fußball
Im Finale trafen die Italiener dann auf die Jugoslawien, die sich in ihrem Halbfinale gegen Weltmeister England durchgesetzt hatten. Zwar trafen diesmal sowohl Italiener als auch Jugoslawen, aber beide nur je einmal in 120 Minuten. Diesmal gab es aber keinen Losentscheid, sondern ein Wiederholungsspiel zwei Tage später. Dieses gewann Italien mit 2:0 und wurde damit als erste Mannschaft, die zuvor bereits Weltmeister und Olympiasieger geworden war, auch Europameister und zog damit mit Uruguay gleich, das ebenfalls schon Welt- und Südamerikameister sowie Olympiasieger gewesen war. Luigi Riva wurde zudem mit sieben Toren Torschützenkönig des gesamten Wettbewerbs.
EM 1972 Für die EM-Endrunde 1972 konnte sich Italien dann – obwohl als Vizeweltmeister favorisiert – nicht qualifizieren. In einer Gruppe mit Irland, Österreich und Schweden konnte Italien zwar mit vier Siegen und zwei Remis Gruppensieger werden, scheiterte dann aber überraschend im Viertelfinale an Belgien, das die Endrunde danach ausrichten durfte und Dritter wurde. Valcareggi blieb zunächst im Amt, aber nach dem Vorrundenaus bei der WM 1974 endete seine Amtszeit als Nationaltrainer.
EM 1976 1976 wurde die Endrunde letztmals mit vier Mannschaften ausgetragen. Italien scheiterte nach dem Vorrundenaus bei der WM 1974, nachdem zunächst Fulvio Bernardini das Traineramt übernommen hatte, diesmal bereits in der Gruppenphase an Vizeweltmeister Niederlande und dem WM-Dritten Polen, gegen den bei der WM 1974 das überraschende Vorrundenaus gekommen war und gegen den nun nur zwei torlose Remis gelangen. Lediglich Finnland, gegen das im Heimspiel aber auch nur 0:0 gespielt wurde, konnten die Italiener noch hinter sich lassen. Noch in der laufenden Qualifikation übernahm Enzo Bearzot das Traineramt. Er konnte das Blatt zwar nicht wenden, blieb aber im Amt und führte Italien anschließend zu vier großen Turnieren und errang bei der WM 1982 mit Italien den WM-Titel. Die Niederländer erreichten als Gruppensieger dann auch die Endrunde in Jugoslawien, scheiterten dort aber im Halbfinale überraschend an der Tschechoslowakei, die dann im Finale Titelverteidiger Deutschland durch Elfmeterschießen entthronte, das auch nach den Erfahrungen des EM-Halbfinales von 1968 eingeführt worden war.
Endrunden mit acht Teilnehmern EM 1980 Die Fußball-Europameisterschaft 1980 wurde erstmals mit acht Mannschaften ausgetragen und erstmals stand der Gastgeber vorab fest, so dass er sich nicht qualifizieren musste. Als Ausrichter hatten sich die Bundesrepublik Deutschland, England, Griechenland, Italien, die Niederlande und die Schweiz ins Spiel gebracht.Dietrich Schulze-Marmeling: Die Geschichte der Fußball-Europameisterschaft, Verlag Die Werkstatt, ISBN 978-3-89533-553-2 Am 19. Oktober 1977 teilte die UEFA mit, das England oder Italien die EM ausrichten sollten und am 12. November 1977 wurde Italien als Ausrichter bekannt gegeben. Italien musste sich daher nicht qualifizieren.
Bei der Endrunde fand nun erstmals eine Gruppenphase statt, bei der je 4 Mannschaften einmal gegen jede andere spielte und die beste Mannschaft jeder Gruppe direkt das Finale erreichte, während die zweitbeste Mannschaft das letztmals ausgetragene Spiel um Platz 3 bestritt. Italien traf im ersten Spiel auf Spanien und kam nur zu einem torlosen Remis. Im zweiten Spiel gegen England gewannen sie durch ein Tor von Marco Tardelli in der 79. Minute mit 1:0. Da der dritte Gruppengegner Belgien gegen Spanien mit 2:1 gewonnen und gegen England 1:1 gespielt hatte, hatten Italien und Belgien vor dem letzten Spiel beide 3:1 Punkte und die gleiche Tordifferenz, die Belgier aber insgesamt mehr Tore erzielt. Belgien reichte daher ein Remis gegen Italien, um ins Finale einzuziehen, Italien musste gewinnen. Die belgische Mannschaft von Trainer Guy Thys hatte die Abseitsfalle perfektioniert und den Italienern gelang es kaum diese zu überwinden oder sie scheiterten am belgischen Torwart Jean-Marie Pfaff, so dass das Spiel 0:0 ausging. Belgien stand damit im Finale von Rom, wo gegen Deutschland verloren wurde, das damit als erste Mannschaft zum zweiten Mal Europameister wurde. Italien verlor das Spiel um Platz 3 gegen den entthronten Titelverteidiger Tschechoslowakei im Elfmeterschießen mit 8:9.
EM 1984 In der Qualifikation für die EM 1984 in Frankreich mussten die Italiener, die bei der WM 1982 Weltmeister geworden waren und damit als Favorit galten, in Gruppe 5 gegen Rumänien, Schweden, die Tschechoslowakei und Zypern antreten. Die Italiener begannen mit drei Unentschieden, verloren dann vier Spiele und gewannen nur das letzte Spiele gegen Zypern, so dass am Ende nur der enttäuschende vierte Platz erreicht wurde. Dennoch blieb Bearzot zunächst weiter im Amt. Gruppensieger wurde Rumänien, das aber bei der Endrunde in der Gruppenphase scheiterte.
EM 1988 Die Qualifikation für die EM in Deutschland lief dann besser. Trainiert wurden sie nun von Azeglio Vicini, der nach dem Achtelfinalaus bei der WM 1986 Altmeister Enzo Bearzot gefolgt war. In einer Gruppe mit wieder Schweden sowie Portugal, der Schweiz und Malta, in der nur Malta kein Spiel gewann, wurde Italien mit sechs Siegen, einem Remis und einer Niederlage Gruppensieger.