Die Dritte Schlacht an der Aisne vom 27. Mai bis 6. Juni 1918, von deutscher Seite unter den Decknamen Blücher- und Yorck Angriff, auch als Schlacht bei Soissons und Reims bezeichnet, war eine Offensive im Rahmen der deutschen Frühjahrsoffensive 1918. Sie begann Ende Mai 1918 an der mittleren Westfront und war ein weiterer Versuch, den Sieg an der Westfront zu erzwingen. Am 29. Mai fiel Soissons in deutsche Hand, wie beim Unternehmen Michael brachte der Angriff anfangs erheblichen Geländegewinn, die Marne wurde wie im September 1914 auf breiter Linie erreicht, die Überschreitung des Flusses gelang aber im Gegensatz zum ersten Kriegsjahr nicht mehr. In der Schlussphase war ein großer Frontbogen geschlagen. Die deutschen Kräfte reichten aber für die Fortsetzung des Angriffes nicht aus; er drang seit Anfang Juni gegen den Widerstand der erneut erstarkenden Truppen der Entente nicht mehr weiter vor.

Vorgeschichte mini|links|hochkant|Übersicht der deutschen Offensiven an der Westfront im ersten Halbjahr 1918

Die von der deutschen Obersten Heeresleitung entfachte Frühjahrsoffensive wurde am 21. März 1918 aus der Frontlinie St. Quentin-Cambrai eröffnet und sah die Trennung der britischen von der französischen Armee vor. Der „Michael-Angriff“ wurde nach beachtlichen Anfangserfolgen und Geländegewinn im Gebiet der Somme bis Anfang April durch gegnerische Gegenangriffe im Raum Amiens und Montdidier vollständig zum Erliegen gebracht. Auch die am 9. April eingeleitete Vierte Flandernschlacht („Georg-Angriff“) brachte nicht den erhofften Erfolg. Nach einer Pause von vier Wochen glaubten Generalfeldmarschall von Hindenburg und General Ludendorff einen weiteren Angriff an der mittleren Westfront an der Aisne wagen zu können, um dem Krieg die erhoffte Wende zu bringen.

Am 1. Mai 1918 trat auf der gegnerischen Seite der Oberste Kriegsrat der Entente in Abbeville zusammen, der Oberbefehlshaber General Foch forderte dabei monatlich die Verstärkung der Fronttruppen durch jeweils 12.000 amerikanischen Soldaten, um die anfallenden Verluste ausgleichen zu können. Dem Wunsch des amerikanischen Befehlshabers in Frankreich, General John Pershing, möglichst bald eine geschlossene US-Armee an der Westfront einsetzen zu können, wurde vorerst noch nicht entsprochen. Anfang Mai standen bereits 400.000 Amerikaner in Frankreich, doch waren nur sieben Divisionen vollständig für den Großkampf eintrainiert. Die bereits ausgebildete 1. US-Division bewährte sich bereits im April zur Unterstützung der französischen Front im Raum Cantigny, drei weitere amerikanische Divisionen waren bereits in Lothringen als Reserve bei der östlichen französischen Heeresgruppe eingesetzt. Zu dieser Zeit besaß die Entente bereits ein deutliches materielles Übergewicht gegenüber den Deutschen; bei der Artillerie (18.500 gegen 17.500 Geschütze), an Kampfwagen (etwa 500 französische und 400 englische gegenüber etwa 30 deutschen) und an Flugzeugen (4.500 gegenüber 2.800).

Planung mini|hochkant|Max von Boehn

Die Heeresgruppe „Deutscher Kronprinz“ sollte unter dem Decknamen „Blücher“ die Operation vom September 1914 wiederholen und über die Aisne den direkten Durchbruch auf Paris erzwingen. Das Bergland um Laon bot der dafür bestimmten 7. Armee günstige Vorbedingungen zur Verschleierung der Angriffsvorbereitungen. Der Hauptangriff wurde durch den Oberbefehlshaber Generaloberst von Boehn und dessen Stabschef Oberst Reinhardt organisiert. Die 7. Armee lag mit ihrem rechten Flügel zwischen der Einmündung der Ailette in die Oise und mit dem linken Flügel im Raum nordöstlich von Reims. Die im Raum beiderseits Reims haltende 1. Armee unter General der Infanterie von Below hatte sich im Rahmen des „Goerz-Angriffes“ nach der Gewinnung des Aisne-Marne-Kanals zwischen Berry-au-Bac und Loivre mit ihrem rechten Flügel der Offensive anzuschließen.

Für den Angriff des rechten Flügels der 1. Armee (Gruppe „Brimont“ und linker Flügel der Gruppe „Schmettow“) war es dabei entscheidend, dass der Angriff des linken Flügels der 7. Armee erfolgreich anlief. Sobald die Umgruppierung der nötigen Angriffsartillerie vollzogen wäre, hätte unter dem Decknamen „Yorck-Angriff“, auch der linke Flügel der 18. Armee östlich Noyon über die Oise und auch das noch defensiv stehende VII. Armee-Korps unter General von François über die Ailette anzugreifen. Der Zeitpunkt für ein neuerliches Antreten der Südfront der 18. Armee, aus dem Raum westlich von Noyon bis zu der Höhe von Montdidier hing vom Erfolg der 7. Armee ab.

Während die Offensive lief, wurde zwischen 27. Mai bis zum 2. Juni zur Ablenkung auf dem inneren Flügel der 2. und 17. Armee die alte Angriffsrichtung gegen Amiens wieder aufgenommen.

Das Einrücken der Sturmtruppen der 7. Armee in die 55 Kilometer breite Ausgangsstellung zwischen Vauxaillon und Brimont fand erst vor der Angriffsnacht statt. Für den Angriff der 7. Armee waren im ersten Treffen 18 Divisionen in fünf Korpsgruppen angesetzt, an beiden Flügeln sollten zwei Generalkommandos – eines im Raum Noyon und eines bei Reims – decken, während den drei übrigen Korps in der Mitte der Durchbruch über die Aisne befohlen war.

Aufmarsch der Kräfte Für den „Blücher-Angriff“ verfügte die 7. Armee über insgesamt 29 Divisionen an Infanterie, dazu kamen 1158 Batterien, davon 1631 schwere Geschütze und 1233 Minenwerfer (4.630 Geschütze) und etwa 500 Flugzeuge.

Der rechte Flügel, der gegen den Ailette-Abschnitt und Soissons angesetzt war, bildete sich aus der Gruppe „François“ (Generalkommando VII. Armee-Korps) mit der 211. und 241. Infanterie-Division Gruppe „Larisch“ (Generalkommando 54) mit der 5. und 6. Infanterie-Division in Front und der 6. bayerischen Reserve-Division dahinter. In der Mitte gegen den Höhenzug des Chemin des Dames waren drei Korpsgruppen angesetzt Gruppe „Wichura“ (Generalkommando VIII. Reserve-Korps) mit der 14. Reserve-Division, der 37. und 113. Infanterie-Division, dahinter die 197. Infanterie-Division sowie die noch am ersten Angriffstag herausgelöste 13. Landwehr-Division im zweiten Treffen. Gruppe „Winckler“ (Generalkommando XXV. Reserve-Korps) führte mit der 1. Garde-Division, 33. Infanterie- und 10. Reserve-Division den Hauptstoß, in zweiter Linie war die 231. Infanterie-Division angesetzt. Gruppe „Conta“ (Generalkommando IV. Reserve-Korps) mit der 10. und 28. Infanterie-Division, sowie der 5. Garde-Division im ersten und der 103. Infanterie-Division im zweiten Treffen. Den linken Angriffsflügel der 7. Armee bildete die Gruppe „Schmettow“ (Generalkommando 65) mit der 50. und 52. Infanterie-Division vorne und der 7. Reserve-Division dahinter. die Gruppe „Brimont“ (Generalkommando XV. Armee-Korps) (33. Reserve-Division und 213. Infanterie-Division) der 1. Armee unterstützte die Offensive, weitere acht Divisionen (darunter die 45., 47., 51. Reserve-Division, 36., 115., 195., die 12. Bayrische und 2. Garde-Division) standen als Armeereserve bereit.Reichsarchiv: Der Weltkrieg 1914 bis 1918. Band XIV. (Beilagenband), Mittler & Sohn, Berlin 1944, Beilage 18.

Die gegenüberliegende französische 6. Armee unter General Denis Auguste Duchêne, verfügte am Angriffstag über 14 Infanterie- und 4 Kavalleriedivisionen (12 Infanteriedivisionen in erster Linie) und 1400 Geschütze.

Am linken Flügel der Armee Duchêne stand das XXX. Korps unter General Hippolyte-Alphonse Pénet an der Ailette 19. Division – Général Pierre Trouchaud bei Vaux 55. Division – Général Joseph Mangin bei Nampcel 151. Division – Général Pierre des Vallières bei Chavigny 2. Kavalleriedivision – Général Hennoque bei Vézaponin In der Mitte auf den Chemin des Dames folgte das XI. Korps unter General Louis Ernest de Maud’huy 21. Division – Général Dauvin bei Vailly-sur-Aisne 22. Division – Général Jean Renouard bei Euilly 61. Division – Général Louis Modelon bei Crouy 74. Division – Général Charles Lardemelle als Reserve in Osly-Courtil Nach rechts anschließend folgte das XXI. Korps unter General Jean-Marie Degoutte 39. Division – Général André Massenet bei Villers-Hélon 45. Division – Général Stanislas Naulin bei Chenay 157. Division – Général Joseph Bodin de Galembert, als Reserve in Braine Als rechter Flügel zwischen Craonne—Cormicy haltend, das britische IX. Korps unter Sir Alexander Hamilton-Gordon 8. Division – Generalmajor William Heneker bei Roucy 21. Division – Generalmajor David Graham Campbell bei Chalons le Vergeur 25. Division – Generalmajor Edmund Guy Bainbridge bei Montigny sur Vesle als Reserve: 50. Division – Generalmajor Henry Jackson bei Beaurieux Als Armee-Reserve hinter der Front, diente das I. Kavallerie-Korps unter Général Eugène Féraud 4. Kavalleriedivision – Général Paul Louis Alexandre Lavigne Delville bei Dormans 1. Kavalleriedivision – Général Joseph de Rascas de Château-Redon 5. Kavalleriedivision – Général Alphonse Lacombe de la Tour bei Pierry

Der Blücher-Angriff am 27. Mai mini|General Erich Ludendorff

mini|Britische Soldaten am Aisne-Abschnitt bei Maizy

Am 27. Mai um 2 Uhr morgens begannen die deutschen Batterien mit etwa 4000 Geschützen ein dreieinhalbstündiges Trommelfeuer. Nach dem Gasbeschuss wurden die erkundeten feindlichen Artilleriestellungen 65 Minuten lang beschossen, danach wurde das Feuer weitere 85 Minuten lang gegen die wichtigsten Transport- und Nachschublinien der Franzosen konzentriert. Gegen 4:35 Uhr wurde das Feuer für fünf Minuten auf die erste französische Hauptkampflinie gerichtet, dann folgte der Angriff der deutschen Infanterie unter Deckung der jetzt vorverlegten Feuerwalze.

Die französische 6. Armee hatte ihre Reserven im Einklang mit antiquierten Taktiken nahe dem Frontbereich konzentriert und wurde von der neuen deutschen Offensivtaktik überrascht.

Die deutschen Reserve-Korps Conta, Wichura und Winckler griffen im ersten Treffen mit 15 Divisionen am Abschnitt Vauxaillon–Winterberg–Villerberg an. Die feindliche Verteidigung, sechs französische und drei britische Divisionen, wurde schnell niedergekämpft. Die britische 150. Brigade unter Brigadier-General Hubert Rees kam dabei geschlossen in deutsche Gefangenschaft. Die 10. und 28. Division liefen anfangs an den Nordhängen der Höhenstellung fest. Der Angriff der 14. Reserve-Division nördlich von Celles kam vor der zweiten französischen Stellung zum Stehen. Die 113. Infanterie-Division brach bereits mittags überraschend in Vailly-sur-Aisne ein und bemächtigte sich der unzerstörten Aisne-Brücke. Östlich des Waldes von Pinon erstürmte die Gruppe „Wichura“ zuerst die Höhenlinie vom Fort Malmaison bis Ostel, danach die Hochfläche nördlich von Condé. Gleichzeitig verlor das französische XI. Korps die Aisnelinie, welche von allen angreifenden deutschen Divisionen überschritten werden konnte. Noch am Vormittag wurde die Aisne zwischen Vailly und Maizy überschritten, die zweite Stellung der noch haltenden französischen 157. Division wurde durchbrochen. Unterdessen überschritten die 33. Division bei Pont-Arcy und die 10. Reserve-Division bei Bourg die Aisne. Die Vorhut der 10. Reserve-Division hatte über Bazoches vorgehend bis zum Abend die Vesle westlich von Fismes erreicht. Die 28. Division stand vor Fismes, die 10. Reserve-Division erreichte östlich von Courcelles den Fluss.

Der rechte Flügel der 1. Armee, die Gruppe Brimont, trat südlich der Aisne eine Stunde später als die Gruppe „Schmettow“ an und erreichte ohne Schwierigkeiten ihre Angriffsziele, die zwischen Cormicy und weiter den Aisne-Marne-Kanal entlang bis Loivre gesteckt waren. Am Abend des ersten Angrifftages konnte die Front der 7. Armee auf 25 Kilometer Breite um bis zu zwanzig Kilometer nach Süden und Südwesten vorgeschoben werden.

28. Mai