Die Ludwig & Jakob Götz GmbH & Co. KG ist eine vormals in Neckarsteinach, heute in Germersheim angesiedelte, in der Binnenschifffahrt und der Containerlogistik tätige traditionsreiche deutsche Reederei.

Ihr Ursprung steht im Zusammenhang mit der im 19. Jahrhundert erfolgten Tullaschen Oberrheinregulierung. Dafür benötigtes Material wurde aus mehreren von der Familie Götz am unteren Neckar betriebenen Steinbrüchen auf dem Neckar zum Rhein transportiert. Heute ist das Unternehmen Teil des in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässigen Hafenbetreibers DP World.

Aus ihrer Historie heraus zählte die Gründerfamilie zum altständischen Stadtbürgertum und trat zum Wirtschaftsbürgertum gerechnet letztlich ins Großbürgertum ein. Die der Ratsherrenschicht angehörende Metzgerfamilie Götz war im Sinsheim des 18. Jahrhunderts im äußerst begüterten besitzbürgerlichen Honoratiorentum verankert. Über die altwürttembergische Ehrbarkeit bestehen genealogische Relationen mit Repräsentanten des geistlichen Standes, die Bestandteil der deutschen Reformationsgeschichte sind.

Durch ihre ökonomische Stellung mit dem einhergehenden höheren gesellschaftlichen Rang lässt sich die Familie als eine Verkörperung der von Thomas Mann kreierten Buddenbrooks betrachten.

Geschichte Das in seiner heutigen Form 1920 gegründete Unternehmen wirkte an der Neckarkanalisierung ab den 1920er Jahren mit. Es nahm 1925 das erste motorisierte Frachtschiff auf dem Neckar in Betrieb und gilt damit als Begründerin der Motorgüterschifffahrt im Neckarraum.

mini|Die Rheinschleuse Iffezheim am Rheinkilometer 334, an deren Bau die Ludwig & Jakob Götz KG mitwirkte

Die Ludwig & Jakob Götz KG betrieb von 1960 bis 1970 Kiesabbau im unternehmenseigenen Kieswerk in Rheinbischofsheim. Dazu baute das Unternehmen den schmalen Seitenbach Groschenwasser zum 35 Meter breiten und 2,5 km langen Groschenwasserkanal aus. Anschließend wirkte das Unternehmen beim Ausbau des Rheins und seiner Nebenflüsse mit, unter anderem beim Bau der deutsch-französischen Staustufe Iffezheim.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab die Ludwig & Jakob Götz KG 1949 mit dem Motorgüterschiff MS Vierburgenstadt den ersten Neubau eines Binnengüterhandelsschiffs in Deutschland in Auftrag.

Aufträge für den internationalen Schiffbau erhielt die Ludwig & Jakob Götz KG von 1990 bis 2002 als Mehrheitseignerin der Neuen Germersheimer Schiffswerft. Das für den Senegal bestimmte Passagierschiff Le Joola galt als größtes seiner Art, das auf dem Oberrhein entstand.

1996 nahm das Unternehmen das Containerterminal am Stuttgarter Hafen in Betrieb und ist seitdem in der Containerlogistik tätig. Ein weiteres Terminal wird in Mannheim betrieben. 2015 gab der in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässige Hafenbetreiber DP World bekannt, dass er das Unternehmen übernehmen wolle.DP World will Reederei Götz in Neckarsteinach übernehmen, dvz.de, abgerufen am 14. Juli 2020. Nach erfolgter Übernahme wurde der Unternehmenssitz an den Sitz der deutschen Niederlassung von DP World nach Germersheim verlegt.Jahresabschluss per 31.12.2018, bundesanzeiger.de, abgerufen am 14. Juli 2020.

Familiengeschichte Die Stammlinie der Unternehmerfamilie beginnt mit dem das Bürgerrecht zu Sinsheim besitzenden Pachtschäfer Hans Götz. Seit 1657 als Pächter der Gemeindeschäferei im historischen Reichsdorf Richen urkundlich hinterlegt, pachtete Götz ab Michaelis 1693 gemeinschaftlich die Stadtschäferei zu Sinsheim. Die Pachtschäfer pflegten ein selbstwirtschaftendes Unternehmertum.

Wirtschaftsbürger und Honoratioren mini|Das 1798 gegründete Gasthaus Lamm gehörte als reines Wohnhaus um 1765 bis 1796 zu den umfangreichen Sinsheimer Besitzungen der Götz

Johannes Götz (1691–1734), der zu Richen geborene Sohn des Sinsheimer Bürgers Hans Götz, tritt als erster Meister im ehrbaren Metzgergewerk aus den Reihen der Familie auf. 1725 entsprachen die in der Vorstadt und am Marktplatz gelegenen Anwesen des Bürgers Johannes Götz, ohne den umfangreich vorhandenen Grundbesitz einzubeziehen, einem Geldwert von 3024 Gulden. Darunter neben zwei Bürgerhäusern eine „Zum weißen Röslein“ genannte Herberge in der äußeren Sinsheimer Vorstadt. Nachmaliger Eigentümer der Schildwirtschaft wurde mit Götz Schwager, ein als Metzgermeister tätiger Ratsherrensohn.

Johannes Götz hatte mit Johann Michael (1721–1789) und Johann Martin (1724–1765) zwei Söhne, die im väterlichen Handwerk nachfolgten. Anschließende Generationen übten ebenfalls das mit Viehhandel, Vermögen und gesellschaftlicher Achtung verbundene Metzgerhandwerk aus, das im 16. Jahrhundert sowohl von Angehörigen halbadeliger als auch ehrbarer Familien ergriffen wurde.

Die mit Pfarrerfamilien, Handelsleuten, Gasthaltern, Oberwundärzten, kaiserlichen Notaren, Amtleuten und Bürgermeistern anverwandte altständische Stadtbürgerfamilie Götz war in der ratsherrlichen Führungsschicht Sinsheims verwurzelt, mit der sie ein Konnubium sowie wechselseitige Patenschaften ausbildete. Familienmitglieder repräsentierten im Amt des Zunftmeisters die Sinsheimer Metzgerzunft, besetzten einen von insgesamt sieben Sitzen auf der Sinsheimer Ratsherrenbank, an deren Spitze sie als Ratsbürgermeister standen und gehörten im Rang eines Kirchenältesten dem Presbyterium an. Dadurch waren die Götz im Kreis der städtischen Honoratioren anzutreffen.

Johann Michael Götz, dessen Gemahlin Susanna Regina Ziegler (1729–1805) eine Ratsherrentochter war, brachte es vor 1755 auf ein Schatzungskapital von 675 Gulden. Ausschließlich sein Schwager, der in zwei Ehen mit Töchtern von Ratsverwandten aus Mosbach und Sinsheim vermählte Gasthalter „Zum Löwen“ übertraf zu diesem Zeitpunkt die Schatzung des Ratsherrn Götz um 196 Gulden. Ratsherr Johann Martin Ziegler (1713–1762) brachte es damit auf ein Kapitalvermögen von 43 550 Gulden.

1764 betrug das Schatzungskapital der beiden Brüder Johann Michael und Johann Martin Götz, welcher sich mit einer Bürgermeistertochter vermählt hatte, zusammen 2276 Gulden. Hingegen führte 1768 der Gastwirt „Zu den drei Königen“ Bassermann mit 614 Gulden Schatzungskapital den obersten Rang des vermögendsten Heidelberger Stadtbürgertums an. Anfänglich deutlich finanzschwächer als die ratsherrlichen Sinsheimer Götz galt die nachmalige Kaufmannsfamilie Bassermann späterhin als Idealbild des Wirtschafts- und Großbürgertums. Eine Realwerdung der Buddenbrooks, wie sie ebenso durch die Unternehmerfamilie Götz verkörpert wurde.

1782 kamen beide Metzgerbrüder Götz auf ein Schatzungskapital von 863 Gulden. Eine Summe, welche die Einkünfte des Kirchenfürsten Clemens Wenzeslaus von Sachsen als Koadjutor der Fürstpropstei Ellwangen im Zeitraum von 1770 bis 1787 übertrafen.

Eine Enkeltochter des zeitweiligen Ratsbürgermeisters Johann Michael Götz, die Ratsherrentochter Augusta Wirth (1811–1882) war Notabene mit dem bedeutenden Mannheimer Hoftheater-Maschinisten sowie Theaterdekorationsmaler Josef Mühldorfer verheiratet. Marie Mühldorfer (* 1836), die Urenkelin des Zunftmeisters der Sinsheimer Metzger Johann Michael Götz, ist die Gattin des Musikverlegers Emil Heckel, einem Freund von Richard und Cosima Wagner sowie Begründer des Deutschen Allgemeinen Richard-Wagner-Vereins gewesen.

Schifffahrt in Neckarsteinach mini|An der Korrektion des Rheins war Johann Friedrich II. Götz als Steinlieferant beteiligt. Ein Denkmal mit Namen Die Wege des Rheins in Leopoldshafen erinnert an die verkehrstechnisch bedeutende Rheinbegradigung

Die Schifffahrt ist in Neckarsteinach mit einer Fischer- bzw. Schifferzunft schon um 1150 nachgewiesen. Bereits in den Jahren 1474 und 1518 entstand die erste Flößereiordnung für Neckarsteinach. Der Wasserverkehr blieb dennoch lange Zeit den Schiffergilden vorbehalten, bevor 1832 die Neckarschifffahrtsordnung und 1868 die Mannheimer Akte die gewerbliche Freiheit auf dem Neckar und Rhein regelte. Neckarsteinach selbst zählte nach dem Krieg in den Jahren des Wirtschaftswunders zu den wichtigsten Schifferstädten Deutschlands.

Seit 1791 ist die innerhalb der altständisch-bürgerlichen Oberschicht verortet gewesene besitzbürgerliche Familie in Neckarsteinach belegt. So ließ sich Johann Friedrich Götz (1753–1814), Sohn des Johann Martin Götz, Zunftmeister der Metzger und Sinsheimer Bürger im Ort als Gasthofbesitzer „Zur Harfe“ nieder. Sein gleichnamiger Enkelsohn, der Metzgermeister Johann Friedrich II. Götz (1820–1892), war Inhaber der Gastwirtschaft „Zum Adler“. Seit der Liberalisierung der Neckarschifffahrt um 1870 betrieb der Gastwirt zusätzlich mehrere Steinbrüche im Neckartal, deren gewonnenes Gestein Götz mittels eigener Segelschleppkähne auf dem Fluss transportieren ließ. Die unter Johann Friedrich II. Götz gebrochenen und transportierten Steine fanden unter anderem bei der Rheinregulierung durch Johann Gottfried Tulla zur Befestigung des Flussbetts Verwendung. Dieses Steinschifffahrtsunternehmen bildete die Grundlage der Entwicklung hin zur Reederei.

Auf den Industriellen der Steinindustrie Johann Friedrich II. Götz geht zudem der Bau des 1892 fertiggestellten Neckarsteinacher Winterhafens zurück. Sein Sohn, der Schiffermeister und Steinbruchbesitzer Ludwig Friedrich Götz (1865–1922), und seine beiden Enkel, die Reeder und Steinbruchbesitzer Ludwig und Jakob Götz, führten das Steinschifffahrtsunternehmen weiter.

Geschichte der Reederei 1920 gründeten die Gebrüder Ludwig und Jakob Götz mit der Ludwig & Jakob Götz oHG das heutige Unternehmen, das die Nachkommen der beiden Gebrüder Götz als Gesellschafter fortführen.

Das Unternehmen wurde zunächst in der Rechtsform einer offenen Handelsgesellschaft (oHG) errichtet. Die Umwandlung in eine Kommanditgesellschaft erfolgte im Jahr 1952. 1998 wurde das Schifffahrtsunternehmen zur GmbH & Co. KG.

Die Familie Götz zählt durch ihre Unternehmen zu den namhaftesten Schiffergeschlechtern am Neckar.

Steinschifffahrt mini|Steinbruch Grenze gegenüber Pleutersbach

Die Familie Götz besaß folgende Steinbrüche auf hessischem und badischem Territorium:

Reiterberg oberhalb von Neckargemünd (um 1937 aufgegeben) Pfaffelter unterhalb Pleutersbach (um 1941 aufgegeben) Steinbruch in der Mossklinge, 5 km unterhalb von Eberbach (um 1955 aufgegeben) Hungerberg bei Hirschhorn (um 1958 aufgegeben) Grenze gegenüber von Pleutersbach (um 1963 aufgegeben) Brombacher Wasser (1975 aufgegeben)

Ein Teil dieser Steinbrüche bot Landwirten in der Region einen Nebenerwerb. Sie waren meist nicht das ganze Jahr hindurch in Betrieb und ruhten während der Erntezeit. Die gewonnenen Steine wurden mit Pferdefuhrwerken, später mit Rollwagen zu Verladeplätzen an der Neckarböschung gebracht und bis nach dem Zweiten Weltkrieg von Hand verladen, bevor in den 1960er und 1970er Jahren Förderbänder und Kranschiffe die Verladearbeit erleichterten. Stromabwärts verkehrten die anfangs noch unmotorisierten Frachtkähne aus eigener Kraft, stromaufwärts im Schlepptau von Schleppschiffen wie den auf dem Neckar installierten Kettenschleppdampfern.

Die in den Götz’schen Brüchen gebrochenen und transportierten Steine wurden vielfach als Wasserbausteine zur Befestigung der Uferbereiche der vom Unternehmen Götz befahrenen Flüsse genutzt. Sie fanden aber an Neckar und Rhein auch Verwendung für den Bau von Häusern. Unter anderem wurde Steinmaterial zum Bau der Fabrikanlagen der BASF in Mannheim und zum Bau zahlreicher Brunnen und Gebäude im Rheintal geliefert. Außer Steinen wurde auch Gips und Kies aus den Gruben des Rhein- und Neckartals transportiert.

Als in den 1920er Jahren die Neckarkanalisierung begann, erhielt die Reederei Götz bedeutende Aufträge in der Baustofflogistik des Projekts. Sie lieferte an die Wasserbauverwaltung in den Götz’schen Steinbrüchen gebrochene Wasserbausteine zum Ausbau des Neckars.