mini|Der Tod des Pietro Aretino von Anselm Feuerbach (1854) Der Tod durch Lachen (selten auch: Lachtod)Lachhafte Bilder, Sedimente des Komischen in der Kunst der frühen Neuzeit. In: Roland Kanz: Das Komische in der Kunst. Böhlau Verlag, Köln / Weimar 2007, ISBN 3-412-07206-0, S. 26; In Francisco de Quevedos Werk Los Sueños werden mehrere allegorische Tode genannt, darunter der Lachtod, gemäß: Gerald Stieg, Jean Marie Valentin: Ein Dichter braucht Ahnen: Elias Canetti und die europäische Tradition. Akten des Pariser Symposiums, 16.–18. November 1995. In: Jahrbuch für Internationale Germanistik, Band 44, H. Lang, Bern / Berlin u. a. 1997, S. 108 wurde bis zum 19. Jahrhundert als seltene Todesart beschrieben. Tatsächlich kann Lachen der Auslöser für Todesfälle sein, diese sind dann allerdings durch bereits vorliegende Krankheiten bedingt. In der Regel kommt es dabei zu Herzstillstand oder Ersticken (Asphyxie), die durch einen Lachanfall oder einen Affektkrampf ausgelöst werden. Bereits seit der Antike berichtete Vorfälle des plötzlichen Todes durch explosionshaftes oder andauerndes Lachen allein sind als Legenden und Anekdoten zu qualifizieren.
Medizinischer Hintergrund Lachen kann negative Auswirkungen auf Körperfunktionen haben. Umgekehrt können auch vorliegende Pathologien zu Lachanfällen führen. So kann Lachen Synkopen auslösen.Herbert Renz-Polster, Steffen Krautzig: Basislehrbuch Innere Medizin: kompakt-greifbar-verständlich. Elsevier, Urban & Fischer, 2012, ISBN 978-3-437-59210-2, S. 39; Lachen kann auch Kataplexie induzieren,Bettina Schmitz, Barbara Tettenborn: Paroxysmale Störungen in der Neurologie. Springer, 2006, ISBN 3-540-26665-8, S. 144; die ihrerseits zu Traumata führen kann. Hirninfarkte (Schädigung des Pons und der Medulla oblongata) können pathologische Lachkrämpfe verursachen. Auch gelastische (epileptische) Anfälle können zu grundlosen Lachanfällen führen,Günter Krämer: Epilepsie von A–Z: medizinische Fachwörter verstehen, TRIAS ärztlicher Rat. Georg Thieme Verlag, 2005, ISBN 3-8304-3229-1, S. 185. die in fokalen Läsionen an den Hypothalamus (Tuber cinereum) begründet sind.
Historische Darstellungen Berichte zu Lachtodesfällen gibt es seit dem Altertum. Noch im 19. Jahrhundert nahmen Mediziner an, dass Lachen selbst Todesursache sein könne. Im Grossen vollständigen Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste von Johann Heinrich Zedler aus der ersten Hälfte des 18. JahrhundertsMichael Fiam: Die Funktion von Lachen und Lächeln in der deutschen Literatur. Eine Untersuchung anhand ausgewählter Werke. Diplomarbeit, 2003, S. 5 f.; textfeld.ac.at wie auch in Johann Theodor Jablonskis Allgemeinem Lexicon der Künste und Wissenschaften von 1748 wurde beschrieben:
Ernst Anton Nicolai (1722–1802) beschrieb im Jahr 1746 die nachteiligen Folgen eines nicht gesteuerten Lachens durch Verlust des körperlich-geistigen Gleichgewichts, der zu Ohnmacht oder zum Tod durch Lachen führen könne.Karlheinz Barck, Martin Fontius (Hrsg.): Ästhetische Grundbegriffe (ÄGB): historisches Wörterbuch in sieben Bänden. Band 3. Metzler, 2001, ISBN 3-476-01657-9, S. 358. Grund sei, dass die rechte Herzkammer „sich nicht völlig von ihrem Blute entledigen kan“.Ernst Anton Nicolai, Christian G. Koetschke: Abhandlung von dem Lachen. Lüderwald, 1746, S. 52; Die 1806 herausgegebene Sammlung auserlesener Abhandlungen zum Gebrauche praktischer Aerzte sieht den Milzriss als eine tödliche Folge heftigen Lachens.Sammlung auserlesener Abhandlungen zum Gebrauche praktischer Aerzte, Band 89, Dyck, Leipzig 1806, S. 521; In diesem Zusammenhang liegt vermutlich die Herkunft des Ausdruckes „Sich die Seite vor Lachen halten“.auch: „die Seite vor Lachen zersprengen“: Sammlung auserlesener Abhandlungen zum Gebrauche praktischer Aerzte, Band 89, Dyck, 1806, S. 521; Und der Medizin-Professor Michael von Lenhossek (1773–1840) führte noch 1825 aus:
Im 1854 von William Löbe (1815–1891) herausgegebenen Illustrirten Lexikon der gesammten Wirtschaftskunde. Für alle Stände werden mehrere tödliche oder stark gesundheitsbeeinträchtigende Folgen des übermäßigen Lachens aufgezählt:
Überlieferte Fälle des angeblichen Lachtodes Antike Nach Sextus Pompeius Festus lachte sich Zeuxis von Herakleia beim Betrachten eines eigenen Gemäldes zu Tode. Philemon der Ältere soll sich über einen frechen Esel totgelacht haben.Heinrich Ernst Pöschl (Hrsg.): Thusnelda. Zeitschrift zur Bildung und Unterhaltung der Jugend; insbesondere der weiblichen, Band 5, Büreau der Thusnelda, 1841, S. 34; Nach Diogenes Laertius lachte sich auch Chrysippos von Soloi über einen frechen Esel tot.Jonny Wilkes: Historyextra.com, 2. September 2014 (englisch).Florian Herrmann: Strategien der Todesdarstellung in der Markuspassion: Ein literaturgeschichtlicher Vergleich. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2009, ISBN 978-3-525-55011-3, S. 270;
15. bis 19. Jahrhundert Im Jahr 1410 soll König Martin I. von Aragon an einer Verdauungsstörung (Indigestion) und einem unkontrollierten Lachausbruch verstorben sein.Paul N. Morris: cc.jyu.fi, 2000, S. 8 (englisch). Pietro Aretino soll nach einer Legende am 21. Oktober 1556 während eines Lachanfalles vom Stuhl gefallen sein und sich dabei das Genick gebrochen haben.Folke Gernert: Francisco Delicados „Retrato de la Lozana Andaluza“ und Pietro Aretinos „Sei giornate“. Librairie Droz, 1999, ISBN 978-2-600-00365-0, S. 18 (Kölner romanistische Arbeiten, Ausgabe 77); 1825 berichtete Lenhossek aus zweiter Hand über einen Mann, der als Zuschauer eines Lustspiels einen Lachkrampf erlitten habe und dabei plötzlich gestorben sei. 1843 wurde aus Prag berichtet, eine über hundert Jahre alte Frau sei bei der Betrachtung ihrer neuen Frisur im Spiegel in ein andauerndes Lachen verfallen und dabei plötzlich gestorben.Moderne Verzweifelungen. Tod durch Lachen beim Haarabschneiden In: Adolf Neustadt (d. i. Adolph Friedrich Richter): Pannonia. Welt- und Zeitgemälde zur Belehrung und Unterhaltung. Hrsg. Ig. Ad. Schaiba, 7. Jg., Preßburg 1843, S. 54 f.; Der Landwirt Wesley Parsons soll 1893 in Laurel (Indiana) an Erschöpfung gestorben sein, nachdem er einen fast einstündigen Lachanfall und anschließend zwei Stunden lang einen Schluckauf erlitten hatte.10 truly bizarre Victorian deaths. BBC, 25. Dezember 2013, siehe 9. Laughed himself to death.
20. Jahrhundert 1920 las ein 54-jähriger Jagdhunde-Ausbilder in Sydney Anzeigen in einer fünf Jahre alten Zeitung und fand den Unterschied der seinerzeit annoncierten Preise zu denen des Jahres 1920 so komisch, dass er in hemmungsloses Lachen ausbrach und dabei starb. Ein Arzt bescheinigte als Todesursache Herzversagen aufgrund exzessiven Lachens.Laughter causes death. In: Tageszeitung The Argus, Melbourne, 18. Oktober 1920; trove.nla.gov.au Der 50-jährige Alex Mitchell, ein Maurer aus King’s Lynn in Norfolk, starb 1975 bei einem 30-minütigen Lachanfall, den er beim Sehen der britischen Comedy-Fernsehserie The Goodies (Episode: The Kung Fu Kapers) erlitt. Die Witwe des Verstorbenen schrieb später an die Hauptdarsteller der Comedyshow, um ihnen für das fröhliche Lebensende ihres Mannes zu danken. Nachdem im Jahr 2012 bei einer Enkeltochter das seltene, vererbbare Long-QT-Syndrom diagnostiziert wurde, vermuten Experten heute, dass diese Herzrhythmusstörung der Grund für den Tod Mitchells war.Goodies’ fan Alex Mitchell 1975 laughter death ‘solved’. BBC, 22. Juni 2012. Ole Bentzen, ein 56-jähriger dänischer Hörgeräteakustiker, verstarb 1989 an einem Lachanfall, während er sich den Film Ein Fisch namens Wanda ansah.
Der Lachtod in der Fiktion (Auswahl) Die Figur Kenny McCormick verstirbt in der South-Park-Episode der fünften Staffel (Scott Tenorman Must Die) an einem Lachanfall beim Betrachten eines TV-Videos. Fulton, ein Freund von Jerry, stirbt in der Seinfeld-Episode „The Stand-In“ an einem Lachanfall.Dennis Bjorklund: Seinfeld Reference: The Complete Encyclopedia with Biographies, Character Profiles & Episode Summaries. Praetorian, ISBN 978-0-9679852-4-4 (englisch). Der Batman-Gegenspieler The Joker tötet nach einem Comic von Alan Moore („The Killing Joke“) seine Opfer durch ein Lachgift, durch das diese sich totlachen und mit einem Grinsen versterben. In der 12. Episode der ersten Staffel der Pseudo-Dokumentarserie 1000 Wege, ins Gras zu beißen stirbt ein Mann an einem Lachanfall über einen Witz.Folge 12 (I See Dead People (And They’re Cracking Me Up)). fernsehserien.de In einem Sketch von Monty Python (Der tödlichste Witz der Welt) setzt das britische Militär im Zweiten Weltkrieg einen Witz, der so gut ist, dass jeder, der ihn liest oder hört, stirbt, als tödliche Waffe gegen deutsche Soldaten ein. Ein von Coleman Barks übersetztes Gedicht von Dschalāl ad-Dīn ar-Rūmī (Dying, Laughing) erzählt vom Lachtod. In Lord Dunsanys The Three Infernal Jokes sterben mehrere Menschen beim Lachen.Lord Dunsany: The Three Infernal Jokes. In: Tales of Wonder, 1916; gutenberg.org Im Zeichentrick-/Realfilm-Mix Falsches Spiel mit Roger Rabbit schafft es der Privatdetektiv Eddie Valiant, dass sich mehrere böse Wiesel zu Tode lachen. In der ersten Staffel der Zeichentrickserie Danger Mouse heißt eine Episode „Der lachende Tod“ (Die Laughing). Im TV-Film-Zweiteiler Zwei Weihnachtsmänner erzählt der von Bastian Pastewka gespielte Hilmar einen Witz, den er laut eigener Aussage bereits mehrfach vor Senioren erzählt hat, wobei bislang immer jemand vor Lachen gestorben sein soll. Im Film überleben jedoch alle Anwesenden.
Redewendung „sich totlachen“ Die im deutschsprachigen Raum übliche umgangssprachliche Redewendung „sich totlachen“ (auch: „sich halb totlachen“) wird verwendet, wenn ausgedrückt werden soll, dass ein Vorgang oder eine Aussage als besonders lustig oder auch lächerlich empfunden wird. Der Ausdruck findet im englischen und französischen Sprachraum eine Entsprechung in der Formulierung „to die laughing“ oder „to die of laughter“ bzw. „mort de rire“. Diese Formulierungen zeigen in humoristischer Form überspitzt, dass das Lachen viele Muskeln im Körper stimuliert (vor allem das Zwerchfell), was bei langanhaltenden Lachanfällen als schmerzhaft empfunden werden kann. Auf dem Zusammenhang beruht wahrscheinlich der Ausdruck: „Sich den Bauch vor Lachen halten“.Neuphilologische Nachlese, Schriftenreihe der Zeitschrift Moderne Sprachen des Verbandes der Österreichischen Neuphilologen, Verband der Österreichischen Neuphilologen (Hrsg.), 1996, S. 50.
Siehe auch Tanganjika-Lachepidemie als Massenhysterie bei jungen Frauen und Ungebildeten 1962, keine Todesfälle Kitzeln#Folter
Weblinks 1000 Fragen: Kann man sich wirklich totlachen? Spiegel Online, 5. Januar 2009, Schulspiegel. David Wallenchinsky, Amy Wallace: canongate.net, The Book of Lists.
Einzelnachweise
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