Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der französischen Fußballnationalmannschaft bei Europameisterschaften. Frankreich nahm 2024 zum elften Mal an der Endrunde zur Europameisterschaft teil, konnte bisher zweimal den Titel gewinnen – 1984 als bisher letzter Gastgeber und 2000 – und war 2016 als erstes Land zum dritten Mal Gastgeber der Endrunde. Mit Michel Platini (9 Tore) und Lilian Thuram (16 Spiele) stellte Frankreich bis 2016 die Spieler mit den meisten EM-Toren und -Spielen.
Die Nationalmannschaft bei Europameisterschaften Übersicht
Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Letzte(r) Gegner Ergebnis Trainer Bemerkungen und Besonderheiten1960Frankreich Spiel um Platz 3Tschechoslowakei Vierter Albert Batteux 1964Spanien nicht qualifiziert im Viertelfinale an Ungarn gescheitert 1968Italien nicht qualifiziert im Viertelfinale an Jugoslawien gescheitert 1972Belgien nicht qualifiziert in der Qualifikation an Ungarn gescheitert 1976Jugoslawien nicht qualifiziert in der Qualifikation an Belgien gescheitert, das sich aber auch nicht für die Endrunde qualifizieren konnte 1980Italien nicht qualifiziert in der Qualifikation an Titelverteidiger Tschechoslowakei gescheitert 1984Frankreich FinaleSpanien Europameister Michel Hidalgo Erster EM-Titel, Michel Platini Torschützenkönig 1988BR Deutschlandnicht qualifiziert in der Qualifikation am späteren Vizeeuropameister Sowjetunion gescheitert 1992Schweden Vorrunde Dänemark, England, Schweden 6. Michel Platini nach zwei Remis und einer Niederlage gegen den späteren Europameister Dänemark als Gruppendritter ausgeschieden 1996England Halbfinale Tschechien 4. Aimé Jacquet Niederlage im Elfmeterschießen gegen den späteren Vizeeuropameister 2000Niederlande und Belgien Finale Italien Europameister Roger Lemerre2. EM-Titel, erster Weltmeister der Europameister werden konnte 2004Portugal Viertelfinale Griechenland 6. Jacques Santini Niederlage gegen den späteren Europameister 2008Österreich und Schweiz VorrundeItalien, Rumänien, Spanien15. Raymond Domenech 2012Polen und Ukraine Viertelfinale Spanien 8. Laurent Blanc Niederlage gegen den Titelverteidiger und Weltmeister 2016Frankreich Finale Portugal Vize-Europameister Didier Deschamps Als Gastgeber war Frankreich automatisch qualifiziert und erreichte nach zwei Siegen als erste Mannschaft das Achtelfinale. Finalniederlage durch ein 0:1 n. V. 2021Europa Achtelfinale Schweiz11. Didier DeschampsFrankreich hatte sich zunächst mit dem im Bau befindlichen Stade des Lumières für die Austragung von Spielen beworben, dann aber zurückgezogen. In der Qualifikation setzten sich die Franzosen zusammen mit der Türkei gegen Island, Albanien, Andorra und die Republik Moldau durch. Bei der Endrunde trafen die Franzosen in München auf Deutschland und in Budapest auf Titelverteidiger Portugal sowie Ungarn, das sich noch über die Playoffs qualifizieren musste. Mit einem Sieg und zwei Remis wurden die Franzosen Gruppensieger und trafen im Achtelfinale auf die Schweiz. Nach Verlängerung stand es Remis (3:3), beim Elfmeterschießen unterlagen die Franzosen schließlich der Schweiz. 2024Deutschland Halbfinale Spanien Didier Deschamps Frankreich qualifizierte sich als Gruppensieger vor der Niederlande, Griechenland, Irland und Gibraltar. Gegner bei der Endrunde waren in der Gruppenphase Österreich, wieder die Niederlande und Polen, das sich erst im Februar über Play-off-Pfad A noch qualifizieren konnte. Im Achtelfinale wurde mit 1:0 gegen Belgien gewonnen, im Viertelfinale im Elfmeterschießen gegen Portugal.
Endrunden mit vier Teilnehmern EM 1960 Für die Fußball-Europameisterschaft 1960, die noch als „Europapokal der Nationen“ ausgetragen wurde, wurde Frankreich im Achtelfinale gegen Griechenland gelost und gewann im Oktober 1958 das Hinspiel in Paris mit 7:1, wobei Raymond Kopa das erste EM-Qualifikationstor für Frankreich erzielte. Damit konnte das 1:1 im Rückspiel in Athen zwei Monate später verkraftet werden. Im Viertelfinale war Österreich der Gegner. Wieder hatten die Franzosen zuerst Heimrecht und gewannen im Dezember 1959 deutlich mit 5:2, wobei der WM-Torschützenkönig von 1958 Just Fontaine drei Tore erzielte. Beim Rückspiel im März 1960 in Wien wurde Fontaine nicht eingesetzt, dennoch behielt die Équipe tricolore mit 4:2 die Oberhand, wobei vier verschiedene Torschützen erfolgreich waren. Nachdem die vier besten Mannschaften feststanden, wurde Frankreich als Gastgeberland der Endrunde bestimmt. Fontaine, der 1960 nach seinem Wechsel zu Espanyol Barcelona einen doppelten Beinbruch erlitten hatte, konnte für die Endrunde nicht berücksichtigt werden und auch Kopa stand aufgrund einer Verletzung nicht zur Verfügung.France 4-5 Yugoslavia
Am 6. Juli 1960 fand im Pariser Prinzenparkstadion das erste EM-Endrundenspiel statt und im torreichsten Spiel der EM-Geschichte traf der Gastgeber auf Jugoslawien, das im zwei Monate später noch die olympische Goldmedaille gewinnen sollte, und sieben Spieler aus dem EM-Kader standen dann auch im Olympiakader. Bereits in der 11. Minute brachte Milan Galic die Jugoslawen mit 1:0 in Führung, aber nur eine Minute später glich Jean Vincent aus. Dann dauerte es bis zur 43. Minute, bis François Heutte die Franzosen erstmals in Führung brachte und damit ging es in die Pause. In der 53. Minute erhöhte Kapitän Maryan Wisnieski auf 3:1, aber zwei Minuten später gelang den Jugoslawen der Anschlusstreffer. Mit seinem zweiten Tor stellte François Heutte in der 62. Minute den Zweitorevorsprung wieder her, aber damit hatten die Franzosen ihr Pulver verschossen, während die Jugoslawen mit drei Toren das Spiel noch drehten und mit 5:4 ins Finale einzogen, in dem sie aber der UdSSR unterlagen. Für Frankreich blieb nur das Spiel um Platz 3. Vor nur 9.400 Zuschauern wurde auch dieses Spiel verloren, diesmal mit 0:2 weniger dramatisch. Just Fontaine und Jean Vincent wurden zusammen mit dem Tschechoslowaken Titus Buberník mit jeweils 5 Toren Torschützenkönige des gesamten Wettbewerbs.
EM 1964 Vier Jahre später wollten schon mehr Mannschaften als 1960 teilnehmen, daher wurde dem Achtelfinale eine Vorrunde vorgeschaltet. In dieser trafen die Franzosen auf die Engländer. Nach einem 1:1 in London gewannen sie in Paris mit 5:2. Frankreich setzte sich dann im Achtelfinale zwar gegen Bulgarien nach einem 0:1 in Sofia mit 3:1 im Rückspiel durch, scheiterte im Viertelfinale aber an Ungarn mit 1:3 und 1:2.
EM 1968 Für die Fußball-Europameisterschaft 1968 wurden in der Qualifikation erstmals Gruppenspiele angesetzt. Belgien, Polen und Luxemburg hießen die Gegner der Franzosen. Die beiden erfolgreichen Vereinstrainer Jean Snella und José Arribas hatten nach dem Vorrundenaus bei der WM 1966 übergangsweise das Amt des Nationaltrainers übernommen, nach nur vier Spielen das Amt aber wieder abgegeben, da sie sich wieder auf ihre Arbeit als Vereinstrainer konzentrieren wollten. Ihr Nachfolger wurde Just Fontaine, der nach nur zwei Freundschaftsspielen von Louis Dugauguez abgelöst wurde. Frankreich konnte zwar keins der Qualifikations-Spiele gegen Belgien gewinnen – in Belgien wurde mit 1:2 verloren und im Heimspiel nur ein 1:1 erreicht – da die Franzosen aber ansonsten alle Spiele gewannen, während die Belgier beide Spiele gegen Polen verloren, hatten die Franzosen am Ende dennoch die Nase vorn und waren für das Viertelfinale qualifiziert. Hier trafen sie auf Jugoslawien. Nach einem 1:1 im Heimspiel mussten sie beim Rückspiel mit 1:5 die höchste Niederlage gegen Jugoslawien hinnehmen. Jugoslawien erreichte anschließend bei der Endrunde das Finale und verlor dieses erst im Wiederholungsspiel gegen Gastgeber Italien. Dugauguez blieb zunächst im Amt, nach einer 0:1-Heimniederlage gegen Norwegen in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 1970 wurde er aber entlassen und Georges Boulogne sein Nachfolger.
EM 1972 Für die EM-Endrunde 1972 konnte sich Frankreich auch wieder nicht qualifizieren. In einer Gruppe mit Ungarn, Bulgarien und Norwegen wurde mit drei Siegen, einem Remis und einer Niederlage nur der dritte Platz belegt. Entscheidend war dabei eine 0:2-Heimniederlage gegen Ungarn, wodurch die Ungarn Gruppensieger wurden und auch das Viertelfinale überstanden, bei der Endrunde aber nur Vierter wurden. Boulogne blieb zunächst im Amt, nach der verpassten Qualifikation für die Fußball-Weltmeisterschaft 1974 wurde er aber vom Rumänen Ștefan Kovács abgelöst, dem bis heute einzigen ausländischen Nationaltrainer der „Equipe Tricolor“.
EM 1976 1976 wurde die Endrunde letztmals mit vier Mannschaften ausgetragen. Frankreich scheiterte wieder in der Gruppenphase, diesmal an Belgien und der DDR. Dabei gelang nur ein Heimsieg gegen Island, das auch nur ein Spiel gewann. Gruppensieger Belgien scheiterte dann im Viertelfinale an Vizeweltmeister Niederlande. Für Kovács endete mit der verpassten Qualifikation seine Amtszeit als Nationaltrainer. Sein Nachfolger wurde Michel Hidalgo.
Endrunden mit acht Teilnehmern EM 1980 In der Qualifikation für die Europameisterschaft in Italien, die erstmals mit acht Mannschaften ausgetragen wurde, trafen die Franzosen in der Gruppe auf Titelverteidiger Tschechoslowakei, Schweden und Luxemburg. Frankreich verspielte die Qualifikation quasi im ersten Spiel, in dem in Paris nur ein 2:2 gegen Schweden erreicht wurde. Dieser Punktverlust war am Ende dafür entscheidend, dass mit einem Punkt weniger hinter den Tschechoslowaken nur Platz 2 belegt wurde, da beide ihre Heimspiele gegeneinander und alle anderen Spiele gewannen. Die Tschechoslowaken wurden dann bei der Endrunde letzter Dritter durch einen Sieg im Elfmeterschießen gegen Gastgeber Italien. Danach wurde das Spiel um Platz 3 nicht mehr durchgeführt. Hidalgo blieb im Amt und konnte Frankreich zur WM 1982 führen, die Frankreich als Vierter beendete und 1984 zum ersten Triumph bei einer WM.
EM 1984 mini|Startaufstellungen im Finale
Für die Ausrichtung der Europameisterschaft 1984 interessierten sich Frankreich, Deutschland, England und Griechenland. Die UEFA entschied sich dann für Frankreich, damit der Verband im Falle der Ausrichtung eine Chance hätte, durch Zuschüsse vom Staat seine veralteten Stadien auszubauen sowie neue zu errichten. Frankreich musste sich daher nicht für die Endrunde qualifizieren.