Das Urban Land Institute (kurz: ULI) ist eine gemeinnützige Forschungs- und Bildungsinstitution mit den Hauptgeschäftsstellen in Washington, Hongkong und London. Selbst erklärtes Ziel ist es, „eine Führungsrolle in verantwortungsvoller Landnutzung zu übernehmen und die Entwicklung von Gemeinden weltweit zu schaffen und zu erhalten“. Das ULI steht dabei sowohl für progressive Entwicklung und Forschung wie auch für Bildung, u. a. in den Bereichen Aufrechterhaltung der Weiterentwicklung, Smart Growth (Stadt- und Verkehrsplanung), Verbundentwicklung und Workforce Housing (bezahlbarer Wohnraum für Arbeitskräfte).
Im Jahre 1936 wurde das ULI gegründet und ist heute weltweit in über 80 Ländern vertreten. Es hat über 42.000 Mitglieder, von denen über 20 % in der Regierung, in Bildungseinrichtungen oder öffentlichen Gesellschaften und etwa 75 % hauptsächlich in der Immobilien- und Stadtentwicklungsindustrie tätig sind. Allein in Deutschland können um die 700 Mitglieder verzeichnet werden.
Das ULI gibt an, dass es Publikationen veröffentlicht und Forschung betreibt, um „entstehende Trends und neue Themen in Hinsicht auf die Landnutzung vorhersagen zu können und auf dieser Basis kreative Lösungen vorzuschlagen“, und „Wissen vermittelt, das der Entwicklungsgemeinde [hilft], ihre Leistungen kontinuierlich zu verbessern“.
Das Urban Land Institute unterhält darüber hinaus eine Reihe von Initiativen und Programmen, wie z. B. ein umfangreiches Beratungsprogramm, die der Regierung, Unternehmen und gemeinnützigen Organisationen Strategien in der Immobilienentwicklung und der Stadtpolitik zur Verfügung stellen. Seit über 20 Jahren wurden Immobilien-Unternehmer-Programme entwickelt, die in der Landnutzungspraxis professionelle Unterstützung bei der Entwicklung bieten. Das ULI ist auch Gastgeber von bestimmten Events, beispielsweise lokale Bezirksratstagungen oder das jährliche Herbst- und Frühjahrsmeeting.
Global Chief Executive Officer ist seit Juni 2018 Edward Walter. Walter folgte auf Patrick L. Phillips, der frühere Präsident der ERA AECOM, der wiederum seit September 2009 den Posten als global CEO bekleidete. Er folgte Richard Rosan nach, der beide Ämter 17 Jahre lang bekleidete. Die asiatische Hauptgeschäftsstelle in Hongkong wird seit Ende 2013 von CEO John Fitzgerald und die europäische in London seit Januar 2015 von CEO Lisette van Doorn geführt. Den Vorsitz der Geschäftsstelle für Deutschland, Österreich und die Schweiz in Frankfurt hat Executive Director Stephanie Baden inne.
Geschichte 1940er- und 1950er-Jahre Das Urban Land Institute wurde am 14. Dezember 1936 während der Weltwirtschaftskrise als National Real Estate Foundation for Practical Research and Education gegründet, mit dem Ziel, eine Forschungs- und Bildungsakademie in der Immobilien- und Stadtkulturbranche zu werden. Zwei Jahre nach der Gründung des Hauptsitzes in Chicago änderte die Organisation 1939 ihren Namen in Urban Land Institute. Ein eigenes Mitteilungsblatt gab 1940 die Mission des Instituts bekannt: „[…] wurde gegründet, um US-amerikanische Städte bei Problemen in Planung, Umplanung, Aufbau und Wiederaufbau zu unterstützen.“
Das Massachusetts Institute of Technology hieß 1941 das ULI zu seiner ersten Konferenz willkommen. Ein Jahr darauf bekannte sich das ULI in der Publikation Outline for a Legislative Program to Rebuild Our Cities als Hilfsorganisation. Im selben Jahr noch wurde das Hauptquartier nach Washington verlegt.
Die Institutsmitglieder Jesse Clyde Nichols, besser auch als J. C. Nichols bekannt, und Hugh Potter organisierten 1944 die erste Beratungsstelle, die Community Builder's Council, um für nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene Städte Vorstädte zu planen und zu errichten. Das Beratungsprogramm des Instituts startete 1947 in Kooperation mit der Stadt Louisville.
1960er- und 1980er-Jahre Die 1950er-Jahre sind durch die Gründung der J. C. Nichols Foundation (später in die ULI Foundation integriert) sowie die erste Kostenanalyse von Einkaufszentren geprägt. So veränderte sich das ULI in den 1960er-Jahren immer mehr in Richtung Forschungsinstitut und gründete im Jahre 1960 das erste Forschungsprogramm. Das ULI führte mehrjährige vergleichende Landnutzungsstudien durch und übte 1965 in Mexiko-Stadt weit verbreitenden Einfluss mit der ersten internationalen Mitgliederversammlung aus. Zwei Jahre darauf ging der Community Builder's Council auf erste Studientour durch Europa.
In den 1970er-Jahren wuchs und expandierte die Organisation in mehrere Richtungen. Die Urban Land Research Foundation (später ULI Foundation genannt) wurde mit dem Ziel gegründet, „bei der Bewältigung der steigenden Ansprüche an einen breiteren Zugang zu Entwicklungsinformationen zu helfen“. Das Urban Land Institute erreichte 1974 eine Mitgliederzahl von über 6.000, und das Jahresbudget wuchs 1976 auf über 1,5 Mill. US-Dollar. Im Jahre 1979 wurde das Angebot an Beratungsstellen erweitert und die ULI Awards for Excellence eingeführt.
1990er- und 2000er-Jahre Das ULI entwickelte 1983 das regionale Beratungsprogramm mit anfangs nur sieben Beratungsstellen in verschiedenen US-amerikanischen Städten. Später wurden auch Bezirksberatungsstellen und 1986 die erste Real Estate School gegründet.
UrbanPlan, das zweite Hochschulprogramm des Instituts, wurde mithilfe eines Stipendiums der National Geographic Society Education Foundation ins Leben gerufen. Im Jahre 1992 wurden die ersten beiden europäischen Bezirksberatungsstellen in London und Barcelona errichtet.
Des Weiteren wurde im Jahre 1996 das ULI Senior Resident Fellows Programm eingerichtet und das erste ULI Mayor's Forum mit der Absicht abgehalten, einen Workshop mit Stadtbehörden und Privatgesellschaften zur Lösungssuche von Problemen in der Stadt zu bilden.
21. Jahrhundert Im Jahre 2000 wurde der ULI J. C. Nicholson Prize for Visionaries in Urban Development eingeführt und ein Zuwachs auf 39 ULI-Beratungsstellen mitunter in Europa, Asien und Südamerika verzeichnet. Im Jahr darauf eröffnete das ULI die erste europäische Niederlassung in Brüssel, und die erste Young Leaders-Gruppe formierte sich in der ULI-Bezirksberatungsstelle in Houston. Bis 2005 wurde in einem Großteil aller Bezirksberatungsstellen ebenfalls Young Leaders-Gruppen errichtet. Vorsitzender der „Europe Young Leaders“-Gruppe ist seit 2014 Thomas Leinberger.
Die europäische Niederlassung zog 2004 nach London und gründete das Community Action Grant-Programm. Im Jahre 2007 wurde zusammen mit der Eröffnung der ULI-Niederlassung in Hongkong das „ULI Terwilliger Center for Housing“ gegründet. Die Mitgliederzahl stieg im folgenden Jahr auf über 40.000. Das Urban Land Institute gründete das „ULI Daniel Rose Center for Public Leadership in Land Use“ und das „Urban Investment Network“ in Europa. Im Jahre 2011 gab das National Building Museum in Washington, D.C., das Urban Land Institute als Empfänger des Honor Awards des Jahres 2012 für die Unterstützung und Leitung in der Stadtplanung und Entwicklungshilfe von Gemeinden bekannt. Laut dem Executive Director des Museums, Chase Rynd, wählte das Museum das ULI wegen des „auf lange Zeit bestehenden Engagements in der fachübergreifenden, unparteiischen Forschung, die ganze Gemeindesysteme beeinflusst“, und wegen der führenden Rolle in der „Stadt- und Verkehrsplanung und der Strategieentwicklung bis hinunter zu den elementaren Grundlagen, um die Lebensqualität in den Stadtgemeinden weltweit zu erhöhen“.
Im Jahre 2014 gingen das Urban Land Institute und die National League of Cities eine Partnerschaft zur gemeinschaftlichen Unterstützung bei der Leitung und den Geschäften des Daniel Rose Center For Public Leadership in Land Use ein, um ihm bei seiner Entwicklung und Einflussnahme auf ein weiteres Feld von Stadtbehörden behilflich zu sein.
Einflussnahme auf Verfahrensweisen und Praxis Wegen der zahlreichen Programme erlangte das Urban Land Institute für Jahrzehnte Einfluss auf Verfahrensweisen und Praxis. Das Institut hat keine Lobby, arbeitet und forscht jedoch zusammen mit seinen Mitgliedern in den Bereichen Landnutzung und Stadtentwicklung. Das Journal of Association Leadership schrieb im Jahre 2005, dass das ULI „auf die Erfahrung und Kompetenz seiner Mitglieder in der Immobilien- und Stadtentwicklung unter Nutzung vieler der Grundsätze zur Problemlösung zählt, die in The Wisdom of Crowds (Die Weisheit der Vielen) niedergeschrieben sind: Erkenntnis, Zusammenarbeit, Koordination“. Mit einer Mitgliedschaft aus „26 Wissenschaften und 13 Industriezweigen, im öffentlichen Bereich sowie durch Privatunternehmen, vermittelt das Institut heute Kernkompetenzen, die sich durch das kollektive Wissen der Mitglieder entwickelt haben, und strukturiert Gemeinden als selbstorganisierendes System.“
Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wird das Urban Land Institute von Stadtverwaltungen und privaten Landbesitzern bei Problemen mit Immobilien und Entwicklung konsultiert. Diese multidisziplinären Teams aus Experten der Bereiche Architektur, Stadtplanung, Verkehr, Finanzen und Marktforschung hatten viele der Ratschläge und Tipps angenommen und umgesetzt. Die lokalen Bezirksberatungsstellen des Instituts laden Verwaltungsangestellte und Privatindustrielle ein, um über die Zukunft der Landnutzung zu spekulieren, und etablierten auch einen UrbanPlan-Klassenraum, der von vielen Schulen innerhalb der Vereinigten Staaten genutzt wird. Darüber hinaus hat das ULI durch eine Vielzahl von Partnerschaften die Leitung und Kompetenzen an Stadtentwicklungsverfahren übernehmen können, zum Beispiel als Partner des Weltwirtschaftsforums (WEF).
Initiativen und Programme (Auswahl) Beratungsdienste mini|250px|Oklahoma City National Memorial nach dem Bombenanschlag auf das Murrah Federal Building Die Beratungsprogramme des Urban Land Institute stellen erfahrene Immobilien- und Landnutzungsteams zusammen, die innovative Lösungen für komplexe Landnutzungs- und Immobilienentwicklungsprojekte, -programme und -grundsätze anbieten. Seit 1947 wurden über 600 Beratungsteams in 47 Staaten der USA, 12 Ländern und vier Kontinenten etabliert. Während dieser Zeit haben sie geholfen, kreative und praktische Lösungen für Probleme wie Innenstadtsanierung, Landmanagement, Entwicklungspotenzial, Stadtbaumanagement, Wiederbelebung von Gemeinden, Arbeitskräftepotenzial, Finanzierung und Vermögensmanagement zu finden. Ebenso haben sie nach Katastrophen wie Hurrikane, Überflutungen, Tornados, Infrastruktur-Missmanagement und nach Terrorhandlungen professionell und objektiv beraten.
Beispielsweise erwähnenswert wäre hierzu die Unterstützung zur Sanierung nach Katastrophen wie 2007 der Einsturz der Interstate-35W-Mississippi-River-Brücke in Minneapolis oder die Beratung der Stadtverwaltung zum Wiederaufbau von Lower Manhattan nach den Terroranschlägen am 11. September 2001.
Zu einigen Empfehlungen der Berater hat es Kontroversen gegeben, wie zum Beispiel bei der Beratung zur Sanierung von New Orleans nach dem Hurrikan Katrina im Jahre 2005. Andere wiederum haben die Empfehlungen der Teams wegen ihrer Unterstützung in den Monaten nach dem Bombenanschlag auf das Murrah Federal Building in Oklahoma City gelobt.
ULI J. Ronald Terwilliger Center for Housing Das Terwilliger Center for Housing ist ein Projekt des Urban Land Institute für erschwingliche Produktionssteigerung und Errichtung von Arbeiterwohnungen nahe Gewerbegebieten. Es wurde mit einer Spende von 5 Mill. Dollar vom ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Trammell Crow Residential Ron Terwilliger gegründet. Das Center brachte eine Vielzahl von Berichten über erschwingliches Wohnen in verkehrsgünstigen Lagen heraus, z. B. für San Francisco, Washington, und Boston.
Daniel Rose Center For Public Leadership in Land Use