(3990) Heimdal ist ein Asteroid jenseits des äußeren Hauptgürtels, der am 25. September 1987 vom dänischen Astronomen Poul Jensen am Observatorium Brorfelde in Dänemark bei einer Helligkeit von 16,2 mag entdeckt wurde. Nachträglich konnte festgestellt werden, dass er bereits am 18. August 1971 und in den Jahren 1972, 1979 und 1987 am Krim-Observatorium in Nautschnyj fotografiert worden war.

Der Asteroid ist benannt nach Heimdall, dem Gott der Morgenröte und des Lichts in der nordischen Mythologie, Sohn Odins, geboren von neun Jungfrauen (allesamt Schwestern). Er ist der Wächter der Asen und beschützt die Bifröst, die Brücke zwischen Himmel und Erde, vor den Riesen. Er ist berühmt für sein scharfes Sehvermögen und kann sogar das Gras wachsen hören. Wenn er sein Signalhorn, das Gjallarhorn, bläst, ist es in der ganzen Welt zu hören.

(3990) Heimdal wird zwar zu den Hauptgürtelasteroiden gezählt, bewegt sich aber weit außerhalb der Hecuba-Lücke und ist ein Mitglied der Hilda-Gruppe. Diese bewegt sich in einer 3:2-Bahnresonanz mit dem Planeten Jupiter um die Sonne.C. E. Spratt: The Hilda group of minor planets. In: Journal of the Royal Astronomical Society of Canada. Band 83, 1989, S. 393–404, (PDF; 173 kB). Obwohl der gegenseitige Bahnabstand (Minimum orbit intersection distance, MOID) von Jupiter und (3990) Heimdal mit einer Periodizität von etwa 1430 Jahren zwischen 0,55 und 1,03 AE schwankte, sind sich die beiden Himmelskörper durch die Bahnresonanz in den vergangenen 10.000 Jahren nie näher gekommen als bis auf etwa 1,83 AE (273 Mio. km).

Wissenschaftliche Auswertung Eine Auswertung von Beobachtungen durch das Projekt NEOWISE im nahen Infrarot speziell für Mitglieder der Hilda-Gruppe führte 2012 für (3990) Heimdal zu vorläufigen Werten für den Durchmesser und die Albedo im sichtbaren Bereich von 35,7 km bzw. 0,07.T. Grav, A. K. Mainzer, J. Bauer, J. Masiero, T. Spahr, R. S. McMillan, R. Walker, R. Cutri, E. Wright, P. R. Eisenhardt, E. Blauvelt, E. DeBaun, D. Elsbury, T. Gautier IV, S. Gomillion, E. Hand, A. Wilkins: WISE/NEOWISE Observations of the Hilda Population: Preliminary Results. In: The Astrophysical Journal. Band 744, Nr. 2, 2012, S. 1–15, doi:10.1088/0004-637X/744/2/197 (PDF; 3,45 MB).

Eine spektroskopische Untersuchung von 820 Asteroiden zwischen November 1996 und September 2001 am La-Silla-Observatorium in Chile ergab für (3990) Heimdal eine taxonomische Klassifizierung als D-Typ.D. Lazzaro, C. A. Angeli, J. M. Carvano, T. Mothé-Diniz, R. Duffard, M. Florczak: S3OS2: the visible spectroscopic survey of 820 asteroids. In: Icarus. Band 172, Nr. 1, 2004, S. 179–220, doi:10.1016/j.icarus.2004.06.006 (arXiv-Preprint: PDF; 3,49 MB).

Photometrische Messungen des Asteroiden fanden erstmals statt von September bis November 2011 an der Außenstelle Tschuhujiw des Charkiw-Observatoriums in der Ukraine und am Krim-Observatorium in Simejis. Aus der während zehn Nächten aufgezeichneten Lichtkurve konnte aber keine Rotationsperiode bestimmt werden. Es wurde dafür aber ein Wert von >100 h angenommen.I. G. Slyusarev, V. G. Shevchenko, I. N. Belskaya, Yu. N. Krugly, V. G. Chiorny: Results of photometry of selected asteroids from the Hilda group. In: Astronomical School’s Report. Band 9, Nr. 1, 2013, S. 75–79, doi:10.18372/2411-6602.09.1075 (PDF; 249 kB, russisch). Weitere Beobachtungen erfolgten vom 19. Januar bis 19. März 2021 am Center for Solar System Studies (CS3) in Colorado und Kalifornien. Die Auswertung der während 18 Nächten aufgezeichneten Daten erwies sich als schwierig, es konnte neben einer primären Rotationsperiode 45,83 h noch eine sekundäre Periode von 47,86 h gefunden werden. Der Asteroid führt demnach möglicherweise eine Taumelbewegung durch.B. D. Warner, R. D. Stephens, D. R. Coley: Lightcurve Analysis of Hilda Asteroids at the Center for Solar System Studies: 2021 January–March. In: The Minor Planet Bulletin. Bulletin of the Minor Planets Section of the Association of Lunar and Planetary Observers, Band 48, Nr. 3, 2021, S. 303–308, (PDF; 1,69 MB).

Aus archivierten Daten des Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System (ATLAS) aus dem Zeitraum 2015 bis 2018 konnte in einer Untersuchung von 2022 mit der Methode der konvexen Inversion eine Rotationsperiode von 24,29 h bestimmt werden.J. Ďurech, M. Vávra, R. Vančo, N. Erasmus: Rotation Periods of Asteroids Determined With Bootstrap Convex Inversion From ATLAS Photometry. In: Frontiers in Astronomy and Space Sciences. Band 9, 2022, S. 1–7, doi:10.3389/fspas.2022.809771 (PDF; 1,01 MB).

Siehe auch Liste der Asteroiden

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Hauptgürtelasteroid unter 50 km Durchmesser Kategorie:Hilda-Gruppe