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Dieser Artikel behandelt die Geschichte der Herlitz AG, die ab dem 30. April 2015 als Pelikan AG firmierte und seit 21. Dezember 2017 als Pelikan Group GmbH firmiert.

Geschichte Gründung, 1904–1945 Die Firmengruppe Herlitz beging im Jahr 2004 ihr 100-jähriges Firmenjubiläum. Sie geht zurück auf die Gründung einer Papier- und Schreibwaren-Großhandlung durch den gelernten Buchhändler Carl Herlitz in Berlin-Schöneberg. Das Einzelunternehmen Carl Herlitz wurde erstmals 1905 im Berliner Adressbuch aufgeführt unter „Vertreter auswärtiger Häuser der Papier- und Kontorenutensilien-Branche“.

Carl Herlitz leitete die kleine Firma 31 Jahre lang, ehe er sich 1935 aus gesundheitlichen Gründen zurückzog und am 12. Februar 1939 verstarb. Nach der Übernahme der Firma durch den Sohn Günter Herlitz weitete Herlitz den Vertrieb in die Mark Brandenburg aus. Es wurden sechs Mitarbeiter beschäftigt, die Firma zog in die Nähe des Spittelmarktes in Berlin-Mitte um.

Nachdem Günter Herlitz und sein Bruder Walter Herlitz am 1. September 1939 in den Kriegsdienst eingezogen wurden, übernahm vorübergehend die Mutter Berta Herlitz die Geschäftsführung und hielt die Kundenbeziehungen aufrecht. Im November 1943 wurden die Geschäftsräume zweimal durch Kriegseinwirkungen völlig zerstört, die Geschäftstätigkeit kam zum Erliegen.

1945–1995 Bereits im Sommer 1945 wurde der Geschäftsbetrieb – anfangs in Kellerräumen in Berlin-Moabit – durch Günter Herlitz wieder aufgenommen, zunächst wurden „Gelegenheitsangebote aller Art“ verkauft. Noch war es möglich, auch Kunden in der Mark Brandenburg zu beliefern.

Während der Berlin-Blockade (1948/1949) gelang es der Firma Carl Herlitz als einzige von etwa 20 Berliner Fachgroßhandlungen, ein Minimum an Ware auf dem Luftweg aus Westdeutschland zu beschaffen. Nach Beendigung der Blockade konnte das Sortiment ausgeweitet werden. Die Firma beschäftigte Anfang der 1950er Jahre bereits 50 Mitarbeiter und gehörte bald zu den bedeutendsten Großhandlungen im Bundesgebiet.

Bedingt durch die Ereignisse des 17. Juni 1953 – traditionelle Lieferanten aus Mitteldeutschland drohten auszufallen – begann man eine eigene Fertigung aufzubauen, unter anderem für Schulhefte, Zeichenblöcke, Briefblöcke, Karteikarten und Buntpapierhefte. Bereits 1955 wurden 60 t Papier monatlich verarbeitet. Der Großhandel konnte – politisch bedingt – nur noch Kunden in West-Berlin beliefern. Bei einem Umsatz von 2,2 Millionen Mark konnten 1955 dennoch 55 Mitarbeiter weiterhin beschäftigt werden.

Erste Versuche, 1957/1958 eigene Erzeugnisse im übrigen Bundesgebiet abzusetzen, schlugen fehl. 1960 gelang der Durchbruch auf dem „westdeutschen Markt“Der Tagesspiegel, 27. Oktober 1960 mit Diarien (Kladden) und Zeichenblöcken mit bebilderten Deckblättern, damals eine absolute Neuheit. Sie zeigten Tiermotive und Sportbilder, die in Zusammenarbeit mit Professor Bernhard Grzimek und Harry Valérien herausgebracht wurden. Eine eigene Vertriebsorganisation für das Bundesgebiet wurde aufgebaut. 1973 kam ein Sortiment um die bei Kindern beliebten Figuren Ernie und Bert aus der Sesamstraße hinzu, das den Hersteller auch nach Weihnachten bis über seine Kapazitätsgrenze hinaus auslastete.Geschäfte mit Ernie und Bert. In: Die Zeit, 18. Januar 1974 Nr. 4 (Online S. 2/3)

Seit der Währungsreform 1949 wurde der Umsatz alle vier Jahre – bis 1994 – verdoppelt. Die Entwicklung und damit die wirtschaftliche Expansion des Unternehmens zeigen die nachfolgenden Umsatzzahlen: 1960: 2,2 Mio. Euro 1969: 11,8 Mio. Euro 1972: 19,6 Mio. Euro 1974: 36,0 Mio. Euro 1980: 87,3 Mio. Euro 1985: 267 Mio. Euro 1990: 454 Mio. Euro 1994: 745 Mio. Euro

Diese ExpansionHerlitz wächst und wächst und wächst. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. Dezember 1971 spiegelte sich sowohl im Wandel der Betriebsform als auch im Auslandsengagement der Firma wider. 1972 wurde die Firma Carl Herlitz in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, 1974 wurde das erste Hochregallager mit 6000 Palettenplätzen für Fertigwaren in Betrieb genommen; das Unternehmen beschäftigte im Jahresdurchschnitt 504 Mitarbeiter.

Im Jahr 1974 wurde die Herlitz Consult GmbH gegründet, die 1975 den Auftrag erhielt, eine schlüsselfertige Fabrik für Schulhefte in Bagdad zu errichten. Einschließlich einer ebenfalls gebauten Brücke sowie einer kleinen Moschee war das der größte Einzelauftrag in der Geschichte der Firma Herlitz (Auftragsvolumen: 38 Millionen Mark). Am 6. Mai 1976 entstand aus der Carl-Herlitz AG die Herlitz AG.

Am 3. Oktober 1977 folgte der Börsengang von Herlitz an der Berliner Wertpapierbörse,Starker Andrang auf Herlitz-Aktien. In: Börsenzeitung, 20. September 1977Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. September 1977 Ende der 1980er Jahre ging die Herlitz International Trading (HIT) AG, die aus der Herlitz Consult hervorgegangen war, selbst an die Börse. 1978 wurde die Firma Paul Zoecke GmbH/Berlin übernommen, damit wurde das Sortiment um Glückwunschkarten erweitert.

In den 1980er und Anfang der 1990er Jahre wurden die Firmen Vetter/Brensbach (Fasermaler), Böhler/Schwetzingen (Füllhalter), Bentz-Papier/Düren (Briefpapier-Ausstattung), Rema/Neukirchen vorm Wald (Alben und Mappen), Spang/Esslingen am Neckar (Geschenkpapier) und Susy Card/Bargteheide (Humor-Karten) gekauft. Herlitz war damit der erste Vollsortimenter der PBS-Branche („alles aus einer Hand“).

Im Jahr 1995 wurde das Versandzentrum in Berlin-Spandau bezogen, mit dem damals laut dem Guinness-Buch der Rekorde größten Hochregallager der Welt mit über 70.000 Palettenplätzen. Mitte der 1980er Jahre wurden in Aachen, Augsburg und Ludwigsburg die ersten McPaper-Läden in Franchise eröffnet. 1987 folgte die Gründung der McPaper GmbH zusammen mit dem Handelskonzern REWE-Leibrandt und dem Schmuckfilialisten Christ.

Ausländische Vertriebsgesellschaften der Firma Herlitz entstanden in Österreich (1977), den Niederlanden (1977), der Schweiz (1977), Frankreich (1980), Texas/USA (1981–1990), Polen (1992), Finnland (1992), Ungarn (1992) und Tschechien (1993). In Falkensee wurde ab 1991 ein neues Versandzentrum gebaut und 1994 in Betrieb genommen.

Nach dem Abschied des jahrzehntelangen Firmenchefs und Vorstandsvorsitzenden Günter Herlitz, der den Vorsitz im Aufsichtsrat übernahm, kam es ab 1988 zum Streit zwischen den beiden älteren Brüdern Peter und Heinz, der mit dem Ausscheiden von Heinz Herlitz im Jahr 1992 endete. Die Schraube der Expansion wurde zugleich jedoch überdreht. Fabrik und Lager in Falkensee sind bis heute überdimensioniert. 1992 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 1,06 Milliarden Mark.Berliner Herlitz AG mit hohen Wachstumsraten. In: Berliner Zeitung, 12. März 1994 1995 wurde der historische Höchstwert von 1,86 Milliarden Mark Umsatz erzielt.Herlitz AG: Bericht über das Geschäftsjahr 1995, S. 15 ff.

Während Klaus Herlitz die Marke Herlitz durch neue Ideen am Markt etablierte und sich für ein umweltbewusstes Sortiment starkmachte, geriet der Zukauf einer Papierfabrik in Nischni Nowgorod/Russland 1994/1995 durch den Vorstandsvorsitzenden der HIT AG, Gerard Jaslowitzer, zum Desaster, der Einstieg ins Immobiliengeschäft misslang.

1995–2000 Dem Vorstand gehörten 1995 an: Klaus Albig, Volker Bohlmann, Peter Franzke, Walter Gröling, Klaus Herlitz, Peter Herlitz (Vorstandsvorsitzender), Detlef Stronk, Stephan Vocke und Karel de Vries. 1996 wurde die familiengeprägte, unternehmerisch geführte Gesellschaft unter dem neuen Vorstandssprecher Jaslowitzer schrittweise in eine Management-geführte Holding umgewandelt.

Auf der Hauptversammlung 1996 wurde Günter Herlitz mit einer Laudatio auf sein Lebenswerk geehrt, er schied aus dem Aufsichtsrat aus und wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Gleichzeitig beschloss die Hauptversammlung die Umwandlung der Herlitz AG in eine Holding, zu der die Herlitz PBS AG, die Herlitz Falkenhöh AG, die HIT AG und die McPaper AG gehörten. Peter Herlitz übernahm den Vorsitz im Aufsichtsrat der Holding.

Die Herlitz International Trading AG (HIT) war Anfang der 1990er Jahre die erfolgreichste Tochter der Herlitz AG. Die HIT AG wurde zunächst Minderheits-, ab 1995 Mehrheitsaktionär der Wolga AG in Nischni Nowgorod.Manager Magazin, Nr. 3/1995, S. 169–170 Zu den außerordentlichen Erfolgen der Wolga AG äußerte sich der Vorstandsvorsitzende der HIT AG, Gérald Jaslowitzer, im Manager Magazin wie folgt: „Das Holz ist in Russland um 70 Prozent billiger als hierzulande. Die Energiekosten betragen nur ein Fünftel der vergleichbaren Kosten in Skandinavien. Von den Lohnkosten ganz zu schweigen: Ob wir 6000 oder 1000 Beschäftigte haben, spielt im Moment keine Rolle.“ Und Jaslowitzer weiter: „Kein deutsches Unternehmen könne da mithalten. Die Branche könnte mittelfristig in Deutschland verschwinden.“

Dieser Bericht war zwei Tage später ins Russische übersetzt und kursierte in Nischni Nowgorod. Die Holzindustrie und die Energielieferanten forderten ab sofort marktgerechte Preise, die Arbeiter fingen an zu rebellieren.Berliner Morgenpost, 16. Juli 1997: Russische Erfahrungen – Über die Probleme deutscher Investoren „Jaslowitzer hatte für die größte Katastrophe in der Firmengeschichte gesorgt.“Manager Magazin, November 1998, S. 41–46 „Insgesamt kostete das Abenteuer Russland den Konzern rund 100 Millionen Mark.“

Anfang Juli 1997 musste der Vorstandsvorsitzende Gerard Jaslowitzer seinen Posten räumen. Das kostspielige Russland-Abenteuer der Berliner Herlitz AG forderte ein weiteres Opfer: Peter Herlitz zog die Konsequenzen und schied aus allen Aufsichtsratsämtern im Konzern aus.Peter Herlitz scheidet aus In: Der Tagesspiegel, 23. Oktober 1997 Karel de Vries wurde zum neuen Sprecher des Vorstandes gewählt. Ihm entglitt mit seiner ungestümen Expansionspolitik durch zahlreiche Firmenzukäufe im In- und Ausland sowie Eröffnungen von diversen Niederlassungen in Ost- und Südeuropa die Kontrolle über die Holding. Getrieben vom Gedanken eines Global Players wurden unter seiner Regie teilweise marode Produktionsfirmen in Frankreich (Manopa), Holland, Polen, Tschechien und Deutschland (Becker-Falken, Diplomat) aufgekauft und mitunter schon nach kurzer Zeit wegen Unrentabilität geschlossen. Das defizitäre Engagement von de Vries in Frankreich kostete den Konzern allein 50 Millionen Mark. Trotz allem wurden europaweit weitere Niederlassungen gegründet und zum Teil schon nach ein oder zwei Jahren wieder geschlossen (Jugoslawien, Portugal). Niederlassungen entstanden auch in Belgien, Luxemburg, Griechenland, Großbritannien, Slowakei, Russland, Rumänien und Bulgarien.

Bereits 1997 schrieb die Firma einen Verlust von 51 Mio. Euro. Mehreren externen Managern, die unter dem neuen Aufsichtsratsvorsitzenden Hans-Peter Friedrichsen eingesetzt wurden, gelang es nicht, eine Kehrtwende zu erreichen. Mc Paper wurde 1998 an die Deutsche Post AG veräußert. 1999 wurde die Herlitz Falkenhöh AG an die RSE Projektmanagement AG aus Hamburg verkauft.RSE Projektmanagement AG übernimmt Herlitz Falkenhöh. auf welt.de, 1999 Herlitz trennte sich 2000 dann auch von ihren restlichen Anteilen an der Herlitz International Trading AG. Käufer war die Blake International Limited (British Virgin Islands); das Unternehmen wurde später umfirmiert in HIT International Trading AG, gleichzeitig wurde der Sitz dieser Gesellschaft nach Berlin verlegt. Parallel entstanden Joint Ventures mit eingeführten Marken wie Landré (1996), Diplomat (1997), Fiege eCom (2000) und Mercoline (2000).

Umsatzzahlen: 1995: 953,0 Mio. Euro 1998: 629,9 Mio. Euro 2000: 489,8 Mio. Euro 2003: 347,0 Mio. Euro

2001–2007 Die Entwicklung zwang Herlitz zu Beginn des 21. Jahrhunderts zu drastischen Einschnitten. Ab Sommer 2001 gehörte Herlitz mehrheitlich einem Bankenkonsortium, in dem unter anderen die Deutsche Bank, die HypoVereinsbank und die Bankgesellschaft Berlin vertreten waren.