mini|Die Gustavstraße war die alte Hauptstraße Fürths, heute dominiert die Gastronomie. mini|Gustavstraße 16, 14, 12, rechts ein Teil von 15, im Hintergrund 10 mini|Gustavstraße 56, 54, 52, Kirchturm St. Michael, Gustavstraße 48 Die Gustavstraße im mittelfränkischen Fürth war die alte Hauptstraße der Stadt. Die pittoreske Straße mit ihren Bürgerhäusern aus dem 18./19. Jahrhundert und ihrer ausgeprägten Kneipenszene sowie deren unmittelbares Umfeld (Altstadtviertel St. Michael) gelten als Hauptsehenswürdigkeit Fürths, nahezu alle Gebäude der Gustavstraße stehen unter Denkmalschutz. Aufgrund von Konflikten zwischen Anwohnern, Gaststättenbetreibern und Gaststättenbesuchern beschäftigt sie in jüngster Zeit nicht nur den Fürther Stadtrat und die Gerichte, sondern wiederholt auch den Bayerischen Landtag und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.

Städtebauliche Besonderheiten mini|Grafflmarkt in der Gustavstraße, Juni 2006 mini|Gustavstraße 16, 14

Die Bauerngasse (heute: Gustavstraße) war ein Teilstück der Via Publica (s. u.). Die Funktion als Hauptstraße des Marktes Fürth ging im 18. Jahrhundert auf die parallel verlaufende Rosengasse (später Obere Frankfurter Straße, heute Königstraße) über.Heinrich Habel: Stadt Fürth. München 1994, S. 126.

Typisch für die Fürther Altstadt ist auch das in der Gustavstraße besonders hervortretende Durcheinander der Baulinien. Grund dafür ist die sogenannte „Dreiherrschaft“, das Fürstbistum Bamberg, die Burggrafen von Nürnberg (ab 1415 Markgrafen von Brandenburg-Ansbach) und die Reichsstadt Nürnberg, standen sich als Rivalen in ihren landeshoheitlichen Ansprüchen auf Fürth gegenüber. Dieser besondere Status Fürths ermöglichte den Bewohnern allerdings auch besondere Freiheiten. Erst als 1791 der letzte Markgraf Karl Alexander sein Fürstentum Ansbach an seine preußischen Verwandten übergab und die einmarschierenden Preußen die Rechte der anderen Grundherren ignorierten, endete für Fürth die Dreiherrschaft. Zum Teil kann man an der Baulinie den Oberherren ablesen: Giebelständige Häuser sind oft bambergisch, traufständige nürnbergisch und Mansardendächer ansbachisch (in der Gustavstraße gab es jedoch keine ansbachischen Häuser). In der Gustavstraße hat sich

An der Einmündung der Baldstraße und an der Henri-Dunant-Straße wird das Straßenbild durch einige Häuser der vorletzten Jahrhundertwende fortgesetzt, womit auch im Altstadtkern die Blütezeit der Stadt dokumentiert ist (Fürth gilt kunsthistorisch als Stadt des Historismus). Die Gustavstraße und das Altstadtviertel St. Michael konnten das Erscheinungsbild einer fränkischen Kleinstadt mit mittelalterlich/barocken Strukturen erhalten, weil die Altstadt im äußersten Mündungswinkel von Rednitz und Pegnitz lag. Im Normalfall (also in anderen Städten) bildet die Altstadt den Siedlungskern, der im Laufe der Zeit vielfach erneuert, überlagert und umstrukturiert wird. In Fürth ergab sich wegen der Randlage der Altstadt keine Möglichkeit der Erweiterung im Altstadtbereich, so verlagerten sich die City-Funktion im 19. und frühen 20. Jahrhundert nach Süden und Südosten, womit die Altstadt mit der Gustavstraße an den Rand der Entwicklung rückte und kaum überformt wurde.Heinrich Habel: Stadt Fürth. München 1994, S. XVII.

Charakteristisch für die städtebauliche Struktur sind weiterhin die an beiden Seiten der Straße abzweigenden sackgassenartigen Hofbereiche (u. a.: Kannengießerhof, Roßnershof, Hülßenhof, Blaue Schüssel, Pfarrhof, Grüner Baum, Schuhshof, Hof des Langen Hauses, Rößleinswirtshof, Guter Bauernhof, Meckhof), die aus den ins Mittelalter zurückgehenden ehemaligen Bauernhöfen entstanden sind. Als Teil des Rößleinshofes gehörte die heutige Waagstraße und der Waagplatz auch zur Gustavstraße.Heinrich Habel: Stadt Fürth. München 1994, S. 126.Walther: Die Fürther Altstadt. Rund um Sankt Michael. Fürth 1990, S. 23 ff.

Geschichte mini|Altstadtviertel St. Michael nach einer Karte von 1717. – 1: Bauerngasse, heute Gustavstraße, 2: Kirchplatz, 3: Marktplatz, 4: Königsplatz, 5: Rosengasse, heute Königstraße. – Grün: Nürnberger Anwesen. Rot: Anwesen unter Landeshoheit des Dompropstes Bamberg. mini|Gustavstraße, von rechts nach links: Rand von 43, dann 41 (Gelber Löwe), 39, 37, 35, 33, 31 mini|Gaststätte Grüner Baum, Gustavstraße 34 mini|Gaststätte Altes Rentamt, Gründungslokal der SpVgg Fürth mini|Gustavstraße 58, Kirchturm Stadtkirche St. Michael, Gustavstraße 56 und 65 mini|Gustavstraße an der Einmündung Waagstraße, in der Bildmitte Haus Nr. 33, Gaststätte Die Bar

Anfänge Fürth verdankte seine Gründung wie auch Weiterentwicklung seiner verkehrsgünstigen Lage an einer Furt und einer Handelsstraße. Dementsprechend siedelten sich vor allem an der Hauptstraße schon im Mittelalter zahlreiche Gaststätten an.Mayer: Zu Wasser, zu Lande und in der Luft. Eine Fürther Verkehrsgeschichte. 2010, S. 9.Alexander Mayer: .

Die Straße war Teil der Via Publica, diese Altstraße führte von Brüssel in Flandern über Frankfurt am Main, Würzburg und Nürnberg bis Prag in Böhmen. In Fürth ist sie eine der wenigen Straßen, die nicht geradlinig, sondern leicht geschwungen verläuft. Ursprünglich wurde sie nach Vermutungen des Fürther Historikers Alexander Mayer westlich über die Angerstraße fortgeführt und ging zur für Fürth namensgebenden Furt über die Rednitz und dann an der abgegangenen, der Legende nach von Karl dem Großen gegründeten Martinskapelle vorbei weiter Richtung Frankfurt am Main. Später kam es zu einer ersten Verlegung, so dass die Durchfahrtsachse mehrfach abknickte, von Westen nach Osten: Maxbrücke (ehem. Badbrücke) – nördliche Königstraße (ehem. Untere Frankfurter Straße) – Marktplatz – Gustavstraße. Nach Osten verlief die Fortsetzung ursprünglich auf der alten Landstraße über Muggenhof und der Bärenschanze nach Nürnberg und von dort weiter nach Böhmen und Prag. Die alten Fortsetzungstrassen wurden mit dem von Bau der Chaussee (heutige Nürnberger- / Fürther Straße) (Fertigstellung 1804) ersetzt. Wohl schon im späten Mittelalter verlagerte sich der Durchgangsverkehr von der Gustavstraße (damals: Bauerngasse) zunehmend auf die mittlere Königstraße (damals: Rosengasse).Mayer: Zu Wasser, zu Lande und in der Luft. Eine Fürther Verkehrsgeschichte. 2010, S. 11 ff.Bernd Windsheimer: Geschichte der Stadt Fürth. München 2007, S. 12.

Um die Gustavstraße gruppierte sich der mittelalterliche Marktort, bis 1827 hieß sie Bauerngasse (der Name ist seit dem 16. Jahrhundert belegt), da hier die Bauern des Umlandes nach dem Besuch des Fürther Marktes in einem der zahlreichen Gasthäuser einkehrten (auf vielen der im Nebenerwerb betriebenen Fürther Bauernhöfe lag eine Schankgerechtigkeit). Sie stand seit jeher verkehrs- und funktionsmäßig in enger Beziehung mit dem Marktplatz.Heinrich Habel: Stadt Fürth. München 1994, S. 126 ff.

Neuzeit Der schwedische König Gustav Adolf war eventuell am 30. März 1632 und vom 17. bis 19. Juni 1632 im Vorfeld der Schlacht an der Alten Veste der mündlichen Überlieferung nach in der Gaststätte Zum Grünen Baum (Gustavstraße 34), den Belegen zufolge im nahegelegenen Pfarrhaus untergebracht, zudem dürfte er zwischen 1. September und 18. September 1632 die Straße besucht haben (Heerlager auf der Hardhöhe), weswegen er als Namenspatron gewählt wurde. Im Jahre 1827 wurde die Gustavstraße nach Gustav Adolf umbenannt, da man eine Bauerngasse mit dem städtischen Selbstverständnis nicht mehr vereinbar hielt. Um Verwechslungen mit der Gustav-Adolf-Straße in Nürnberg zu vermeiden, beschränkte man sich auf den Vornamen.Alexander Mayer: Die Bürgermeister in der Flohkammer. Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 2007, S. 43, 45.

Am 23. September 1903 fand die Gründungsversammlung der Spielvereinigung Fürth im Gasthaus Balzer (heute „Zum Alten Rentamt“, Gustavstraße 61) statt.

Mit dem Aufstieg zur Industriestadt, dem Anwachsen der Arbeiterbevölkerung und der Einrichtung einer Garnison im Jahr 1889 entwickelte sich aus Teilen des Altstadtviertels ein regelrechtes Vergnügungsviertel mit mehreren Bordellen (Gustavstr. 20/22, Obere Fischerstr. 1, Untere Fischerstr. 5). Der Pfarrer von St. Michael beschwerte sich wiederholt, dass seine Konfirmanden durch dieses anrüchige Gebiet gehen müssten. Daneben gab es auch einige „Winkelhurerei“ (Straßenprostitution). Erst als nach dem Ersten Weltkrieg in Folge des Versailler Vertrags von 1919 die bayerische Armee aufgelöst werden musste – und damit auch die Fürther Garnison, kehrte etwas Ruhe ein. 1923 wurde die Prostitution aufgrund von Beschwerden im Altstadtviertel und damit auch in der Gustavstraße verboten.Walther: Die Fürther Altstadt. Rund um Sankt Michael. Fürth 1990, S. 120 ff. Als 1945 die US-Amerikaner in Fürth eine Garnison einrichteten, eskalierte die Situation wiederum, es kam vor allem zu schweren Ruhestörungen, Lokalschlachten und Schlägereien. Deshalb erklärte die amerikanische Militärverwaltung das Viertel am 6. November 1951 für Off Limits zwischen 17 Uhr und 6 Uhr früh, kein Amerikaner durfte mehr ohne Ausnahmegenehmigung in diese Zone.Walther: Die Fürther Altstadt. Rund um Sankt Michael. Fürth 1990, S. 124 ff.

In der Kneipe „Gelber Löwe“ trat Freddy Quinn als Hillbilly-Sänger um 1950 vor amerikanischen Soldaten und in Nürnberg bei deren Rundfunksender AFN auf, bevor er 1954 in der Washington Bar in Hamburg-St. Pauli von Talentsuchern für Polydor entdeckt wurde.

In den Folgejahren kam es zu einem Trading-Down des Altstadtviertels und der Gustavstraße, zahlreiche alteingesessene Betriebe mussten schließen, auch die Gastronomie war betroffen. Die Straße und das Altstadtviertel verloren innerhalb der Stadt an relativer Bedeutung. Die relativ sinkenden Mietpreise erhöhten den Anteil Armer, Alter und Ausländer im Viertel, machten das Viertel aber auch für „Pioniere“ der Subkultur (Studenten, Künstler) zunehmend interessant. Abgesehen davon war die Bausubstanz zwar in keinem guten Zustand, blieb aber fast vollständig in seiner historischen Form erhalten. So blieben die Straße, die Stadtkirche St. Michael und das verfallene Altstadtviertel auch in der öffentlichen Wahrnehmung immer der historische Kern Fürths. Ab etwa Mitte der 1970er Jahre wurde die Straße durch Sanierungen, eine zunehmend lebendigere Kneipenszene und durch kulturelle Aktivitäten aufgewertet. Damit und mit der faktischen Verkehrsberuhigung ab 1974 (Verlegung der Bundesstraße, s. u.) gewann die Straße wieder an Freizeitattraktivität, die sich unter anderem in der Neueröffnung von Kneipen äußerte. Allerdings verschwanden die meisten Einzelhändler und nahezu alle Handwerksbetriebe, erst jüngst kam es wieder zu Neueröffnungen.Stefan Maurer: Bürgervereinigung Altstadtviertel St. Michael Fürth e.V. Aktivitäten von 1974 bis heute. Versuch einer chronologischen Zusammenstellung. Fürth 1995.

Verkehrsberuhigung, Wiederbelebung und „Kneipenstoppbebauungsplan“