mini|hochkant|Elżbieta Ostrogska Elżbieta Ostrogska (deutsch: Elisabeth Ostrogska; bekannt als Halszka Ostrogska (deutsch: Halschka Ostrogska) oder Halszka z Ostroga; * 19. November 1539 in Ostróg; † Dezember 1582 in Dubno) war eine Fürstin von Ostróg (Ostrog), polnisch-ruthenische Magnatin, dreifache Witwe, reichste Frau des Landes (Polen-Litauen im 16. Jahrhundert) und Opfer politischer Ränkespiele des Hochadels.

Leben Eltern mini|hochkant|Wappen der Fürsten von Ostrog Der Vater von Halszka war Fürst Ilja (Elias) von Ostrog (1510–39), ein Abkömmling einer der mächtigsten Familien des Großfürstentums Litauen. Er war Sohn des Großhetmans von Litauen, Konstanty Ostrogski, und galt als einer der reichsten Männer des vereinigten Königreichs von Polen-Litauen. Zum Zeitpunkt seines Todes war er der Landvogt von Brazlaw und Winnitza. mini|links|hochkant|Beata Kościelecka, Mutter von Halszka Ihre Mutter hieß Beata Łaska, geb. Kościelecka (1510–1576), und war Tochter des Schatzmeisters der (polnischen) Krone, Andrzej Kościelecki und der für ihre SchönheitPiotr Maluśkiewicz: Halszka z Ostroga. In: Zygmunt Rola (Hrsg.): Tajemnicza Wielkopolska, S. 190. berühmten königlichen Hofdame Katharina Ochstadt von Telnitz. Gerüchten zufolge könnte sie sogar eines der unehelichen Kinder des polnischen Königs Sigismund I. gewesen sein. Ihre prunkvolle und mehrere Tage dauernde Hochzeitsfeier wurde mit Wohlwollen des Königspaars am 3. Februar 1539 auf der königlichen Wawelburg zu Krakau ausgerichtet.Vgl. Sylwia Zagórska: Aktualizacja Legendy, S. 16–22. Nach der Hochzeit lebte das Ehepaar auf dem Schloss in Ostróg.

Kindheit mini|hochkant|Konstantin Wasil Ostrogski, Stiefonkel und Vormund von Halszka Eine Tochter, die man Elżbieta (Halszka) nannte, kam auf die Welt rund drei Monate nach dem Tod ihres Vaters. Halszka schien von Anbeginn an vom Pech verfolgt. Denn bei dem zur Hochzeitsfeier der Eltern dazugehörigen Ritterturnier, erlitt ihr Vater innere Verletzungen, an deren Folgen er rund ein halbes Jahr später in der Nacht zum 20. August 1539 verstarb: Beim Tjosten gegen den Krpnprinzrn und Thronfolger, Großfürst von Litauen Sigismund August, fiel er so unglücklich vom Pferd, dass er sich davon nicht mehr erholte. Er schaffte es jedoch, noch vor seinem Tod ein Testament zu verfassen, in dem er sein Vermögen zwischen seiner Frau mit dem ungeborenen Kind und seinen Stiefbruder, Konstantin Wassil Ostrogski, aufteilte.Vgl. Roman Żelewski: Ostrogski Ilia (Eliasz) książę (1510-1539), S. 481. Zusammen mit dem Marschall von Wolhynien, Fürst Fjodor Sanguschko und dem Königspaar, sollte sein Stiefbruder Wassil die Vormundschaft über das Kind ausüben. Das Testament wurde vom König bestätigt. Trotzdem aber begannen schon bald die Erbschaftsstreitigkeiten:

Im Mai 1542 bestimmten die königlichen Kommissare eine Vermögensaufteilung zwischen Tochter und Mutter, wobei die Mutter auch über das Vermögen der Tochter verfügte. Die dreijährige Halszka wurde von ihrer Mutter zum absoluten Gehorsam erzogen und war von ihr in jeder Hinsicht abhängig. Das heranwachsende Kind mit seinem riesigen Vermögen und Ländereien von der Größe Thüringens, die ihresgleichen suchten, wurde zu einer landesweit begehrten Partie. Die Mutter jedoch ließ sich Zeit, während die zahlreichen Kandidaten großen Aufruhr im Lande verursachten. 1551 beschloss sogar der Reichstag von Litauen (poln.: 'Sejm Litewski') zu Wilna (Ostróg gehörte damals zum Großfürstentum Litauen), dass die Mutter ihre Tochter nicht ohne die Zustimmung naher Verwandtschaft verheiraten dürfe.Piotr Maluśkiewicz: Halszka z Ostroga. In: Zygmunt Rola (Hrsg.): Tajemnicza Wielkopolska, S. 191. Zudem musste der Heiratskandidat die Zustimmung der beiden Vormünde und des Königs gewinnen. Denn der inzwischen (1548) König von Polen-Litauen gewordene Sigismund II. August, der seit 1529 Großfürst von Litauen war, hatte kein Interesse daran, dass ein polnischer Magnat Halszka heiratete, ohne ihm huldigen zu müssen. Im Gegensatz zu den litauischen Adeligen, waren nämlich die polnischen Adeligen davon befreit. Als Landesherr von Litauen hatte er selbst das Recht, seine Landeskinder zu verheiraten.

Heirat mit Dimitro Sanguschko mini|links|hochkant|Dimitro Sanguschko In der Zwischenzeit war jedoch Halszkas Vormund, Fürst Fjodor Sanguschko von Wolodymyr-Wolynskyj, gestorben. Währenddessen plante ihr zweiter Vormund und Onkel, Fürst Konstantin Wassil Ostrogski, sie mit einem viel versprechenden Sohn Dimitro (Landvogt von Kaniów und Tscherkassy) ihres ersten Vormunds zu verheiraten. Dimitro Sanguschko hatte sich bereits als aufstrebender Heerführer im Kampf gegen die fast jährlich die Gebiete der heutigen Ukraine plagenden Krimtataren glänzend bewährt und erwarb sich so allgemeine Anerkennung. Man prophezeite ihm eine steile Karriere. Zunächst schien weder das Mädchen noch ihre Mutter diesen Plänen abgeneigt gewesen zu sein. Als aber der König sein Veto eingelegt hatte, zog die Mutter ihre Zustimmung zurück.

Brautraub Dimitro Sanguschko soll in die Vierzehnjährige sehr verliebt gewesen sein und wollte von ihr nicht ablassen. Unter dem Vorwand eines Höflichkeitsbesuchs wollte er die junge Prinzessin mit Hilfe von Wassil Ostrogski entführen. In vergleichbaren Situationen galt nämlich der Brautraub durchaus als eine probate Methode, seinem Glück auf die Sprünge zu helfen. Da aber Fürstin Beate beide Männer nicht mehr empfangen wollte, eroberten sie mit ihren Bediensteten im Sturm das Schloss, wobei es viele Verletzte und einige Tote gab. Anschließend wurde Fürstin Beate in einem kleinen Zimmer festgesetzt, während ihre Tochter von ihrem Vormund zum Traualtar geführt wurde. Der hatte auch für sie während der eiligst anberaumten Hochzeitszeremonie gesprochen, derweil die Prinzessin die ganze Zeit schwieg. Die Ehe wurde sogleich vollzogen, was Fürstin Beate in einem Brief an den König beklagte.Piotr Paweł Prus: Księżniczka Halszka z Ostroga, S. 18.

Königsvotum mini|links|hochkant|Sigismund II. August Der König Sigismund II. August befahl, die Burg Ostróg unverzüglich zu räumen und die Frauen freizulassen. Fürst Wassil gehorchte prompt und überließ die Burg seiner Besitzerin, Fürstin Beate. Fürst Dimitro jedoch wollte seine junge Braut nicht aufgeben und flüchtete mit ihr weit nach Osten, auf seine Burg in Kaniów. Der König entzog ihm daraufhin alle Ämter und bestellte ihn zusammen mit seinem Komplizen, Wassil Ostrogski, zum Gerichtstermin am 5. Januar 1554 nach Knyszyn ein. Beide stellten sich nicht. mini|Ferdinand I. auf einem Porträt von Hans Bocksberger Allerdings setzte sich für Wassil Ostrogski der künftige Kaiser Ferdinand von Habsburg ein, der im Brief vom 14. Dezember 1554 die Schuld für den Konflikt Fürstin Beate zuschrieb. Im Übrigen berief er sich auf das Gewohnheitsrecht. Somit entging Wassil Ostrogski einer ernsthaften Bestrafung, nur dass ihm die Vormundschaft über die Prinzessin Elżbieta entzogen wurde. Dafür traf es Dimitro Sanguschko umso härter: Seine Abwesenheit wurde als Hochmut und Beleidigung der königlichen Autorität gewertet. Er wurde daher in Abwesenheit für ehr- und rechtlos erklärt, sein Vermögen wurde eingezogen, er sollte seine junge Frau ihrer Mutter herausgeben. Obendrein sollte er für seine Verbrechen mit dem Leben bezahlen. Der König erklärte zudem seine Ehe mit Halszka für ungültig.

Flucht nach Böhmen links|mini|hochkant|Nikolauskirche in Jermer an der Elbe Nachdem der König den jungen Fürsten Sanguschko für Vogelfrei erklärt hatte, wollte sich dieser durch die Flucht ins Ausland retten, aber auch seine Frau nicht aufgeben. Mit nur kleinem Gefolge aus seinen treusten Bediensteten und Halszka, die ebenfalls als Knappe verkleidet wurde, floh er nach Böhmen, wo ein Freund der Familie, Kronhetman Jan Amor Tarnowski einige Besitzungen hatte, darunter auch die Burg in Raudnitz an der Elbe. Dort hoffte Sanguschko, eine sichere Zuflucht zu finden. Das hatten jedoch auch die drei Suchtrupps zumindest geahnt, welche mit Billigung des Königs oder im Auftrag der Fürstin Beate (Mutter der entführten Braut) die Flüchtlinge auf eigene Rechnung auch noch im Ausland jagten. Kurz vorm Ziel wurden die Flüchtigen in Lissa an der Elbe eingeholt und hinterlistig mit Duldung des hiesigen Burgvogtes gefangen genommen, obwohl sich Fürst Dimitro Sanguschko, ein erfahrener Krieger, heftig wehrte. Zwar durfte das Todesurteil nicht sofort vollstreckt werden, aber der Anführer des Suchtrupps, Woiwode von Kalisz Marcin Zborowski, hatte mit der jungen wie reichen Halszka seine eigenen Pläne. Daher ließ er ihren Ehemann auf einem Zwischenhalt in Jermer auf dem Rückweg nach Polen am Abend des 3. Februar 1554 misshandeln und mit einer Kette erdrosseln, bevor ihn jemand aufhalten konnte. Seine Leiche warf man achtlos in den Schnee. Der schändliche Tod des ausländischen Fürsten löste Unruhen unter der Bevölkerung aus. Zborowski wurde auf Geheiß des Königs von Böhmen Ferdinand von Habsburg verhaftet, wurde aber auf Bitten des Königs von Polen Sigismund II. August, dessen Befehle Zborowski eigentlich nur ausführte, am 11. Februar 1554 wieder freigelassen. Die Leiche von Dimitro Sanguschko wurde in der Stadt seines Todes, in der Nikolauskirche, in der Seitenkapelle der Hl. Barbara, zur ewigen Ruhe gebettet, woran heute noch eine von seiner Familie gestiftete Gedenktafel erinnert.Sylwia Zagórska: Aktualizacja Legendy, S. 43–45.

Hochzeit mit Lukas III. Górka Halszka wurde trotz aller Zwischenfälle rasch nach Polen gebracht und ihrer Verwandtschaft (Fam. Kościelecki und Górka) übergeben. Am 15. März 1554 kam es zum Wiedersehen mit ihrer Mutter, die extra deswegen nach Posen gereist war. Dort reichte sie eine Klage gegen ihren Onkel und Vormund Wassil wegen des Überfalls und Entzugs des Vermögens. Da sie nicht mehr verheiratet war, meldeten sich bei ihr erneut Heiratskandidaten aus den besten Familien des Landes. Gute Chancen rechnete sich Marcin Zborowski, der die Prinzessin eben in Böhmen "befreite", für seinen Sohn aus. Da er jedoch nicht gerade als königstreuer Gefolgsmann galt, wollte ihn der König Sigismund II. August nicht mit dem riesigen Vermögen der Prinzessin auch noch stärken.

mini|links|Lukas III. Górka