mini|Kirche in Hochelheim von Südwest mini|Innenraum mit Blick nach Westen zur Orgelempore Die Evangelische Kirche in Hochelheim, einem Ortsteil von Hüttenberg im Lahn-Dill-Kreis (Mittelhessen), ist eine Kirche im Stil der Neurenaissance. Die Saalkirche geht im Kern auf das 17. Jahrhundert und der Dachreiter auf das 18. Jahrhundert zurück. Das hessische Kulturdenkmal ist Ortsbild prägend und erhielt nach einem Umbau und einer Erweiterung um ein Querhaus in den Jahren 1905/1906 seine heutige Gestalt.Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.), Wenzel (Bearb.): Kulturdenkmäler in Hessen. Lahn-Dill-Kreis II. 2003, S. 320. Erhalten sind einige Inventarstücke aus dem Barock.

Geschichte Für das Jahr 1285 ist in Hochelheim ein Pleban namens Rudolf nachgewiesen.Ernst Wiese (Bearb.): Urkundenbuch der Stadt Wetzlar. 1141–1350. Bd. 1. Elwert, Marburg 1911, Urkunde Nr. 146. Weitere Hinweise auf eine Kapelle in Hochelheim finden sich in Urkunden aus den Jahren 1426: Ein Flurstück liegt „under der kirchen lande“, ein weiteres „under dem kirchgude“.Wolf-Heino Struck (Bearb.): Das Marienstift zu Wetzlar im Spätmittelalter. Regesten 1351–1500 (= Urkundenbuch der Stadt Wetzlar. Bd. 3). Elwert, Marburg 1969, Urkunde Nr. 782. In der gleichen Urkunde findet sich auch die Flurbezeichnung „hinder dem kirchobe zu Hirlsheym“, die auf eine Kirche in Hörnsheim hinweist. Im gleichen Urkundenbuch finden sich weitere Hinweise auf Kirchengut aus dem Jahr 1455. Im Jahr 1478 wird ein Stück Land bezeichnet, das in Hochelheim „bii dem priester“ liegt, dazu Haus und Hof „bei dem Kirchhof“. 1488 wird die Kirche in Hochelheim erwähnt. Die Gemeinde war in ausgehenden Mittelalter dem Dekanat Wetzlar und Archidiakonat St. Lubentius Dietkirchen im Bistum Trier zugeordnet.Schulte: Die Geschichte Großen-Lindens und des Hüttenbergs. 1990, S. 28. Die Kirche in Hochelheim war sehr lange eine Filiale der Mutterkirche in Großenlinden, deren Gebiet sich über bis zu 22 Dörfern im Hüttenberger Land erstreckte.Marie-Luise Westermann, Kirchenvorstand der evangelischen Kirchengemeinde Großen-Linden (Hrsg.): Romanische Kirche Großen-Linden. Dokumentation der Baugeschichte. Evangelische Kirchengemeinde, Linden 2008, S. 5. Die Kollatur hatte die Familie Wais von Fauerbach bis 1592 inne, anschließend die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und ab 1703 Nassau-Weilburg.Abicht: Der Kreis Wetzlar, historisch, statistisch und topographisch dargestellt. Bd. 3. 1837, S. 385, .

Als die Reformation ab 1527 in der Pfarrei Großen-Linden eingeführt wurde, wechselte Hochelheim, das damals eine von noch sechs Filialen war, zum evangelischen Bekenntnis. Im Jahr 1578 wurde Hochelheim mit dem Filial Dornholzhausen zur Pfarrkirche erhoben. Als erster evangelischer Pfarrer wirkte von 1578 bis 1608 Christoph Warich. Im Jahr 1629 wurde die kleine Kapelle aus vorreformatorischer Zeit durch eine Saalkirche ersetzt.Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Hessen I. 2008. Eine Inschrift in der Emporenbrüstung aus dem Jahr 1657 kann sich auf einen nachträglichen Einbau der Emporen beziehen. Die beiden mittelalterlichen Glocken wurden in den Neubau übernommen.

Im Jahr 1703 wurde das Hüttenberger Land im Zuge eines Austauschs von Gebietsteilen zwischen Hessen und Nassau aufgeteilt. Hochelheim und Hörnsheim fielen an die Grafschaft Nassau-Weilburg und gelangten 1815 an das Königreich Preußen. Sie gehörten in der Folge zum Kreis Wetzlar in der Rheinprovinz.Geschichte von Hörnsheim, abgerufen am 21. März 2022. Die Gemeinde schaffte im Jahr 1701 eine Orgel und 1727 eine dritte Glocke an, die von Barthels in Frankfurt am Main gegossen wurde.Abicht: Der Kreis Wetzlar, historisch, statistisch und topographisch dargestellt. Bd. 2. 1836, S. 60, .

mini|hochkant|Innenraum der alten Kirche mit Orgel (vor 1906) In den Jahren 1905/1906 folgte unter Kreisbaumeister Wilhelm Witte ein eingreifender Umbau der Kirche, der einem Neubau gleichkam. Die Langseiten des Saalbaus samt Dachwerk und Dachreiter blieben erhalten, ebenfalls einige barocke Inventarstücke. Neu gestaltet wurde die westliche Giebelseite und im Osten ein Querhaus angebaut.

mini|Januarmorgen mit Mondaufgang Paul Schneider verbrachte ab 1910 seine Jugend in Hochelheim, als sein Vater hier Pfarrer war. Im Jahr 1926 übernahm er das Amt seines verstorbenen Vaters und wirkte bis 1934 als evangelischer Pfarrer von Hochelheim und Dornholzhausen. Paul Schneider wurde 1939 im KZ Buchenwald von den Nazis ermordet. Das evangelische Gemeindehaus wurde 1989 ihm zu Ehren in „Paul-Schneider-Gemeindezentrum“ umbenannt.

Im Jahr 1952 erfolgte eine komplette Renovierung der Kirche.

Nachdem sich die politischen Gemeinden Hochelheim und Hörnsheim 1968 zur Gesamtgemeinde Hüttenberg zusammengeschlossen hatten, wurden die beiden Kirchengemeinden Hochelheim mit 1560 und Hörnheim mit 800 Mitgliedern am 3. Juli 1970 pfarramtlich verbunden. Bis dahin wurde Hörnsheim von der Evangelischen Kirche Lützellinden versorgt. Das Gebiet der vereinigten Kirchengemeinden ist nahezu identisch mit dem der neuen Kommune.

Im Zuge einer Renovierung in den 1980er Jahren wurden die Malereien an Kanzel und Taufstein, die zweimal überstrichen worden waren, freigelegt. Zudem wurde ein neuer Glockenstuhl aus Stahl eingebaut und der alte hölzerne Glockenstuhl dem Glockenmuseum auf Burg Greifenstein überlassen. Der westliche Eingangsbereich der Kirche wurde im Jahr 2002 abgetrennt. Nachdem er als Aufenthaltsbereich für die Kleinkinder während des Gottesdienstes nicht angenommen wurde, entstand hier ein Foyer für das regelmäßig stattfindende Kirchenkaffee.

Am 1. Januar 2008 wurde die Evangelische Kirchengemeinde Hochelheim-Hörnsheim als Nachfolgerin der bis dahin pfarramtlich verbundenen Gemeinden neu gebildet.Kirchliches Amtsblatt der Evangelischen Kirche im Rheinland. Nr. 11 vom 15. November 2007, S. 428, abgerufen am 21. März 2022 (PDF-Datei; 133 kB). Die Kirchengemeinde Hochelheim-Hörnsheim gehört zum Evangelischen Kirchenkreis an Lahn und Dill in der östlichen Enklave Braunsfels/Wetzlar in der Evangelischen Kirche im Rheinland.Evangelischer Kirchenkreis an Lahn und Dill, abgerufen am 21. März 2022.

Architektur mini|links|Grundriss von Wilhelm Witte (1905) mini|hochkant|Repräsentative westliche Giebelseite mini|hochkant|Südfenster in der Apsis von 1906 Die annähernd geostete und nicht zur Straße ausgerichtete Kirche ist im Ortszentrum errichtet. Sie besteht aus einem älteren Saalbau auf rechteckigen Grundriss mit einem östlichen Querbau von 1906, der mit einer flachrunden Ostapsis in Schiffsbreite abschließt.Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Hessen I. 2008, S. 418. In der Nordostecke ist eine kleine Sakristei angebaut. Das Mauerwerk ist außen und innen weiß verputzt; Eckquaderung, Gewände und andere Gliederungselemente aus rotem Sandstein sind ausgespart. Die Westseite präsentiert sich als aufwändig gestaltete Schauseite.

Das Langhaus wird an den Langseiten durch je zwei große Rundbogenfenster belichtet und von einem steilen Schopfwalmdach bedeckt, dem ein Haubendachreiter des 18. Jahrhunderts aufgesetzt ist. Das rechteckige Westportal dient als Haupteingang. Es hat eine breite Sandsteinumrahmung, in die zwei kleine rechteckige Bleiglasfenster mit Rautenmuster eingelassen sind. Vier Kopfbänder tragen ein geschweiftes Vordach, über dem ein dreigeteiltes Rechteckfenster mit Sandsteingewände angebracht ist. Der Dreiecksgiebel wird durch ein Sandsteinband abgetrennt. Die drei Fenster werden nach oben als halbrundes, trichotomisches Thermenfenster fortgeführt. Den oberen Abschluss bildet eine Bauinschrift mit Architrav.

Der achtseitige Dachreiter ist vollständig verschiefert. Das Untergeschoss, das bis zum Dachfirst reicht hat nach Süden und Norden je vier kleine Schallöffnungen, das Mittelgeschoss in jede Himmelsrichtung ein Paar Schallöffnungen und dazwischen die Ziffernblätter für die Turmuhr. Die zweigeschossige Welsche Haube wird von Turmknauf, schmiedeeisernem Kreuz und Wetterhahn bekrönt.

Der Querbau von 1906 hat eine zweigeschossige Fensteranordnung und wird von einem Walmdach bedeckt. Die Westseite hat angrenzend an das Langhaus je ein rechteckiges Nebenportal, über dem zwei quadratische Fenster und ein doppelt geschweiftes Vordach auf Bügen angebracht sind. Nach außen schließen sich Treppentürme an, deren Wendeltreppen zu den Emporen und zum Dachgeschoss führen. Sie bilden Seitenrisalite. Der untere Bereich hat je zwei kleine quadratische und oben zwei kleine rechteckige Fenster, die sich in der Höhe dem Verlauf der Treppe anpassen. Das quadratische Obergeschoss der Treppentürme oberhalb der Traufe ist vollständig verschiefert und hat nach Westen drei schmale Fenster. Die geschweifte Haube wird von einer Spitze mit Kugel bekrönt. Nord- und Südseite des Querbaus haben im unteren Bereich je drei kleine Fenster mit flachem Stichbogen, im oberen Bereich je drei hohe Rundbogenfenster. Die Apsis ist in der unmittelbaren Ostseite fensterlos und seitlich hat zwei hoch sitzende, rundbogige Bleiglasfenster aus der Umbauzeit.Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.), Wenzel (Bearb.): Kulturdenkmäler in Hessen. Lahn-Dill-Kreis II. 2003, S. 321. Den Hintergrund bildet ein hellbaues Rautenmuster. Das mittlere Drittel wird von einem Medaillon beherrscht, das im oberen Teil mit Voluten in Gelbtönen und im unteren Teil von einem geflügelten Engelkopf verziert wird, von dem ein geschwungenes rotes Band mit angehängten Quasten ausgeht. Das Nordfenster zeigt zentral das Christusmonogramm XP, das von den griechischen Buchstaben Alpha und Omega flankiert wird, das Südfenster zeigt das Auge der Vorsehung in einem Strahlenkranz über einer Leier, die auf einem Buch steht.

An den Außenwänden der Kirche sind vier barocke Grabmäler aus Hörnsheim aufgestellt, darunter drei aus rotem Sandstein mit geschwungenem Abschluss aus dem Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts. Ein Relief zeigt jeweils die Familie des Verstorbenen unter dem Gekreuzigten.

Das Kriegerdenkmal aus dem Jahr 1921 im Südwesten vor der Kirche trägt über einem zweistufigen Sockel auf einer Stele mit einem bekrönenden Adler die Namen von 24 Gefallenen des Ersten Weltkriegs.deutsche-kriegsgeschichte.de, abgerufen am 21. März 2022.

Ausstattung mini|Innenraum mit Blick nach Osten mini|hochkant|Renaissance-Kanzel von 1620 Der Innenraum wird von einer Flachdecke abgeschlossen, die im Bereich des Anbaus von einem U-förmigen Unterzug getragen wird. Der in etwa quadratische Eingangsbereich wird durch eine Glasfront mit mittiger Glastür vom Kirchenschiff abgetrennt und dient als Foyer. Am Rand sind einige Kirchenbänke aufgestellt.