Der Citylink ist ein Stadtbahnfahrzeugtyp, der je Ausführung für den Einsatz im Straßenbahn- und Eisenbahnbereich geeignet ist. Die ersten Fahrzeuge wurden 2003 in Spanien eingesetzt. In Großbritannien, Deutschland, Österreich und Ungarn sind diese Fahrzeuge vor allem als Tram-Train im Einsatz und gehen dabei vom Straßen- bzw. Stadtbahnnetz auf Eisenbahnstrecken über. Dafür erfüllen sie sowohl Straßenbahn- als auch Eisenbahnnormen und sind mit unterschiedlichen Antriebssystemen ausgeliefert worden, etwa als Mehrsystemfahrzeuge für unterschiedliche Bahnstromsysteme. Manche Fahrzeugserien sind zusätzlich mit einem fahrdrahtunabhängigen Antrieb, Diesel oder Akku, ausgestattet. Grundsätzlich wurde der Citylink als Fahrzeug mit Niederflureinstiegen konstruiert, aber es gibt auch Varianten ohne Niederflurbereich.

Die Fahrzeuge wurden ursprünglich vom Hersteller Vossloh España in der Nähe von Valencia entwickelt und gebaut. Seit der Übernahme 2015 des Vossloh-Geschäftsbereichs Rail Vehicles durch Stadler Rail AG wird die Produktion von Stadler Rail Valencia fortgeführt.

Versionen und Einsatzorte Der Grundaufbau ist bei allen Versionen mit einem auf zwei Drehgestellen laufenden Mittelwagenkasten und darauf aufgesattelten Endwagenkästen gleich, doch die Versionen für die einzelnen Besteller weichen deutlich ab. Die Enddrehgestelle sind in jedem Fall Triebdrehgestelle, unter den Mittelwagen kommen sowohl Trieb- als auch Laufdrehgestelle vor. Bei Mittelwagenkästen mit tiefliegendem Wagenboden sind es generell Laufdrehgestelle. Der Wagenboden über den Enddrehgestellen ist wegen der Antriebe in keinem Fall niederflurig.

Die Wagen für Aarhus erhielten erstmalig einen vierten Wagenkasten mit einem weiteren Drehgestell, bei den Fahrzeugen für die Regionaltangente West hat dieser zweite Mittelwagen zwei Drehgestelle.

Spanien mini|Einheit der Reihe 4100 mit Niederflureinstiegen in Alicante Erstbesteller von Citylink-Fahrzeugen war 2003 die spanische Verkehrsgesellschaft Ferrocarrils de la Generalitat Valenciana (FGV). Die meterspurigen, dreiteiligen Triebwagen der Baureihe 4100 sind Einsystemfahrzeuge für den Einsatz auf der Stadtbahn Alicante. Im Herbst 2017 orderten die FGV weitere Citylinks in Zweikraftausführung mit Dieselantrieb als Baureihe 5000 für den nicht elektrifizierten Streckenabschnitt Benidorm–Denia. Diese unterscheiden sich auch durch eine neue Frontgestaltung.

Der Serveis Ferroviaris de Mallorca beschaffte 2009 bis 2011 sechs Einheiten, die im Wesentlichen der Reihe 4100 der Stadtbahn Alicante entsprechen. Diese wurden für die Wiederinbetriebnahme der Strecke Manacor – Arta bestellt. Nach einem Regierungswechsel wurde der Wiederaufbau der Strecke jedoch 2012 abgebrochen. Wegen der abweichenden Bahnsteighöhen sind diese Wagen für die übrigen Strecken der SFM nur bedingt geeignet und ohne Anpassung nicht barrierefrei. Nach Anpassungen der Infrastruktur der Strecke Palma – Sa Pobla und Errichtung niedriger Bahnsteige sind die Züge seit Mai 2022 im planmäßigen Einsatz.

Bei beiden Betrieben sind die Bereiche zwischen den Einstiegen in beiden Endwagen niederflurig. Zu den hochflurigen Bereichen führen jeweils drei Stufen. Eins der Mittelwagendrehgestelle ist ein zusätzliches Triebdrehgestell, damit ist die Achsfolge Bo’(Bo’2’)Bo’. Durch die hohe Lage des Mittelwagenbodens ist dieser eben und frei von Einbauten. Damit sind die Sitze freizügig anzuordnen.

Deutschland und Österreich In Deutschland werden Fahrzeuge dieses Typs in Karlsruhe als Stadtbahnfahrzeug NET 2012 und in Chemnitz als Mehrsystem-Zweikraft-Tram-Train für die City-Bahn eingesetzt. Diese Einheiten sind regelspurig und laufen wegen des Mischbetriebes auf Straßen- und Eisenbahnstrecken auf Kompromissradsätzen.

Darüber hinaus befinden sich Citylink-Fahrzeuge in unterschiedlichen Konfigurationen aus der gemeinsamen Beschaffung VDV-Tram-Train von sechs Verkehrsbetrieben in Deutschland und Österreich in Auslieferung. Ein weiteres zukünftiges Einsatzgebiet, für welches Citylink-Fahrzeuge bestellt sind, ist die Regionaltangente West.

Karlsruhe mini|Citylink in Karlsruhe

Für den Einsatz auf der Straßenbahn Karlsruhe sowie auf den Einsystem-Linien der Stadtbahn Karlsruhe (S1, S11, S12 und S2) bestellten im Jahr 2011 die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) und die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) 25 Fahrzeuge. Im April 2015 und März 2016 wurden jeweils 25 weitere Fahrzeuge dieses Typs bestellt, sodass insgesamt 75 Fahrzeuge beschafft wurden. Die in Karlsruhe als NET 2012 bezeichneten Fahrzeuge sind seit April 2015 in Betrieb, ihre Zulassung nach EBO erfolgte im Juni 2015.

Die NET 2012 sind reine Gleichstromwagen und verkehren auf dem Straßenbahnnetz und auf mit Gleichstrom elektrifizierten Eisenbahnstrecken nach EBO. Sie waren die ersten Citylink-Wagen in Einrichtungsbauart.

Weitere Citylinks für die Straßenbahn und die Stadtbahn Karlsruhe werden im Rahmen des VDV-Tram-Train-Projekts beschafft.

Chemnitz mini|alt=|Citylink im Bahnhof Mittweida Für die Chemnitz Bahn wurden 2012 von der Verkehrsverbund Mittelsachsen GmbH (VMS) acht Triebwagen bestellt, die für Sommer 2015 erwartet wurden. Der erste Wagen traf im August 2015 ein. Im Juli 2015 wurden vier weitere Fahrzeuge nachbestellt. Die Triebwagen sind 37 Meter lange Zweirichtungsfahrzeuge, sie sind für Eisenbahnbetrieb nach der EBO und Straßenbahnbetrieb nach der BOStrab zugelassen. Für Chemnitz wurden trotz des Einsatzes auch auf der elektrifizierten Strecke nach Mittweida nur Zweikrafttriebwagen beschafft. Sie sind für die Gleichspannungen von 600 (im Straßenbahnnetz von Chemnitz) und 750 Volt (auf der Strecke nach Stollberg (Erzgeb)) ausgelegt und zusätzlich mit zwei Dieselgeneratoren ausgerüstet. Ihre zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt auf BOStrab-Strecken 60 und auf EBO-Strecken 100 km/h. Zur Gewährleistung von stufenlosen Einstiegen auch bei unterschiedlichen Bahnsteighöhen sind die beiden mittleren der vier Türen höher angeordnet. Die Zweikrafttriebwagen für Chemnitz werden im Fahrzeugeinstellungsregister (NVR) unter der Baureihe 0690 geführt.

Der Fahrgastbetrieb wurde am 4. April 2016 aufgenommen, jedoch wegen fehlender Zulassung für den Straßenbahnverkehr zu Anfang nur auf Eisenbahnstrecken. Die Zulassung erfolgte nach Anpassungsarbeiten insbesondere der Bahnsteigkanten im Netz der CVAG im Oktober 2016. Im April 2017 traf das erste Fahrzeug der Nachbestellung in Chemnitz ein.

Die VMS beteiligten sich mit anderen Regionalbahnbetreibern an der Erarbeitung des Lastenhefts für den VDV-Tram-Train.Gemeinsame Fahrzeugbestellung »VDV-Tramtrain« besiegelt. VMS beschafft in Kooperationsprojekt weitere Fahrzeuge für das Chemnitzer Modell . 12. März 2019, abgerufen am 8. Juni 2022. Als sich herausstellte, dass dies wesentlich von den VMS-Anforderungen abwich, erfolgte Ende 2020 eine eigene Ausschreibung über 19 Fahrzeuge für Chemnitz. Am 31. März 2022 gab der VMS die Bestellung von weiteren 19 (mit Option auf 27 weitere) Citylink-Triebwagen bekannt, deren Lieferung im Dezember 2025 begann und die ab 2027 eingesetzt werden sollen. Die neuen Wagen haben eine Antriebsleistung von 750 kW und eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h. Im Gegensatz zu den Wagen der ersten Generation sind die neuen elektrische Mehrsystemfahrzeuge für 600 V Gleichspannung im Stadtgebiet, 750 V Gleichspannung auf der Strecke nach Stollberg und 15 kV Wechselspannung im übrigen Umland. Am 16. Dezember 2025 traf das erste der als eCitylink bezeichneten Fahrzeuge in Chemnitz ein.

VDV-Tram-Train mini|Innenraum des VDV-Tram-Train (hier für die Saarbahn) mini|VDV-Tram-Train der Saarbahn Mit dem Ziel, die Beschaffungskosten neuer Fahrzeuge zu verringern, hatten ab 2017 mehrere Stadtbahnbetreiber im Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) die Erarbeitung eines einheitlichen Fahrzeugtyps unter der Projektbezeichnung VDV-Tram-Train angestoßen. Dies mündete in eine gemeinsame Ausschreibung von sechs Verkehrsbetrieben aus Deutschland und Österreich (Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK), Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG), Saarbahn, Schiene Oberösterreich, Land Salzburg, Zweckverband Regional-Stadtbahn Neckar-Alb), die im Sommer 2020 den interessierten Herstellern übermittelt wurde. Sie umfasste die Lieferung von bis zu 504 elektrisch angetriebenen Regionalstadtbahnwagen sowie deren Instandhaltung.

Im Januar 2022 wurde mitgeteilt, dass Stadler Rail die Ausschreibung für sich entscheiden konnte und 246 Citylink mit einer Option über 258 weitere Fahrzeuge liefern wird. Ein Fahrzeug der Saarbahn wurde 2024 auf der InnoTrans präsentiert. Die ersten Vorserienfahrzeuge sollten 2024 geliefert werden. Durch die Flutkatastrophe in Spanien 2024, die auch den Produktionsstandort in Valencia betraf, verzögerte sich die Auslieferung. Am 9. Juni 2025 wurde der erste Triebwagen der Saarbahn öffentlich vorgestellt. Die weiteren jeweils ersten Fahrzeuge wurden im Dezember 2025 an die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft, im Februar 2026 an Schiene Oberösterreich und im Mai 2026 an die Verkehrsbetriebe Karlsruhe geliefert. Im Juni 2026 erfolgte bei der Saarbahn der erste Einsatz im Fahrgastbetrieb, zunächst beschränkt auf den Straßenbahnabschnitt Römerkastell – Siedlerheim.

Die Betreiber bestellen verschiedene Ausstattungsvarianten, die von einer Basisausführung abgeleitet werden, deren Entwicklungs- und Zulassungskosten sich die Partner teilen. Die Varianten unterscheiden sich beispielsweise in der Bahnsteighöhe, der Anzahl der Türen, dem Einbau einer Toilette und der Mehrsystemfähigkeit.Tram-Train für alle AVG, 6. August 2020, abgerufen am 8. Juni 2022 Die Züge der AVG und der Regional-Stadtbahn Neckar-Alb werden beispielsweise mit ETCS und Zugintegritätsüberwachung ausgerüstet sowie für ATO (im Automatisierungsgrad 2) sowie FRMCS vorbereitet. Auch die Züge für Österreich sind mit ETCS ausgerüstet.

Die TT-NF genannte Variante der VBK ist, wie bereits der NET 2012, als Einrichtungswagen mit Triebdrehgestellen an den Enden und Laufdrehgestellen in der Mitte ausgeführt. In den Endteilen gibt es jeweils zwei Fahrgasttüren, im Mittelteil eine. Auch der mittlere Wagenteil ist stufenfrei erreichbar. Im Gegensatz dazu sind alle anderen Varianten Zweirichtungswagen, bei denen nur eines der mittleren Drehgestelle antriebslos ist. In den Endteilen sind jeweils beidseitig zwei Fahrgasttüren angeordnet. Der mittlere Wagenteil dagegen ist jeweils ohne Tür und nicht niederflurig ausgeführt.

Die Varianten für die Saarbahn, Oberösterreich, Neckar-Alb und die AVG (dort TT-2S genannt) sind für eine Gleichspannung von 750Volt sowie eine Wechselspannung von 15kV und 16,7Hertz ausgerüstet. Die Salzburger Variante ist nur für Gleichspannungen von 750 und 1000Volt geeignet, die Variante für die VBK nur für eine Gleichspannung von 750Volt.

Die Varianten Oberösterreich, Neckar-Alb und die AVG haben in den Einstiegsbereichen eine Fußbodenhöhe von 600mm über der Schienenoberkante und sind mit Schiebetritten auf verschiedenen Höhen für Bahnsteighöhen von 380 und 550mm ausgelegt. Die Varianten für die VBK und Salzburg haben in den Türbereichen eine Fußbodenhöhe von 400mm, diejenigen für die Saarbahn von 350mm. Sie sind für Bahnsteighöhen von 340mm (VBK), 350mm (Saarbahn) und 380mm (Salzburg) ausgelegt. Unabhängig von den Fußbodenhöhen sind Unter- und Oberkante des Fahrzeugs sowie die Oberkanten der Türen für alle Varianten einheitlich.

Das Design aller Varianten des VDV-Tram-Trains stammt von Döllmann Design+Architektur. Ziel war ein Design, das für alle sechs Partnerbetriebe ein wiedererkennbares Grundlayout bietet und zugleich individuelle Ausstattungsvarianten der einzelnen Betreiber zulässt. Ein maßstabsgetreues Mock-up des Tram-Trains wurde im Januar 2023 in Karlsruhe der Öffentlichkeit vorgestellt. Rund 1.000 Besucher besichtigten das Modell und gaben auf 750 Rückmeldebögen Feedback. Dabei bewerteten mehr als 95 Prozent der Befragten den barrierefreien Einstieg und rund 85 Prozent das äußere Design als gut oder sehr gut.