miniatur|Ludlow Castle von Südosten Ludlow Castle ist eine mittelalterliche Festungsruine in Ludlow in der englischen Grafschaft Shropshire. Sie steht auf einer Landspitze über dem River Teme. Die Burg ließ vermutlich Walter de Lucy nach der normannischen Eroberung Englands als eine der ersten Steinburgen in England errichten. Im Bürgerkrieg des 12. Jahrhunderts ging die Burg durch verschiedene Hände der Familie Lucy und rivalisierender Clans und wurde mit einem Donjon und einer großen Vorburg weiter verstärkt. Mitte des 13. Jahrhunderts ging Ludlow Castle an Geoffrey de Geneville über, der Teile der Kernburg erneuern ließ. Im Zweiten Krieg der Barone spielte die Burg eine wichtige Rolle. Roger Mortimer erwarb die Burg 1301. Er ließ die Kernburg weiter ausbauen und seine Familie hielt Ludlow Castle über ein Jahrhundert lang.
Richard, der Duke of York, erbte die Burg 1425 und so wurde sie ein wichtiges Symbol für die Macht des Hauses York in den Rosenkriegen. Als Richards Sohn, Eduard IV., 1461 den Thron bestieg, ging die Burg in das Eigentum der Krone über. Ludlow Castle wurde als Sitz des Council in the Marches of Wales bestimmt, womit es praktisch als Hauptstadt von Wales gelten konnte, und wurde während des gesamten 16. Jahrhunderts umfangreich renoviert. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war die Burg geradezu luxuriös ausgestattet und es fanden dort Kulturveranstaltungen, wie z. B. die Uraufführung von John Miltons Maskenspiel Comus, statt. Im englischen Bürgerkrieg der 1640er-Jahre wurde Ludlow Castle von den Royalisten gehalten, bis es 1646 von den Roundheads belagert und erobert wurde. Die Inneneinrichtung der Burg wurde verkauft und die Burg diente den größten Teil des Interregnums über als Garnison.
Mit der Stuart-Restauration 1660 wurde auch das Council wiedereingesetzt und die Burg repariert, aber Ludlow Castle erholte sich nie von den Bürgerkriegsjahren und als das Council 1689 schließlich abgeschafft wurde, fiel die Burg der Vernachlässigung anheim. Henry Herbert, der Earl of Powis pachtete die Burg 1772 von der Krone und ließ die Ruinen schön herrichten. Sein Schwager, Edward Clive kaufte die Burg gar 1811. Ein Herrenhaus wurde in der Vorburg errichtet, aber der Rest der Burg blieb größtenteils unberührt, zog eine zunehmende Zahl von Besuchern an und wurde ein beliebter Ort für Künstler. Nach 1900 wurde Ludlow Castle vom wuchernden Gestrüpp befreit und im Laufe des 20. Jahrhunderts umfangreich von der Gutsverwaltung der Powis und Regierungsstellen repariert. Heute, im 21. Jahrhundert, gehört es immer noch dem Earl of Powis und dient als Touristenattraktion.
Die Architektur von Ludlow Castle spiegelt mit ihren unterschiedlichen Baustilen die lange Geschichte der Burg wider. Die Burg hat eine Fläche von etwa 152 × 133 Metern, was fast 2 Hektar entspricht. In der Vorburg findet man das Castle House, das heute von der Gutsverwaltung genutzt wird, während in der Kernburg, die durch einen in den Stein geschnittenen Graben von der Vorburg getrennt ist, der Donjon, ein Solarblock (Salon für die Familie), ein Block für Rittersaal und Paradeschlafzimmer, sowie Einbauten aus dem 16. Jahrhundert und eine seltene, kreisrunde Kapelle über einem heiligen Grab zu finden sind. English Heritage bemerkt, dass die Burgruine einen „bemerkenswert kompletten Komplex aus verschiedenen Zeitaltern“ darstellt und sieht Ludlow Castle als „eine von Englands schönsten Burganlagen“ an.
Geschichte 11. Jahrhundert miniatur|Ludlow Castle, das auf einer felsigen Landspitze errichtet wurde, hier über den River Teme hinweg gesehen. Ludlow Castle wurde vermutlich auf Veranlassung von Walter de Lucy um 1075 erbaut. Walter Lucy kam als Mitglied von William FitzOsberns Haushalt bei der normannischen Eroberung Englands 1066 in England an. FitzOsbern wurde zum Earl of Hereford ernannt und mit der Besiedelung der Gegend betraut. Zur selben Zeit wurden etliche Burgen im Westen der Grafschaft gegründet, die die Grenze nach Wales sichern sollten. Walter de Lacy war der Vize des Earls und erhielt 163 Grundherrschaften, die über sieben Grafschaften verteilt waren, 91 davon allein in Herefordshire.
Walter de Lacy ließ mit dem Bau einer Burg in der Grundherrschaft Stanton Lacy beginnen; die Festung hieß ursprünglich Dinham Castle und wurde dann in Ludlow Castle umbenannt. Ludlow Castle war die wichtigste Burg von Walter de Lacy. Sie lag im Zentrum seiner neuen Ländereien und an einer wichtigen Straßenkreuzung über dem Teme River auf einem leicht zu verteidigenden Felsvorsprung. Walter de Lacy starb 1085 bei einem Baustellenunfall in Hereford. Ihm folgte sein Sohn, Roger de Lacy, nach.
Die normannischen Steinbefestigungen wurden der Burg vermutlich in den 1080er-Jahren hinzugefügt und ihr Bau war vor 1115 beendet. Sie lagen um die heutige Kernburg und bildeten eine steinerne Version eines Ringwerkes. Sie bestanden aus vier Türmen, einem Torhausturm, sowie Burgmauern mit einem Burggraben, der entlang zweier Seiten aus dem Fels geschnitten war. Der so entfernte Bruchstein wurde zum Bau der Häuser in der Burg verwendet, womit Ludlow Castle eine der allerersten Burgen aus Mauerwerk in England war. Mit ihrer kreisrunden Anlage und ihrem großartigen Torhausturm entsprach sie den früheren angelsächsischen Burh-Konstruktionen. Im Jahre 1096 ging Roger de Lacy all seiner Ländereien verlustig, nachdem er gegen Wilhelm II. rebelliert hatte. Sie gingen an Rogers Bruder, Hugh de Lacy, über.
12. Jahrhundert miniatur|Der Mitte des 12. Jahrhunderts errichtete Great Tower (Mitte) und der Eingang zur Kernburg aus dem Ende des 12. Jahrhunderts (rechts) Hugh de Lacy starb etwa 1115 kinderlos und Heinrich I. gab Ludlow Castle und die meisten umgebenden Ländereien Hughs Nichte Sybil zu Lehen und verheiratete diese an Pain FitzJohn, einen seiner Hausangestellten. Pain FitzJohn nutzte Ludlow Castle als Baronssitz und Hauptsitz seiner Ländereien. Diese umgebenden Ländereien und Knight’s fees wiederum unterstützten die Burg und ihre Verteidigungsanlagen. Pain FitzJohn starb 1137 im Kampf gegen die Waliser und verursachte damit einen Kampf um das Erbe an der Burg. Roger Fitzmiles, der Pain FitzJohns Tochter heiraten wollte, beanspruchte die Burg, ebenso wie Roger de Lacys Sohn Gilbert. Damals hatte Stephan gerade den englischen Thron bestiegen, aber seine Position war noch unsicher und er gab daher die Burg 1137 Roger FitzMiles zu Lehen, der ihm im Gegenzug politische Unterstützung versprach.
Bald brach die Anarchie, ein Bürgerkrieg zwischen Stephan und Kaiserin Matilda aus und Gilbert de Lacy nutzte die Gelegenheit, sich gegen Stephan zu erheben und Ludlow Castle einzunehmen. Stephan antwortete darauf, indem er eine Armee in die Welsh Marches entsandte, wo er durch die Verheiratung von Sybil mit einem seiner Ritter, Josce de Dinan, und er Zusage des künftigen Eigentums an der Ludlow Castle an die beiden zusätzliche Unterstützung erlangte. Stephans Truppen eroberten die Burg nach etlichen Anläufen 1139, wobei Stephan seinen Alliierten, Prinz Heinrich von Schottland, rettete, als dieser sich in einem Haken verfing, der von der Garnison über die Burgmauern geworfen worden war. Gilbert de Lacy aber bestand immer noch darauf, dass er der rechtmäßige Eigner von Ludlow Castle sei, und so entbrannte ein Privatkrieg zwischen ihm und Josce de Dinan. Gilbert de Lacy war schließlich erfolgreich und eroberte so die Burg einige Jahre vor Ende des Bürgerkrieges 1153. Schlussendlich aber zog er in die Levante und ließ die Burg zunächst in den Händen seines ältesten Sohnes, Robert, und dann, nach Roberts Tod, in denen von Roberts jüngerem Bruder Hugh de Lacy.
In dieser Zeit wurde aus dem Torhausturm der Great Tower, eine Art Donjon, gebaut, entweder während der Belagerung 1139 oder zur Zeit des Privatkrieges zwischen Gilbert de Lacy und Josce de Dinan. Die alte normannische Burg war auch zu klein für den wachsenden Haushalt geworden, und so wurde, vermutlich zwischen 1140 und 1177, eine Vorburg im Süden und Osten der ursprünglichen Burg angebaut, wodurch ein großer, offener Platz entstand. Dadurch wurde der Eingang in die Burg von Süden nach Osten, gegenüber der wachsenden Stadt Ludlow, verlegt. Gilbert de Lacy ließ vermutlich die kreisrunde Kapelle im Inneren der Kernburg bauen, weil sie den Kirchen des Templerordens ähnelte, dem er später beitrat.
Hugh de Lacy nahm an der anglo-normannischen Eroberung von Irland teil und wurde 1172 zum Lord of Meath erhoben. Er verbrachte viel Zeit von Ludlow Castle entfernt und König Heinrich II. konfiszierte die Burg in seiner Abwesenheit, möglicherweise um dessen Loyalität in Irland sicherzustellen. Hugh de Lacy starb 1186 in Irland und die Burg ging an seinen Sohn Walter über, der noch unmündig war und das Anwesen erst 1194 in Besitz nahm. Während der Rebellion von Johann Ohneland gegen Richard I. 1194 schloss Walter de Lacy den Angriffen gegen Prinz Johann an. Richard I. aber nahm davon keine Notiz und konfiszierte Ludlow Castle und Walters andere Besitzungen. Walter de Lacy bot an, seine Ländereien für 1000 Mark zurückzukaufen, aber sein Angebot wurde abgelehnt, bis man sich 1198 schließlich auf die gewaltige Summe von 3100 Mark einigte.
13. Jahrhundert miniatur|Solar aus dem 13. Jahrhundert (links) und Rittersaal (rechts) vor dem Nordwestturm Walter de Lacy reiste 1201 nach Irland und im Folgejahr wurden seine Besitzungen einschließlich Ludlow Castle zur Sicherunge seiner Loyalität erneut konfisziert und unter die Kontrolle seines Schwiegervaters, William de Braorse gestellt. Er erhielt seine Ländereien gegen eine Strafzahlung von 400 Mark zurück, aber 1207 führten seine Meinungsverschiedenheiten mit den königlichen Beamten in Irland dazu, dass Johann Ohneland die Burg erneut einnahm und die Kontrolle an William de Braorse übertrug. Walter de Lacy versöhnte sich 1208 wieder mit Johann Ohneland, aber zwischenzeitlich war William de Braorse selbst in Ungnade gefallen; es brachen Kämpfe aus und beide, de Lacy und de Braorse, flohen nach Irland, während Johann Ohneland die Burg nochmals unter seine Kontrolle brachte. Erst 1215 waren die Meinungsverschiedenheiten beseitigt und Johann Ohneland erklärte sich damit einverstanden, dass die Ludlow Castle an Walter de Lacy zurückgegeben würde. Irgendwann im frühen 13. Jahrhundert wurde der innerste Mauerring in die Burg eingebaut, wodurch für die Herrschaft eine eigene Privatsphäre innerhalb der Kernburg geschaffen wurde.
Im Jahre 1223 traf sich der englische König Heinrich III. mit dem walisischen Prinzen Llewelyn ab Iorwerth auf Ludlow Castle zu Friedensgesprächen, aber den Verhandlungen war kein Erfolg beschieden. Im selben Jahr beschlichen König Heinrich Zweifel an den Aktivitäten Walter de Lacys in Irland und so übernahm die Krone neben anderen Maßnahmen zur Sicherung dessen Loyalität Ludlow Castle für zwei Jahre. Im Mai 1225 bekam Walter de Lacy die Burg wieder zurück, als er einen Angriff auf die Feinde Heinrichs in Irland ausführte und dem König 3000 Mark für die Rückgabe der Burg und seiner Ländereien bezahlte. In den 1230er-Jahren aber hatte Walter de Lacy 1000 Pfund Schulden gegenüber Heinrich und anderen, privaten Gläubigern angesammelt, die er nicht zurückzahlen konnte. Daher überschrieb er 1238 Ludlow Castle als Kreditsicherung an den König, aber er muss die Festung irgendwann vor seinem Tod 1241 zurückbekommen haben.