mini|Stationierung der Landstreitkräfte der NVA auf dem Gebiet der DDR

mini|DDR Bronzetafel des Militärbezirk III mit dem Wahlspruch – Vaterland, Frieden, Sozialismus Der Militärbezirk III (kurz: MB III) war die im Südteil des Territoriums der DDR geschaffene, militäradministrative territoriale Vereinigung von Verbänden, Truppenteilen, Einheiten und militärischen Einrichtungen verschiedener Waffengattungen, Spezialtruppen und Dienste der Landstreitkräfte der NVA sowie des (militärischen) Ersatzwesens der NVA.Siehe Lemma Militärbezirk in der NVA. In: Autorenkollektiv der Militärakademie „Friedrich Engels“, des Ministeriums für Nationale Verteidigung, der Stäbe der Teilstreitkräfte und des Militärverlages der DDR: Militärlexikon. 2. Auflage, Militärverlag der DDR, Berlin 1973, S. 231. Aus diesen Formationen wären im MobilmachungsfallDem Mobilmachungsfall ging die Erklärung des Verteidigungszustands durch die Volkskammer der DDR (Artikel 52 der Verfassung der DDR vom 6. April 1968) oder durch den Staatsrat der DDR bzw. Nationalen Verteidigungsrat der DDR (nach Artikel 73 Verf.) voraus. die 3. Armee (NVA) und der Territoriale Militärbezirk III gebildet worden.

Das Führungsorgan befand sich am Standort Leipzig im Viertelsweg unter der Bezeichnung Kommando Militärbezirk III (Kdo MB III)Abkürzung in: Die Standortdatenbank der NVA und Grenztruppen der Deutschen Demokratischen Republik. (Hrsg.) ZMSBw: Potsdam 2020. und umfasste die Feldführung der 3. Armee (NVA) und die Führung des Territorialen Militärbezirks.Siehe bei Klaus Wiegand: Der Militärbezirk III und sein Führungsorgan, das Kommando des Militärbezirkes. In: Autorenkollektiv: Der Militärbezirk Leipzig. 1956–1990. Kurzer geschichtlicher Abriss. (Hrsg.) Förderverein für das Militärhistorische Museum Anhalt e. V., Dessau-Roßlau 2016, S. 8–18.

Aus dem Bestand der Landstreitkräfte der NVA waren dem Kommando MB III eine Panzerdivision (7. PD) und zwei Mot.-Schützendivisionen (4. MSD, 11. MSD) zugeteilt. In direkter Unterstellung wurden als Armeekomplex weitere Verbände, Truppenteile, Einheiten und Einrichtungen geführt.

Geschichte Zweck der territorialen Gliederung Die militäradministrative Untergliederung des DDR-Staatsterritoriums in drei geografische Räume (Nord-, Süd-, Berliner Raum) diente seit Anfang der 1950er Jahre der koordinierten Vorbereitung (Planung, Organisation, Führung) und Durchführung aller Maßnahmen der Landesverteidigung unter Berücksichtigung der unterschiedlichen militärgeografischen Bedingungen und der Anforderungen der sowjetischen Streitkräftegruppierung nach militärstrategischen Richtungen.Gerhard L. Fasching, Rene Pfahlbusch: Das staatliche Geowesen der DDR. In: Gerhard L. Fasching, Bundesministerium für Landesverteidigung (Hrsg.): Schriftenreihe des Militärischen Geowesens, Nr. 20. Wien Dezember 2006, S. 22–23, Anlagen 5 und 6.

Zur effizienten Erfassung der personellen und materiellen Ressourcen im Interesse der Landesverteidigung sollte ein enges Zusammenwirken der Militärorganisation mit den Staatsorganen und örtlichen Verwaltungen im Territorium ermöglicht werden.

Wesen der dualen Führungsfunktion Bereits die Schaffung und Formierung der Infanterieverbände und mechanisierten Verbände der Kasernierten Volkspolizei (KVP)Mit Befehl 500/50 des Chefs der Hauptverwaltung Ausbildung (C-HVA), Generalinspekteur Heinz Hofmann, zur Reorganisation der bis dahin gebildeten Volkspolizei-Bereitschaften und -Schulen wurde der zielstrebige Aufbau der Kasernierten Volkspolizei (KVP) eingeleitet. der DDR Anfang der 1950er Jahre wurde durch Territoriale Verwaltungen der KVP (Nord TV-12 und Süd TV-24) in Pasewalk und Leipzig geführt. Damit wurde durch die KVP in der DDR frühzeitig das sowjetische Prinzip der dualen militärischen Führungsfunktion im Territorium installiert und in der KVP-Nachfolge beibehalten. Das bedeutete, dass der Auftrag zur operativen „Feldführung“ der KVP-Formationen und die militäradministrative „Territoriale Verwaltung“ für das Ersatzwesen unter einheitlichem Kommando vollzogen wurden. Erst in zu bestimmenden Anlassfällen wäre die funktionelle und strukturelle Trennung möglich gewesen.

Herkunft des Militärbezirks III Die maßgebliche Forderung aus der Sowjetunion nach originären DDR-Streitkräften bekam erst Öffentlichkeit, nachdem im November 1955Zeittafel für das Jahr 1956. Autorenkollektiv: Zeittafel zur Militärgeschichte der Deutschen Demokratischen Republik. 1949–1988. (Hrsg.) Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik: 2., erweiterte und durchgesehene Auflage, Berlin 1989, ISBN 3-327-00720-9, S. 56–74. in der Bundesrepublik Deutschland die Bundeswehr geschaffen wurde.Torsten Diedrich / Rüdiger Wenzke: Die getarnte Armee - Geschichte der Kasernierten Volkspolizei 1952–1956. Berlin 2001, S. 453–454. Die Territorialverwaltungen der KVP führten de-facto bereits im Spätherbst 1955 die Vorbereitungen zur Umwandlung der KVP in reguläre Streitkräfte der DDR.Zum Beispiel wurde in der KVP-Chronik (Quelle: BA/MA 3/3056 KVP) das 2.mot.A-Kommando der KVP-Bereitschaft Halle für den Zeitraum vom 1. Dezember 1955 bis 1. Oktober 1956 bereits als „17. mot.Schtz.Regt.“ (Schreibweise laut Chronik) ausgewiesen.

Zugleich wurden die Kräfte und Mittel der Territorial Verwaltung Süd (TV 24) zum Militärbezirk III (MB III) formiert, darunter aus der KVP-Bereitschaft Erfurt die 4. Infanteriedivision/Mot.-Schützendivision (4. MSD), aus der KVP-Bereitschaft Halle (Saale) die 11. Mot.-Schützendivision (11. MSD) und aus der KVP-Bereitschaft Dresden die 7. Panzerdivision (7. PD). Parallel zu den Divisionen wurden Truppenteile, Einheiten und Einrichtungen als Korps-/Armeekomplex des MB III geschaffen.

Am 18. Januar 1956 verabschiedete die Volkskammer der DDR nach Rücksprache der SED-Führung mit dem ZK der KPdSU das Gesetz „über die Schaffung der Nationalen Volksarmee und des Ministeriums für Nationale Verteidigung“. Das zum 1. März 1956 gebildete Ministerium für Nationale Verteidigung (MfNV)Befehl 1/56 des Ministers für Nationale Verteidigung vom 10. Februar 1956 über die „Bildung der Nationalen Volksarmee, des Ministeriums für Nationale Verteidigung und die Einführung der Uniformen der Nationalen Volksarmee“ zum 1. März 1956. ordnete die formierten Kräfte den beiden Verwaltungen der Militärbezirke (VW MB III und VW MB V) der Landstreitkräfte zu, denen die operative Führung dieser Verbände und Truppenteile übertragen wurde. Bereits 1956 erhielten die ersten Verbände und Truppenteile die Truppenfahne.Autorenkollektiv: Zeittafel zur Militärgeschichte der Deutschen Demokratischen Republik 1949–1988. Berlin 1989, ISBN 3-327-00720-9, S. 57.

Herkunft des Kommandos MB III Aus der Territorial Verwaltung Süd (TV 24) der KVP wurde 1955/56 die Verwaltung des Militärbezirkes Leipzig formiert.

Erst am 15. Mai 1957 wurde die Verwaltung MB III in Kommando MB III (Kdo MB III) umbenannt. Die Eckpfeiler der Struktur des Kommandos MB III blieben in den Folgejahren im Wesentlichen konstant, wurden jedoch an die Entwicklung im Militärwesen und die Einführung moderner Waffensysteme angepasst.

Das Kommando MB III bezog 1957 seinen Sitz in der Kaserne am Viertelsweg in Gohlis (Leipzig).http://www.gohlis.info/gohlisinfo/wp-content/uploads/2017/12/Der-Milita%CC%88rbezirk-III-der-NVA-am-Viertelsweg-inkl.-Bilan-Gohlis-in-GuG2.pdf Matthias Judt: Der Militärbezirk III der NVA am Viertelsweg Trotz vieler Probleme – fehlendem Personal, Ausrüstung, Unterkünften – konnte der Aufbau des Kommandos MB III bis Ende 1956 im Wesentlichen beendet werden.

Führung und Aufgaben der Wehrkommandos Mit Befehl Nr. 6/56 des Ministers für Nationale Verteidigung wurde im April 1956 im Interesse des Ersatzwesens mit der Ausstellung der Wehrbezirkskommandos begonnen. Die territoriale Zuständigkeit der Wehrbezirkskommandos (WBK) und Kreiskommandos – ab 1962 Wehrkreiskommandos (WKK) – war deckungsgleich mit der territorialen Verwaltungsgliederung der DDR.

Dem Militärbezirk III wurden die DDR-Bezirke Chemnitz/Karl-Marx-Stadt, Cottbus, Dresden, Erfurt, Gera, Halle (Saale), Leipzig, Suhl zugeordnet. Deren Wehrbezirkskommandos waren der Führung des Territorialen Militärbezirks III unterstellt.

Die Aufgaben der Wehrkommandos waren: die Sicherstellung der personellen Auffüllung der NVA und der Grenztruppen der DDR; die Einberufung von Reservisten zur Qualifizierung und Weiterbildung; die Nachwuchsgewinnung für eine längere Dienstzeit als Unteroffizier auf Zeit, Berufsunteroffizier, Fähnrich und Offizier; die personelle und materielle Auffüllung (Ersatzwesen) und die Nachweisführung (Wehrdokumentation); die militärische Öffentlichkeitsarbeit und die Erfüllung von Aufgaben im Bereich der Bezirks- und Kreiseinsatzleitungen. Ab 1967 kamen Aufgaben in der Mobilmachung und der Territorialverteidigung hinzu, das jeweilige Wehrkreiskommando wurde zum Stab der Kreiseinsatzleitung (KEL),Wehrkreiskommandos (Bestand), Bundesarchiv, BArch DVW 7, Bestandslaufzeit: 1952–1990. die Wehrbezirkskommandos wurden zu Stäben der Bezirkseinsatzleitungen (BEL).

Übungs- und Manöverteilnahme im Koalitionsbestand Wichtige Meilensteine in der Ausbildung der Stäbe und Truppen waren die Manöver und Truppenübungen des MB III im Koalitionsbestand, darunter:Autorenkollektiv: Zeittafel zur Militärgeschichte der Deutschen Demokratischen Republik. 1949–1988. Berlin 1989, ISBN 3-327-00720-9, 660 S. September 1963 – Teilnahme der Feldführung, 4. und 11. MSD sowie Teile/7. PD im Koalitionsbestand (ČS, PL, SU) am Manöver „Quartett“ im Süden der DDR (u. a. TÜP Nochten und Königsbrück); Oktober 1965 – Teilnahme der Feldführung, 4. MSD und 7. PD im Koalitionsbestand (ČS, PL, SU) am Manöver „Oktobersturm“ im Südwesten der DDR; September 1966 – Teilnahme der Feldführung und 11. MSD im Koalitionsbestand (ČS, HU, PL, SU) am Manöver „Moldau“ (cs – „Vltava“) im Südwesten der ČSSR; August 1967 – Teilnahme der Feldführung mit 7. PD, Teilen der 11. MSD, Teilen des Armeekomplexes an der Kommandostabsübung mit zweiseitigen Darstellungstruppen TÜ „Florett“ auf den TÜP Jüterbog, Kehnert, Letzlinger Heide; Juli/August 1968 – Teilnahme mit der 7. PD (NVA) und 11. MSD (NVA) im Koalitionsbestand (BG, HU, PL, SU) an der Operation „Donau“ (ru – операция «Дунай»); September 1970 – Teilnahme der Feldführung und 11. MSD, mit 8. MSD und 9. PD (NVA), mit MSD (SU) und MSD (ČS) im Koalitionsbestand (erstmals WVO) am Manöver „Waffenbrüderschaft-70“ in der DDR; Juni 1972 – Teilnahme der Feldführung, Führungsorgane der 4. und 11. MSD, Führungsorgan MSR-17 mit Teilen, Führungsorgane der drei Mob.-Divisionen (6., 10., 17. MSD) und Teilen des Armeekomplexes an der Kommandostabsübung „Sommer-72“ mit Darstellungstruppen im Koalitionsbestand im Südwesten der DDR; September 1972 – Teilnahme der Feldführung, Teile 4. MSD (FO, MSR-24, AR-4), Teile 7. PD im Koalitionsbestand (ČS, HU, PL, SU) Manöver „Schild-72“ auf dem Territorium der ČSSR; Februar 1974 – Teilnahme der Feldführung und Territorialen Führung MB III, mit Führungsorganen der 10., 11. MSD, der 7. PD, WBK Halle und Leipzig an der KSÜ „Jug-84“ in der DDR; September 1980 – Teilnahme der Feldführungen 3. und 5. A, Führungsorgane der 7. PD, 8. und 11. MSD, 3. RBr sowie Operative Gruppen der Flottillen im Koalitionsbestand (WVO) am Manöver „Waffenbrüderschaft-80“ in der DDR und im Ostsee-Aquatorium; Februar 1982 – Teilnahme der Feldführung und Territorialen Führung MB III, mit Führungsorganen der 6., 10., und 17. MSD, der 3. RBr, WBK Dresden, Karl-Marx-Stadt und Leipzig an der KSÜ/Mobilmachungsübung „Jug-84“ in der DDR; März 1984 – Teilnahme der Feldführung mit 11. MSD (aufgefüllt und mobilgemacht), der Führungsorgane 4. und 10. MSD, 7. PD, 3. RBr, alle WBK im MB III im Koalitionsbestand (SU) an der Armeeübung „Jug-84“ in der DDR; September 1984 – Teilnahme der Teile der Feldführung, Führungsorgan 7. PD mit MSR-7 im Koalitionsbestand (WVO) am Manöver „Schild-84“ auf dem Territorium der ČSSR;