Moosweiblein sind weibliche Waldgeister der deutschen Sage.Wolfgang Golther: Germanische Mythologie. Wiesbaden 2011, S. 196. Sie werden zu den armen Seelen gezählt.Christa Agnes Tuczay: Geister, Dämonen – Phantasmen: Eine Kulturgeschichte. Wiesbaden 2015, S. 77.
Moosweiblein treten in Sachsen,Hans-Jörg Uther: Sächsische Sagen. München 1992, S. 223. Thüringen,Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 49. an der Saale,Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 75. im Orlagau, im Harz,Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 74. im Vogtland,Leander Petzoldt: Deutsche Volkssagen. Wiesbaden 2007, S. 182. in der Oberpfalz,Leander Petzoldt: Deutsche Volkssagen. Wiesbaden 2007, S. 183. im Bayerischen Wald,Leander Petzoldt: Deutsche Volkssagen. Wiesbaden 2007, S. 185. in Franken,Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 83. in Oberfranken,Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 77. im Böhmerwald,Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 74. um Warnsdorf in Nordtschechien,Josef Virgil Grohmann: Sagen-Buch von Böhmen und Mähren. Berlin 2013, S. 87. im RiesengebirgeWilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 74. und in WestfalenWilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 86. auf.
Namen
Für Moosweiblein werden verschiedene Namen verwendet. Andere Namen mit dem Namensbestandteil Moos- sind beispielsweise Moosweibchen,Wilhelm Grimm, Jacob Grimm: Deutsche Sagen. Hamburg 2014, S. 75. MoosfräuleinLudwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Meersbusch, Leipzig 1930, S. 379. und MoosfräuleJacob Grimm: Deutsche Mythologie. Wiesbaden 2014, S. 1044..
Der Namensbestandteil Holz- kommt in den Namen HolzfräuleinWolfgang Golther: Germanische Mythologie. Wiesbaden 2011, S. 196., HolzfrauLudwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Meersbusch, Leipzig 1930, S. 574., HolzfräuleJacob Grimm: Deutsche Mythologie. Wiesbaden 2014, S. 1044., HolzfralerlWilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 75., HolzfralaWilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 77., HulzfralWilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 77., HolzweibleinFelix Dahn, Therese Dahn: Germanische Götter- und Heldensagen. Wiesbaden 2010, S. 593.. HolzweibchenEdmund Mudrak: Das große Buch der Sagen. Würzburg 2007, S. 132. und HolzweibelLudwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Meersbusch, Leipzig 1930, S. 378. vor.
Namensvariationen mit der Erstsilbe Busch- sind beispielsweise BuschweibchenJosef Virgil Grohmann: Sagen-Buch von Böhmen und Mähren. Berlin 2013, S. 87., BuschweibleinChrista Agnes Tuczay: Geister, Dämonen – Phantasmen: Eine Kulturgeschichte. Wiesbaden 2015, S. 77., BuschfräuleinWolfgang Golther: Germanische Mythologie. Wiesbaden 2011, S. 196. und BuschjungferWilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 86..
Der Namensbestandteil Wald- kommt in den Namen WaldweibleinFelix Dahn, Therese Dahn: Germanische Götter- und Heldensagen. Wiesbaden 2010, S. 593., WaldweibchenEdmund Mudrak: Das große Buch der Sagen. Würzburg 2007, S. 132., WaldweibelLudwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Meersbusch, Leipzig 1930, S. 378., WaldweibKarl de Wyl: Rübezahl-Forschungen. Paderborn 2012, S. 134., WaldweibigenKarl de Wyl: Rübezahl-Forschungen. Paderborn 2012, S. 132., WaldfrauLudwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Meersbusch, Leipzig 1930, S. 574. und WaldfräuleinKarl de Wyl: Rübezahl-Forschungen. Paderborn 2012, S. 132. vor.
Weitere Namen sind RüttelweibWilhelm Grimm, Jacob Grimm: Deutsche Sagen. Hamburg 2014, S. 282., RüttelweibleinLeander Petzoldt: Kleines Lexikon der Dämonen und Elementargeister. München 1990, S. 190. und LohjungferWilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 74..
Aussehen
Das Aussehen von Moosweiblein wird verschieden beschrieben. Allgemein sind sie von kleiner Gestalt.Wilhelm Grimm, Jacob Grimm: Deutsche Sagen. Hamburg 2014, S. 282 f. Die genauen Größenangaben schwanken von einer Höhe von drei FußLudwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 49. bis zur Größe drei-, vier-,Christa Agnes Tuczay: Geister, Dämonen – Phantasmen: Eine Kulturgeschichte. Wiesbaden 2015, S. 77. oder fünfjähriger KinderLeander Petzoldt: Deutsche Volkssagen. Wiesbaden 2007, S. 182.. Sie sind hässlichLudwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 50., bieten einen unschönen AnblickLudwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 60.. Teilweise sind sie ganz moosig, wie Wickelwerg, ohne bestimmte GestaltWilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 75. oder zumindest zottig, struppigLudwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 39., am ganzen Körper behaartWilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 75.. Manche Moosweiblein sind auch buckligLeander Petzoldt: Deutsche Volkssagen. Wiesbaden 2007, S. 185., zumindest oft zusammengeschrumpftHans-Jörg Uther: Sächsische Sagen. München 1992, S. 223. oder tiefgebücktJosef Virgil Grohmann: Sagen-Buch von Böhmen und Mähren. Berlin 2013, S. 88.. Im Allgemeinen werden sie als altHans-Jörg Uther: Sächsische Sagen. München 1992, S. 223. und grauLudwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 50. beschrieben, manchmal sogar steinalt genannt.Josef Virgil Grohmann: Sagen-Buch von Böhmen und Mähren. Berlin 2013, S. 88.
Ihre Gesichter sind alt und runzligWilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 75., manchmal auch grauLudwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 49., mit schwarzen AugenChrista Agnes Tuczay: Geister, Dämonen – Phantasmen: Eine Kulturgeschichte. Wiesbaden 2015, S. 77., die zum Teil auch halb verblindet sein könnenLeander Petzoldt: Deutsche Volkssagen. Wiesbaden 2007, S. 185.. Der Kopf, wenn er angefasst wird, fühlt sich eiskalt an.Josef Virgil Grohmann: Sagen-Buch von Böhmen und Mähren. Berlin 2013, S. 88. Moosweiblein haben lange schneeweiße Haare in wilder UnordnungJosef Virgil Grohmann: Sagen-Buch von Böhmen und Mähren. Berlin 2013, S. 88., seltener auch schwarze HaareChrista Agnes Tuczay: Geister, Dämonen – Phantasmen: Eine Kulturgeschichte. Wiesbaden 2015, S. 77. oder gelbe HaareWilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 76.. Auf GesichternLudwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 50. oder Füßen wächst manchmal MoosJosef Virgil Grohmann: Sagen-Buch von Böhmen und Mähren. Berlin 2013, S. 88.. Die Moosweiblein haben feine, quäkende Stimmen.Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 60.
Auch die Kleidung der Moosweiblein kann so verschiedenartig sein wie ihr Aussehen. Manchmal sind sie zerlumpt oder sogar nacktChrista Agnes Tuczay: Geister, Dämonen – Phantasmen: Eine Kulturgeschichte. Wiesbaden 2015, S. 77., sind schwarz gekleidetChrista Agnes Tuczay: Geister, Dämonen – Phantasmen: Eine Kulturgeschichte. Wiesbaden 2015, S. 77. oder tragen alte graue KleidungLudwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 49 f.. Am häufigsten jedoch sind sie mit Moos bekleidet.Wilhelm Grimm, Jacob Grimm: Deutsche Sagen. Hamburg 2014, S. 282 f. Sie tragen Kleider aus MoosChrista Agnes Tuczay: Geister, Dämonen – Phantasmen: Eine Kulturgeschichte. Wiesbaden 2015, S. 77., insbesondere aus BaummoosWilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 76. wie auch aus anderen WaldgewächsenJosef Virgil Grohmann: Sagen-Buch von Böhmen und Mähren. Berlin 2013, S. 86., oder sind in Moos gekleidet, welches sie wie eine Decke oder ein Fell umgibtWilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 75.. Sie kleiden sich zudem in Flachshalme, sind manchmal ganz in Flachshalme eingewickelt.Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 77. Zur Ausstattung des Moosweibleins gehört oft auch eine heraufgebundene SchürzeJosef Virgil Grohmann: Sagen-Buch von Böhmen und Mähren. Berlin 2013, S. 88., die manchmal von gelbbrauner Farbe sein kannLudwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 60.. Moosweiblein laufen stets barfuß.Christa Agnes Tuczay: Geister, Dämonen – Phantasmen: Eine Kulturgeschichte. Wiesbaden 2015, S. 77.
Sie tragen manchmal eine Hocke Holz im Korb auf dem Rücken oder Reisholz in Schürze.Hans-Jörg Uther: Sächsische Sagen. München 1992, S. 223. Diese Rückenkörbe bestehen aus ungeschälten Weiden.Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 50. Außerdem stützen sich Buschweibchen und Holzfräulein auf einen knotigen Stock, der ihren wankenden Gang stützt.Josef Virgil Grohmann: Sagen-Buch von Böhmen und Mähren. Berlin 2013, S. 88.
Leben im Wald
Die Moosweiblein leben im Wald. Sie wohnen auf der Heide, an dunklen Orten im HolzWilhelm Grimm, Jacob Grimm: Deutsche Sagen. Hamburg 2014, S. 75. oder im tiefsten WaldJosef Virgil Grohmann: Sagen-Buch von Böhmen und Mähren. Berlin 2013, S. 87.. Ihre Behausung ist ein ErdlochWilhelm Grimm, Jacob Grimm: Deutsche Sagen. Hamburg 2014, S. 75., ein hohler BaumChrista Agnes Tuczay: Geister, Dämonen – Phantasmen: Eine Kulturgeschichte. Wiesbaden 2015, S. 77., ein Häuslein aus BaumwurzelnLudwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 50. oder eine MooshütteWilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 76.. Sie schlafen auf MoosWilhelm Grimm, Jacob Grimm: Deutsche Sagen. Hamburg 2014, S. 75. und betten auch ihre Kinder auf Moos oder RindeWilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 76..
Moosweiblein leben häufig in Großfamilien und können Kinder bekommen.Christa Agnes Tuczay: Geister, Dämonen – Phantasmen: Eine Kulturgeschichte. Wiesbaden 2015, S. 77. Oft sind sie mit Holzmännlein verheiratetLudwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 50., gehen aber auch Liebschaften mit Menschen einLudwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 91..
Sie spinnen Baummoos mit SpindelnLeander Petzoldt: Deutsche Volkssagen. Wiesbaden 2007, S. 183., sitzen an Kreuzwegen spinnend oder strickend im BuschHans-Jörg Uther: Sächsische Sagen. München 1992, S. 223.. Ihre Kleider waschen sie an kleinen Teichen, sind dabei jedoch am liebsten unbeobachtet.Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 49.
Moosweiblein verstehen sich aufs Kuchenbacken. Wenn sie backen, dann dampfen die Berggipfel.Hans-Jörg Uther: Sächsische Sagen. München 1992, S. 224 f. Aufsteigender Bergnebel im Frühling und Herbst wird als Herdrauch des Buschweibchens angesehen.Josef Virgil Grohmann: Sagen-Buch von Böhmen und Mähren. Berlin 2013, S. 88. Wenn sie danach gefragt werden, schenken die Moosweiblein ihren Kuchen auch den Menschen.Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 60. Bei Brotmangel ernähren sie sich allerdings eher von Baumwurzeln.Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 50.
Die Moosweiblein singen lieblich, doch unverständlich, meist zur Mittagszeit oder um Mitternacht.Ludwig Bechstein: Thüringer Sagenbuch. Band 2, Bad Langensalza 2014, S. 38. Wenn es im April hagelt, so steigt das Buschweibchen über das Gebirge.Josef Virgil Grohmann: Sagen-Buch von Böhmen und Mähren. Berlin 2013, S. 88. Im Wirbelwind fliegen hingegen die Buschjungfern.Wilhelm Mannhardt: Wald und Feldkulte. Band I, 2005, S. 86. Manche Moosweiblein verlassen den Wald nur alle hundert Jahre einmal.Josef Virgil Grohmann: Sagen-Buch von Böhmen und Mähren. Berlin 2013, S. 87. Wenn der Bast vom Baum geschält wird bedeutet das zugleich immer, dass ein Moosweiblein sterben muss.Jacob Grimm: Deutsche Mythologie. Wiesbaden 2014, S. 375.
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