Das Leib-Grenadier-Regiment „König Friedrich Wilhelm III.“ (1. Brandenburgisches) Nr. 8 war ein Infanterieverband der Preußischen Armee.

Geschichte Das Regiment verdankt seine Entstehung der erfolgreichen Verteidigung der Festung Kolberg gegen Truppen Napoleons I. während des Frühjahrsfeldzugs im Jahr 1807.Karl von Bagensky: Geschichte des 9. Infanterie-Regiments genannt das Kolbergsche. Kolberg 1842, S. III. Aus den preußischen Soldaten, die Kolberg verteidigt hatten, wurden 1808 neben anderen Verbänden auch zwei Infanterieregimenter gebildet. So entstanden unter anderem das Leib-Grenadier-Regiment „König Friedrich Wilhelm III.“ (1. Brandenburgisches) Nr. 8 und das Colbergsches Grenadier-Regiment „Graf Gneisenau“ (2. Pommersches) Nr. 9. Dabei ging die Fußtruppe des Freikorps Schill als Leichtes Bataillon von Schill im Leib-Grenadier-Regiment auf.

Befreiungskriege 1813/15 Schlacht bei Großgörschen Schlacht bei Bautzen Gefecht bei Möckern Schlacht bei Laon Gefecht bei Claye Schlacht bei Paris

Deutsch-Dänischer Krieg 1864 Erstürmung der Düppeler Schanzen

Deutscher Krieg 1866 Schlacht bei Gitschin Schlacht bei Königgrätz

Deutsch-Französischer Krieg 1870/71 Am 16. Juli 1870 ging beim Regiment durch das Divisionskommando der Befehl zur planmäßigen Mobilmachung ein. Bis zum 21. Juli trafen sämtliche Reserveoffiziere und Ergänzungsmannschaften ein, sodass dem Generalkommando am darauffolgenden Tag die Marschbereitschaft gemeldet werden konnte. Der Verband trat am 23. Juli den Ausmarsch an und wurde mit der Eisenbahn über Berlin, Magdeburg, Braunschweig, Hannover, Minden, Köln, Bingen nach Kreuznach gefahren. Dort befand sich der Sammelpunkt des III. Armee-Korps. Ab 28. Juli gehörte das Regiment zur Avantgarde der 5. Division. Zwei Tage später begann der Vormarsch, bei dem es ohne Feindeinwirkung zu den ersten personellen Verlusten kam. Drei Soldaten verstarben durch Hitzschlag, weitere 32 fielen bis zum 3. August krankheitsbedingt aus. Bis zum 6. August hatte das Regiment die Gegend um Neunkirchen erreicht. An diesem Tag kam der Verband in der Schlacht bei Spichern erstmals ins Gefecht. Insgesamt beliefen sich die Verluste dabei auf 13 Offiziere und 357 Mannschaften. Im Laufe des 7. August bezog das Regiment in Saarbrücken für zwei Tage Quartiere. Anschließend lag es bei Macheren, Guenviller und Hombourg-Haut auf Vorposten und erhielt am 11. August den Befehl, die Bewachung des Großen Hauptquartiers bei Saint-Avold zu übernehmen. Gleichzeitig stellte es Posten für die Quartiere des Großherzogs Karl Alexander, des Prinzen Luitpold von Bayern sowie des Reichskanzlers Otto von Bismarck.

Schlacht bei Gravelotte Schlacht bei Bellevue Schlacht von Orléans Belagerung von Metz

Erster Weltkrieg 1914/18 Das Regiment macht bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs am 2. August 1914 mobil. Als Teil der 9. Infanterie-Brigade der 5. Division marschierte der Verband in das neutrale Belgien ein und kam bei Tirlemont erstmals ins Gefecht. Nach der Schlacht bei Mons rückte es nach Frankreich vor, kämpfte bei Le Cateau sowie an der Marne und ging nach der Schlacht an der Aisne in den Stellungskrieg über. Im Frühjahr 1915 erhielt das Regiment eine 13. Kompanie und am 4. April 1915 änderte sich das Unterstellungsverhältnis. Der Verband unterstand nun bis Kriegsende der 10. Infanterie-Brigade. Nach der Herbstschlacht in der Champagne kam das Regiment Ende Februar 1916 vor Verdun zum Einsatz und nahm im Juli/August des gleichen Jahres an der Schlacht an der Somme teil. Danach folgten wieder Stellungskämpfe, bevor das Regiment im Juli 1917 an die Ostfront verlegt wurde. Hier lag es zunächst in Stellungskämpfen östlich Zloczow und nahm anschließend an der Durchbruchsschlacht in Ostgalizien sowie den folgenden Stellungskämpfen am Sereth teil. Am 14. September 1916 erhielt der Verband eine 2. und 3. MG-Kompanie.

Kurzzeitig setzte man das Regiment ab Ende September 1917 an der Italienfront ein. In der Zwölften Isonzoschlacht fasste der Regimentskommandeur Oberstleutnant von Gluszewski, entgegen dem Divisionsbefehl, den selbständigen Entschluss, die italienische Schlüsselstellung am Monte Hum anzugreifen. Bei der folgenden Eroberung fielen dem Regiment mehrere Geschütze und MGs in die Hände. Außerdem konnten 80 Offizier und rund 3500 Mann als Gefangene eingebracht werden. Anschließend nahm der Verband den Monte San Giovanni und den Monte Spinh. Bei den Kämpfen, die zur Eroberung des Castel del Monte führte, konnte das Regiment weitere ca. 4500 an Kriegsgefangenen machen. Am 31. Oktober brachte alleine die 1. Kompanie bei Lestizza rund 2500 Gefangene ein.Hanns Möller: Geschichte der Ritter des Ordens pour le mérite im Weltkrieg. Band I: A–L. Verlag Bernard & Graefe, Berlin 1935, S. 375.

Mitte Dezember 1917 wurde es wieder an die Westfront verlegt und in der Champagne eingesetzt. Im Frühjahr 1918 beteiligte sich das Regiment an der deutschen Offensive. Während der Stellungskämpfe an der Vesle erlitt der Verband im August 1918 große Verluste, sodass die 6. und 10. Kompanie aufgelöst werden musste. Als Ersatz wurde dafür die 7., 9. bis 12. Kompanie sowie die 2. MG-Kompanie des aufgelösten Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 35 eingegliedert. Im gleichen Monat erhielt das Regiment außerdem eine eigene MW-Kompanie.

Verbleib Nach dem Waffenstillstand von Compiègne kehrten die Reste des Regiments in die Garnison nach Frankfurt (Oder) zurück und wurde dort ab 29. Dezember 1918 demobilisiert. Aus Teilen bildete sich das Freiwilligen Leib-Grenadier-Regiment 8, dass sich zu zwei Bataillonen mit einer MG-Kompanie gliederte. Diese Freiformation ging mit der Bildung der Vorläufigen Reichswehr als Stab und I. Bataillon im Reichswehr-Grenadier-Regiment 53 auf.

Die Tradition übernahm in der Reichswehr durch Erlass des Chefs der Heeresleitung, General der Infanterie Hans von Seeckt, vom 24. August 1921 die 1. Kompanie des 8. (Preußisches) Infanterie-Regiments in Frankfurt (Oder). In der Wehrmacht führte der Regimentsstab, das II. Bataillon sowie die 13. und 14. Kompanie des Infanterieregiments 8 die Tradition fort.

Regimentschef DienstgradNameDatumGünter Wegmann (Hrsg.), Günter Wegner: Formationsgeschichte und Stellenbesetzung der deutschen Streitkräfte 1815–1990. Teil 1: Stellenbesetzung der deutschen Heere 1815–1939. Band 2: Die Stellenbesetzung der aktiven Infanterie-Regimenter sowie Jäger- und MG-Bataillone, Wehrbezirkskommandos und Ausbildungsleiter von der Stiftung bzw. Aufstellung bis 1939. Biblio Verlag, Osnabrück 1992, ISBN 3-7648-1782-8, S. 62.Friedrich Wilhelm III.26. August 1808 bis 7. Juni 1840Friedrich Wilhelm IV.8. Juni 1840 bis 2. Januar 1861Wilhelm I.5. Januar 1861 bis 9. März 1888Friedrich III.10. März bis 15. Juni 1888Wilhelm II.16. Juni 1888 bis Auflösung

Kommandeure DienstgradNameDatumGünter Wegmann (Hrsg.), Günter Wegner: Formationsgeschichte und Stellenbesetzung der deutschen Streitkräfte 1815–1990. Teil 1: Stellenbesetzung der deutschen Heere 1815–1939. Band 2: Die Stellenbesetzung der aktiven Infanterie-Regimenter sowie Jäger- und MG-Bataillone, Wehrbezirkskommandos und Ausbildungsleiter von der Stiftung bzw. Aufstellung bis 1939. Biblio Verlag, Osnabrück 1992, ISBN 3-7648-1782-8, S. 63ff.Heinrich Wilhelm von Horn11. September 1808 bis 4. Dezember 1811MajorErnst Ludwig von Tippelskirch4. Dezember 1811 bis 14. Juni 1812 (mit der Führung beauftragt)Major/OberstleutnantKarl Heinrich von Zielinski15. Juni 1812 bis 25. März 1813Major/Oberstleutnant/OberstKonstantin von Zepelin26. März 1813 bis 9. April 1816OberstleutnantFriedrich Wilhelm von Grabow23. Mai 1816 bis 29. März 1832Oberstleutnant/OberstFerdinand von Werder30. März 1832 bis 29. März 1839OberstleutnantLouis von Marées30. März 1839 bis 27. Januar 1840 (mit der Führung beauftragt)Oberstleutnant/OberstLouis von Marées28. Januar 1840 bis 24. Juni 1845Oberstleutnant/OberstWilhelm von Chamier1. September 1845 bis 27. April 1846 (mit der Führung beauftragt)OberstWilhelm von Chamier28. April 1846 bis 1. Januar 1849Major/OberstleutnantLudwig von Hoffmann2. Januar bis 3. Dezember 1849OberstErnst von Manstein4. Dezember 1849 bis 21. September 1852Oberstleutnant/OberstAlbrecht von Sydow22. September 1852 bis 3. April 1857Oberstleutnant/OberstKarl Marschall von Sulicki4. April 1857 bis 30. Mai 1859OberstAlfons von Bojanowski31. Mai 1859 bis 18. Mai 1863OberstEmil von Berger19. Mai 1863 bis 29. Oktober 1866OberstAlfons Girodz von Gaudi30. Oktober 1866 bis 17. Juli 1870Oberstleutnant/OberstAnton Wilhelm Karl von L’Estocq18. Juli 1870 bis 22. März 1871 (mit der Führung beauftragt)OberstAnton Wilhelm Karl von L’Estocq23. März 1871 bis 11. Dezember 1874OberstleutnantRudolf von Reibnitz12. Dezember 1874 bis 11. Januar 1875 (mit der Führung beauftragt)Oberstleutnant/OberstRudolf von Reibnitz12. Januar 1875 bis 10. Dezember 1880Oberstleutnant/OberstKarl Finck von Finckenstein11. Dezember 1880 bis 20. März 1882 (mit der Führung beauftragt)OberstKarl Finck von Finckenstein21. März 1882 bis 14. Mai 1883OberstJohann von Willisen15. Mai 1883 bis 24. September 1885OberstKuno von Falkenstein25. September 1885 bis 3. August 1888OberstleutnantPaul von Collas4. August bis 12. November 1888OberstPaul von Collas13. November 1888 bis 21. März 1891OberstBernhard Friedrich von Krosigk22. März 1891 bis 15. Juni 1894OberstleutnantFriedrich von Liechtenstern16. Juni bis 11. September 1894 (mit der Führung beauftragt)OberstFriedrich von Liechtenstern12. September 1894 bis 17. Oktober 1895OberstHermann von Eichhorn18. Oktober 1895 bis 15. Februar 1897OberstPaul von Kleist16. Februar 1897 bis 21. Mai 1900OberstWilhelm von Salisch22. Mai 1900 bis 17. August 1903OberstMax von Schack18. August 1903 bis 8. Februar 1906OberstleutnantMax von Diringshofen9. Februar bis 9. April 1906 (mit der Führung beauftragt)OberstMax von Diringshofen10. April 1906 bis 21. März 1910OberstPaul von Uthmann22. März 1910 bis 15. Juni 1913OberstKonrad Finck von Finckenstein16. Juni 1913 bis 21. September 1914OberstleutnantGeorg von Rosainski22. September 1914 bis 17. Dezember 1915OberstWilhelm Friedrich von Hahnke18. Dezember 1915 bis 25. März 1916OberstJoachim von Treschow26. März bis 31. Mai 1916Major/OberstleutnantWilhelm von Gluszewski1. Juni 1916 bis Januar 1919

Gedenken Deutsch-Französischer Krieg mini|hochkant|Gefallenendenkmal in Lothringen (2011)

Für die gefallenen 329 Soldaten und 29 Offiziere des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/1871 wurde am 27. Oktober 1872 in Frankfurt (Oder) ein Kriegerdenkmal eingeweiht. Es befand sich im Lennépark und wurde von dem Oberprediger Löwenstein eingeweiht. Das Denkmal war in der Form eines Obelisken gestaltet, auf dessen Sockel sich eine Kupferplatte mit den eingravierten Namen der Soldaten und Offiziere befand. Bernhard Klemm: Frankfurter Denkmalgeschichte – erzählt anhand von Schicksalen einzelner Denkmäler. in: Mitteilungen des historischen Vereins zu Frankfurt (Oder) e. V. 1997, Heft 1, S. 11. Ein weiteres Denkmal wurde in Lothringen an der Straße Gerzon-Rezonville errichtet. Alle Namen und Hinweise wurden 1946 entfernt, obwohl der Befehl von 1946 dieses Denkmal gar nicht mit einbegriffen hatte. Drei Jahre später wurde das Denkmal vollständig geschleift. Die im Sockel hinterlegten Dokumente wurden dem Stadtarchiv übergeben.Ralf-Rüdiger Targiel: Zum Schicksal Frankfurter Denkmäler nach 1945. in: Mitteilungen des historischen Vereins zu Frankfurt (Oder) e. V. 2002, Heft 2, S. 37–38.

Erster Weltkrieg An die Gefallenen im Ersten Weltkrieg erinnerte ein Denkmal in Frankfurt, das von Hugo Lederer entworfen und von dessen Schüler, dem späteren Architekten und Bildhauer Adolph Dahl (1886–1940) aus Stettin, geschaffen wurde. Die feierliche Einweihung, zu der tausende Einwohner gekommen waren, fand am 10. Mai 1925 statt.Bernhard Klemm, Frankfurter Denkmalgeschichte – erzählt anhand von Schicksalen einzelner Denkmäler. in: Mitteilungen des historischen Vereins zu Frankfurt (Oder) e. V. 1997 Heft 1, S. 15.

Literatur