mini|Ehemalige Stiftskirche in Feuchtwangen Das Kloster des hl. Erlösers bzw. das Kollegiatstift Unserer Lieben Frau zu Feuchtwangen ist ein ehemaliges Kloster bzw. Kollegiatstift in Feuchtwangen in Bayern in der Diözese Augsburg. Die Stiftskirche dient seit der Reformation als Pfarrkirche der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde.
mini|Kreuzgang
Geschichte Gründung Zur Entstehung gibt es unterschiedliche Thesen und teilweise widersprüchliche Schriftsätze. Zu den oft angegebenen Gründungsdaten 817 oder 816 ist zu bemerken, dass die Versammlung in Aachen längere Zeit dauerte (816, über den Jahreswechsel) und dass damals in den Kanzleien unterschiedliche Kalender verwendet wurden (Hochneujahr).Wilhelm Schaudig, Kirchenrat und Dekan i. R. Geschichte der Stadt und des ehemaligen Stiftes Feuchtwangen, Feuchtwangen 1927, Abschnitt 1. Name und Ursprung Feuchtwangens Urkundlich geht die Erwähnung des Benediktinerklosters auf die notitia de servitio monasteriorumDas Feuchtwanger Kloster in der Überlieferung, auf geschichte-feuchtwangen.deSynode in Aachen 818/19, Bayerische Akademie der Wissenschaften 2019-10-07 zurück, in der Feuchtwangen (Fruhelinwanc, Fiuhctinwanc) 818/19 als mittelbegütert genannt wird. Aus diesem Grund feiert die Stadt offiziell im Jahr 2019 das 1200-jährige Jubiläum.
Der Legende nach hielt sich Karl der Große zum Jagen im Gebiet des heutigen Feuchtwangen auf. Die Sage vom Taubenbrünnlein erzählt, wie Karl, nachdem er nach dem er im Wald sein Gefolge verloren hatte und durstig war, nachdem er eine Taube wegfliegen sah, eine Stelle fand, an welcher er trinken konnte. Kurz darauf fand er sein Gefolge wieder und gründete an jener Stelle, an welcher er trinken konnte, das Kloster in Feuchtwangen. Nicht weit entfernt vom Kloster steht heute ein Brunnen, welcher an den Gründungsmythos erinnert. Auf dem Brunnen steht geschrieben:
mini|Karl der Große am Portal der Klosterkirche
Der immer herangezogene Könighof ist bisher für Feuchtwangen in keiner Weise belegt und nachgewiesen. Hier wird vergessen, dass Reichsklöster einem Königshof bzw. einer -pfalz gleichgesetzt waren. Die Sulzach-Furt, heute noch an der Stadtmühle erkennbar, auf die der Altweg (als dessen Nachfolger von der Höhe über die Straßen Brezenberg, Jahnstraße, Postgasse und Untere Torstraße verlaufend) direkt zugeht und den ehemaligen Klosterbereich vormals durchschnitt, war sicher ein Hauptgrund, hier eine Siedlung bei der Festigung der fränkischen Landnahme anzulegen.Wilhelm Funk Feuchtwangen – Werden und Wachsen einer fränkischen Stadt 1954, Abschnitte Der fränkische Königshof Feuchtwangen und Die Frankenstraßen Professor D. Hauck sagt in seiner Kirchengeschichte: „Bischof Hariolf von Langres gründete in der letzten Zeit Pippins (741 – 768) an der schwäbisch-fränkischen Grenze das Kloster Ellwangen. Etwas jünger ist das benachbarte Feuchtwangen.“ Der Ursprung desselben unter Karl dem Großen sei ziemlich sicher. Und in der zweiten Aussage seines Werkes schreibt Hauck bei Aufzählung von Klöstern: „Feuchtwangen 768 St. Martin“, hierzu fehlen allerdings die Belegnachweise. Geht man vom Patrozinium St. Martin, dem Schutzpatron des Frankenreiches, aus, so ist es bemerkenswert, dass sich das Patrozinium in St. Salvator änderte. St. Salvator ist der Schutzheilige des Klosters Tegernsee (das sich aber ab 804 in Quirinus von Tegernsee geändert haben soll). Hier stellt sich die Frage, ob die Tegernseer Mönche um Dekan Wigo und den gelehrten Mönch Fromund dieses Patrozinium mitbrachten, das erst um das Jahr 1000 genannt wird. Sicher ist, dass das Kloster im gleichen Zuge wie Ansbach (gegründet 748) und Herrieden (gegründet 783) entstand.
Benediktiner Das St. Salvator geweihte Benediktiner-Kloster wurde vor 817 als grundherrliche Stiftung gegründet. Später kam es in königlichen Besitz und wurde Reichsabtei, die bereits bei der ersten urkundlichen Erwähnung (817) als mittelbegütert eingestuft ist. 817 berief Kaiser Ludwig der Fromme (814–840) die Äbte der Reichsklöster nach Aachen. Mit dieser Zusammenkunft und ihrer schriftlichen Erwähnung im Kapitulare der Reichssynode in Aachen vom 10. Juli 817Kurt von Ingersleben: Feuchtwangen und sein Landkreis Herold Neue Verlags GmbH, München; 1971 herausgegeben vom Gebietsausschuß Frankenhöhe-Wörnitzgrund im Bay. Fremdenverkehrsverband, Seite 12 tritt Feuchtwangen aus dem Dunkel der Geschichte. Es kam am 10. Juli 817 ein umfassender Beschluss zu Stande. Durch ihn werden auch die Verpflichtungen der Klöster gegen das Reich geregelt. Die Reichen mussten Steuern und Kriegsdienste leisten, die Mittelbegüterten, zu denen auch Fiuchtingwank gehörte, nur Steuern, während die Armen nur für den Kaiser und das Reich beten sollten. Als zweite Nennung sind Gozbert und Wigrat als hiesige Feuchtwanger Äbte im Reichenauer Verbrüderungsbuch, angelegt in den Jahren 820–824, genannt. Bis zum Ende des 10. Jahrhunderts schweigen die schriftlichen Quellen. Das Reichskloster kam in diesem langen Zeitraum als Eigenkloster in die Hand des Bischofs von Augsburg, Feuchtwangen ist die nördlichste Pfarrei bzw. das Kloster dieses Bistums und der Hl. Ulrich hat es mehrfach persönlich visitiert. Später war das Klosterleben, wohl durch die Ungarneinfälle, im Niedergang begriffen. Es lebten nur noch wenige alte Mönche in der Abtei. Durch den Abt Gozbert von Tegernsee wurden Tegernseer Mönche entsandt, um es wiederzubeleben. Dieses geschah vermutlich auf Bitte des Bischofs Luitold von Augsburg. Der Dekan Wigo machte sich 991 mit mehreren Brüdern auf den Weg nach Feuchtwangen, um das Leben im Kloster wieder in die rechten Bahnen zu bringen. Die katastrophalen Zustände im Kloster beschreiben 16 Briefe des gelehrten Mönchs Froumund und seines Dekans Wigo aus den Jahren 991 bis 995Anton Steichele, Domkapitular in Augsburg Das Bisthum Augsburg, III. B. Schmid’sche Verlagsbuchhandlung (A. Manz), Augsburg 1865, Seiten 341 bis 349. Diese Briefe sind unter anderen an den Bischof Luitold von Augsburg, Königin Adelheid, den Bayernherzog Heinrich und an einen Grafen E. (Graf Eberhard V. von EgisheimWilhelm Funk Feuchtwangen – Werden und Wachsen einer fränkischen Stadt Feuchtwangen, 1954, Abschnitt Die West-Oststraße Crailsheim – Herrieden, bzw. Ansbach) gerichtet. Aus den Briefen ist zu lesen, dass das Kloster zu jener Zeit über nicht geringen Landbesitz verfügte. Eines Jahres wurden 60 Morgen Getreidesaat durch die Winterkälte vernichtet. Es gab einen Pferde-, einen Rinder-, einen Ziegen- und einen Schweinehirten. Im Kloster waren zwei Köche, von denen der eine für Holz, der andere für Gemüse zu sorgen hatte, Schuhmacher, Wäscher, Bierbräuer. Andere waren mit der Ausbesserung der Gebäude beschäftigt. Demnach war ein großer Hausstand vorhanden.
Andererseits geben die Briefe auch ein Bild der dürftigen Lebenshaltung jener Zeit. Die Klosterkirche hatte keine Fensterverglasung, so dass im Sommer die Vögel durch das Gotteshaus flogen und im Winter der Schnee hereingeweht wurde. Auch die Kerzen schmolzen durch den Luftzug herab. Bischof Liutolf wird um leinene Tücher gebeten, um die Fenster verhängen zu können. Auch Eisen soll er schicken, damit der Schmied die Ackergeräte ausbessern könne. Über verschiedene andere Mängel und Nöte ist in den Briefen geklagt, besonders aber auch über die Feindschaft, welche die Umwohner dem Kloster und seinen Insassen entgegenbrachten. Freie wie Hörige ließen es an Achtung fehlen. Am schlimmsten aber trieb es der Sohn eines gewissen Richard, der nicht nur den Mönchen heimlich oder öffentlich ihren einzigen Weiher ausfischte, sondern auch, als ihm die Einwohner die Mithilfe versagten, Leute aus dem Schwäbischen herbeiholte, die mit ihren Rossen die Klosterwiesen abweiden mussten. Da gab es manchmal Not, wie damals als das Kloster wegen der nahenden Osterzeit sich an Herzog Heinrich von Bayern wenden musste, damit dieser ihm aus seinen westlich von Dinkelsbühl und bei Crailsheim gelegenen Weihern Fische schenkte. Bei alledem ging auch die wissenschaftliche Arbeit im Kloster nicht aus. Der Scholastikus (Schulvorsteher) Froumund unterrichtete junge Leute, die das klösterliche Leben erwählten, und trieb selbst seine gelehrten Studien.
Ihren Auftrag dürften Wigo, Froumund und ihre Mitbrüder 1002 beendet haben und in ihr Heimatkloster zurückgekehrt sein, wo sie verstarben. Dicht untereinanderstehend sind ihre Namen im Verbrüderungsbuch von St. Peter in Salzburg, angelegt im Jahr 1004, verzeichnet.Wilhelm Schaudig, Kirchenrat und Dekan i. R. Geschichte der Stadt und des ehemaligen Stiftes Feuchtwangen, Feuchtwangen 1927, Abschnitt 2. Das Kloster Fiuchtingwang
Die Gegend um Feuchtwangen war seit alters her „Grenzgebiet“, stoßen doch beim nahen Weinberg die alten karolingischen Gaue Sualafeld, Rangau und Maulachgau hier an einem Stein aufeinander, welcher in der Dorfordnung von 1433 und 1500 noch belegt ist. Hier ist zugleich der Grenzpunkt, an dem die drei Bistümer Augsburg, Eichstätt und Bamberg (bis 1817: Würzburg) aufeinanderstoßen: die Weinberger Glocke ist in drei Bistümern zu hören. Sicher war durch die Lage der Zugriff auf das Gebiet durch den Augsburger Bischof damals interessant.
Chorherren Spätestens 1197 war das Kloster in ein Säkularkanonikerstift umgewandelt worden, da in diesem Jahr erstmals ein Propst urkundlich benannt wird. Die Augustiner-Chorherren waren keine Mönche, sondern Regular-Kanoniker und lebten in eigenen Häusern, verrichteten aber gemeinsam ihre Chorgebete in der ehemaligen Kloster- bzw. ihrer Stiftskirche.
Die Verschuldung stieg durch die Jahrhunderte aufs Höchste an, wie aus einem Schreiben des Bischofs Burkhart von Augsburg vom Dezember 1374 zu ersehen ist. Der Bischof ordnete an, dass eigene Verwalter für die Gefälle des Stifts aufgestellt werden sollten, die die Einkünfte sammeln, die Ausgaben bestreiten, Schulden abtragen und den Rest unter den Kanonikern verteilen mussten. Er übertrug am 6. November 1376 aber die Pflege des Stifts dem Burggrafen Friedrich V. von Nürnberg auf vier Jahre. Dieser sollte Ordnung in das Schuldenwesen bringen, was durch Verkauf von Grundstücken auch zustande kam. Aus dieser Pflege wurde jedoch eine Schirmvogtei, wie denn bereits 1378 das Stift den Burggrafen Pfleger und Schirmer nennt. Ja Friedrich VI. ließ sich 1407 sogar den Huldigungseid schwören. So kam das Stift in immer größere Abhängigkeit von den Burggrafen und den späteren Markgrafen von Ansbach.