mini|alt=Eine Frau liest einem Kleinkind aus einem Buch vor|Kinderbetreuung ist Care-Arbeit … mini|alt=Nach einem Bad wird eine alte Frau abgetrocknet|…, ebenso die Sorge für alte Menschen. Care-Arbeit oder Sorgearbeit oder Pflegearbeit bezeichnet Tätigkeiten der Fürsorge, des Pflegens und des sich um jemanden kümmern.

Der Ausdruck entstand in den 1990er Jahren im englischen SprachraumEmily K. Abel; Margaret K. Nelson: Circles of Care: Work and Identity in Women's Lives. State University of New York Press, New York 1990. und schloss an feministische Theorien um Reproduktionsarbeit und Haus- und Familienarbeit im Zuge der zweiten Frauenbewegung an. Dort wurde unbezahlte Hausarbeit als gesellschaftlich notwendige und zumeist von Frauen geleistete Arbeit sichtbar gemacht und ihre Bedeutung für die Wiederherstellung der Arbeitskraft herausgearbeitet.Bettina Haidinger, Käthe Knittler: Feministische Ökonomie. Eine Einführung. Mandelbaum, Wien 2014, ISBN 978-3-85476-658-2, S. 75–86. Mit dem Care-Begriff wurden unter anderem der Arbeitsinhalt und die Beziehungsaspekte von Pflege stärker reflektiert. Care-Arbeit umfasst bezahlte und unbezahlte Arbeit. Sie orientiert sich an den Bedürfnissen anderer Personen (Kathleen Lynch, Judy Walsh: Love, Care and Solidarity: What Is and Is Not Commodifiable. In: Kathleen Lynch, John Baker, Maureen Lyons (Hrsg.): Affective Equality. Love, Care and Injustice. Palgrave Macmillan, Basingstoke 2009, ISBN 978-0-230-21249-7, S. 35–53, hier S. 36.).

Unter Care-Arbeit fällt beispielsweise Kinderbetreuung, -erziehung oder Altenpflege, es werden aber auch familiäre Unterstützung, Häusliche Pflege und freundschaftliche Hilfen darunter verstanden. Überwiegend wird diese Arbeit von Frauen geleistet. Bis in die Gegenwart werden die verschiedenen Stränge nicht als ein gesellschaftspolitisch zentrales, zusammenhängendes Politikfeld gesehen, oder entsprechend bearbeitet.

Begriffsbedeutung Die akademischen und politischen Diskussionen um Care thematisieren die grundlegende gesellschaftliche Bedeutung von Pflegearbeit, die spezifische inhaltliche Ebene dieser Tätigkeiten und Abhängigkeiten von Menschen als Bedingung ihrer Existenz.

Im Englischen kann das Wort care in unterschiedlichen Kontexten genutzt werden; es wird gebraucht im Sinne von caring about, also des emotionalen sich Sorgens um, aber bedeutet mit taking care of auch aktives Tun oder macht mit take care of yourself auf Aspekte der SelbstsorgeElisabeth Conradi: Take Care. Grundlagen einer Ethik der Achtsamkeit. Campus, Frankruft am Main 2001, ISBN 978-3-593-36760-6, S. 13, 27–28, 32–34; Dies.: Selbstsorge und Fürsorge. In: Susanne Hartwig (Hrsg.): Behinderung. Kulturwissenschaftliches Handbuch. J. B. Metzler, Berlin 2020, ISBN 978-3-476-05737-2, S. 119–124. aufmerksam.Margrit Brückner: Entwicklungen der Care-Debatte – Wurzeln und Begrifflichkeiten. In: Urula Apitzsch, Marianne Schmidbaur (Hrsg.): Care und Migration. Die Ent-Sorgung menschlicher Reproduktionsarbeit entlang von Geschlechter- und Armutsgrenzen. Verlag Barbara Budrich, Opladen 2010, ISBN 978-3-86649-326-1, S. 43–58, hier S. 43. Care ist als Haltung der Verantwortlichkeit und fürsorgliche Praxis zu verstehen.Luise Gubitzer, Katharina Mader: Care-Ökonomie. Ihre theoretische Verortung und Weiterentwicklung. In: Kurswechsel. 4/2011, S. 7–21 (pdf).

Care-Arbeit kann bezahlt oder unbezahlt und ebenso im privaten, häuslichen Bereich wie in öffentlichen Institutionen oder als marktförmige Dienstleistung erbracht werden. Sie findet in Interaktionen und zwischenmenschlichen Beziehungen statt. Nach Margrit Brückner umfasst sie „den gesamten Bereich weiblich konnotierter, personenbezogener Fürsorge und Pflege, d. h. familialer und institutionalisierter Aufgaben der Versorgung, Erziehung und Betreuung und stellt sowohl eine auf asymmetrische Beziehungen beruhende Praxisform als auch eine ethische Haltung dar“. Allerdings werden in verschiedenen Studien unterschiedliche Abgrenzungen und Akzentuierungen von Care-Arbeit vorgenommen.Elisabeth Conradi: Verteilungsgerechtigkeit oder achtsame Zuwendung? Über die Ausrichtung deutschsprachiger Care-Diskurse. In: Das Argument 320, 58. Jahrgang, Heft 6, S. 818–832. Umstritten ist beispielsweise, ob Care-Arbeit stets in Situationen starker einseitiger Abhängigkeit stattfindet, ob ihr eine spezifische Haltung der Care-Leistenden innewohnen muss, oder ob auch Selbstsorge Bestandteil von Care-Arbeit sein kann. Unterschieden wird teilweise auch zwischen direkter und indirekter Care-Arbeit, also Tätigkeiten die nicht unmittelbar mit, sondern für eine andere Person geleistet werden – wie Kochen, Putzen, Einkaufen. Unbestritten ist jedoch, dass menschliche Gesellschaften ohne Care-Arbeit nicht vorstellbar sind. Denn alle Menschen sind in hohem Maße, beispielsweise in der Kindheit oder bei Krankheit, aber auch im Alltag auf Unterstützung anderer angewiesen.Gabriele Winker: Care Revolution. Schritte in eine solidarische Gesellschaft. transcript Verlag, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8376-3040-4, S. 22–27.Silke Chorus: Care-Ökonomie im Postfordismus. Perspektiven einer integralen Ökonomie-Theorie. Westfälisches Dampfboot, Münster 2013, ISBN 978-3-89691-915-1, S. 33–40.Ulrike Knobloch: Sorgeökonomie als kritische Wirtschaftstheorie des Sorgens. In: Denknetz. Jahrbuch 2013, S. 10–12. PDF, abgerufen am 19. Mai 2015.

Das Akronym SAGE beschreibt alle Care-Berufe aus den Bereichen Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege, Erziehung und Bildung und bildet damit das Pendant zu den sogenannten MINT-Fächern. Der Begriff wird unter anderem von der Bundesagentur für Arbeit als Sammelbezeichnung genutzt. Teilweise wird auch von SAHGE gesprochen, bei dem auch noch Haushaltnahe Dienstleistungen mitgezählt werden.

Care-Ökonomie alternativtext=Ein Eisberg, der über Wasser die Beschriftung „Marktwirtschaft“ aufweist, unter Wasser folgen „Naturvermögen“ und „Durch Fürsorge geprägtes Vermögen“|mini|Care-Arbeit als marginalisierte Stütze entlohnten Wirtschaftens nach Helfrich/Bollier 2019 Auch ökonomisch spielt Care-Arbeit eine wichtige Rolle. In Deutschland sind beispielsweise 19 % der Beschäftigten im Jahr 2010 in klassischen Care-Sektoren tätig gewesen: 6,2 % in den Bereichen Erziehung und Bildung, 10,6 % im Gesundheits- und Sozialwesen und 2,2 % in häuslichen Dienstleistungen.Gabriele Winker: Care Revolution. Schritte in eine solidarische Gesellschaft. transcript Verlag, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8376-3040-4, S. 24. Wird aber nicht nur die bezahlte, sondern auch die unbezahlte Care-Arbeit untersucht, steigt ihre ökonomische Relevanz noch einmal deutlich. Für die Schweiz hat die Ökonomin Mascha Madörin ein Stundenvolumen der unbezahlten Hausarbeit, Kinderbetreuung und Pflege von 7697 Stunden gegenüber einem Gesamtvolumen der bezahlten Arbeitszeit von 6974 Stunden errechnet.Mascha Madörin: Care-Ökonomie – eine Herausforderung für die Wirtschaftswissenschaften. In: Christine Bauhardt, Gülay Çağlar (Hrsg.): Gender and Economics. Feministische Kritik der politischen Ökonomie. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-16485-4, S. 81–104, hier S. 94. Und in einer umfangreichen Zeiterhebungsstudie des Statistischen Bundesamtes wurde erhoben, dass die unbezahlte Arbeitszeit in der BRD jene der bezahlten Arbeit um das 1,7-Fache übersteigt.Wo bleibt die Zeit? Die Zeitverwendung der Bevölkerung in Deutschland 2001/02. Statistisches Bundesamt, 2003, S. 11. Laut Daten von 2022 leisteten Frauen in Deutschland im Schnitt 4 Stunden und 15 Minuten unbezahlte Arbeit, Männer 2 Stunden und 58 Minuten. Der Unterschied liegt bei Stunden pro Woche bzw. 44,3 Prozent.

In der Care-Ökonomie wird Care-Arbeit vor allem als personenbezogene Dienstleistung in den Blick genommen, als „eine Dienstleistung, die ohne Gegenwart der EmpfängerIn der Dienstleistung nicht möglich ist“.Mascha Madörin: Care-Ökonomie – eine Herausforderung für die Wirtschaftswissenschaften. In: Christine Bauhardt, Gülay Çağlar (Hrsg.): Gender and Economics. Feministische Kritik der politischen Ökonomie. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-16485-4, S. 81–104, hier S. 97. Diese direkten Care-Dienstleistungen werden in Subjekt-Subjekt-Beziehungen geleistet. Daher ist die verwendete Zeit selbst integraler Bestandteil der Leistung. Für qualitativ gute Care-Arbeit ist außerdem die Berücksichtigung der Bedürfnisse und Wünsche der jeweiligen Care-Empfänger notwendig, was Gespräche und Zeit notwendig macht.Mascha Madörin: Care-Ökonomie – eine Herausforderung für die Wirtschaftswissenschaften. In: Christine Bauhardt, Gülay Çağlar (Hrsg.): Gender and Economics. Feministische Kritik der politischen Ökonomie. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-16485-4, S. 81–104, hier S. 88. Personenbezogene Dienstleistungen können daher auch im Lohnarbeitssektor nur in geringem Umfang rationalisiert werden. Sie bedürfen eines hohen Arbeits- und Personalaufkommens, das nicht beliebig gekürzt werden kann. In Relation zu anderen Wirtschaftssektoren spricht der Wirtschaftstheoretiker William Baumol daher bereits im Jahr 1967 von überdurchschnittlich steigenden Kosten (Baumolscher Kosteneffekt) in diesen Branchen.

Nancy Fraser und andere erklären dies mit der Trennung produktiver (Erwerbsarbeit) und reproduktiver Arbeit (Care) im Kapitalismus und argumentieren vor diesem Hintergrund für alternative Formen des Wirtschaftens. Angelehnt an den Reproduktionsbegriff beziehen Melanie Jaeger-Erben und Sabine Hielscher auch Reparaturen in den Care-Begriff ein. Silvia Federici argumentiert, dass mit Lohnzahlungen für Hausarbeit ein gemeinsames Verständnis der lohnabhängig Beschäftigten reifen könne.

Phänomene der Intersektionalität Care-Arbeit und Geschlechterverhältnisse Care-Arbeit ist gesellschaftlich nicht gleichmäßig verteilt, vielmehr wird sie zum überwiegenden Teil von Frauen geleistet. Dies gilt sowohl für den Bereich der unbezahlten Care-Arbeit als auch für den bezahlten Bereich.