mini|Ehemalige Klosterkirche „St. Johannes der Täufer“ mit Klosterfasade von Westen
Das Kloster Rebdorf ist ein ehemaliges Augustiner-Chorherren-Stift in Eichstätt in der bayerischen Diözese Eichstätt.
Geschichte mini|Kloster Rebdorf mini|Der barocke „Gabrieli-Hof“ des Augustiner-Chorherrenstiftes Eichstätt mini|Die Prälatur des Rebdorfer Klosters mit ihrer Rokokofassade Kloster der Augustiner-Chorherren Rebdorf an der Altmühl tauchte erstmals 1055 in einer Urkunde auf. 1063 wurde im Dorf eine Kirche geweiht. König Friedrich Barbarossa übergab 1153 das Reichsdorf dem Eichstätter Bischof Konrad I. von Morsbach. Dieser gründete um 1156 das St. Johannes Baptist geweihte Kloster als Augustiner-Chorherren-Stift. Bischof Konrad von Eichstätt (1162–1168) beschenkte das Stift reich mit Gütern, nach vorübergehendem Entzug durch den Electus Egilolf wurden diese dem Stift auf der Eichstätter Diözesansynode von 1186 durch Bischof Otto wieder zuerkannt.Staatsarchiv Nürnberg, Hochstift Eichstätt, Kloster Rebdorf, Urkunden vor 1401 Nr. 2; Philipp Jedelhauser, Die Regesten der Grafen von Hirschberg..., Nr. 95, 1186, Eichstätt (Diözesansynode). Das Kloster nahm eine gute geistige und wirtschaftliche Entwicklung. 1239 hatte das Stift in 47 Hochstiftsorten Besitzungen. Am 4. März 1305 stirbt mit Gebhard VII. der letzte Graf von Hirschberg und wird in der Kirche des Stiftes beigesetzt. Im Juni 1307 inkorporierte Bischof Philipp von Eichstätt dem Kloster und dessen Konvent die vier Pfarreien Kottingwörth, Oening (heute eingem. n. Berching), Aha und Dornhausen, deren Patronatsrechte Graf Gebhard VII. von Hirschberg dem Propst Konrad und dessen Konvent im September 1296 geschenkt hatte.Urkundenabschrift: Diözesanarchiv Eichstätt, Sign. B 19, I, S. 59–60; Philipp Jedelhauser, Regesten der Grafen von Hirschberg..., Nr. 375, 1296 September 27, Rebdorf und Nr. 470, 1307 Juni 16, Eichstätt.
Reformbedürftig geworden, schloss sich das Stift nach vielen Widerständen 1458 der Windesheimer Kongregation an. Laut der Kirschgartener Chronik (um 1500) von Prior Johannes Heydekyn von Sonsbeck,Zu Johannes Heydekyn von SonsbeckWebseite zur Kirschgartener Chronik. forderte der Bischof von Eichstätt damals Chorherren aus dem Kloster Kirschgarten (Worms) an, um Rebdorf zu reformieren.Ottokar Lorenz: Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter, 1886, Reprint 2011, ISBN 3-86382-261-7, Seite 133; Scan aus der Quelle. Kloster Rebdorf erlangte im Humanismus mit den Prioren Hieronymus Rotenpeck und Kilian Leib eine bedeutende Stellung. Die Chorherren betreuten auch das benachbarte, 1460 gegründete Augustiner-Chorfrauenstift Marienstein.
Im Dreißigjährigen Krieg trug die Klosteranlage schwere Schäden davon. Der Wiederaufbau erfolgte im 18. Jahrhundert. 1732 wurde die romanische Klosterkirche St. Johannes der Täufer im Barockstil umgebaut, und der fürstliche Eichstätter Baudirektor Gabriel de Gabrieli errichtete neue Konventsgebäude, die zur Altmühl hin eine 183 Meter lange schlossartige Fassade bilden. An den mittelalterlichen Kreuzgang schließt sich seitdem das alte Refektorium mit gutem Barockstuck an. In der ehemaligen Prälatur mit ihrer repräsentativen Rokokofassade (um 1730) ist ein stuck- und freskengeschmückter Festsaal von 1731. Hinter der Klosterkirche entstand mit schönen Arkaden der sogenannte Gabrielihof.
Nach der Säkularisation Das Kloster wurde am 6. August 1806 im Zuge der Säkularisation aufgelöst.Ettle, Josef: Die Rebdorfer Odlpumper – Zwangsarbeitsanstalt und Arbeitshaus von 1857 bis 1958, Seite 12. Zu diesem Zeitpunkt umfasste der Besitz unter anderem 191 Tagwerk Wiesen, 533 Tagwerk Äcker und 2.040 Tagwerk Wald. Die Klosterkirche wurde profaniert – was später wieder rückgängig gemacht wurde – und die Einrichtung an andere Orte verbracht; Altäre wurden beispielsweise nach Hausen und Rögling verkauft. Die Besitzverhältnisse wechselten nach der Säkularisation mehrmals. 1824 erwarb Herzog von Leuchtenberg Auguste de Beauharnais die Gebäude. 1855 übernahm der bayerische Staat die Klostergebäude und richtete hier 1857 ein Arbeitshaus ein.Ettle, Josef: Die Rebdorfer Odlpumper – Zwangsarbeitsanstalt und Arbeitshaus von 1857 bis 1958, Seite 11. Bis 1859 war diese Arbeitsanstalt der Zwangsarbeitsanstalt in Kaisheim unterstellt. 1923 waren in Rebdorf 480 Gefangene verwahrt.Ettle, Josef: Die Rebdorfer Odlpumper – Zwangsarbeitsanstalt und Arbeitshaus von 1857 bis 1958, Seite 16. Am 21. Mai 1945 wurde das Arbeitshaus Rebdorf von der amerikanischen Militärregierung beschlagnahmt.Ettle, Josef: Die Rebdorfer Odlpumper – Zwangsarbeitsanstalt und Arbeitshaus von 1857 bis 1958, Seite 17. Diese richteten ein Flüchtlingslager, vor allem für Litauer ein. Während dieser Zeit verfiel das Gebäude immer mehr. Flüchtlinge verschleppten große Teile der Einrichtung. Die litauischen Flüchtlinge gründeten im Lager unter anderem ein Litauisches Gymnasium. Auch der spätere litauische Präsident Valdas Adamkus machte dort 1946 sein Abitur. 1949 wurde das Gebäude von der Militärregierung wieder an den Freistaat Bayern zurückgegeben. 1951 wurde im Kloster Rebdorf die I. Abteilung der Bayerischen Bereitschaftspolizei eingerichtet. Die Bereitschaftspolizei blieb bis 1956 in RebdorfEttle, Josef: Die Rebdorfer Odlpumper – Zwangsarbeitsanstalt und Arbeitshaus von 1857 bis 1958, Seite 18. Während der ganzen Zeit war Rebdorf auch weiterhin Arbeitshaus.
Wieder Kloster, mit Schule mini|Schulerweiterung von Franz Kießling Dies blieb bis 1958 so, als die Kongregation der Herz-Jesu-Missionare die Anlage kaufte. Im Kloster leben noch heute [Stand: 2023] drei Brüder., abgerufen am 25. März 2016. Zwischen 1959 und 1963 restaurierte der Münchner Architekt Franz Kießling das Kloster und die Kirche.
1959 wurde eine Knaben-Realschule mit Internat eingerichtet. 1977 erweiterte Franz Kießling die Schule durch einen Erweiterungsbau im östlichen Teil des Areals. 1990 übernahm das Bistum Eichstätt die Trägerschaft der Schule und kaufte 2003 dem Orden die Anlage ab. Das Internat wurde noch bis 2007 betrieben. 2013 wurde eine neue Mensa im Innenhof errichtet. 2014 zog die Maria-Ward-Realschule vom Eichstätter Residenzplatz nach Rebdorf und bildet seither mit der Knabenrealschule Rebdorf ein Schulzentrum.Maria-Ward zieht nach Rebdorf, auf www.bistum-eichstaett.de, abgerufen am 25. März 2016. 2017 wurde eine neue Dreifach-Turnhalle nach Plänen des Diözesanbaumeister Richard Breitenhuber eingeweiht. In den Jahren zwischen 2012 und 2016 wurden die Freiräume nach Plänen des Ingolstädter Landschaftsarchitekten Wolfgang Weinzierl neu gestaltet.
Im März 2023 kündigte die Diözese Eichstätt an, dass sie sich von der Trägerschaft der Realschulen in Rebdorf trennen will.
Zwischen dem ehemaligen Kloster und dem Fuße des östlichen Altmühlhangs verläuft über die Wiesen ein historischer Hochwassersteg., abgerufen am 4. September 2017. Dort verläuft seit 1885 auch die Stichbahn zwischen Eichstätt-Bahnhof und Eichstätt-Stadt, die erst 1932 auf Normalspur umgestellt wurde.
Bekannte Stiftsmitglieder Bekannte Stiftsmitglieder waren: Propst Silvester von Passau (reg. 1448–1454), der „Meditationes de Passione Christi“ (Meditationen vom Leiden Christi) schrieb, Kilian Leib (* 1471; † 1553), ab 1503 Prior, der mit den bedeutendsten Gelehrten des Humanismus in Verbindung stand und mehrere Schriften und ein Tagebuch (1513–1531) verfasste – wegen der exakten Wetterbeobachtungen ein wichtiges meteorologisches Dokument, Maximilian Münch (* 1743; † 1791), Verfasser historischer Schriften, Michael Stein (* 1747; † 1779), Verfasser historischer Schriften, Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Propst Erhard Räm (reg. 1711–1732), der die barocke Umgestaltung in Auftrag gab, Hieronymus Rotenpeck († 1773), von den Zeitgenossen als zweiter Cicero gerühmt, der u. a. eine lateinische Metrik schrieb, Andreas Strauß (* 1751; † 1805), Kloster-Bibliothekar und Verfasser mehrere Werke, die für Lokalhistoriker und Geographen Bedeutung erlangten.
Ehemalige Klosterbibliothek mini|Bücher aus der Rebdorfer Stiftsbibliothek in der Universitätsbibliothek Eichstätt Weltweit berühmt ist Rebdorf für seine ehemalige Klosterbibliothek. Sie galt als eine der bedeutendsten geistlichen Bibliotheken in Deutschland. In den Reformbestrebungen des 15. Jahrhunderts, bei denen es um eine Erneuerung des geistlichen und geistigen Lebens ging, war Rebdorf Teil eines Netzwerks von Klöstern, die wichtige Werke der mystisch-aszetischen Literatur abschrieben und dann auch selbst zur Abschrift weiterverliehen. Handschriftenbeziehungen verweisen u. a. auf die Reformklöster Pillenreuth und Tegernsee, beispielsweise in der Tradierung wichtiger Tauler-Texte.Siehe: Siegfried Ringler: Viten- und Offenbarungsliteratur in Frauenklöstern des Mittelalters. Quellen und Studien (= Münchener Texte und Untersuchungen zur deutschen Literatur des Mittelalters 72). Artemis, Zürich u. a. 1980, ISBN 3-7608-3372-1, S. 55–59, S. 62f. Siehe auch: Adolf Spamer: Über die Zersetzung und Vererbung in den deutschen Mystikertexten. Gießen 1910, S. 85–92, S. 95f. (Giessen, Univ., Diss., 1908). Unter dem Prior Kilian Leib wurden dann im 16. Jahrhundert die Bibliotheksbestände besonders in Hinblick auf humanistische Interessen erweitert. Auch in der Folgezeit wurde die Bibliothek weiter ausgebaut und bot die Voraussetzung für zahlreiche gelehrte Studien. Der Bibliophile Lothar Franz von Schönborn ließ sich zahlreiche Missale und Stundenbücher eintauschen. Um 1800 umfasste sie noch 30 000 Bände und fast 800 Handschriften, zahlreiche Inkunabeln und eine Gutenberg-Bibel. Das Ende der Bibliothek kam mit der Säkularisation im Jahre 1806; zuvor war die Bibliothek schon im Sommer 1800 im Verlauf der Koalitionskriege durch die französische Armee unter General Dominique Joba (1759–1809) geplündert worden. Die Bestände, soweit gerettet, sind heute über Europa und die USA verstreut. Restbestände kamen über die Königliche Bibliothek Eichstätt in die Hofgartenbibliothek. Franz Sales Romstoeck (1844–1925): Die königliche Staatsbibliothek in Eichstätt. In: Pastoralblatt des Bisthums Eichstätt; 47 Brönner, 1900
Klosterkirche „St. Johannes der Täufer“ Bau mini|Türme und Westfassade der Kirche St. Johannes Mit dem Bau der Kirche wurde in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts begonnen. Die Türme stammen in unteren Teilen aus der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts; ihre Abschlüsse wurden im 15. Jahrhundert verändert und im 18. Jahrhundert barock umgestaltet. Die Barockisierung der Kirche führte Matthias Seybold 1732–1734 durch. Die 1806 säkularisierte Kirche verkam, bis sie 1855 als Anstaltskirche des damaligen Arbeitshauses Verwendung fand. In dieser Eigenschaft verblieb sie bis 1958, als die Herz-Jesu-Missionare sie zu ihrer Klosterkirche machten und gleichzeitig als Kirche für die Kuratie Eichstätt-Rebdorf nutzen. 1961–1963 wurde sie vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege restauriert. 2007–2009 erfolgte eine Renovierung der Dächer und des Dachstuhles, danach schloss sich von 2010/11 bis Oktober 2013 eine erneute Innenrenovierung mit Altarbereichsumgestaltung an. Die Kirche konnte am Christkönigssonntag, den 24. November 2013 wieder ihrer Bestimmung übergeben werden.
Heutiges Erscheinungsbild