Das Kloster Ebrach (lateinisch Ebracum, Ebrae Monasterium, Eboracensis Abbatia u. ä.) ist eine ehemalige Zisterzienserabtei in Ebrach in Bayern im Erzbistum Bamberg.
Geschichte mini|hochkant=0.6|Gertrud von Sulzbach; Grabplatte in der Klosterkirche Ebrach mini|ohne|Gesamtanlage Kloster Ebrach Das Kloster wurde 1127 als erstes rechtsrheinisches Zisterzienserkloster in Deutschland durch die Brüder Berno und Richwin, fränkische Edelfreie, im bewaldeten Tal der Mittleren Ebrach gegründet und dem Mutterkloster Morimond unterstellt.Wolfgang Wiemer: Kleiner Kunstführer – Ehemalige Zisterzienserabteikirche Ebrach. 22. Auflage, 2008, S. 3–6. Die Gründungslegende des Klosters erzählt, ein Eber habe den Mönchen den Ort für die Klostergründung gewiesen, indem er ihnen den Abtsstab entriss und ihn an der Stelle des späteren Klosters fallen ließ.Fränkischer Tag, Artikel vom 30. September 2003Christian Knull: Bete, arbeite und wandere. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 9. November 2023, S. R 3. Abtsstab und Eber erscheinen daher wiederholt in den Abtswappenso bei den Äbten Ludwig Ludwig und Eugen Montag und bis heute im Gemeindewappen von Ebrach. Der Gründungskonvent bestand aus zwölf Mönchen und dem Abt Adam. Als Mitstifter wird auch der spätere Stauferkönig Konrad III. genannt, dessen Gattin Gertrud 1146 und Sohn Herzog Friedrich IV. von SchwabenChristoph Friedrich Stälin: Wirtembergische Geschichte, Teil 2. 1847, S. 101. 1167 in der 1134 geweihten ersten Klosterkirche zu Ebrach beigesetzt wurden. Dieser erste Kirchenbau befand sich im Bereich des heutigen südlichen Seitenschiffs.
mini|hochkant|Ebrach, Abteikirche Portal mit Blattmasken
Unter Abt Adam, der eine in kirchlichen und weltlichen Kreisen einflussreiche Persönlichkeit und ein Vertrauter des Heiligen Bernhard von Clairvaux war, hatte das Kloster eine erste Blütezeit. Sechs Tochterklöster wurden gegründet: Stift Rein (1129), Kloster Heilsbronn (1132), Kloster Langheim (1133), Kloster Nepomuk (1145), Kloster Aldersbach (1146) und Kloster Bildhausen (1158).
Als Höhepunkt der mittelalterlichen Entwicklung des Klosters gilt der Bau der jetzigen (zweiten) Kirche, deren Grundstein 1200 gelegt wurde und deren Weihe 1285 durch den Würzburger Bischof Berthold II. von Sternberg erfolgte.
Umfangreiche Schenkungen des fränkischen Adels begründeten den Wohlstand des Klosters. So beschenkten beispielsweise der Burggraf zu Nürnberg Friedrich III. und sein Sohn Johann I. das Kloster mit verschiedenen Gütern, ebenso die Grafen Heinrich und Friedrich von Castell. Besonders bedeutend waren die Schenkungen des Ludwig von Windheim, der dem Kloster seine Besitztümer in Burgwindheim überschrieb. Die meisten Wohltäter des Klosters fanden ihre letzte Ruhestätte in seinen Mauern.Georg Heinrich Weigand: Geschichte der Fränkischen Cistercienser Abtei Ebrach. S. 19.
Zeitweise gehörten über hundert Mönche dem Kloster an. 37 von ihnen wurden als Äbte in andere Abteien berufen, zwei wurden Bischöfe. Anfang des 14. Jahrhunderts errichteten die Zisterzienser des Klosters Ebrach in Nürnberg unmittelbar neben einem bestehenden Karmeliterkloster einen Ebracher Hof genannten Pfleghof. 1480 erhielt dieses Anwesen zusätzlich eine St.-Michaels-Kapelle. Weitere Ebracher Höfe des Klosters gab es in Schweinfurt, Rödelsee, BambergGeorg Heinrich Weigand: Geschichte der Fränkischen Cistercienser Abtei Ebrach. S. 32 f. sowie in UnterleinachChristine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 83 (zur Wohltäterin des Klosters „Ludgardis von Lynach“), 90, S. 364–366 (Der Ebracher Hof zu Unterleinach), S. 422, Anm. 2 und 4, S. 444 f. und S. 448, Anm. 9. und in Mainstockheim.
Das Kloster Ebrach wurde mehrmals von Kriegen in Mitleidenschaft gezogen. Im Bauernkrieg wurde das Kloster 1525 niedergebrannt, Abt und Konvent mussten fliehen. Zum Ende des Markgrafenkrieges 1554 wurde das nur behelfsmäßig wieder aufgebaute Kloster geplündert. Ein Streit mit dem Würzburger Fürstbischof um Reichsunmittelbarkeit erreichte kurz darauf 1556 seinen Höhepunkt. Im Jahre 1583 brannte die Klosterbibliothek nieder, konnte aber in den folgenden fünf Jahren wiederhergestellt werden.Georg Heinrich Weigand: Geschichte der Fränkischen Cistercienser Abtei Ebrach. S. 69. Während der schwedischen Besetzung Frankens im Dreißigjährigen Krieg wurde das Kloster zwischen 1631 und 1634 wirtschaftlich ruiniert, wobei der in Würzburg versteckte Kirchenschatz in die Hände der schwedischen Truppen fiel und nach Stockholm gebracht wurde.Wolfgang Wiemer: Kleiner Kunstführer – Ehemalige Zisterzienserabteikirche Ebrach. 22. Auflage, 2008, S. 23.
mini|hochkant|Das ehemalige Amtsschloss des Zisterzienserklosters Ebrach in Burgwindheim
Durch den Westfälischen Frieden 1648 kehrte wieder „Ruhe und Ordnung“ in Franken ein. Es begann eine langsame Erholung, die ab 1658 unter dem Abt Alberich Degen und seinen Nachfolgern in eine ausgedehnte Bautätigkeit mündete. Im 18. Jahrhundert erlebte Ebrach eine Blüte. Aus dieser Zeit stammen die schlossartigen barocken Klostergebäude und Gärten sowie zahlreiche Amtshöfe in mehreren umliegenden Städten, aber auch auf dem Land. Die prägendste Gestalt unter den baulustigen barocken Äbten war der 1714 gewählte Wilhelm Sölner, der bis zu seinem Tod 1741 nicht allein die Abtei selbst zum ersten modern gedachten Schlossstift Frankens ausbaute, sondern auch eine große Anzahl von umliegenden Klosterhöfen repräsentativ neu gestalten ließ. So entstand als prächtigstes Beispiel von 1720 bis 1728 das Amtsschloss des Klosters Ebrach in Burgwindheim. Einen zweiten künstlerischen Höhepunkt im 18. Jahrhundert erlebte Ebrach unter Abt Wilhelm Roßhirt, der von 1773 bis 1791 regierte. Unter seiner Ägide erhielt die Abteikirche zwischen 1778 und 1791 ihre opulente Altar- sowie Stuckausstattung.
Die Abtei Ebrach wurde 1803 unter dem Abt Eugen Montag im Zuge der Säkularisation aufgelöst. Zu dieser Zeit bewohnten noch 51 Mönche und zehn Laienbrüder das Kloster. Im gleichen Jahr wurden das Dorf Ebrach und dessen Pfarrei gegründet, die Abteikirche wurde katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Seit 1851 dienen die restlichen Klostergebäude der Verwaltung der Justizvollzugsanstalt Ebrach. Der Grundbesitz des Klosters wurde als Landgericht Ebrach weiterverwaltet.
In der Klostergaststätte fanden von 1957 bis 1971 jährlich die vom Staatsrechtler Ernst Forsthoff organisierten Ebracher Ferienseminare statt, die für jeweils zwei Wochen bekannte Wissenschaftler aus den verschiedensten Professionen zu gemeinsamen Diskussionen zusammenführten.
Äbte des Klosters Ebrach
Klosterbauten mini|Herkulesbrunnen (2011) mini|Kräutergarten Ebrach (2017) Ein Kapitellfund im Bereich des südlichen Seitenschiffs der heutigen Kirche lässt den Schluss zu, dass sich dort die erste, 1134 geweihte Klosterkirche befunden hat. Mit der Errichtung der Abteikirche ab 1200 wurde die erste Kirche überbaut. Man begann den Bau der Abteikirche mit der Michaelskapelle, deren Altarweihe bereits 1207 erfolgte.Wolfgang Wiemer: Kleiner Kunstführer – Ehemalige Zisterzienserabteikirche Ebrach, 22. Auflage, 2008, S. 20 1285 wurde die Abteikirche mit allen Nebenkapellen fertig gestellt und geweiht. Die bis auf die Abteikirche zunächst bescheidenen Klosterbauten wurden nach den Kriegswirren und -zerstörungen des 16. und 17. Jahrhunderts zwischen 1618 und 1791 in barockem und nachbarockem Stil prunkvoll neu errichtet. Die schlossartigen Anlagen verdeutlichen, wie weit sich die Zisterzienser inzwischen von den Idealen ihrer Ordensgründer entfernt hatten.
Unmittelbar an die Südfassade der Abteikirche mit den Nebenkapellen der Heiligen Bernhard und Johannes, der Katharinenkapelle, der Kapelle mit dem Sarkophag des ersten Abtes Adam und der Michaelskapelle baute man ein Gebäude mit Konventualenwohnungen für die Mönche und ein baugleiches mit Wohnungen für die Klosterbeamten an, wodurch in der Klosterkirche die Südfenster geschlossen wurden. Nach Westen schloss sich, verbunden durch die ehemaligen Offiziantenwohnungen mit Stallungen, als schlossähnliche barocke Dreiflügelanlage die Abtswohnung mit den Repräsentationsräumen Stiegenhaus und Kaisersaal an, dazu Räumlichkeiten für die Klosterverwaltung. Der Innenhof wurde beherrscht vom Abtsgarten und Unteren Abteigarten mit einem Herkules-Brunnen.Stich eines unbekannten Künstlers um 1803, Repro auch als Postkarte um 1900.
Um dieses kompakte Ensemble gruppierten sich nördlich der Abteikirche jenseits der Straße der höher gelegene Obere Abteigarten mit Orangerie, der Conventsgarten, die Fuchs’sche Kapelle, das Fischhaus, das Brauhaus und die Mühle, jeweils mit Garten, das Krankenhaus, die Wohnung des klösterlichen Forstmeisters und die Handwerkstätten. Nördlich des inneren Klosterareals befanden sich der Ökonomiehof mit Garten, Pferdestallungen und großen Scheunen sowie Torhaus und Oberes Tor. Ein Wirtshaus mit Stallungen gehörte ebenso dazu wie ein Friedhof östlich der Kirche und rund um den Klosterbezirk aufragende Wächtertürme.
Michaelskapelle mini|hochkant|Michaelskapelle in der Klosterkirche Ebrach Baugeschichte und Anlage Rund 30 Meter nördlich der ersten Klosterkirche von 1134 begann man 66 Jahre nach deren Weihe mit dem Bau der Michaelskapelle in Ost-West-Ausrichtung (Grundsteinlegung am 4. Juni 1200.) 1207 erfolgte die Altarweihe, die Fertigstellung mit einer neuartigen Wölbung 1211 oder etwas später. Unter dem kreuzförmigen, erhöhten Chor befand sich zunächst eine Krypta mit der Grablege des Klosterstifters Berno. Im 15. Jahrhundert wurde das Stiftergrab nach oben verlegt und die Krypta als Beinhaus mit Zugang zum Friedhof verwendet.Wolfgang Wiemer: Kleiner Kunstführer – Ehemalige Zisterzienserabteikirche Ebrach. 22. Auflage, 2008, S. 19–20. Die Michaelskapelle ist eines der bemerkenswertesten Bauwerke seiner Zeit auf deutschem Boden, da sie zwar in der Gesamterscheinung noch durchaus romanisch verwurzelt ist, aber eine Reihe frühgotischer Formenelemente aus der Bausprache der Zisterzienser (Burgund) zeigt. Noch während der Fertigstellung der Michaelskapelle begann auch die Errichtung der neuen Abteikirche mit der Niederlegung der ersten Klosterkirche.
Innenraum Den Innenraum der Michaelskapelle, dessen Langhaus ursprünglich als Laienraum vom Altarraum durch einen Lettner abgetrennt war, beherrscht der Chor, in dem alle Kreuzrippen und die spitzbogigen Gurte auf gebündelten, von Schaftringen umfassten Diensten vom Boden aufsteigen. In der Vierung deckt eine Platte das Stiftergrab des Berno. Wände und Gewölbe zeigen Reste zisterziensischer Raumdekorationen mit spätromanischer Linearmalerei. In den Westjochen befinden sich einfache Quaderlinien und Gewölbefelderungen, die im Ostjoch zusätzlich mit Sternen, Lilien und Rosetten versehen sind. Der Altar ist neueren Datums. Am Boden des Langhauses sind die Grabplatten von Adligen des 14. Jahrhunderts (von Windheim, Lisberg und Thüngfeld) eingelassen.
Ehemalige Abteikirche Baugeschichte und Anlage mini|Mittelschiffsgewölbe mini|Grundriss der Klosterkirche Die Grundsteinlegung der Michaelskapelle wird oft auch als Baubeginn der Hauptkirche angenommen, obwohl dies unwahrscheinlich erscheint. Der Versatz des Kreuzgewölbes der Michaelskapelle zu dem der Abteikirche lässt auf einen späteren Baubeginn der Hauptkirche schließen, der an den südwestlichen Teilen von Chor und Querschiff der bereits bestehenden Michaelskapelle begann und von dort nach Westen und Süden fortschritt. Der Bauverlauf von Kapelle und Kirche konnte durch eine eingehende Untersuchung der Steinmetzzeichen sehr genau bestimmt werden. In ihrer 85-jährigen Baugeschichte behielt die Kirche bis auf die hochgotische Westfassade im Wesentlichen die Frühgotik des Baubeginns bei. Der Historiker Wolfgang Wiemer, Autor der meisten neueren Veröffentlichungen über das Kloster Ebrach, berichtet von Computeranalysen der Maßverhältnisse der Kirche, die ergaben, dass ihre , also ihrer Zeit weit voraus waren.