Das Buch Krankheit als Weg. Deutung und Be-Deutung der Krankheitsbilder erschien im Jahr 1983 und in einer um ein KapitelErgänzt wurde das Thema AIDS als 15. Kapitel im II. Teil. erweiterten Fassung 1989 als Gemeinschaftswerk der beiden Autoren Thorwald Dethlefsen und Rüdiger Dahlke. In München wurde es zunächst vom C. Bertelsmann Verlag, später vom Goldmann Verlag publiziert. Es beschreibt eine Sichtweise auf Krankheit, der zufolge alle Symptome eine spezifische inhaltliche Bedeutung tragen und ein seelisches Thema des Patienten widerspiegeln. Der Ansatz basiert unter anderem auf der Lehre vom Schatten nach C. G. Jung und dem Konzept der Psychosomatik, unterscheidet sich von letzterer aber bewusst dadurch, dass eine psychosomatische Deutung für jedes Symptom ohne Ausnahme für möglich (und sogar nötig) gehalten wird. Jede Krankheit wird somit in einem Sinnzusammenhang betrachtet. Diese Sichtweise nennen die Autoren selbst esoterisch und „nicht wissenschaftlich“.„Damit verlassen wir eindeutig und absichtlich das Gebiet der ›wissenschaftlichen Medizin‹. Wir erheben keinen Anspruch auf ›Wissenschaftlichkeit‹, da unser Ausgangspunkt ein ganz anderer ist – woraus auch folgt, dass wissenschaftliche Argumentation oder Kritik unsere Betrachtungsweise niemals treffen kann. Wir verlassen damit absichtlich den wissenschaftlichen Rahmen, da dieser sich ja gerade auf die funktionale Ebene beschränkt und somit gleichzeitig verhindert, Bedeutung und Sinnhaftigkeit transparent werden zu lassen.“ (20. Auflage, vollständige Taschenbuchausgabe, Goldmann/Arkana, München 2000, S. 16, vgl. S. 8.)

Das Buch gliedert sich in einen etwas kürzeren ersten Teil, der die weltanschaulichen Grundlagen ihres Krankheitsverständnisses erklärt, und einen zweiten Teil, in dem die Autoren ihre Interpretation verschiedener gängiger Krankheitsbilder erläutern. Sie sehen in ihrem Werk eine Ergänzung zur schulmedizinischen Sicht, die sie in ihrem Rahmen anerkennen, das zugleich außerhalb von dieser angesiedelt ist. Das Buch zeichnet sich durch einen sehr prägnanten, bisweilen provozierenden Stil aus.

Inhalt Das Buch ist in zwei Teile gegliedert. In dem ersten Teil werden "Theoretische Voraussetzungen zum Verständnis von Krankheit und Heilung" behandelt. Der zweite Teil "Krankheitsbilder und ihre Bedeutungen" beschäftigt sich mit vielen häufigen Krankheiten und ihren vermeintlichen psychischen Mustern.

Erster Teil In der Sicht der Autoren sind Krankheiten immer auf der Ebene des Bewusstseins anzusiedeln und immer sinnhaftig. Die Autoren bedienen sich dabei häufig Metaphern, um die von ihnen dargestellten Prinzipien zu veranschaulichen.

Nach Meinung der Autoren kann Heilung nur auf der Ebene des Bewusstseins stattfinden und nie durch reine Schulmedizin auf Ebene des Körpers herbeigeführt werden.

In dem Kapitel zur Polarität und Einheit wird an viele spirituelle Prinzipien verschiedener Religionen angeknüpft.

Das Unbewusste wird von den Autoren im Kapitel Der Schatten behandelt. Nicht verwirklichte Bewusstseinsinhalte könnten sich nach Meinung der Autoren in Krankheiten manifestieren.

Im folgenden Kapitel Gut und Böse wird sich mit dem Begriff der Sünde beschäftigt. Die Autoren vertreten die Auffassung, dass das Sündigsein Grundzustand des menschlichen Lebens sei. Anzustreben sei die Rückkehr zur sogenannten Einheit.

Im nachfolgenden Kapitel Der Mensch ist krank wird gefolgert, dass die Krankheit aufgrund der Sünde der Grundzustand des Menschen sei.

Das Kapitel Die Suche nach den Ursachen behauptet, dass zur Erklärung eines Krankheitsbildes sowohl die Kausalität (Ursache in der Vergangenheit) und Finalität (Absicht, Zweck oder Ziel, das in der Zukunft liegt) betrachtet werden müsse.

Im letzten Kapitel des ersten Teils Die Methode des Hinterfragens wird behauptet, dass die Schulmedizin Krankheiten nur unzureichend behandeln würde, da sie nur die Kausalität betrachte und nicht nach dem vermeintlichen psychosomatischem Ursprung der Krankheit gefragt werden würde.

Zweiter Teil In diesem Teil werden in fünfzehn Kapiteln viele häufige Krankheitsthemen und die vermeintlich zugrundeliegenden psychischen Muster behandelt.

Eine Infektion beispielsweise sehen die Autoren als stofflich gewordenen Konflikt, Allergien als stofflich gewordene Aggression. Daneben werden den einzelnen Körper- und Organteilen verschiedene Themen zugeordnet, zum Beispiel wird das Herz der Liebesfähigkeit und den Emotionen zugeordnet, die Nieren dem Bereich der Partnerschaft, der Hals der Angst (Enge) usw.

Ausgaben und weiterführende Literatur Das Buch wurde in drei Taschenbuchausgaben beim Goldmann Verlag, einer gebundenen (Bassermann Verlag) und einer Hörbuchausgabe (Arkana Verlag) verlegt.

Bis 1998 wurden über eine Million Exemplare des Buches verkauft.Angabe auf dem Cover der Ausgabe Mosaik bei Goldmann, München 1998. zvab.com Es liegen Übersetzungen in zahlreiche Sprachen vor, beispielsweise ins Englische: The Healing Power of Sickness bei nova Vega Books (New edition 2002).

Wesentliche Teile dieser esoterischen Weltanschauung präsentierte Dethlefsen bereits 1979 in seinem Buch Schicksal als Chance. 1989 trennten sich Dahlke und Dethlefsen.„Zum Schluß bleibt mir noch zu bedauern, daß Thorwald Dethlefsen, der diesen Ansatz entscheidend geprägt hat, sich so definitiv aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat, daß er nicht zur Fortsetzung der gemeinsam begonnenen Arbeit zu gewinnen war.“ (Rüdiger Dahlke: Krankheit als Sprache der Seele, 1992, vollständige Taschenbuchausgabe, Goldmann/Arkana, München 2008, S. 13.) Von Dethlefsen wurden noch drei Vorträge zur Krankheitsdeutung veröffentlicht.Vorträge auf CD von Dethlefsen: Krankheit als Weg – Praxis der ganzheitlichen Heilung. Vortrag 11. Aurinia Verlag, 2014, ISBN 978-3-95659-511-0. Krankheitsbilder – Praktische Symboldeutung. Vortrag 12. Aurinia Verlag, 2014, ISBN 978-3-95659-512-7. Krankheit, Schicksal, Heilung – Transformation durch die Gesetze des Lebens. Vortrag 13. Aurinia Verlag, 2014, ISBN 978-3-95659-513-4. Auch Dahlke verfolgte den Ansatz weiter: 1992 erschien Krankheit als Sprache der Seele (als Fortsetzung konzipiert, enthält weitere Erklärungen und Deutung weiterer Krankheiten) und 1996 Krankheit als Symbol (Nachschlagewerk), gefolgt von weiteren Publikationen, die den Ansätzen von Krankheit als Weg treu geblieben sind. Rüdiger Dahlke war mit dem Buch 2011 zu Gast in der Reihe Fragen an den Autor beim Saarländischen Rundfunk. (MP3-Datei, 23 MB/50 Min.)

Kritik Krankheit und Schuldzuweisung Der allgemeine Zusammenhang zwischen Krankheit und Schuld, den die Autoren behaupten, erfuhr seither viel Kritik, widerspricht er doch Grundlagen der Physik und Medizin. Zum einen betonen die Autoren, der Kranke sei für seine Krankheit absolut und ohne Einschränkung selbst verantwortlich;Vgl. 5. Der Mensch ist krank. „Weder Bakterien noch Erdstrahlen verursachen Krankheit, aber der Mensch benutzt sie als Hilfsmittel, sein Kranksein zu verwirklichen.“ (20. Auflage, vollständige Taschenbuchausgabe, Goldmann/Arkana München 2000, S. 107f.) „Jeder Mensch hat sich allein um seine eigenen Probleme zu kümmern – mehr kann er zur Vervollkommnung dieses Universums nicht beitragen.“ (ebd. S. 125.). andererseits betonen sie, Esoterik habe „gerade nichts mit Schuldverteilung zu tun, geht sie doch […] davon aus, dass jeder Mensch grundsätzlich schuldig, weil von der Einheit abgesondert ist. Schuldigwerden ist keine Frage von kleinen oder großen Fehlern im täglichen Leben, sondern eine grundsätzliche.“Rüdiger Dahlke: Krankheit als Sprache der Seele. Be-Deutung und Chance der Krankheitsbilder. Genehmigte Sonderausgabe 2000. Orbis Verlag, München. S. 17 Dennoch konnotieren ihre Aussagen Kranke in höchstem Maße mit Schuld, fehlender Einsicht und unzureichendem „Lernen“ im Hinblick auf die angebliche Botschaft, besonders bei unheilbaren Krankheiten. Darin führt zu einer eine Stigmatisierung und Verurteilung Kranker, die bei Betroffenen zusätzlich zu dem Leid noch Schuldgefühle hervorrufe. Philipp Flammer schrieb dazu:

Die Autoren nennen die siebte Eskalationsstufe nicht bearbeiteter Krankheitsthemen Karma und sehen in angeborenen Missbildungen und vererbten Störungen Ausdruck des Schattens früherer Inkarnationen.

Epistemologische Grundlagen – „Analogiegesetz“ Die erkenntnistheoretischen Prämissen von Krankheit als Weg lassen sich naturwissenschaftlich nicht halten. Grundlage ihrer esoterischen Theorie ist die hermetische Philosophie, die insbesondere das „Analogiegesetz“ („Wie oben, so unten“ bzw. „Mikrokosmos = Makrokosmos“„Der Mensch als Mikrokosmos ist ein Abbild des Universums und enthält die Summe aller Seinsprinzipien latent in seinem Bewusstsein.“ (20. Auflage, vollständige Taschenbuchausgabe, Goldmann/Arkana München 2000, S. 63.) „Genau das meint ja die alte esoterische Lehre ›Mikrokosmos = Makrokosmos‹. Dieses ›ist gleich‹ gilt hier mit mathematischer Genauigkeit.“ (ebd. S. 204.)) postuliert.„In diesen fünfzehn Thesen [des Hermes Trismegistos] ist alles Wissen zusammengefaßt, das dem Menschen jemals zugänglich ist. Der Text beschreibt die Schöpfung dieses Universums und gleichzeitig die Herstellung des alchemistischen Steins der Weisen. Für den, der diesen Text ganz versteht, werden alle Bibliotheken überflüssig, denn er besitzt die ganze Weisheit, ›daran fehlet nichts, es ist ganz vollkommen‹. Uns interessiert an dieser Stelle vorläufig nur die These 2: ›Dasjenige, welches Unten ist, ist gleich demjenigen, welches Oben ist: Und dasjenige, welches Oben ist, ist gleich demjenigen, welches Unten ist, um zu vollbringen die Wunderwerke eines einzigen Dinges.‹ Diese Aussage, die meist verkürzt mit den Worten ›wie oben so unten‹ wiedergegeben wird, ist der Schlüssel zur hermetischen Philosophie. Dahinter steht die Annahme, daß überall in diesem Universum, oben und unten, ›im Himmel und auf Erden‹, im makroskopischen wie im mikroskopischen Bereich, auf allen Ebenen der Erscheinungsformen die gleichen Gesetze herrschen.“ (Thorwald Dethlefsen: Schicksal als Chance. Das Urwissen zur Vollkommenheit des Menschen. Goldmann Taschenbuchausgabe. C. Bertelsmann Verlag GmbH, München. 15. Auflage 1985. S. 30.) Damit sehen sie sich mit der auf dem Kausalprinzip beruhenden „Wissenschaft“ unvereinbar und ihr sogar überlegen.„Damit verlassen wir eindeutig und absichtlich das Gebiet der ›wissenschaftlichen Medizin‹. Wir erheben keinen Anspruch auf ›Wissenschaftlichkeit‹, da unser Ausgangspunkt ein ganz anderer ist – woraus auch folgt, dass wissenschaftliche Argumentation oder Kritik unsere Betrachtungsweise niemals treffen kann. Wir verlassen damit absichtlich den wissenschaftlichen Rahmen, da dieser sich ja gerade auf die funktionale Ebene beschränkt und somit gleichzeitig verhindert, Bedeutung und Sinnhaftigkeit transparent werden zu lassen.“ (20. Auflage, vollständige Taschenbuchausgabe, Goldmann/Arkana München 2000, S. 16, vgl. S. 8.) Dieses „Analogiegesetz“ ist bei den Autoren ein Axiom, welches in keiner Wissenschaft als solches anerkannt wird. Auch ließ sich keine ihrer Analogiethesen statistisch nachweisen.

Philipp Flammer schreibt dazu:

Dem Physiker Martin Lambeck zufolge ist die Aussage „Wie oben, so unten“ wissenschaftlich eindeutig falsifiziert.

Er sieht in solchen esoterischen Ansätzen „ein weder demokratisch noch wissenschaftlich legitimiertes Manipulations- und Drohpotential“.Martin Lambeck: Esoterik und Physik. EZW-Texte, 1998, Nr. 141, S. 1–25, Zitat S. 25.

Psychologisierung körperlicher Krankheiten Karin Spaink kritisiert an dem Ansatz von Krankheit als Weg ferner, dass alle körperlichen Erscheinungen auf die psychische Ebene verlagert werden und diese vor allem durch das Heranziehen von Metaphern und bildlichen Redewendungen gedeutet und damit gleichzeitig „begründet“ würden: