mini|hochkant=1.5|Erschießung griechischer Zivilisten durch deutsche Fallschirmjäger, Kreta, 2. Juni 1941
Als Verbrechen von Wehrmacht und SS in Griechenland werden Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnet, die von Truppen der Wehrmacht und der Schutzstaffel (SS) während der Besetzung Griechenlands im Zweiten Weltkrieg begangen wurden.
Angriff auf Griechenland, Besatzungszonen und Partisanenkrieg mini|Besatzungszonen (1941–1944)
Am 28. Oktober 1940 griffen aus dem italienisch besetzten Albanien italienische Streitkräfte Griechenland an. Am 14. November gingen die griechischen Streitkräfte zu einer Gegenoffensive über und eroberten den Süden Albaniens. Hierfür schwächte Griechenland seine Verteidigung an der Grenze zu Bulgarien. Nach dem Angriff erhielt Griechenland in geringem Umfang Unterstützung durch Großbritannien, insbesondere durch Flugzeuge und Personal der Royal Air Force. Ein Angebot weiterer Bodentruppen wurde bis Januar 1941 abgelehnt, danach jedoch folgte die Verlegung eines Expeditionskorps mit 2 Infanteriedivisionen und einer Panzerbrigade nach Griechenland.Gerhard Schreiber: Deutschland, Italien und Südosteuropa. Von der politischen und wirtschaftlichen Hegemonie zur militärischen Aggressionin: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 3: Gerhard Schreiber, Bernd Stegemann, Detlef Vogel: Der Mittelmeerraum und Südosteuropa – Von der „non belligeranza“ Italiens bis zum Kriegseintritt der Vereinigten Staaten. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1984, ISBN 3-421-06097-5 Im März 1941 verlegte die Wehrmacht nach dem Beitritt Bulgariens zum Dreimächtepakt sofort deutsche Truppen aus Rumänien nach Bulgarien an die Grenze zu Griechenland und Jugoslawien.
Am 6. April 1941 begann ohne Kriegserklärung der Angriff deutscher und bulgarischer Verbände auf Griechenland und Jugoslawien. Am 23. April 1941 kapitulierten die griechischen Streitkräfte. Am 21. April hatte das britische Oberkommando dem eigenen Expeditionskorps den Rückzug vom griechischen Festland befohlen. Bis zum 29. April verfolgten deutsche Truppen die sich auf dem griechischen Festland zurückziehenden Commonwealth-Truppen.
Kreta als größte griechische Insel blieb vorerst unter britischer Kontrolle, doch eine große, verlustreiche deutsche Luftlandeoperation ab dem 20. Mai 1941 zwang die Commonwealth-Truppen auch diese Insel zu räumen.
Das Land wurde nach Ende der Kämpfe in drei Besatzungszonen aufgeteilt. Deutschland beanspruchte zwar das geringste territoriale Gebiet, sicherte sich aber durch einen entsprechenden Vertrag das Vorrecht der wirtschaftlichen Ausbeutung in ganz Griechenland einschließlich der bulgarisch und italienisch besetzten Zonen. Die Besatzungsmächte setzten griechische Regierungen ein, die mit ihnen kollaborierten. Doch mit der Ethnikó Apelevtherotikó Métopo, einem Zusammenschluss von griechischen Parteien zur „Volksbefreiung“ und der hieraus im Februar 1942 gegründeten Griechischen Volksbefreiungsarmee, der ELAS, formierte sich nicht zuletzt aufgrund der wirtschaftlichen Katastrophe und der vielen Hungertoten des Winters 1941/42 ein aktiver Widerstand gegen die Besatzungstruppen. So kam es ab 1942 zu einem dauerhaften Partisanenkrieg, bei dem der Widerstand von den Alliierten unterstützt wurde.Vortext zu: Margry, Karel: ATHENS, Dezember 1944 in AfterThe Battle No. 155; Battle-of-Britain-International-Ltd.; Hobbs Cross; 2012; S. 2
Große Hungersnot in Griechenland mini|Wehrmachtssoldaten in einem Ladengeschäft, April 1941 mini|Bevölkerungsentwicklung 1936–1943 in der Stadt Athen
Gründe der Hungersnot Die Große Hungersnot () im Herbst und Winter 1941/1942 war die mit Abstand schlimmste Hungersnot in der Geschichte Griechenlands. Sie war die Folge einer auf maximaler wirtschaftlicher Ausbeutung ausgelegten Besatzungspolitik, bei gleichzeitiger Ignoranz gegenüber der anfänglich strikten britischen maritimen Blockade nach der Besetzung. Welches in der von der Schifffahrt geprägten Kultur und Ökonomie dieses Landes verheerende Auswirkungen hatte.
Folgen Die Schätzungen über die Zahl der Menschen, die während des Zweiten Weltkrieges zur Zeit der Besatzung Griechenlands und kurz danach an den direkten oder indirekten Folgen des Hungers starben, schwanken zwischen 100.000 und 450.000 Opfern. Von 300 im Oktober 1944 in Athen untersuchten Kindern waren 290 an Tuberkulose erkrankt.
Übergriffe durch Wehrmachtssoldaten Schon unmittelbar nach der Besetzung kam es am 28. April 1941 durch Angehörige der Wehrmacht zur Plünderung Athens. Der Journalist Laird Archer berichtete, wie Wehrmachtssoldaten Geschäft für Geschäft in der Innenstadt ausräumten. Die erbeuteten Waren wurden von den Soldaten in Päckchen in die Heimat geschickt, leere Geschäfte wurden für nachfolgende Soldaten außen markiert. Dies widersprach der Haager Landkriegsordnung von 1907, aber die Besatzer betrachteten die Güter als ihre legitime Kriegsbeute.Laird Archer: Balkan Journal. Verlag W. W. Norton, New York 1944, , S. 196–199.
Märtyrerdörfer und -städte Griechenlands
Begriffsklärung Mit dem Begriff Märtyrer-Dörfer und -Städte Griechenlands (, transkribiert: Martyrika choria ke polis tis Elladas) werden in Griechenland Gedenkorte bezeichnet, in denen während der Jahre der Fremdbesetzung zwischen 1941 und 1945 in größerem Ausmaß Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung verübt wurden.
Die Liste umfasst nur jene Orte, deren Gräueltaten durch ein wissenschaftliches Gremium historisch aufgearbeitet wurden, und berücksichtigt keine Einzelschicksale.
Massaker durch Besatzungstruppen Die Eroberung Griechenlands durch Wehrmacht und Waffen-SS, der Kampf gegen den Widerstand der Griechen und die Repressalien gegen unschuldige Zivilisten waren äußerst blutig und erfolgten mit höchster Brutalität.
Hier sind nur beispielhaft einige der Kriegsverbrechen von Wehrmacht und SS gelistet: Im Rahmen der Eroberung Kretas evozierte der Widerstand der Bevölkerung gegen die deutsche Besetzung eine Reihe barbarischer Akte und Kriegsverbrechen durch das XI. Fliegerkorps unter Kurt Student. Insgesamt starben nach der Niederlage der Alliierten in der Luftlandeschlacht um Kreta bis 1945 infolge der Besatzung der Achsenmächte 8.575 Kreter. Am 17. Oktober 1941 zogen Truppen der 164. Infanterie-Division in Ano Kerdylia und Kato Kerdylia ein, trieben alle männlichen Bewohner im Alter von 16 bis 60 Jahren zusammen und erschossen sie. Über 200 Menschen wurden bei dem Massaker ermordet.Anestis Nessou: Griechenland 1941–1944. Deutsche Besatzungspolitik und Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung - eine Beurteilung nach dem Völkerrecht. (= Osnabrücker Schriften zur Rechtsgeschichte, Band 15) Universitätsbibliothek Osnabrück, V&R unipress, Göttingen 2009, ISBN 978-3-89971-507-1, S. 654., hier: S. 224 f.Der Nürnberger Prozess, Hauptverhandlungen. Abgerufen am 27. Oktober 2021. Die beiden Orte wurden nicht mehr wieder aufgebaut. Lediglich eine neue Ortschaft Nea Kerdilia entstand später.Nea Kerdyllia – Gedenkorte Europa 1939–1945. Abgerufen am 27. Oktober 2021. Das Massaker von Kalavryta erfolgte auf Anordnung des Generalmajors Karl von Le Suire und begann am 9. Dezember 1943 mit der Zerstörung von Kalavryta und 25 weiteren Dörfern. Auch das Nationalheiligtum der Griechen, das Kloster Agía Lávra, wurde im Rahmen der Operation zerstört. Die Männer von Kalavryta wurden allesamt mit Maschinengewehren erschossen, nur 13 überlebten, weil die Deutschen sie für tot hielten. Kampfgruppenführer Ebersberger meldete 674 Erschossene, in der Abschlussmeldung ist von 695 erschossenen Griechen die Rede. Die „Griechen gehen ihrerseits bis heute von einer wesentlich höheren Zahl von Toten aus“.Eberhard Rondholz: „Schärfste Maßnahmen gegen die Banden sind notwendig ...“ – Partisanenbekämpfung und Kriegsverbrechen in Griechenland. Aspekte der deutschen Okkupationspolitik 1941–1944. In: Ahlrich Meyer (Hrsg.): Repression und Kriegsverbrechen. Die Bekämpfung von Widerstands- und Partisanenbewegungen gegen die deutsche Besatzung in West- und Südeuropa. Verlag der Buchläden Schwarze Risse, Rote Strasse, Berlin 1997, ISBN 3-924737-41-X, S. 130–170. Das Massaker auf Kefalonia war eines der brutalsten Kriegsverbrechen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Deutsche Truppen erschossen 2.500 Soldaten der italienischen Division „Acqui“, die sich am 21. und 22. September 1943 Teilen der deutschen 1. Gebirgs-Division auf der griechischen Insel Kefalonia ergeben hatten. Das Massaker von Klissoura am 5. April 1944 wurde von der 4. SS-Polizei-Panzergrenadier-Division zusammen mit bulgarischer Miliz begangen. Mindestens 250 Menschen, darunter 72 Kinder, wurden niedergeschossen, um Partisanenanschläge auf zwei deutsche Soldaten zu rächen.Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Bd. 5/2: Organisation und Mobilisierung des deutschen Machtbereiches, Stuttgart 1999, ISBN 3-421-06499-7, S. 162.Ehrengast Schramm: [Ein Hilfswerk für Griechenland: Begegnungen und Erfahrungen mit Hinterbliebenen deutscher Gewalttaten der Jahre 1941–1944]. Vandenhoeck & Ruprecht, 2003, S. 122 ff. Am 1. Mai 1944 wurden 200 der 260 überwiegend kommunistischen Gefangenen des KZ Chaidari am Schießstand von Kesariani erschossen – als Repressalie wegen eines Attentats auf den deutschen General Franz Krech bei Molai in Lakonien.Hermann Frank Meyer: „Sühnemaßnahmen“ auf der Peloponnes. Abgerufen am 4. März 2016. Beim Massaker von Distomo (), einer Ortschaft in Mittelgriechenland, am Fuße des Parnass-Gebirges, töteten am 10. Juni 1944 Angehörige eines Regimentes der 4. SS-Polizei-Panzergrenadier-Division im Zuge einer illegalen „Vergeltungsaktion“ 218 Dorfbewohner der Ortschaft Distomo und brannten das Dorf nieder. Das Massaker von Chortiatis am 2. September 1944 war ein deutsches Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung der nordgriechischen Kleinstadt Chortiatis in der Nähe von Thessaloniki. Ermordet wurden 149 Menschen der Zivilbevölkerung von Chortiatis, ein Teil der Opfer wurde bei lebendigem Leibe verbrannt.Stratos N. Dordanas: Reprisals of the German Authorities of Occupation in Macedonia 1941–1944. Dissertation. Fakultät für Geschichte und Archäologie der Aristoteles-Universität Thessaloniki, Thessaloniki 2002, S. 703 ff.Edmund Keeley: Some Wine for Remembrance. White Pine Press, Buffalo NY 2001, ISBN 1-893996-15-8.
Strafrechtliche Aufarbeitung Beim Prozess Generäle in Südosteuropa in den Jahren 1947 und 1948 wurden zwar die Generäle Hubert Lanz, Hellmuth Felmy und Wilhelm Speidel aufgrund ihrer Verantwortung für exzessive Geiselerschießungen in ihrem Befehlsbereich schuldig gesprochen und zu zwölf, fünfzehn bzw. zwanzig Jahren Haft verurteilt. Sie wurden alle drei begnadigt und Ende 1951 aus der Haft entlassen und bezogen danach eine Pension. Felmy lebte noch bis 1965, Speidel bis 1970 und Lanz bis 1982.
Deportation und Ermordung der griechischen Juden
Von der Besatzung zum Bürgerkrieg
Besatzung Das Besatzungsregime stürzte Griechenland in eine Hungerkatastrophe; es ließ mehr als 90 Prozent der jüdischen Bevölkerung (das waren mindestens 58.885 Männer, Frauen und Kinder) und mindestens weitere 70.000 unschuldige Zivilisten ermorden.1939–1945 Partisanenkrieg in Griechenland. LeMO, Deutsches Historisches Museum Als Mitte 1943 die Partisanenbewegung Raum gewann, stellten der SS- und Polizeiführer Walter Schimana und Ministerpräsident Ioannis Rallis mit Billigung des LXVIII. Armeekorps der Wehrmacht sogenannte Sicherheitsbataillone aus der griechischen Bevölkerung auf.
Die Besatzungsmacht setzte auf brutale Vergeltungsmaßnahmen, samt Plünderungen, Geiselerschießungen und dem Einäschern ganzer Ortschaften. Im Zeitraum vom Juni 1943 bis Juni 1944 töteten die deutschen Besatzer nach eigenen Berichten 20.650 mutmaßliche Partisanen, nahmen weitere 25.728 gefangen und erschossen 4.785 Geiseln.