mini|Blick von der Altenburg auf den Bamberger Dom und das Karmelitenkloster, 2024
Das Kloster St. Maria und St. Theodor am Kaulberg ist ein Kloster in Bamberg und gehört kirchlich zum Erzbistum Bamberg. Die 1157 gegründete Zisterzienserinnenabtei, die bis zu ihrer Auflösung 1554 den Charakter eines adeligen Nonnenstifts mit benediktinischer Regel angenommen hatte, diente 1589 bis 1802 bzw. dient wieder seit 1902 als Kloster der Karmeliten. Während Kirche, Krypta, Petruskapelle, Provinzialverwaltung und ein als Konvent genutztes Wohnhaus Am Knöcklein im Eigentum des Ordens verblieben, wurden Klausurbereich und Brauhaus 2020 bis 2025 zur Wohnanlage Kloster Karree umgebaut.
Weite Teile der Anlage, die sich vollständig im Ensemble „Altstadt Bamberg“ bzw. der UNESCO-Welterbestätte „Altstadt von Bamberg“ befindet, stehen als Einzeldenkmäler unter Schutz. Die im Kern romanische, von Leonhard Dientzenhofer barockisierte Klosterkirche und der Kreuzgang, der Ende des 14. Jahrhunderts in anachronistischen romanischen Formen errichtet wurde, stellen die kunstgeschichtlich bedeutsamsten Teile des Klosters dar. Der Um- und Ausbau der Klausur 1737 bis 1739 geht auf Entwürfe von Balthasar Neumann zurück.
Geschichte
Spital und Nonnenstift Angeblich soll schon Bambergs erster Bischof Eberhard I. im Jahr 1030 auf dem Hügel gegenüber dem Dom ein Hospital für Kranke und Arme gegründet und es dem Heiligen Theodor geweiht haben.Heller 1841, S. 46. Urkundlich nachweisbar ist es aber erst 1144. Im Bereich dieses Hospitals ließ Bischof Eberhard II. 1157 mit Hilfe von Gertrud, Witwe des Pfalzgrafen Hermann von Höchstadt-Stahleck, mit Hilfe von Zisterzienserinnen aus der Abtei Wechterswinkel das Frauenkloster St. Maria und St. Theodor errichten und ausnehmend reich mit finanziellen Mitteln und Grundbesitz ausstatten. Die Nonnen übernahmen die zisterziensische Regel; formal in die Reihe der Zisterzienserklöster aufgenommen wurde die Bamberger Niederlassung allerdings nie.Gutbier 2003, S. 25–29. Den Bischof hatte bei der Gründung des Klosters vor allem die Absicht bewegt, dass „unsere Stadt, die von allen Seiten durch Bollwerke von Kanonikern und Mönchen umgeben ist, auch gottgeweihte Jungfrauen in ihrem Umkreise besitzt, der Dienst Gottes in ihr gemehrt und die Versorgung der Armen und Fremden nichts zu wünschen übriglasse“.Mayer 1955, S. 219. Spätestens im 16. Jahrhundert hatte sich das Kloster, das stets nur sehr bedingt der Regel der Zisterzienserinnen gefolgt war, zu einem Damenstift mit benediktinischer Observanz gewandelt.miniatur|Karmelitenkloster auf einer Karte von Georg Braun und Franz Hogenberg|252x252px Besiedlung durch die Karmeliten Das Frauenkloster wurde 1525 im Bauernkrieg geplündert und nach dem Zweiten Markgrafenkrieg 1554 aufgelöst. Im Jahre 1589 zogen die vorher im Kloster in der Au ansässigen Karmeliten ein. Der Konvent war berühmt wegen seiner Bibliothek, für die 1592 ein eigener Bibliotheksbau notwendig wurde. 1675 wurde sie neu gestaltet. Zwischen 1692 und 1702 barockisierte Leonhard Dientzenhofer die Klosterkirche. Balthasar Neumann verantwortete 1737 bis 1739 den Um- und Ausbau der Klausur, der den vier Flügeln eine einheitliche spätbarocke Außenerscheinung verlieh.
Staatliche Nutzung Das Karmelitenkloster wurde 1803 im Zuge der Säkularisation aufgelöst und gelangte an das Königreich Bayern. Der umfangreiche Grundbesitz wurde veräußert. Die bayerische Militärverwaltung richtete in der Klausur eine Infanteriekaserne und ein Lazarett ein, die Kirche diente als Stallung und Lagerhaus. Einige Räume nutzte man zeitweise als Ausbildungsstätte für Krankenpflegerinnen, als Schule und Mietwohnungen. Durch die Zweckentfremdung kam es zu gewichtigen Einbußen der historischen Bausubstanz: Die Militärverwaltung ließ alle Säulen des Kreuzgangs im Westflügel herausreißen und durch eine Mauer mit Fenstern ersetzen. Die Möbel, Kunstwerke und die Bibliotheksbestände wurden versteigert, Einrichtungsgegenstände der Kirche kamen in andere Kirchen.
Als das Militär 1892 in die neu errichtete Lagarde-Kaserne umsiedelte, stand der komplette Abbruch der mittlerweile stark renovierungsbedürftigen Klosterbauten (mit Ausnahme von Kirche und Kreuzgang) zur Debatte, um Platz für den Neubau des Kreisarchivs zu schaffen. Ein Grundtausch mit der Stadt Bamberg wendete die Zerstörung ab.
Wiederbesiedlung durch die Karmeliten 1902 erwarben die Beschuhten Karmeliten aus Straubing den Klosterkomplex und setzten sogleich umfangreiche Umbau- und Restaurierungsmaßnahmen in Gang, die insbesondere die Kirche betrafen. Ein Teil der zerstreuten Ausstattung, darunter die Rokoko-Bücherschränke der Bibliothek, konnte der Orden zurückerwerben.
Im Rahmen ihrer seelsorgerischen Tätigkeit begründeten die Bamberger Karmeliten zwei Bildungseinrichtungen in ihren Gebäuden: Am 1. September 1918 begründeten sie das Marianum als Seminar mit angeschlossenem Internat für Knaben, die eine kirchliche Ausbildung anstrebten. Da die Zahl der Seminaristen stets abnahm, wandelten die Karmeliten das Marianum 1991 in ein kirchliches Bildungshaus um, das von einem eigens gegründeten Verein getragen wurde. Es stellte 2008 aus wirtschaftlichen Gründen seinen Betrieb ein. Das 1946 von Pater Jakobus Beck ins Leben gerufene Spätberufenenwerk Theresianum hingegen besteht noch heute als humanistisches Gymnasium, Kolleg und Seminar, wenn auch seit 2018 in Trägerschaft der Caritas-Schulen.
Nachdem die Karmeliten mit der Wiederbesiedlung und der Einrichtung des Marianums und Theresianums bereits zahlreiche Umbauarbeiten im Kloster angestoßen hatten, kam es zwischen 1961 und 1974 neben der Restaurierung der wertvollen mittelalterlichen Bauteile (insbesondere des Kreuzgangs) zu erheblichen Eingriffen in die historische Bausubstanz. Unter anderem wurde dabei das repräsentative spätbarocke Treppenhaus im Ostflügel zu Gunsten neuer Wohn- und Büroräume abgebrochen. In nahezu allen Fällen fertigte das Bamberger Büro von Gregor Neundorfer und Peter Seemüller die Pläne. 2009 bis 2019 richtete der Orden im Kellergeschoss des Bibliotheksflügels am Karmelitenplatz einen Klosterladen ein (Umbauplanung: Decker Architekten & Ingenieure, Bamberg). mini|Ost- und Bibliotheksflügel nach dem Umbau, 2024
Teilweise Umwandlung zur Wohnanlage Kloster Karree Aus Mangel an Nachwuchs und wegen der hohen Baulast entschieden sich die Karmeliten 2017, den Großteils ihres Klosters an die durch Erik Roßnagel vertretene terraplan-Gruppe aus Nürnberg zu verkaufen, die auf die Sanierung und Konversion von unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden und Anlagen spezialisiert ist. Im Rahmen des Umbaus 2020 bis 2025 wurden in enger Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Bamberg und dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in den Räumen der Klausur, des Brauhauses und dem Klosterstadel 86 barrierearme und barrierefreie Eigentumswohnungen eingerichtet. Unter dem Klostergarten im Süden der Klausur wurde eine Tiefgarage mit begrünter schräger Fassade eingebaut. Die Planung lag in Händen des Potsdamer Büros van geisten.marfels architekten, die Innenarchitektur verantwortete der Berliner Architekt Eugen Gehring, die Garten- und Freiflächen gestaltete das Büro Oehm & Herlan aus Nürnberg. Die Anlage erhielt den Markennamen Kloster Karree, das 2025 mit dem immobilienmanager-Award in der Sparte „Projektentwicklung Bestand“ ausgezeichnet wurde.
Die verbliebenen Karmeliten nutzen heute das 1892 erbaute Doppelhaus Am Knöcklein 7–9 als Kloster; die frühere Pianoforte-Fabrik J. C. Neupert (Nr. 11–13) beherbergt die Provinzverwaltung des Ordens. Die Klosterkirche, die Petruskapelle und die Krypta blieben im Eigentum des Ordens; Letztere wird weiterhin für Gottesdienste genutzt und ist – ebenso wie der Kreuzgang – nach wie vor von Donnerstag bis Samstag, 10 bis 17 Uhr, öffentlich zugänglich. Im Kreuzgang informiert seit 2025 eine Dauerausstellung mit archäologischen Fundstücken über die Geschichte und Architektur der Klosterbauten.
Bauten des Klosters
Die Kirche St. Maria und St. Theodor Architekturgeschichte Im Untergrund dieser Kirche sind romanische Teile der alten Kirche erhalten. Der einzige sichtbare Rest ist das so genannte Löwenportal an der Westseite der jetzigen Kirche. Sie war mit zwei Türmen geplant, jedoch nur der heute bestehende wurde vollständig errichtet, der zweite blieb als Turmstumpf bis 1808 bestehen. In dieser Kirche fand der Bamberger Bischof Hermann II. (im Amt 1170 bis 1177) seine letzte Ruhestätte.
Bei der Barockisierung von 1692 bis 1702 durch Leonhard Dientzenhofer wurde die Kirche grundlegend geändert: Der vorher im Osten stehende Hochaltar wurde im Westen der Kirche aufgestellt. Das Löwenportal verlor seine Funktion als Haupteingang und wurde zugemauert. Die Ostfassade, nun die Eingangsseite der Kirche, erhielt ihren künstlerischen Schmuck durch Leonhard Gollwitzer (auch Goldwitzer). Über dem Haupteingang befindet sich die Skulptur Maria mit Kind und dem Skapulier, angelehnt an das Bild Gnadenbild Mariahilf von Lucas Cranach dem Älteren. Karmelitenheilige befinden sich in den Nischen der Fassade. Als Giebelabschluss wurde der Prophet Elias, die Vorbildperson des Ordens aus dem Alten Testament, gewählt. 1797 wurden die Turmhelme erneuert.
Mit der Zweckentfremdung im Zuge der Säkularisation verlor die Kirche ihre Einrichtung, die Bausubstanz litt unter mangelnder Instandhaltung. Der bayerische Baumeister Ferdinand Freiherr von Hohenhausen ließ 1808 den unfertigen Turm der Kirche einlegen und den Bauschutt zur Aufschüttung der Altenburger Straße (heute der Platz vor der Gaststätte „zur Matern“) verwenden. Bei der Wiederbesiedlung erhielt das Gotteshaus eine neubarocke Ausstattung durch den klostereigenen Kunstschreiner Frater Alois Ehrlich. Die Inneneinrichtung der Kirche stammt zumeist aus der Zeit nach 1902. Nur der Altar der Heiligen Familie und die Kanzel, die zum ursprünglichen Inventar gehörten, konnten zurückerworben und wieder eingebaut werden.
Um 1990 wurde nach einem Plan vom Anfang der zweiten Blüte des Karmelitenklosters in den Räumen unter der Kirche eine eigene Grablege geschaffen. Die Grüfte im Friedhof Bamberg wurden aufgelassen und die sterblichen Überreste der dort Bestatteten in ein Sammelgrab in dieser Krypta überführt.mini|Orgel der Klosterkirche
Orgel Im hinteren Teil der Kirche steht auf der Empore eine Orgel mit einem Umfang von 38 Registern auf drei Manualen und Pedal. Sie wurde 1955 gebaut von Orgelbauer Michael Weise.organindex.de Orgeldatenbank: Bamberg, Karmelitenkirche (St. Theodor)
Glocken Im Kirchturm der Karmelitenkirche hängt ein vierstimmiges Glockengeläut aus Gussstahlglocken, die 1921 vom Bochumer Verein für Gussstahlfabrikation gegossen wurden.
Übersicht Glocke Name Durchmesser Gewicht Schlagton 1 Maria 1494 mm 1398 kg d'-1 2 Elias 1328 mm 1013 kg f'+9 3 Josef 1175 mm 714 kg g'+3 4 Theodor 1020 mm 484 kg g'+3Quelle: Glockendatenbank createsoundscape.de: Kath. Karmelitenklosterkirche St. Maria und Theodor in Bamberg
Klausur