mini|Am Rammelsberg in Niedersachsen wurde fast über 1000 Jahre nahezu ununterbrochen Bergbau betrieben und das Gelände seit 1992 als Besucherbergwerk Rammelsberg ins UNESCO-Welterbe aufgenommen.
Bergbau in Deutschland beschreibt den historischen und aktuellen Bergbau auf dem Territorium der heutigen Bundesrepublik. Deutschland gehört zu den klassischen europäischen Bergbauregionen mit einer langen Tradition in der Förderung und Verarbeitung von Rohstoffen. Bis in das 19. Jahrhundert wurden vornehmlich Blei, Kupfer, Silber und Eisen gewonnen. Im Anschluss lag der Fokus auf Kohle im Rahmen der industriellen Revolution und im Verbund der Montanindustrie. Im 20. Jahrhundert kam eine intensive Förderung von Uran-Erzen hinzu, welche unter anderem zur Grundlage der sowjetischen Atommacht wurde.
Bergbau in Deutschland ist seit dem 5. Jahrtausend v. Chr. belegbar und wurde bis zum Mittelalter mit stark variierender Intensität betrieben. Zu den ältesten Belegen in der frühen Jungsteinzeit gehört das Feuersteinbergwerk von Abensberg-Arnhofen. Der keltischen Gewinnung von Eisen- und Kupfererzen folgte eine intensive Phase römischen Bergbaus. Seit dem 12./13. Jahrhundert umfasste er die Bergbautätigkeiten, die dem Bergregal unterlagen; hinzu kamen im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts die nicht unter das Bergregal fallenden Zweige (Grundstückeigentümerbergbau) der Gewinnung von Steinkohle und Steine und Erden. Gegenständlich umfasst der Bergbau die Gewinnung von Salzen, Erzen, Stein- und Braunkohle sowie Steine und Erden, von denen in Deutschland aktuell noch Braunkohle als zentraler Energieträger, Salze sowie Steine und Erden eine größere wirtschaftliche Bedeutung haben. Die einst sehr bedeutende Steinkohleförderung lief 2018 vollständig aus, da sie angesichts internationaler Konkurrenz unwirtschaftlich geworden war. Die Erdölförderung in Deutschland begann vergleichsweise früh und deckte bis in die 1960er Jahre ein Drittel des heimischen Bedarfs, aktuell aber nur noch wenige Prozent. Von aktueller Bedeutung ist nach wie vor die mit dem Bergbau verbundene, international aktive Zulieferindustrie sowie die universitäre Ausbildung im Bergbau. Im Erzgebirge gibt es aktuell Bestrebungen, den Abbau der dortigen Wolfram, Zinn- und Indium-Lagerstätten zu wirtschaftlich vertretbaren Bedingungen wiederaufzunehmen.
Überblick
Deutschland gehörte zu den klassischen europäischen Bergbauländern. Der Bergbau ist ein Wirtschaftszweig, der in der deutschen Geschichte tiefe Spuren hinterlassen hat. In den deutschen Montanregionen entwickelte sich eine besondere bergbauspezifische Kultur, die zur Entfaltung regionaler Identitäten beitrug oder sogar initiierte. Auch etablierte sich in Deutschland früher als andernorts eine Montanwissenschaft, die dem Bergbau eine hohe technische Aufmerksamkeit widmete. Die charakteristische Staatsnähe band früh die Bergbau-Aktivitäten in eine ständisch-dirigistische Verfassung ein, deren Eckpunkte Bergregal und Bergbaufreiheit bildeten. Vom Spätmittelalter bis an die Wende zur Neuzeit dominierte die Erz- und Salzgewinnung.
Der in einer industriellen Expansionsphase im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert florierende Steinkohlebergbau war zum einen eine der Grundlagen des Aufstiegs Deutschlands zu einer bedeutenden Weltwirtschaftsmacht in Europa und zum anderen über die nach dem Zweiten Weltkrieg und der deutschen Teilung gebildete Montanunion ein wichtiger Teilaspekt der europäischen Einigung.Klaus Tenfelde, Stefan Berger, Hans Christoph Seidel (Hrsg.): Geschichte des deutschen Bergbaus. Band 1: Der alteuropäische Bergbau. Von den Anfängen bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts. Hrsg.: Christoph Bartels und Rainer Slotta. Aschendorff Verlag, Münster 2012, S. 16.
Voraussetzungen mini|links|Vereinfachte Karte der Oberflächengeologie Deutschlands. Gelbtöne, Violett und Orangetöne kennzeichnen das Deckgebirgs- und Übergangsstockwerk, Braun und Rot die Grundgebirgsaufbrüche.
Geologischer Hintergrund Die Geologie Deutschlands, dem verhältnismäßig kleinen Territorium zwischen Nord- und Ostseeküste und den Alpen, mit der Norddeutschen Tiefebene, den Mittelgebirgslandschaften der Deutschen Mittelgebirgsschwelle, des Süddeutschen Schichtstufenlandes und des Alpenvorlandes sowie dem Oberrheingraben, ist vergleichsweise komplex. Jede der naturräumlichen Großregionen hat aufgrund ihrer geologischen Gegebenheiten typische Rohstoffvorkommen mit zumindest historischer wirtschaftlicher Bedeutung.
Lagerstätten des Deckgebirgs- und Übergangsstockwerks Das Deckgebirgs- und Übergangsstockwerk macht den überwiegenden Teil der oberflächlich anstehenden Gesteine und des relativ oberflächennahen Untergrundes aus. Es besteht aus ungefalteten postunterkarbonischen Sedimentgesteinen und die Lagerstätten in diesen Gesteinen sind vorwiegend sedimentär gebildet oder angelegt.
mini|Am Südrand des Ruhrgebietes streicht kohleführendes Oberkarbon auch an der Erdoberfläche aus, hier ein Flöz der Witten-Formation (Westfal A), Steinbruch an der Herbederstraße, Witten-Heven Kohle ist einer der wenigen Rohstoffe, über die Deutschland in relativ großer Menge verfügt. Bedeutende Lagerstätten von Steinkohle finden sich fast ausschließlich am Nordrand (variszische Vorlandsenke) und innerhalb (innervariszische Becken) der Mittelgebirgsschwelle in Schichten oberkarbonischen und unterpermischen Alters. Dazu gehören unter anderem die Ruhrkohle, das Aachener Revier (beide Vorland) und die Saarkohle (innervariszisch). Die Braunkohlevorkommen sind geologisch jünger (Tertiär) und liegen in entsprechend jungen Senkungsgebieten, überwiegend unmittelbar nördlich der Mittelgebirgsschwelle. Teils gehen diese Senkungsgebiete direkt auf die alpidische Intraplattentektonik zurück, wie der Niederrheingraben mit dem Rheinischen Braunkohlerevier, teils sind sie durch Subrosion und Salztektonik (Randsenken) des Zechsteinsalinars (siehe unten) entstanden, wie im Fall des Lausitzer Braunkohlereviers, des mitteldeutschen Braunkohlereviers und des Helmstedter Reviers. Ein hinsichtlich ihres Bildungsraumes jüngeres Pendant der Ruhrkohle und der Aachener Kohle sind die Braunkohlevorkommen im Alpenvorland (siehe → Pechkohle).
Ebenfalls sehr bedeutend sind die Steinsalz- und Kalisalzlagerstätten des Zechsteins, die aus der mehrfachen Eindampfung des Wassers eines Binnenmeeres in der Westhälfte des spätpermzeitlichen „Ur-Europas“ hervorgegangen sind. Sie befinden sich vor allem im Untergrund des Norddeutschen Tieflandes und der Nordsee und werden in Nord- und Mitteldeutschland auch bergmännisch abgebaut, speziell dort, wo sich das Salz postsedimentär in Form sogenannter Salzstrukturen (Salzstöcke u. ä.) gesammelt und mehr oder weniger weit in Richtung Erdoberfläche aufgestiegen ist (u. a. Zielitz, Staßfurt, Werra-Kalirevier). Die Salzlagerstätten in den deutschen Alpen (siehe → Salzbergwerk Berchtesgaden) sind nicht dem Deckgebirgsstockwerk zuzuordnen. Sie sind zwar ähnlich alt wie das Zechsteinsalz, kamen jedoch in einem anderen Sedimentbecken zur Ablagerung und wurden während der Alpenbildung von Süden innerhalb eines Deckenkomplexes, dem Ostalpin, an ihre heutige Position verfrachtet. Infolge der mechanischen Beanspruchung bestehen diese Lagerstätten aus einer tektonischen Melange aus Steinsalz, Gips, Dolomit und Tonstein, dem sogenannten Haselgebirge.
mini|Angeschliffenes Handstück aus vererztem Kupferschiefer, Mansfelder Land mini|Durch Eisen rotgefärbte Sedimente und Verwitterungsschutt im Hangenden der unterjurassischen oolithischen Eisenerzlagerstätte in Rottorf am Klei, Niedersachsen An der Basis des Zechsteins befindet sich ein lokal postsedimentär (epigenetisch/diagenetisch) mit Kupfererzmineralen angereicherter Schwarztonsteinhorizont, der Kupferschiefer. Er war bis ins 20. Jahrhundert hinein Lieferant für Kupfer und andere Metalle und wurde unter anderem im Mansfelder Revier und im Richelsdorfer Gebirge abgebaut.Josef Paul: Der Kupferschiefer: Lithologie, Stratigraphie, Fazies und Metallogenese eines Schwarzschiefers. Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften. Bd. 157, 2006, Nr. 1, S. 57–76 (Abstract, Vorschau-PDF mit Zusammenfassung auf Deutsch) Ein weiteres Beispiel für eine epi- oder diagenetische Lagerstätte im Deckgebirge ist die Uranlagerstätte Königstein, bei der Sandsteine der Oberkreide („Elbsandstein“) mit Uranerzen imprägniert wurden.Helmut Tonndorf: Die Uranlagerstätte Königstein. Bergbau in Sachsen, Band 7. Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Freiberg 1999 (online)
Die wirtschaftlich bedeutendsten Erdöl- und Erdgasvorkommen befinden sich ebenfalls im Untergrund des Norddeutschen Tieflandes und der Nordsee. Die konventionellen Lagerstätten dort haben sich im Umfeld von Salzstöcken gebildet, die aus dem Permsalinar (einschl. norddeutsches Rotliegend) aufgestiegen sind. Die wichtigsten Muttergesteine (und potenziellen Zielgesteine der unkonventionellen Förderung, vgl. → Schiefergas) sind kohleführendes Oberkarbon, Schwarztonsteine des Lias und Tonsteine der Unterkreide („Wealden“). Wichtige Speichergesteine sind Sandsteine des Rotliegend und des Buntsandsteins, permeable Karbonatgesteine des Zechsteins und „Wealden“-Sandsteine. Historisch bedeutende konventionelle Vorkommen befinden sich in den Pechelbronner Schichten des Oberrheingrabens. Eine historisch bedeutende unkonventionelle Lagerstätte ist der Ölschiefer der Messel-Formation, der bis in die 1970er-Jahre für die Herstellung von synthetischem Rohöl mittels Verschwelung im Tagebau gewonnen wurde.
Der Jura und die Unterkreide Norddeutschlands enthalten zudem sedimentäre Eisenerzlagerstätten. Sie sind teils als chemisches Sediment aus der Ausfällung von gelöstem Eisen (dann oolithisch), teils als klastisches Sediment aus der Re-Sedimentation von andernorts diagenetisch gebildeten und nachfolgend zu Limonit verwitterten und mechanisch zerstörten Toneisensteinkonkretionen (sogenannte Trümmereisenerze) hervorgegangen.Hans-J. Schneider, Hansjust W. Walter: Erzlagerstätten in Sedimenten – Eisen. In: Hans W. Füchtbauer: Sedimente und Sedimentgesteine (= Sediment-Petrologie Teil II). Vierte, gänzlich neubearbeitete Auflage. Schweizerbart, Stuttgart 1988, ISBN 3-510-65138-3, S. 588–604. Zu den Letztgenannten gehört die Lagerstätte in Salzgitter, die mit geschätzten 1,6 Milliarden Tonnen Erz größte deutsche Eisenerzlagerstätte (siehe auch → Reichswerke Hermann Göring und → Salzgitter AG), die sich zwar aus ökonomischen Gründen nicht mehr im Abbau befindet, aber mit dem Schacht Konrad ein potenzielles Endlager für radioaktive Abfälle beherbergt.
Bedeutende Steine und Erden des Deckgebirgs- und Übergangsstockwerks umfassen in Norddeutschland vor allem Bausande, die in hunderten von Kiesgruben abgebaut werden. Dazu kommen Kalksteine der Kreide (Münsterland, südliches Niedersachsen, Rügen) und des Jura (Fränkische und Schwäbische Alb), die unter anderem zu Zement verarbeitet werden. Wichtige Naturwerksteine sind unter anderem der Elbsandstein (Oberkreide), Treuchtlinger Marmor (Oberjura), Kalksteine des Muschelkalks (z. B. der Elmkalkstein), Sandsteine des Buntsandsteins (z. B. der Wesersandstein) sowie permokarbone Rhyolithe (z. B. der Löbejüner Porphyr).
Lagerstätten des Grundgebirges Das Grundgebirge in Deutschland besteht aus paläozoisch gefalteten, teils metamorphen und von Granitoiden durchsetzten prä-oberkarbonischen Sedimentgesteinen. Es steht speziell innerhalb der Mittelgebirgsschwelle großräumig oberflächennah an und hat vor allem historisch Bedeutung für den Erzbergbau. Klassische Bergbauregionen sind der HarzWilfried Liessmann: Historischer Bergbau im Harz. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage, Springer, Berlin·Heidelberg 2010, ISBN 978-3-540-31327-4, S. 5–17. und das Erzgebirge.Ulrich Sebastian: Die Geologie des Erzgebirges. Springer Spektrum, Berlin·Heidelberg 2013, ISBN 978-3-8274-2976-6, S. 127–152.