Das Pronomen, pronombre wird in der spanischen Grammatik, ebenso wie in der deutschen, als eine Wortart geführt. Es zählt zu den nominalen Wörtern mit den grammatischen Merkmalen Person, Genus, Numerus und Kasus, und kann, nach traditioneller Beschreibung, stellvertretend für ein Substantiv (bzw. eigentlich eine Nominalphrase, sintagma nominal) eintreten oder ein Substantiv begleiten. Zu den weiteren Eigenschaften der Wortart Pronomen allgemein siehe den Artikel Pronomen.

Im Spanischen weisen die Pronomina komplexe grammatische Merkmale auf, hiervon ist die komplexeste Gruppe wiederum die der Personalpronomen, pronombres personales. Im Unterschied zum spanischen Substantiv haben die spanischen Personalpronomen Kasusformen (Nominativ, Genitiv (bzw. Possessor), Dativ (bzw. indirektes Objekt) oder Akkusativ (bzw. direktes Objekt)). Das Spanische unterscheidet bei den Personalpronomen ferner im Nominativ die beiden Genera, género gramatical Maskulinum, masculino und Femininum, femenino; für spezielle Verwendungen tritt noch ein Neutrum, neutro hinzu. Ferner wird zwischen Singular und Plural unterschieden. Die übrigen Arten von Pronomen weisen einfachere Unterscheidungen auf.

Personalpronomen Überblick Die spanischen Personalpronomen, pronombres personales umfassen zwei Serien von Formen, die als betonte, pronombres tónicos und unbetonte (d. h. klitische) Pronomen, pronombres atónicos oder clíticos bezeichnet werden. Die betonten Pronomen verhalten sich in syntaktischer Hinsicht ähnlich wie definite Nominalphrasen oder Eigennamen.Joachim Born, Robert Folger, Christopher F. Laferl, Bernhard Pöll (Hrsg.): Handbuch Spanisch, Sprache, Literatur, Kultur, Geschichte in Spanien und Hispanoamerika. Für Studium, Lehr, Praxis. Erich Schmidt, Berlin 2013, ISBN 978-3-503-13793-0, S. 319. Sie können getrennt vom Verb stehen und auch durch verschiedene Zusätze modifiziert werden. Die unbetonten Pronomen stehen verbunden mit einem Verb (mehr dazu siehe unten).

Im Unterschied zu den Substantiven des Spanischen bilden Pronomina verschiedene Formen für den Gebrauch als Subjekt, Objekt oder Ergänzung einer Präposition aus. Neben der ersten, zweiten und dritten Person in Singular und Plural, werden auch spezielle Höflichkeitsformen (Singular und Plural) unterschieden, die sich als Subjekt wie eine 3. Person verhalten (bei der Übereinstimmung mit dem Verb). Genusunterscheidungen sind maskulin, feminin, sowie in wenigen Fällen Neutrum. Der Kontrast maskulin/feminin wird bei allen dritten Personen außer bei den Klitika fürs indirekte Objekt ausgedrückt; anders als im Deutschen werden auch in der ersten und zweiten Person Plural bei den betonten Pronomen maskuline und feminine Formen unterschieden.

Die folgende Tabelle zeigt zunächst einen ÜberblickJacques de Bruyne: Spanische Grammatik. Max Niemeyer Verlag, Tübingen 2002, ISBN 3-484-50294-0, S. 151–182. (siehe auch die ergänzenden Erläuterungen darunter). Hier nicht enthalten sind die Reflexivpronomen, die später getrennt behandelt werden. Das Fehlen von Objektformen bei den betonten Pronomen erklärt sich durch das Eintreten von Präpositionen zur Markierung belebter Objekte, siehe die Erläuterung weiter unten.

Person, Genus, Numerus Betonte Formen, pronombres tónicosUnbetonte Formen, pronombres átonicos als Subjektpronombres personales de sujeto tónicos nach Präpositionenpronombre ablativo oder pronombre preposicional e instrumental als direktes Objekt (Akkusativ)pronombres átonos de objeto directo als indirektes Objekt (Dativ)pronombres átonos de objeto indirecto 1. Pers. Sg. ich / mir / mich yo míSpezielle Formen in Verbindung mit con me 2. Pers. Sg. du / dir / dich tú / vosIn Teilen Hispanoamerikas, siehe Voseo ti te 3. Pers. Sg. Mask. er / ihn / ihm él lo, le le (seWenn es vor einem ein Personalpronomen der 3. Person im Akkusativ (lo, la, los, las) steht) 3. Pers. Sg. Fem. sie / ihr ella la 3. Pers. Sg. Höflichkeitsform Sie / Ihnen usted lo, la, le 1. Pers. Pl. Mask. wir / uns nosotros nos 1. Pers. Pl. Fem. wir / uns nosotras 2. Pers. Pl. Mask. ihr / euch vosotros os 2. Pers. Pl. Fem. ihr / euch vosotras 3. Pers. Pl. Mask. sie / ihnen ellos los, les les (se) 3. Pers. Pl. Fem. sie / ihnen ellas las 3. Pers. Pl. Höflichkeitsform Sie / Ihnen ustedes los, las, les

Ergänzungen Zusätzlich existiert als ein Restbestand eines Neutrums das Pronomen ello. Es steht allein für abstrakte Sachverhalte und ist in der gesprochenen Sprache im Rückzug begriffen. Es kann als Subjekt, Dativobjekt und nach Präpositionen gesetzt werden, sowie in der Fügung todo ello („das alles“) auch als direktes Objekt.J. der Bruyne, Spanische Grammatik. Niemeyer, Tübingen 2002. S. 163. Ello wird sehr häufig durch die Demonstrativa eso oder esto (siehe unten) ersetzt. – Beispiele: Nuestra calle ya no es segura y ello nos inquieta. — „Unsere Straße ist nicht mehr sicher und das beunruhigt uns.“ No saben idiomas y hasta se enorgullecen de ello. — „Sie können keine Fremdsprachen und sind sogar stolz darauf.“ Bei den genusmarkierten Pluralformen los / las, nosotros / nosotras etc. gilt generell: Die maskuline Form steht, sobald es mindestens ein männliches Individuum in der Personengruppe gibt, die weibliche Pluralform steht, wenn nur weibliche Individuen in der Personengruppe sind. Die Formen der Pronomen nach Präpositionen gelten nicht für die Präposition con („mit“) – für diese Sonderformen siehe unten unter Pronomen nach Präpositionen.

Zum Gebrauch der Anredepronomen Der Gebrauch des Pronomens vos (historisch „Ihr“) als Anrede im Singular anstelle von tú („du“) ist typisch für das Spanisch in einigen nicht europäischen Ländern; diese Erscheinung wird als Voseo bezeichnet.

Die in Spanien ausschließlich als Höflichkeitsform im förmlichen Umgang (vgl. „Siezen“ im Deutschen) verwendete Anrede ustedes ist in Lateinamerika die standardsprachliche und allgemein verbreitete Anredeform, unabhängig von Sprachebene oder Vertrautheit. So wird die 2. Person Plural im amerikanischen Sprachraum überhaupt nicht benutzt und stets durch die Anrede in der 3. Person ersetzt. An die Stelle des Personalpronomens vosotros tritt hingegen immer ustedes (eine der wenigen Regeln, die universal für ganz Lateinamerika gelten). Auch im Singular ist die Anrede in der 2. Person mit tú in manchen Gebieten weniger gebräuchlich (oder wirkt schroff bzw. pedantisch) und man greift entweder zu vos (entspricht der deutschen historischen Höflichkeitsform „Ihr“) oder zur 3. Person mit usted.

Zum Gebrauch der unbetonten Pronomen im Zusammenhang mit einer Anrede, siehe unten unter dem Stichwort leismo.

Subjektpronomen Spanisch ist eine sogenannte Pro-Drop-Sprachevon engl. pro-drop kurz für pronoun dropping, „Auslassen eines Pronomens“Rolf Kailuweit: Pro-drop, Kongruenz und „optimale“ Klitika. Ein Beschreibungsansatz im Rahmen der Role and reference grammar (PDF; 12 MB). In: Carmen Kelling, Judith Meinschaefer, Katrin Mutz (Hrsg.): Morphologie und romanistische Sprachwissenschaft. XXIX. Deutschen Romanistentag, Saarbrücken 2005, Fachbereich Sprachwissenschaft der Universität Konstanz Arbeitspapier Nr. 120. d. h. Pronomen an Subjektstelle, pronombres usados como sujetos, können weggelassen werden, wenn sie nicht besonders hervorgehoben werden sollen, da die Verbform bereits dieselben Merkmale wie ein Personalpronomen enthält.Irene Gil Laforga, Eugenio Cascón Martín, Manuel Pérez Fernández (Hrsg.): Nueva gramática de la lengua española. Real Academia Española, Espasa Libros, Barcelona 2011, ISBN 978-84-670-3471-4. Hieraus ergibt sich, dass als Subjektpronomen nur betonte Formen existieren; die Alternative ist eben die völlige Weglassung (wogegen bei Objekten das unbetonte Pronomen zur Alternative steht, weil eine völlige Weglassung hier nicht vorgesehen ist). Dieselben betonten Formen erscheinen auch bei freistehender Verwendung des Pronomens.

Beispiele: Él es literato y ella es actriz. — „Er ist Schriftsteller und sie ist Schauspielerin.“ Nosotros caminaremos pronto. Tu hermano, no. — „Wir werden schnell gehen. Dein Bruder (aber) nicht.“ ¿Quién escribió este tema estúpido? - ¡Yo! — „Wer schrieb dieses blödsinnige Thema? - Ich!“

Pronomen nach Präpositionen Nach Präpositionen werden die selbständigen, betonten Pronomina verwendet (pronombres término de preposición); allerdings verschmilzt die Präposition con (mit) mit den Pronomina zu eigenen kombinierten Formen (ebenso mit dem Reflexiv, siehe dort): con + mí → conmigo con + tí → contigo

Beispiele: Ni contigo ni sin ti. — „Weder mit dir noch ohne dich.“ (verschmolzene Form mit con, separate Form nach anderen Präpositionen wie sin „ohne“)

Die Abwesenheit von Objektformen für betonte Pronomina in der Tabelle erklärt sich daraus, dass belebte Wesen als direktes oder indirektes Objekt von der Präposition a eingeführt werden müssen (mehr dazu siehe unter Kasussystem der spanischen Sprache). Daher sind die Objektformen in diesem Fall immer präpositionale Formen. Wird diese Konstruktion a + Präpositionalkasus verwendet, so müssen auch die entsprechenden verbundenen Formen zusätzlich eingesetzt werden (dieses Phänomen der Klitik-Dopplung wird anschließend im Zusammenhang mit den unbetonten Pronomen besprochen).

Beispiele: Primero me miró a mí. — „Zunächst sah sie mich an.“ (mit Dopplung des Objekts a mí durch zusätzliches me). A ella no le han subido nunca el sueldo. — „Ihr hat man noch nie das Gehalt erhöht.“ Vergleiche: No le han subido nunca el sueldo. — „Man hat ihr noch nie das Gehalt erhöht.“ (ohne Hervorhebung von ihr, nur unbetonte Form le)

Die unbetonten Objektpronomen Standard Wie erwähnt stehen betonte pronominale Objekte nach der Präposition a, sofern sie belebte Wesen bezeichnen. Ein betontes Objektpronomen des Neutrums ist ferner ello (siehe oben in Überblick). Die Grammatik der unbetonten Objektpronomen, pronombres personal atónicos o clíticos erfordert dagegen ausführliche Erläuterungen.

Schwache, d. h. klitische Pronomen sind die Formen me, te, lo, le, la sowie ihre jeweiligen Pluralformen. Sie werden nur an eine Verbform gekoppelt benutzt und stehen dort stellvertretend für Personen oder Sachen. Die Formen der dritten Person verweisen fast immer auf etwas im Kontext Erwähntes. – Beispiel: Un lobo gris olió la carne y la comió. — „Ein grauer Wolf witterte das Fleisch und fraß es.“ Hier dient das Pronomen la vor comió dazu, den Bezug auf den vorangegangenen Ausdruck la carne („das Fleisch“) wieder aufzunehmen. Der Bezug der Pronomen der ersten und zweiten Person (me, te) ergibt sich dagegen aus der Sprechsituation.

Als direktes Objekt stehen normalerweise die Pronomen lo / la (Singular) oder los / las (Plural). – Beispiele: Femininum, género femenino: Carlos come manzanas — „Carlos isst Äpfel.“ Carlos las come. — „Carlos isst sie.“

Maskulinum, género masculino: Carlos come melocotónes. — „Carlos isst Pfirsiche.“ Carlos los come. — „Carlos isst sie.“ Für abstrakte Sachverhalte steht lo, género neutro: No lo he visto. — „Ich habe es nicht gesehen.“

Als indirektes Objekt (in der Kasusterminologie Dativ) steht le / les (außer wenn mehrere unbetonte Pronomen zusammentreffen, siehe unten) Carlos llevó manzanas a su madre. „Carlos brachte seiner Mutter Äpfel.“ pronominalisiert: Le llevó manzanas. — „Er brachte ihr Äpfel.“

Varianten — Leísmo, laísmo Leísmo nennt man die Verwendung des indirekten Objekts (in der Kasusterminologie Dativformen) le und les statt des direkten Objekts (in der Kasusterminologie Akkusativformen) lo oder los. Diese Erscheinung tritt vorwiegend im europäischen Spanisch und beim Bezug auf Personen auf, und stellt einen gehobenen Stil dar. – Beispiele: La Reina le abrazó. — „Die Königin umarmte ihn.“ La Reina les abrazó. —„Die Königin umarmte sie.“ Vielerorts werden le und les als die eigentlichen verbundenen Pronomen im direkten Objekt (Akkusativ) für die Anredeweisen usted und ustedes angesehen. – Beispiel: Le acompaño, señor López. — „Ich begleite Sie, Herr López.“