Die National Collegiate Athletic Association (NCAA) ist eine gemeinnützige und damit von der Steuerpflicht befreite Non-Profit-Organisation, über die viele Colleges und Universitäten der Vereinigten Staaten und eine Universität Kanadas ihre Sportprogramme organisieren. Sie umfasst über 1280 Einrichtungen, Organisationen und Einzelpersonen, die sich den Interessen und der Ausbildung der studentischen Athleten verpflichtet fühlen. Der Sitz befindet sich in Indianapolis.

Aufgrund der großen Zuschauerbeliebtheit und der entsprechenden Vermarktung durch die Medien nimmt der Universitätssport in den USA einen weit höheren Stellenwert ein, als dies in den meisten anderen Ländern der Welt der Fall ist.

Im August 1973 wurde das derzeitige Drei-Divisionen-System der Division I, Division II und Division III von den Mitgliedern der NCAA angenommen. Nach NCAA-Bestimmungen können die Hochschulen der Division I und der Division II den Athleten Stipendien für die Ausübung einer Sportart anbieten. Hochschulen der Division III dürfen keine Sportstipendien anbieten. Im Allgemeinen treten größere Hochschulen in der Division I und kleinere in II und III an. 1978 wurde der Football der Division I weiter in die Divisionen I-A und I-AA unterteilt. Anschließend wurde kurz der Begriff „Division I-AAA“ hinzugefügt, um Hochschulen der Division I abzugrenzen, die überhaupt kein Football-Programm anbieten. Dieser Begriff wird jedoch von der NCAA offiziell nicht mehr verwendet. 2006 wurden die Divisionen I-A und I-AA in die Football Bowl Subdivision (FBS) bzw. Football Championship Subdivision (FCS) umbenannt.

Geschichte Entstehung und frühe Jahre Der Hochschulsport begann in den USA 1852, als sich Mannschaften von Universitäten in Harvard und Yale zu einem Wettkampf im Rudern zusammenfanden. Da der Rudersport bis in die späten 1800er Jahre hinein der vorherrschende Sport im Land blieb, wurden viele der anfänglichen Debatten über die sportliche Eignung und den Zweck der Hochschulen durch Organisationen wie die Rowing Association of American Colleges und die Intercollegiate Rowing Association geregelt. Als andere Sportarten, insbesondere Football und Basketball, aufkamen, wurden viele dieser Konzepte und Standards übernommen. Vor allem Football entwickelte sich zu einem Massensport, wobei sich die Spielregeln jedoch ständig änderten und oft für jeden Wettkampf angepasst werden mussten.mini|Hauptverwaltung der NCAA im White River State Park in Indianapolis

Als sich der Sohn des US-Präsidenten Theodore Roosevelt beim American Football in Harvard schwer verletzte, kam es zu einem Treffen des Präsidenten mit Vertretern der drei bedeutendsten Universitäten der Ivy League, Harvard, Yale und Princeton, um im Weißen Haus Schritte zu diskutieren, wie man den Collegesport sicherer machen könnte. Am 31. März 1906 wurde schließlich als eine Folge dieser Treffen die „Intercollegiate Athletic Association of the United States“ (IAAUS) gegründet, um Regeln für den Hochschulsport in den Vereinigten Staaten aufzustellen.

Die NCAA entstand aus jenen Konferenzen des Weißen Hauses, die Präsident Roosevelt Anfang des 20. Jahrhunderts als Reaktion auf wiederholte Verletzungen und Todesfälle im College-Football einberief, die „viele Colleges und Universitäten dazu veranlasst hatten, den Sport einzustellen“. Im Anschluss an diese Treffen des Weißen Hauses und die daraus resultierenden Reformen organisierte der Präsident der New York University, Henry MacCracken, ein Treffen von 13 Colleges und Universitäten, um Änderungen der Spielregeln im Football zu initiieren; bei einem Folgetreffen am 28. Dezember 1905 in New York wurden 62 höhere Bildungseinrichtungen Gründungsmitglieder des Intercollegiate Athletic Association of the United States (IAAUS). Die IAAUS wurde am 31. März 1906 offiziell gegründet. 1910 wurde aus der IAAUS die National Collegiate Athletic Association (NCAA).Jack Falla: NCAA: The Voice of College Sport: a diamond anniversary history 1906–1981.Mission [Kansas]: NCAA 1981, ISBN 0-913504-70-X.

Mehrere Jahre lang war die NCAA eine Diskussionsplattform und ein regelsetzendes Gremium, doch 1921 wurde die erste nationale Meisterschaft der NCAA durchgeführt: die National Collegiate Track and Field Championships. Nach und nach wurden weitere Regelkomitees gebildet und weitere Meisterschaften geschaffen, darunter 1939 eine Basketball-Meisterschaft.

Eine Reihe von Krisen brachte die NCAA nach dem Zweiten Weltkrieg an einen Wendepunkt. Der „Sanity Code“ – angenommen, um Richtlinien für die Rekrutierung und finanzielle Unterstützung festzulegen – konnte den Missstand nicht eindämmen. Nach der Saison vervielfachten sich die Footballspiele mit wenig Kontrolle, und die Mitgliedsschulen waren zunehmend besorgt darüber, wie sich das neue Medium Fernsehen auf die Zuschauerzahlen auswirken würde.

Die Komplexität dieser Probleme und die wachsende Zahl der Mitglieder und Meisterschaften zeigten die Notwendigkeit einer hauptamtlichen professionellen Führung. Walter Byers, der zuvor in Teilzeit als Assistent der Geschäftsführung tätig war, wurde 1951 zum Exekutivdirektor ernannt, und 1952 ein nationales Hauptquartier in Kansas City, Missouri, eingerichtet.

Byers verlor keine Zeit, um der Organisation seinen Stempel aufzudrücken. Es wurde ein Konzept zur Kontrolle der Live-Übertragung von Footballspielen genehmigt, der Kongress delegierte die Vollzugsbefugnisse an den Verbandsrat, und es wurde ein Gesetz zur Regelung der Bowlspiele nach der Saison verabschiedet.

1970er-heute Mit dem Anstieg der Hochschulsportarten wurde der Umfang der Leichtathletikprogramme immer größer, was die NCAA zwang, eine Struktur zu schaffen, die unterschiedliche Schwerpunkte berücksichtigte. 1973 wurde die Mitgliedschaft des Verbandes in drei rechtliche und wettbewerbliche Divisionen – I, II und III – aufgeteilt. Fünf Jahre später, 1978, stimmten die Mitglieder der Division I für die Schaffung der Unterabteilungen I-A und I-AA (2006 in Football Bowl Subdivision und Football Championship Subdivision umbenannt) im Football.

Bis in die 1980er Jahre bot die NCAA keinen Collegesport für Frauen an, diese Aufgabe hatte bis dato eine Organisation namens Association for Intercollegiate Athletics for Women (AIAW) übernommen. 1982, zehn Jahre nach der Verabschiedung des Title IX, der Bildungsnovelle von 1972 (Education Amendment of 1972) gegen sexuelle Diskriminierung an bundesfinanzierten Bildungseinrichtungen,Sarah K. Fields: Female Gladiators. Gender, Law, and Contact Sport in America. Urbana/Chicago, 2008: University of Illinois Press. ISBN 978-0-252-07584-1 (Seiten 5–11, in Englisch) und nach langwierigen Rechtsstreits und Blockaden der NCAA-College-Football-Hochschulen gegen die Gleichberechtigung, folgte die NCAA dem Beispiel der National Association of Intercollegiate Athletics (NAIA) und bot an, fortan Damenmeisterschaften zu veranstalten. 1982 gab es deswegen zwei (bzw. drei) nationale Damenmeisterschaften in den gängigen Sportarten, doch die AIAW konnte gegen die finanzielle Macht der NCAA auf Dauer nicht bestehen und löste sich im Juni 1983 nach einer ergebnislosen Monopolklage gegen die NCAA vor einem Bundesgericht auf.

In den 1980er Jahren war der College-Football im Fernsehen zu einer größeren Einnahmequelle für die NCAA geworden. Im September 1981 reichten der Vorstand der University of Oklahoma und die University of Georgia Athletic Association beim Bezirksgericht in Oklahoma Klage gegen die NCAA ein. Die Kläger erklärten, dass die NCAA mit ihren Fernsehplänen für den Football Preisabsprachen, Produktionsbeschränkungen, Boykott und Monopolisierung betrieb, die nach dem Sherman Act illegal seien. Die NCAA argumentierte, dass ihre wettbewerbsfördernden und nichtkommerziellen Rechtfertigungen für das Vorhaben – Schutz des Zuschauerraums, Aufrechterhaltung des Wettbewerbsgleichgewichts zwischen den NCAA-Mitgliedsinstitutionen und die Schaffung eines attraktiveren „Produkts“, das mit anderen Formen der Unterhaltung konkurrieren kann – den Plan angemessen machten. Im September 1982 entschied das Bezirksgericht zugunsten der Kläger, dass der Plan gegen die Kartellgesetze verstößt. Es untersagte der Vereinigung die Durchsetzung des Vertrags. Die NCAA legte bis zum Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten Berufung ein, verlor aber 1984 gegen den Aufsichtsrat der Universität von Oklahoma (Wären die Fernsehverträge, die die NCAA mit ABC, CBS und ESPN hatte, für die Saison 1984 in Kraft geblieben, hätten sie der Vereinigung und ihren Mitgliedern etwa 73,6 Millionen Dollar eingebracht).

Die Studenten können bis zum Abschluss des Bachelor-Examens für die Hochschule starten, so dass sie auch nur für diesen Zeitraum von meist vier Jahren finanziell gefördert werden können. Durch die unterschiedliche Qualität der Hochschulen und unterschiedliche Zugangsvoraussetzungen ist der Wettbewerb verzerrt. Um dies auszugleichen, hat die NCAA Mindestmaßstäbe für den Highschool-Abschluss gesetzt. Da auch dieser von Highschool zu Highschool sehr verschieden sein kann, wird ein Mindest-Score im SAT (Scholastic Aptitude Test) verlangt. Durch die Vielzahl an Stipendien- und Trainingsmöglichkeiten bieten die Hochschulen der NCAA mehr als zehnmal so vielen guten Sportlerinnen und Sportlern optimale Trainingsmöglichkeiten, als dies in Deutschland der Fall ist.Arnd Krüger: U23. In: Leistungssport. 44 (2014), 1, S. 34–36. Aus diesem Grund entscheiden sich deutsche studentische Spitzensportler zunehmend ein Studium in den USA zu beginnen. Besonders europäischen studentischen Spitzensportlern gelingt es die Unterstützungen seitens der amerikanischen Universitäten für ihre duale Karriere zu nutzen.Benjamin Bendrich: Studentischer Spitzensport zwischen Resignation, Mythos und Aufbruch: eine Studie zur dualen Karriere in Deutschland und den USA.Göttingen: Optimus, 2015. ISBN 3-86376-164-2

2009 wurde die Simon Fraser University in Burnaby, Britisch-Columbia, die erste nicht US-amerikanische Mitgliedsinstitution der NCAA.

Im Jahr 2014 stellte die NCAA mit einem Nettoumsatz von 989 Millionen Dollar einen Rekord auf. Mit knapp 1 Milliarde Dollar zählt sie zu den größten aller großen Sportorganisationen.

Nennenswerte Gerichtsfälle In den späten 1940er Jahren gab es nur zwei Colleges, Notre Dame und Pennsylvania, mit einem landesweiten Fernsehvertrag, einer beträchtlichen Einnahmequelle. Im Jahr 1951 stimmte die NCAA dafür, jegliche Live-Fernsehübertragung von College-Footballspielen während der Saison zu verbieten. Kurz nachdem die NCAA ein Fernsehverbot beschlossen hatte, zwang sie die öffentliche Empörung zum Rückzug. Stattdessen stimmte die NCAA dafür, die Anzahl der im Fernsehen übertragenen Spiele für jede Mannschaft zu beschränken, um den Rückgang der Zuschauerzahlen zu stoppen. Der Präsident der University of Pennsylvania, Harold Stassen, widersetzte sich dem Monopol und erneuerte den Vertrag mit ABC. Schließlich ließ die University of Pennsylvania ihre Klage fallen, nachdem die NCAA die Bitte der Penn State University abgelehnt hatte, dass der US-Generalstaatsanwalt die Rechtmäßigkeit des restriktiven Plans der NCAA beurteilen solle und drohte, die Quakers aus dem Verband auszuschließen. Notre Dame setzte die Fernsehübertragung seiner Spiele bis 1953 fort, indem sie das Verbot umging, indem sie ihre Spiele filmte und am nächsten Abend ausstrahlte. 1957 wies der Oberste Gerichtshof von Colorado eine Klage der Familie des verstorbenen Footballspielers Ray Herbert Dennison vom Trinidad College ab. Obwohl er bei einem Spiel gegen das Fort Lewis A&M College auf dem Feld eine tödliche Gehirnerschütterung erlitt, hatte Dennison keinen Anspruch auf eine Entschädigung, da er nicht vertraglich zur Teilnahme am Football verpflichtet war. Darüber hinaus stellte das Gericht fest, dass „das College keinen direkten Nutzen aus den Aktivitäten erhielt, da das College nicht im Football-Geschäft tätig war und keinen Nutzen aus diesem Bereich der Freizeitbeschäftigung zog“.