Die Kraftwerke in Äthiopien werden sowohl auf einer Karte als auch in Tabellen (mit Kennzahlen) dargestellt.

Übersicht Äthiopien hat als armes Entwicklungsland den Anspruch, elektrischen Strom klimaneutral zu produzieren, damit zu handeln und auch weiträumig zu exportieren. Aufgrund der an vielen Stellen für die Energieerzeugung vergleichsweise besonders vorteilhaften äußeren Bedingungen Äthiopiens (Wasser, Wind, Sonne, Erdwärme) hat das Land den Anspruch, auf importierte und fossile Energieträger wie Kohle so weit wie möglich zu verzichten und fokussiert stattdessen fast vollständig auf im Land verfügbare erneuerbare Energien.

Bau und Planung von Kraftwerken Äthiopien ist auf dem großen Sprung nach vorne, was die Entwicklung des Landes (bei stark wachsender Bevölkerung) betrifft. Dazu gehört der möglichst schnelle Aufbau einer Infrastruktur und auch der möglichst schnelle Ausbau der Kraftwerksleistung als eine Vorbedingung für starkes wirtschaftliches Wachstum. Das bedingt eine erhebliche Dynamik mit einer hohen Zahl an in Bau und in Planung befindlichen Kraftwerken zur Förderung der Elektrizitätswirtschaft. Die äthiopische Regierung geht von einem jährlich um 30 % wachsenden Energiebedarf aus, dies erzeugt einen erheblichen Bedarf an neuen Kraftwerken (und an Elektrifizierungsinfrastruktur), der erfüllt werden muss.

Im Zeitraum von fünf Jahren von 2009/10–2014/15 sollte die installierte Leistung aus Wasserkraft von ca. 2000 MWe auf 10.000 MWe verfünffacht werden. Hingegen gingen die offiziellen Zahlen für die gesamte installierte Leistung (inkl. Wasserkraft) im Jahr 2015 von tatsächlichen 2267 MWe aus, die wiederum im nächsten Fünfjahresplan (dem sogenannten GTP II) bis 2019/20 auf ca. 17.400 MWe ausgebaut werden sollen. Die Gründe waren Verzögerungen beim Bau der Kraftwerke und ein enger Finanzierungsrahmen. Seit dem Beginn des Baus des Grand Ethiopian Renaissance Dams (GERD) mit geplanten 6450 MW im Jahr 2011 hat sich der Finanzierungsrahmen nochmals deutlich eingeengt. Das Projekt GERD, ein nationales Prestigeprojekt, muss aufgrund internationaler Dispute von der äthiopischen Regierung allein bezahlt werden und verschlingt einen Großteil des Staatshaushaltes, Geld, das anderswo fehlt. Dies erzeugte unter anderem Engpässe bei der Elektrizitätserzeugung, die mit der Fertigstellung des Großkraftwerks Gilgel Gibe III erst einmal behoben werden konnten.

Installierte Leistung und Jahreserzeugung Im Jahre 2014 lag Äthiopien nach einer Abschätzung der CIA bzgl. der jährlichen Erzeugung mit 9,5 TWh an Stelle 101 und bzgl. der gesamten installierten Leistung mit 2,4 GWe an Stelle 104 in der Welt. Laut der Ethiopian Electric Power Corporation (EEPCo) betrug die installierte Leistung nur der Wasserkraftwerke in Äthiopien im Jahr 2015 2039,4 MWe Dies entspricht in etwa auch der Abschätzung der CIA.

Aus den Daten der Listen auf dieser Seite ergeben sich für Juli 2017 folgende Zahlen: 4267,5 MWe installierte Leistung (sog. „nameplate“-Leistung) in Äthiopien. Davon sind 97,4 % bzw. 4155,3 MWe erneuerbare Energien, anteilig dabei Wasserkraft zu 89,5 % und Windkraft zu 7,6 %, der Rest ist Geothermie.

Die Jahreserzeugung an elektrischer Energie ergibt sich für das Jahr 2015 aus den Zahlen dieser Seite, wobei der von den Kraftwerken durchschnittlich erreichte Nutzungsgrad eine Rolle spielt. 2015 wurde demnach (ohne das erst 2016 offiziell in Betrieb gegangene Kraftwerk Gilgel Gibe III zu berücksichtigen) eine Jahreserzeugung von 10,2 TWh für das Jahr 2015 erreicht, was in der Fortschreibung etwas oberhalb der von der CIA für das Jahr 2014 angegebenen Zahlen liegt. Rechnet man ab dem Jahr 2016 das in Betrieb gegangene Großkraftwerk Gilgel Gibe III mit ein, dann hätte sich die Jahreserzeugung an elektrischem Strom innerhalb eines Jahres mit ca. 22 TWh mehr als verdoppelt.

Erläuterungen zu den Listen In den Listen auf dieser Seite werden nur Kraftwerke in Betrieb oder in Bau ab einer Leistung ab 5 MWe vollständig angegeben. Damit fehlen vor allem kleinere Kraftwerke auf Ölbasis (die z. B. die großen äthiopischen Brauereien versorgen). Die in der Liste der Ölkraftwerke fehlenden Kraftwerke machen zusammen etwa 33 MWe an installierter Leistung aus. Zwei kleinere Wasserkraftwerke, die zusammen etwa 1,2 MWe erzeugen, werden auch nicht erwähnt. Ebenfalls fehlen in der Auflistung etwa 20.000 kleinteilige Solarpanels (SHS) mit insgesamt etwa 1 MWe für Haushalte und kleinere öffentliche Einrichtungen in unzugänglichen ländlichen Gegenden.

Die Liste der Kraftwerke auf dieser Seite umfasst nur aktive Projekte im Betrieb, im Bau oder in der Bauvorstufe, nicht jedoch solche in Planung oder solche, die zwar offiziell im Bau sind, jedoch aus diversen Gründen ruhen. Dies muss deshalb so sein, da in Äthiopien selbst groß angekündigte Projekte (mit Grundsteinlegung etc.) stillschweigend wieder eingestellt werden – die dann nirgends mehr erwähnt werden. Das betrifft selbst die als offiziell in Bau befindlichen Kraftwerke. Bei der Vielzahl an Absichtserklärungen gehen dann die wirklich in Konstruktion und mit Chancen auf Betrieb befindlichen Projekte im „weißen Rauschen“ unter.

Listen der Kraftwerke mit Erneuerbaren Energien Eine Teilübersicht wurde auch von der Ethiopian News Agency im März 2017 herausgegeben. Liste der Wasserkraftwerke Der Blaue Nil als der wichtigste und größte Fluss Äthiopiens weist etwa 50 % der potenziell nutzbaren Wasserenergie des Landes auf. Trotzdem finden sich hier vergleichsweise wenig Wasserkraftwerke, da der Blaue Nil über weite Strecken in einem Canyon mit bis zu 1200 Metern Tiefe verläuft, was den zusätzlichen Nutzen von Staustufen zur Bewässerung umliegender landwirtschaftlicher Flächen massiv einschränkt. Zudem legen Nilanrainer, insbesondere Ägypten, immer wieder Beschwerde gegen geplante Wasserkraftwerke am Blauen Nil ein, was die Finanzierung der Projekte durch externe Banken sehr erschwert. Ein Extremfall ist das Chemoga Yeda-Projekt, das sich 2011 mit gesicherter Finanzierung offiziell im Bau befand, aber dann aufgrund einer ägyptischen Beschwerde die Finanzierung verlor. Zuletzt 2016 gab es bei diesem Projekt eine Neuausschreibung mit unbekanntem Ergebnis. Chemoga Yeda ist in der Liste der im Bau befindlichen Kraftwerke daher nicht aufgeführt.

Ansonsten gibt es aufgrund der gebirgigen Natur Äthiopiens ausreichend Möglichkeiten zur Erzeugung von Elektrizität durch Wasserkraft. Wasserkraft kann insbesondere auf der südlichen und der westlichen Seite und im Zentrum des Hochlandes von Abessinien gewonnen werden, da hier der meiste saisonale Regen (Südwest-Monsun) fällt, darum konzentrieren sich die Wasserkraftwerke hier. Nur auf der Ostseite des Somali-Hochlandes im Genale-Dawa Becken sind ebenfalls gewisse Mengen an Elektrizität aus Wasserkraft durch kaskadierende Stau- und Kraftwerksbauten zu gewinnen. Kraftwerk InstallierteLeistung (MWe) Nutzungs-grad Fluss Status Höhe desDamms (m) in Betriebseit Besonderheit Aba Samuel 6,6 (0,29) Akaki in Betrieb 1932 Rehabilitation1970 bis 2016 Sor 5 0,49 Sor in Betrieb Einlauf 1990 Koka (Awash I) 43 0,29 Awash in Betrieb 42 1960 Awash II+III 64 0,59 Awash in Betrieb Einlauf 19661971 Fincha 134 0,67 Fincha in Betrieb 20 1973 Fincha Amerti Neshe (FAN) 97 0,52 Neshe in Betrieb 38 2011 Gilgel Gibe I 184 0,51 Omo in Betrieb 40 2004 Gilgel Gibe II 420 0,52 Omo in Betrieb Einlauf 2010 Gilgel Gibe III 1870 0,72 Omo in Betrieb 243 2016 Koysha (2160) (0,34) Omo im Bau 179 Melka Wakena 153 0,41 Shabelle in Betrieb 38 1989 Tana Beles 460 0,34 Beles in Betrieb Einlauf 2010 Tekeze 300 0,4 Tekeze in Betrieb 185 2010 Tis Abay I+II 85 0,71 Blauer Nil in Betrieb Einlauf 19532001 GERD (6450) (0,28) Blauer Nil im Bau 145 60 % fertiggestellt(8/2017) Genale Dawa III 254 (0,54) Ganale in Betrieb 110 2020 Genale Dawa VI (257) (0,67) Ganale Bauvorstufe 39 öffentlich-private Partnerschaft Geba I+II (391) (0,52) Gebba Bauvorstufe 4670 Bewässerung460.000 ha Total (Bau / Bauvorstufe) (9258) Total in Betrieb 4075,6 Der Nutzungsgrad der vor 2016 vollständig am Netz angeschlossenen Wasserkraftwerke lag – unter Nutzung von Zahlen der Ethiopia Electric Power (EEP) für das Jahr 2015 – bei insgesamt 0,46, was im weltweiten Durchschnitt für Wasserkraftwerke liegt. Das 2015/16 schrittweise hochgefahrene Großkraftwerk Gilgel Gibe III wies im ersten Betriebsjahr (möglicherweise einmalig) einen Nutzungsgrad von 0,72 auf, während im Planungsstadium von einem Nutzungsgrad von 0,4 ausgegangen war.

Bei den 2015 in Bauvorstufe und im Bau befindlichen Kraftwerken wurde ansonsten der geplante Nutzungsgrad angegeben. Ein Sonderfall ist das im Bau befindliche äthiopische Nationalprojekt GERD, bei diesem Projekt ändern sich die geplanten Zahlen immer wieder. Bei einer (2017) geplanten installierten Leistung von 6.450 MW und einer geplanten jährlichen Energieerzeugung von 15.692 GWh liegt der geplante Nutzungsgrad von GERD bei international niedrigen 0,28, der niedrigste Wert aller in Betrieb und im Bau befindlichen Kraftwerke Äthiopiens.

Liste der Windparks Windkraft ergänzt in Äthiopien die Wasserkraft in nahezu idealer Weise. Übermäßig vereinfachend gesagt ist Windenergie dann ausreichend verfügbar, wenn die Wasserreservoirs leer sind während Wasserenergie im Überfluss vorhanden ist, wenn kein Wind weht. Während der Trockenzeiten bläst ein stetiger, kräftiger Nordost-Passat, während in der Haupt-Regenzeit der Wind des Südwest-Monsuns eher schwach weht, dafür jedoch ausreichend Regen für die Wasserkraftwerke fällt. Nach The Wind Power sind in Äthiopien zurzeit (Stand Oktober 2016) drei operierende Windparks erfasst. Windpark InstallierteLeistung (MWe) Nutzungs-grad Turbinen Ort in Betriebseit Status Besonderheit Adama I 51 0,55 34 Adama 2012 in Betrieb Adama II 153 (0,34) 102 Adama 2015 in Betrieb Ashegoda 120,18 0,53 84 Mek’ele 2013 in Betrieb Aysha I (120) (0,34) 80 Aysha im Bau Aysha II + Aysha III folgen Total (Bau / Bauvorstufe) (120) Total in Betrieb 324,18 Aysha I (120 MW), Aysha II (120 MW) und Aysha III (60 MW) sind in einer Konzession zusammengefasst, der tatsächliche Ausbau wird daher auf 300 MW installierter Leistung erfolgen. Gebaut wird aber erst einmal Aysha I.

Der Nutzungsgrad der Windturbinen unter Nutzung von Zahlen der Ethiopia Electric Power (EEP) für das Jahr 2015 lag 2015 bei 0,53, international ein hoher Wert. Geplant waren (und sind) für Windkraftwerke in Äthiopien lediglich Nutzungsgrade von 0,3-0,4.

Liste der Geothermiekraftwerke Aufgrund der Lage Äthiopiens am ostafrikanischen Grabenbruch mit seinen Vulkanen hat das Land Zugriff auf oberflächennahe Erdwärme aus in Spalten aufsteigendem Magma. Den Zugriff auf Erdwärme will das Land zum Bau mehrerer Geothermiekraftwerke nutzen. Der Wirkungsgrad von Geothermieanlagen ist relativ niedrig (oft nur 10–15 %), so dass die thermische Leistung und die elektrische Leistung sehr unterschiedlich sein können. Es ist im Prinzip möglich, die überschüssige thermische Leistung für andere Zwecke als die Elektrizitätsgewinnung zu nutzen.

Großes Plus der Geothermie ist die hohe Konstanz der Verfügbarkeit, rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr, so dass die Kraftwerke immer auf hoher Last betrieben werden könnten.

Kraftwerk InstallierteLeistung (MWe) Nutzungsgrad ThermischeLeistung (MWth) Ort Status Bohrungen in Betriebseit Besonderheit Aluto Langano I 7.3 0.65 80 Zway/Langano in Betrieb 4 1998 Rehabilitation2002–2009 Aluto Langano II (70) (0.8) (~800) Zway/Langano im Bau 24 Tendaho (10) (0.8) (~100) Dubti im Bau 6 Corbetti (500) (0.8) (< 5000) Shashamane Bauvorstufe ca. 150 rein privat finanziert 3 Stufen: 25–50–500 MWe Total (Bau / Bauvorstufe) (580) Total in Betrieb 7,3 Der Wirkungsgrad liegt deutlich niedriger als der Nutzungsgrad.

Liste der Kraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung