AKV Burgundia Zirkel 140px|Zirkel AKV Burgundia Basisdaten Hochschule: Universität Bern Gründung: 18. Mai 1865 Gründungsort: Bern Dachverband: Schw. StV Kürzel: BU! Wahlspruch: Pro Deo et Patria! (PDeP!) Farben: orange-weiss-grün, orange-weiss Mitglieder Altburgundia: 241 (April 2015) Mitglieder Aktivitas: 23 (April 2015) Mensur: nichtschlagend Freundschaftsverbindung: AV Austria Innsbruck Patenverbindungen: AV Semper Fidelis Luzern,Sectio Brigensis,Palatia Solodorensis Website: www.burgundia.ch Die Akademische Komment-Verbindung Burgundia ist eine farbentragende Studentenverbindung an der Universität Bern, die auch Absolventen der Berner Fachhochschulen offensteht. Sie wurde 1865 als Sektion des Schweizerischen Studentenvereins (SchwStV) gegründet, ist Mitglied im Bund Akademischer Kommentverbindungen (Block) und nichtschlagend. Die Burgundia war die erste Verbindung katholisch-konservativer Richtung an der damals liberal-radikalen Universität im reformierten Bern.
Zweck und Organisation Die AKV Burgundia ist ein Verein im Sinne des ZGB mit Sitz in Bern. Nach dem Zweckartikel in den Vereinsstatuten ist der «Zweck der Verbindung die Verwirklichung der Vereinsdevise: Virtus, Scientia, Amicitia.»
Der Aktivitas, die männliche Studenten aller Fakultäten vereinigt, steht semesterweise ein vierköpfiger Vorstand mit Senior, Consenior, Aktuar und Fuchsmajor vor. Die Burgundia pflegt, gestützt auf Bierkomment, Ususbuch und Statuten, verbindungsstudentisches Brauchtum. Die Devise des SchwStV lautet 'virtus – scientia – amicitia', der Wahlspruch der Burgundia 'Pro Deo et Patria'. Die Verbindungsfarben sind orange-weiss-grün, die Mützenfarbe ist orange.
mini|Die Aktivitas der AKV Burgundia im Jubiläumsjahr 2015 Seit ca. 1890 vereinigen sich die ins Berufsleben übertretenden Mitglieder der Studentenverbindung in der Alt-Burgundia, deren Ziele die Pflege der Lebensfreundschaft unter ihren Mitgliedern und die Förderung und Unterstützung der Mitglieder der Aktivitas in ihrem Studium und beim Übertritt ins Berufsleben sind. Ein wesentlicher Teil des Verbindungslebens von Aktivitas und Altherrenschaft spielt sich in den Stamm- und Verbindungslokalen ab, dazu kommen wissenschaftliche, politische, kulturelle und gesellschaftliche Anlässe. Seit 1984 besitzt die Burgundia ein eigenes Haus an der Speichergasse in Bern, getragen von der 1979 gegründeten Genossenschaft Burgunderhaus.
Geschichte Gründungswirren Erste Generation (1865–1870) In den 1860er-Jahren schuf sich die Hochschule Bern im Fach Medizin durch personelle und organisatorische Veränderungen innerhalb weniger Jahre einen herausragenden Namen. Nachdem bereits 1861 eine Sektionsgründung in Bern erwogen wurde, mangels Kandidaten aber ausblieb, und auch im Winter 1864 ein Gründungsversuch scheiterte, wurde 1865 durch den Umzug der Luzerner Isidor Dahinden aus Weggis und Cyrill Kaufmann aus Wilihof, zweier Gründer der Sektion Basel, nach Bern die Grundlage zur erfolgreichen Sektionsgründung gelegt. Das dritte Gründungsmitglied, der Buochser Medizinstudent Jakob Wyrsch, war nach Studienaufenthalten in Freiburg i. Ue., Genf und München bereits 1864 nach Bern gezogen. Die Gründungsversammlung fand am 18. Mai 1865Ernst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 192. unter dem Tagespräsidium des CC-Mitglieds Wyrsch statt. Starker Rückhalt aus dem Schweizerischen Studentenverein blieb zunächst aus, weil sich dieser in einer Identitätskrise befand. Als altgediente Mitglieder – Dahinden, Kaufmann und Wyrsch waren seit fünf Jahren StVer – wurde jedoch sogleich eine Sektionstätigkeit in vollem Umfang aufgenommen. Der Studienort Bern bot die besondere Chance, während der Session mit den Führungspersönlichkeiten aus den katholischen Kantonen und Regionen in Kontakt zu treten, was der Berner Sektion in Zeiten wachsender politischer Spannung im Vorfeld des Kulturkampfs und der Verfassungsdiskussionen, aber auch des zunehmenden Selbstbewusstseins der katholischen Opposition ein besonderes Gewicht verlieh.Renggli, Hanspeter: Gründungswirren und Aufbau. In: Drack, Markus T. und Renggli, Hanspeter (Hrsg.): Und wenn er gar Burgunder war… Die akademische Verbindung Burgundia zu Bern 1865–1995. Alt-Burgundia Bern, Bern 1998, ISBN 3-9521703-0-5, S. 32–37.
Die Sektion Bern zählte in ihren Anfängen verhältnismässig wenige Mitglieder – die erste Generation (1865–1870) umfasste etwa 25 Mitglieder aus 13 Kantonen –, die jedoch umso aktiver waren. Über Trinksitten, die Pflege eines inoffiziellen Comments und Bierspiele oder über den Gebrauch von Kneipnamen schweigen die Quellen. Nachgewiesen sind aber mehrere Umzüge der Stammlokalität, unter den Stationen waren etwa das „Gambrinus“ oder der „Goldene Hahnen“ am Bärenplatz. Nachdem die Sektion Bern im WS 1868/69 erstmals ohne Nachwuchs blieb, bahnte sich eine Krise an, die in der Auflösung im Winter 1871 gipfelte. Zugleich radikalisierten sich führende Mitglieder in politischen Fragen wie jener nach dem Vereinszweck, den die Sektion Bern im Juni 1870 dahingehend umformulieren wollte, dass «Tugend, Wissenschaft und Freundschaft nach dem Vorbilde unserer Väter, im Sinn und Geiste des positiven Christenthums, zum Frommen des Vaterlandes» das Vereinsideal seien, was aufgrund der angestrebten konfessionellen Öffnung in weiten Kreisen des Vereins auf erbitterten Widerstand stiess. Angesichts gehäufter Attacken und der ausweglosen Lage traten die Berner «als Sektion» aus dem Verein aus. Den einzelnen Mitgliedern blieb so die Möglichkeit, sich im WS 1870/71 neu zu formieren, indessen vermochten die verbliebenen Mitglieder die Sektion nicht mehr zu halten, so dass die erste Verbindung des Studentenvereins in der Bundesstadt recht still starb, nachdem sie im Verein ins Abseits geraten war.Renggli, Hanspeter: Gründungswirren und Aufbau. In: Drack, Markus T. und Renggli, Hanspeter (Hrsg.): Und wenn er gar Burgunder war… Die akademische Verbindung Burgundia zu Bern 1865–1995. Alt-Burgundia Bern, Bern 1998, ISBN 3-9521703-0-5, S. 37–50.
Zweite Generation (1874–1881) Im Oktober 1874 kam es nach verschiedenen Bemühungen um eine Neugründung einer Sektion in Bern schliesslich zur erfolgreichen Rekonstitution durch sieben Vereinsmitglieder. In den Jahren 1877–1880 erhielt die Sektion Bern für eine an einer schweizerischen Hochschule angesiedelte Sektion verhältnismässig grossen Zuwachs an Mitgliedern, so dass sich der Bestand bis 1880 von acht auf vierundzwanzig verdreifachte. Nach mehreren Stammwechseln meldete die Sektion 1878 erstmals einen täglichen Stammbetrieb, was das Lokal zum ständigen Ort der Begegnung, des Gesprächs und zum „Zuhause“ aufwertete. In den folgenden Jahren ereigneten sich weitere Schritte hin zum autonomen Verbindungsprinzip, etwa in der Farbendiskussion, dem Ausbau des Kneipwesens und einer ausgeprägten Kodifizierungswut, in deren Zug Statuten und Komment immer grössere Bedeutung erlangten, das Leibburschentum eingeführt wurde und eine «Conkneipantenordnung» die Aufnahme von Nichtkatholiken und Ausländern ermöglichte. Die Zweisprachigkeit war in der Sektion Bern der siebziger Jahre noch markanter ausgeprägt als in der ersten Generation und ein knappes Drittel der Mitglieder war zwischen 1874 und 1881 französischsprachig. Noch immer dominierten die Mediziner mit über zwei Dritteln der Mitglieder, bis in die frühen 1890er-Jahre waren sie die zahlenmässig stärkste Fakultät in der Burgundia.Renggli, Hanspeter: Gründungswirren und Aufbau. In: Drack, Markus T. und Renggli, Hanspeter (Hrsg.): Und wenn er gar Burgunder war… Die akademische Verbindung Burgundia zu Bern 1865–1995. Alt-Burgundia Bern, Bern 1998, ISBN 3-9521703-0-5, S. 57–68.
Infolge einer eskalierten Auseinandersetzung, in der sich die Berner Sektion gegen ein Obligatorium wissenschaftlicher Aufsätze im Vereinsorgan Monat-Rosen gewandt hatte, führte im Winter 1881/82 zum Austritt von zehn der sechzehn Berner Mitgliedern. Erneut war die Sektion in den drei vorhergehenden Semestern regelrecht ausgeblutet, nachdem 1876 bis 1880 jährlich elf bis zwölf Neumitglieder eingetreten waren.Renggli, Hanspeter: Gründungswirren und Aufbau. In: Drack, Markus T. und Renggli, Hanspeter (Hrsg.): Und wenn er gar Burgunder war… Die akademische Verbindung Burgundia zu Bern 1865–1995. Alt-Burgundia Bern, Bern 1998, ISBN 3-9521703-0-5, S. 57–68.
Die «katholische Studenten-Verbindung Burgundia» (1883–1890) mini|Erste Fahne der Katholischen Studenten-Verbindung Burgundia, nachmals AKV Burgundia, gestiftet von den «katholischen Töchtern Berns» als Revanche für das «glänzend verlaufene Ballfest» im Frühsommer 1885 Im Gegensatz zu 1864 und 1872/73 wurden nach der neuerlichen Auflösung keine Anstalten unternommen, die Berner Sektion wieder zu konstituieren. Vielmehr mussten die in Bern verbliebenen und neu angekommenen «Gründungswilligen» sich gegen Vorwürfe und Vorurteile wehren, bevor es nach zwei Semestern Inexistenz wieder zur Rekonstitution kam. Mit dem Eintritt von sechs Neumitgliedern 1883, um die aktiv geworben werden musste, wurde die Grundlage zur Transformation der gleichsam inkognito wirkenden Sektion des StV in eine farbentragende Studentenverbindung gelegt. Im Herbst 1883 wurde «nach langer und einlässlicher Debatte […] beschlossen, beim Akademischen Senate die Anerkennung als farbentragende Verbindung 'Burgundia' nachzusuchen.» Am 20. Dezember 1883 gab die «katholische Studenten-Verbindung Burgundia» zu Ehren der «conservativen Fraction der Bundesversammlung einen solennen Commers», wodurch auch die Fortsetzung von Traditionen, wie sie die «alten Sectionen» ins Leben gerufen hatten, demonstriert werden sollte. Ein halbes Jahr später ereignete sich mit dem ersten «Stiftungscommers» am 16. Juni 1884, der von zahlreichen National- und Ständeräten, die zur Session in Bern weilten, besucht wurde, ein Höhepunkt. Bis eigene Farben eingeführt wurden, sollte mangels genügender Liquidität nochmals ein weiteres Semester verstreichen. Ihre erste Vereinsfahne wurde der Burgundia im Sommer 1885 von den «katholischen Töchtern Berns» gestiftet.Renggli, Hanspeter: Gründungswirren und Aufbau. In: Drack, Markus T. und Renggli, Hanspeter (Hrsg.): Und wenn er gar Burgunder war… Die akademische Verbindung Burgundia zu Bern 1865–1995. Alt-Burgundia Bern, Bern 1998, ISBN 3-9521703-0-5, S. 68–77. mini|Die Aktivitas der AKV Burgundia im Sommersemester 1888
Belle Epoque mini|Fuchsenstall der AKV Burgundia im Sommersemester 1904