Dimethylzinndichlorid ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der zinnorganischen Verbindungen.
Gewinnung und Darstellung Dimethylzinndichlorid kann durch katalytische Umsetzung von Zinn und Methylchlorid in Gegenwart von Trialkylaminen als Katalysator hergestellt werden.
Auch kann Dimethylzinndichlorid in hoher Ausbeute und Selektivität durch Direktsynthese aus flüssigem Zinn und Methylchlorid in einer Natriumtetrachloroaluminat-Salzschmelze bei 280 °C hergestellt werden. Dabei wird die Reaktion durch Zugabe einer katalytischen Menge Zinndichlorid in Gang gesetzt:
Im ersten Schritt reagiert Methylchlorid zunächst mit SnCl2 unter Bildung von Methylzinntrichlorid, welches dann mit Zinn unter SnCl2-Abspaltung zu Methylzinnchlorid reduziert wird. Im nächsten Schritt bildet sich dann aus diesem durch Reaktion mit einem weiteren Molekül Methylchlorid das Dimethylzinndichlorid:
Als Bruttogleichung ergibt sich:
Die Selektivität wird dabei durch die Menge der Salzschmelze und der Einleitungsgeschwindigkeit der Methylchlorids beeinflusst. Das in einer Nebenreaktion ebenfalls gebildete Trimethylzinnchlorid reagiert mit Methylzinntrichlorid unter Komproportionierung zum Dimethylzinndichlorid. Bei Abwesenheit von Zinn bleibt die Reaktion entsprechend nach der ersten Stufe, der Bildung von Methylzinntrichlorid, stehen.
Eigenschaften Dimethylzinndichlorid ist ein brennbarer feuchtigkeitsempfindlicher weißer Feststoff, der leicht löslich in Wasser ist. Es hat in Benzol ein Dipolmoment von 4,14 Debye.
Verwendung Dimethylzinndichlorid wird als Wärmestabilisator in PVCECHA: CLH - Report Proposal for Harmonised Classification and Labelling Based on Regulation (EC) No 1272/2008 (CLP Regulation) - Substance Name: dimethyltin dichloride, DMTC, abgerufen am 18. April 2015. und für die Produktion von Isolierverglasungen mit selektiver Reflexion der WärmestrahlungD. Klingmüller, B. Watermann mit Unterstützung des Umweltbundesamtes: , abgerufen am 18. April 2015. verwendet.
Sicherheitshinweise/Toxizität Dimethylzinndichlorid ist wie viele andere organische Zinnverbindungen als giftig eingestuft und muss daher mit entsprechender Vorsicht gehandhabt werden. Die toxischen Wirkung zielt insbesondere auf die Nieren und das zentrale Nervensystem, in höherer Dosis auch auf Leber, Nebennieren, Thymus, Milz, Harnblase, Hoden und Nebenhoden.
Literatur H. Reuter, R. Pawlak: Zinnhalogenverbindungen. III. Neuere Daten zur Kristall- und Molekülstruktur von Dimethylzinndichlorid. In: Zeitschrift für Kristallographie. 216, 2001, S. 56, doi:10.1524/zkri.216.1.56.18994.
Einzelnachweise
Kategorie:Alkylzinnverbindung Kategorie:Chlorverbindung Kategorie:Beschränkter Stoff nach REACH-Anhang XVII, Eintrag 20