Die Burg Frankenberg ist eine abgegangene früh- und hochmittelalterliche Gipfelburg an der Stelle der Klosterruine auf dem hohen Gotthardsberg (früher Frankenberg) zwischen Amorbach und Weilbach im Landkreis Miltenberg in Bayern, dessen Gipfel sich etwa 150 Höhenmeter über dem Talgrund der im Südwesten und Westen passierenden Mud erhebt.Lage des Burgstalles im Bayerischen Denkmal-Atlas
Geschichte Nach einer Überlieferung soll der fränkische Gaugraf Ruthard zur Zeit von Pippin dem Jüngeren auf dem Frankenberg das „Castrum Frankenberg“ erbaut haben. 1138 wurde der Burg eine dem Hl. Godehard von Hildesheim geweihte Kapelle hinzugefügt. Seitdem wird der Berg „Gotthardsberg“ genannt.
Für den Jahresanfang 1144 wird die Anwesenheit König Konrads III. apud ammerbach angenommen und mit einem archäologisch nachgewiesenen Brandereignis auf der Burg in Zusammenhang gebracht.Christine Reichert: Warum Restaurierung so wichtig ist: Der überraschende Fund eines urnenfelderzeitlichen Bronzerings in einem hochmittelalterlichen Fundkomplex. Flyer zum 13. Symposium zur Burgenforschung im Spessart: Funde. Reliquien der Vergangenheit? Zeitzeugen? Möglichkeiten und Grenzen. Burgentagung des ASP, Partenstein 15./16. Oktober 2021, S. 12
Die Herren von Frankenberg übten die Schutzvogtei über das Kloster Amorbach und seine Ländereien aus. Da die Benediktiner sich durch ihre Vögte bedroht fühlten und beim Kaiser Beschwerde führten, wurde die Burg auf Geheiß und Edikt Kaiser Friedrich Barbarossas auf dem Reichstag zu Würzburg 1168 zerstört und durfte nicht wieder aufgebaut werden (siehe auch Güldene Freiheit).Wolfgang Hartmann: Die Zerstörung der Burg Frankenberg bei Amorbach durch Kaiser Friedrich Barbarossa, S. 76–91
Mit Beginn des 13. Jahrhunderts wurde auf der Burgstelle ein Nonnenkloster der Zisterzienserinnen erbaut, das 1525 im Zuge des Bauernkrieges niedergebrannt wurde, und heute eine gut erhaltene, Ruine mit einer 1878 angelegten, 72-stufigen Wendeltreppe ist.
1244/1245 versuchte Konrad I. von Dürn, der damals die Vogtei über das Kloster Amorbach und seine Ländereien ausübte, den Gotthardsberg erneut zu befestigen, was aber am erbitterten Widerstand des Klosters scheiterte.Friedrich Johann Hildenbrand: Die Gotthardruine bei Amorbach in Franken, Amorbach 1892, S. 12
Ausgrabungen Im Umfeld der Ruine der Klosterkirche, einer dreischiffigen Pfeilerbasilika mit überragendem aber schmalem Treppenturm, sind von der ehemaligen Burganlage stammende Mauerreste erhalten. Bei AusgrabungenDie Ausgrabungen wurden vom Projekt der Arbeitsgemeinschaft „Gotthardsberg“ initiiert, der der Heimat- und Geschichtsverein Amorbach, der Heimatsverein Weilbach-Weckbach, die Stadt Amorbach und Gemeinde Weilbach angehören. Das Archäologische Spessartprojekt führte die Grabungen durch und ist für die wissenschaftliche Auswertung verantwortlich. Eine maßgebliche Förderung erfolgte durch die Kulturstiftung des Regierungsbezirks Unterfranken. durch das Archäologische Spessartprojekt (ASP) in den Jahren 2010 bis 2012 wurden Kellergewölbe und weitere Mauerreste inklusive interessanter Funde (diese der Klosterzeit zuordenbar) freigelegt und gesichert.Christine Reichert, Harald Rosmanitz: Porphyr auf dem Gotthardsberg, S. 150 ff.Peter W. Sattler, Marion Sattler: Burgen und Schlösser im Odenwald, S. 112Der Gotthardsberg – Funde – Bodenfliesen, Webseite des ASP mit Informationen zu den Bodenfunden; abgerufen am 27. November 2017 Teile von der Burg zugeordneten Mauerresten wurden in Opus-spicatum-Technik errichtet.Der Gotthardsberg – Grabungstagebuch 2012, Webseite des ASP zu den Ausgrabungen von 2012, vgl. Bilder vom 16. und 22. August 2012; abgerufen am 20. Februar 2018
Im Schnitt 9 wurden die Fundamente eines steinernen Hauses aufgedeckt. Das ca. zwölf mal sieben Meter große Gebäude lag ursprünglich in der Nordostecke innerhalb des Mauerberings. Die gefundenen zweischaligen und bis zu 120 cm breiten Mauerfundamente werden als Überreste eines etwa zweigeschossigen, steinernen Hauses mit Fachwerkgeschoss gedeutet. In der Brandschicht enthaltene, glimmerhaltige Vorspessartware lässt eine Datierung in das 12. Jahrhundert zu. Im Untersuchungsbereich wurden mehrere außergewöhnlich hochwertige Metallfunde gesichert. Neben einem Bruchstück einer Porphyrplatte, die Teil eines Tragaltares war, wurde u. a. eine getriebene Messingschale mit Omphalosboden, eine mit Kreisaugen verzierte Klappwaage und der Dorn eines Vortragekreuzes geborgen. Ein Fund eines angenommenen stark verbogenen Ringes eines bronzenen Türklopfers erwies sich zehn Jahre nach der Ausgrabung und nach der Restaurierungsphase als verzierter, massiver Armring aus der Urnenfelderkultur.
Der Burgstall ist als Bodendenkmal nach der Bayerischen Denkmalliste auf Basis des bayerischen Denkmalschutzgesetzes vom 1. Oktober 1973, mit der Nummer D-6-6321-0041: Archäologische Befunde im Bereich des ehem. mittelalterlichen Klosters und untertägige Teile der frühneuzeitlichen Kirchenruine St. Gotthard sowie hochmittelalterlicher Burgstall ausgewiesen.Benehmen ist noch nicht hergestellt
Literatur Wolfgang Hartmann: Die Zerstörung der Burg Frankenberg bei Amorbach durch Kaiser Friedrich Barbarossa. In: Mainfränkisches Jahrbuch (1993), S. 76–91. Christine Reichert, Harald Rosmanitz: Porphyr auf dem Gotthardsberg. In: Das archäologische Jahr in Bayern, 2010. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2011, S. 150 ff. Peter W. Sattler, Marion Sattler: Burgen und Schlösser im Odenwald. Ein Führer zu historischen Sehenswürdigkeiten. Druckhaus Diesbach, Weinheim 2004, ISBN 3-936468-24-9, S. 111–112.
Siehe auch Kultur und Sehenswürdigkeiten in Weilbach
Weblinks
Der Gotthardsberg: Burg – Kloster – Aussichtspunkt, Webseite des ASP mit Informationen zur Ausgrabung
Einzelnachweise
Kategorie:Ehemalige Burganlage im Landkreis Miltenberg Kategorie:Abgegangenes Bauwerk im Landkreis Miltenberg Kategorie:Höhenburg in Unterfranken Kategorie:Bauwerk in Amorbach Kategorie:Bodendenkmal in Amorbach Kategorie:Bodendenkmal in Weilbach (Bayern) Kategorie:Burg in Europa