mini|3D-Ansicht des digitalen Geländemodells Die Abschnittsbefestigung Wettenburg ist eine abgegangene Abschnittsbefestigung auf dem Höhenrücken „Himmelreich“ etwa 2.400 Meter östlich von Schloss Kreuzwertheim in der Hauptortgemarkung des Marktes Kreuzwertheim im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart in Bayern.
Das Bodendenkmal ist als Nummer D-6-6223-0001 mit der Bezeichnung: Befestigte Höhensiedlung mit Funden des Jungneolithikums, der Urnenfelderzeit, der späten Hallstattzeit, der frühen Latènezeit und der Völkerwanderungszeit sowie Grabhügel vorgeschichtlicher Zeitstellung erfasst. Die Grabhügel liegen aber leider nordöstlich außerhalb der Denkmalzone.
Lage Die Höhenbefestigung befindet sich auf der langgestreckten Nord-Süd verlaufenden Mainschleife östlich von Kreuzwertheim, eingerahmt von den badischen Orten Wertheim im Westen, Urphar im Südosten und Bettingen (Wertheim) im Nordosten (alle auf der gegenüberliegenden Mainseite). Sie liegt auf dem nördlichen und mittleren Teil des Höhenrückens Himmelreich. Der von der Wissenschaft der vorgeschichtlichen Höhenbefestigung zugeordnete Name Wettenburg stammt eigentlich von einem kleinen, nur kurzzeitig zwischen etwa 1340 (urkundlich) bis etwa 1420 existierenden, mittelalterlichen Weiler am südöstlichen Ende dieser Mainschleife. Im Bereich der Höhenbefestigung befinden sich mehrere heutige Flurabschnitte, unter anderem auch im Norden der Anlage die Bezeichnung Herrenschlag in der Wettenburg, zentral Im Himelreich, südöstlich das Wettenburger Laubholz, die zeigen, dass auch die Höhenbefestigung in früherer Zeit schon mit einer Bezeichnung Wettenburg in Verbindung gebracht wurde.
Die Anlage Die Befestigung, die aus vier Abschnittswällen besteht, wurde in diversen Kulturstufen errichtet beziehungsweise verändert. Dabei riegelten zwei kürzere, nah hintereinande liegende, Wall-Grabensysteme (A und B bezeichnet) die Befestigung im Norden zum Spessart hin ab, ein weiterer Wallrest C befindet sich in der Mitte der Anlage, während eine größere bogenförmige Wallbefestigung (bezeichnet als Wall D) den auslaufenden Höhenrücken zur Mainschleife hin abschloss. Die Befestigungen der steilen Böschungen nach Westen und Osten waren aus Trockenmauern ausgeführt, von denen sich kaum Reste erhalten haben; wohl auch weil sie in späteren Zeiten für die Anlagen von Terrassen für den Weinbau benutzt wurden.
Nördlich davon im Herrnschlag wurden 1974 vom Kreuzwertheimer Heimatforscher Peter Hofmann am Rand der Hochfläche über dem Eichel gegenüberliegenden ehemaligen Weinberg zwei 13,5 und 40 m lange Mauerreste freigelegt, die einer mittelalterlichen Burg gleichen Namens zugeordnet wird.
Zur Geschichte der Anlage Die Anlage wurde vermutlich seit der Jungsteinzeit, durch Funde belegt in der Zeit der Urnenfelderkultur, als Befestigung genutzt. Grabungen zwischen 1981 und 1988 bezeugen eine Nutzung auch in der Späthallstatt-/Frühlatènezeit, der Völkerwanderungszeit sowie im Spätmittelalter. Eine vermutete Nutzung während des Frühmittelalters, konnte nicht ausreichend durch Funde belegt werden.Dieter Neubauer: Die Wettenburg in der Mainschleife bei Urphar. Eine Höhenbefestigung des Jungneolithikums, der Urnenfelderzeit, der Frühen Eisenzeit und der Völkerwanderungszeit, Würzburg 2000, S. 58–83.
Von der ehemaligen Befestigungsanlage sind noch Wall-Grabenreste erhalten. Die Ausgrabungen zeigen, dass die Wall-Graben-Anlage mehrfach zu verschiedenen Zeiten um- und ausgebaut wurde. Der mittlere Wall C konnte dabei der Zeit der Völkerwanderung zugewiesen werden. Eigentlich eine sich oft zu findende Verkleinerung großer vorgeschichtlicher Anlagen in der jüngeren Geschichte.
Literatur Heinrich Habel und Helga Himen (Bearb.): Denkmäler in Bayern – Ensembles, Baudenkmäler, Archäologische Geländedenkmäler: Band VI. Unterfranken. Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (Hrsg.), München 1985 Dieter Neubauer: Die Wettenburg in der Mainschleife bei Urphar. Eine Höhenbefestigung des Jungneolithikums, der Urnenfelderzeit, der Frühen Eisenzeit und der Völkerwanderungszeit, Würzburg 2000, 408 Seiten Manfred Schneider: Das Rätsel um die Wettenburg, Mythos und Wahrheit. GHK-Verlag, Kreuzwertheim 1999, 82 S. Peter Rückert: Weiler und Wüstung Wettenburg - Vom Ortsnamen zur Flurbezeichnung. In 1000 Jahre Markt Kreuzwertheim - Beiträge zu Geschichte und Gegenwart, Band 1, S. 31–36, Kreuzwertheim 2011 Klaus Weyer: Via publica und Heristrata, Zwei mittelalterliche Fernwege im Spessart. Jahrbuch Geschichts- und Heimatverein Kreuzwertheim 2021, S. 142–157, .
Weblinks
Dirk Vermaaten: Abschnittsbefestigung „Himmelreich“. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital.
Einzelnachweise
Wettenburg, Burgstall Wettenburg, Abschnittsbefestigung Kategorie:Bodendenkmal in Kreuzwertheim Kategorie:Urnenfelderkultur Wettenburg Kategorie:Geographie (Kreuzwertheim) Kategorie:Bauwerk in Kreuzwertheim Kategorie:Archäologischer Fundplatz in Europa Wettenburg