Bünzlis Großstadterlebnisse ist der Titel eines Schweizer Dialekttonfilms, den Robert Wohlmuth 1930 in eigener Produktionsfirma nach dem Drehbuch des Hauptdarstellers Fredy Scheim in Wien gedreht hat. Alternativer Titel war Bünzlis Abenteuer.Wider-Aeppli, Bd. 2, S. 302.

Handlung

Heiri Bünzli, ein biederer Schweizer, wird durch ein Zeitungsinserat darauf gebracht, sich als Schauspieler zu bewerben. «Im Filmstudio aber erwarten ihn tausend Überraschungen.»Wider-Aeppli, Bd. 2, S. 302.

Hintergrund Bünzlis Großstadterlebnisse wurde von der Robert Wohlmuth Produktion (Wien) hergestellt. Gedreht wurde im Selenophon-Atelier Wien.Selenophon Film GmbH, vgl. JH im Lexikon der Filmbegriffe und Schlögel: Oskar Czeija Für die Filmbauten zeichnete Hans Ledersteger verantwortlich, die Kameraführung hatte Oskar Schnirch. Die Filmmusik komponierte Paul Mann.

Der Film, der auch unter den Titeln Wien, die Stadt seiner Träume und Bünzli fait du cinémaprohelvetia.ch: : «Par ailleurs, la rationalisation à rebours offre des prétextes à des divertissements exploitant frileusement des ficelles fantastiques. Ainsi, d’invraisemblables aventures se révèlent n’être qu’un pauvre rêve (Bünzli fait son cinéma, Robert Wohlmuth, 1930).» verliehen wurde, erlebte seine Uraufführung am 31. Januar 1931 in Basel.

Er gilt heute als verschollen.

Rezeption Bünzlis Großstadterlebnisse war der erste Tonspielfilm, der für die Schweiz gedreht wurde.vgl. Werbung: «der erste 100-prozentige Sprech- und Tonfilm (Lichtton) in Schweizerdialekt», abgebildet bei Wider-Aeppli, Band 2, S. 303. Die Titelrolle des einfältigen, letztlich aber doch schlauen Bünzli spielte der in Biel geborene, als «Zürcher Fredi» bekannt gewordene Volksschauspieler und Dialektkomiker Fredy Scheim, der in dieser Rolle auch zahlreiche Grammophonplatten besprochen hatte.vgl. Werbung: «Wer kennt nicht Fredy Scheim, der mit seinem urchigen, gesunden Humor den ärgsten Griesgram zum Lachen bringt! Sei es auf der Bühne, sei es durch seine originellen Grammophonplatten [...]», abgebildet bei Wider-Aeppli, Band 2, S. 303. Das Drehbuch hat Scheim selbst geschrieben.Eine ähnliche Geschichte hat er auch auf der Grammophonaufnahme Bi’m Tonfilm zum besten gegeben, vgl. Kristall No.879 (Matr. C 4080) Die Figur des Kleinbürgers Bünzli entstammt der Dialektposse Käsefabrikant Heiri Bünzli, die Scheim für seine Theatertruppe in Zürich verfasst und dort mehrfach mit Erfolg aufgeführt hatte.

Mit dem ersten Tonfilm setzt thematisch auch die Stadt-Land-Auseinandersetzung ein, die den Schweizer Film in den 1930er Jahren durchziehen sollte. Die Stadt wurde als Ort unsicherer Elemente dargestellt, die den biederen Schweizer vom Lande in Gefahr bringen. Dessen geradlinige Ehrlichkeit wurde gegen die Verschlagenheit der Großstädter ausgespielt.«Jahrzehntelang stand die Schweizer Filmproduktion im Zeichen einer latenten Stadtfeindlichkeit. Vom Schwank ‹Jä-soo!› (1935) bis weit über ‹Polizischt Wäckerli› (1955) hinaus präsentierte sich die Stadt als Ort der Müssiggänger, Nichtsnutze und Schlaumeier, während umgekehrt das Land als Hort der Rechtschaffenheit gefeiert wurde.» (Felix Aeppli, Historiker und Experte des Schweizer Films, Zürich)Online als PDF Besonders schlecht kamen dabei die Basler davon, die Jahrzehnte hindurch den Bösewicht abgeben mussten.vgl. Aeppli: Vorsicht Baseldeutsch! PDF

«Es ist möglicherweise symptomatisch, dass gleich der erste Schweizer Film über die Stadt, der 1930 unter dem Titel Bünzlis Großstadterlebnisse herauskam, Ablehnung ausdrückte. Die große Stadt ist ein Ort, an dem nicht das wirkliche Leben stattfindet.»Wehrli-Schindler, S. 187.

Scheim drehte 1935 zusammen mit Rudolf Bernhard noch einen weiteren Bünzli-TonfilmZum Namen «Bünzli» vgl. Wortgeschichten – Bünzli auf www.idiotikon.ch.radiolino.ch: : «Die Filme «Bünzli's Grossstadt-Erlebnisse» (1930; Regie: Robert Wolmuth) und «Ohä lätz! De Bünzli wird energisch!» (1935), für die Fredy Scheim das Drehbuch verfasste, haben zweifellos auch dazu beigetragen, die heutige Bedeutung Spiessbürger im allgemeinen Sprachgebrauch zu verankern.»dasmagazin.ch: : «Hast du übrigens gewusst, dass der Begriff Bünzli populär wurde dank eines Schweizer Films aus den 1930er-Jahren? Er heisst ‹Bünzli’s Grossstadt-Erlebnisse› und ist von Robert Wohlmuth, von dem auch ‹Das Kabinett des Dr. Larifari› stammt.» unter dem Titel Ohä lätz! De Bünzli wird energisch!

Literatur Felix Aeppli: Vorsicht Baseldeutsch! Zur Funktion des Dialekts im Schweizer Film. In: Zürcher Filmrollen. hrsg. von der Zürcher Kantonalbank, Zürich 2005. Online als PDF Freddy Buache: Le cinéma suisse. Lausanne, Editions L’age d’Homme, 1974. (französisch) Margret Bürgisser, Pierre Lachat: Zwischen Heimat und Niemandsland: zum Bild der Stadt im Schweizer Spielfilm von 1970–1990. (= Band 17 von Bericht ... des NFP Stadt und Verkehr). Verlag Nationales Forschungsprogramm Stadt und Verkehr, 1992, ISBN 3-907118-05-7, S. 9. Tobias Hoffmann-Allenspach: Fredy Scheim. In: Andreas Kotte (Hrsg.): Theaterlexikon der Schweiz. Chronos Verlag, Zürich, 2005, Band 3, S. 1593. Berthold Leimbach: Tondokumente der Kleinkunst und ihre Interpreten 1898–1945. Eigenverlag, Göttingen 1991. Amir Mustedanagić: Bünzli – Vom Namen zur Beschimpfung. In: Tageswoche, 4. April 2013 Reinhard Schlögl: Oskar Czeija. Radio- und Fernsehpionier, Unternehmer, Abenteurer. Böhlau, Wien 2005. Rudolf Ulrich: Österreicher in Hollywood. Verlag Film Archiv Austria, 2004, ISBN 3-901932-29-1, S. 315. Brigit Wehrli-Schindler: Lebenswelt Stadt. Berichte zur Lebenssituation in Schweizer Städten. (= Band 1 von Nationales Forschungsprogramm Stadt und Verkehr) Verlag: vdf Hochschulverlag AG, 1995, ISBN 3-7281-2122-3. Werner Wider, Felix Aeppli: Der Schweizer Film 1929–1964: die Schweiz als Ritual. Band 1, Darstellung. Limmat Verlag, Zürich 1981, ISBN 3-85791-034-8. Werner Wider, Felix Aeppli: Der Schweizer Film 1929–1964: die Schweiz als Ritual. Band 2, Materialien. Limmat Verlag, Zürich 1981, ISBN 3-85791-034-8, S. 302–303, 305.

Weblinks bei Felix Aeppli, Filmographie der Schweiz, 1929–1939 Bünzli in Schweizerisches Idiotikon. Schweizerdeutsches Wörterbuch

Anmerkungen und Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 1931 Kategorie:Schweizer Film Kategorie:Schwarzweißfilm Kategorie:Filmkomödie Kategorie:Verschollener Film