Die St.-Stephans-Kirche in Rożyńsk Wielki ist ein Bauwerk aus dem zu Ende gehenden 19. Jahrhundert. Sie war bis 1945 die evangelische Kirche für die Bewohner im Kirchspiel des damals Groß Rosinsko (1938–1945 Großrosen) genannten Dorfes und ist jetzt römisch-katholische Pfarrkirche der Pfarrei Rożyńsk Wielki.
Geographische Lage Rożyńsk Wielki liegt im Südosten der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren, 17 Kilometer südwestlich der Kreisstadt Ełk (Lyck). Durch den Ort verläuft eine Nebenstraße, die Rakowo Małe (Köllmisch Rakowen, 1938–1945 ~Rakau) an der Woiwodschaftsstraße 667 mit Skarżyn (Skarzinnen, 1938–1945 Richtenberg) verbindet. Bahnstation ist Bajtkowo (Baitkowen, 1938–1945 Baitenberg) an der Bahnstrecke Olsztyn–Ełk (Allenstein–Lyck).
Die Kirche steht in der OrtsmitteRożyńsk Wielki – Groß Rosinsko/Großrosen. auf einem Hügel nahe dem Bach, der das Dorf durchzieht.
Kirchengebäude Bereits im 16. Jahrhundert war in Groß Rosinsko eine Holzkirche errichtet worden,Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 119–120, Abb. 549–551. die mit einem Strohdach bedeckt war. Sie hatte den Tatareneinfall von 1656 überdauert, musste aber 1893/94 abgerissen werden.
In den Jahren 1889 bis 1892 entstand ein Kirchenneubau, der am 23. Dezember 1892 eingeweiht wurde. Es handelt sich um einen neugotischen Backsteinbau mit vorgesetztem Turm und einem polygonalen Chorabschluss. Der Turm trug eine vergoldete Kugel mit Kreuz.
Der Innenraum ist gewölbt und hat seitliche Emporen. Bis 1945 war die Einrichtung protestantisch schlicht gehalten. Die Kanzel stand links vom Altar. Sie war achteckig geschnitzt und hatte in ihren Feldern die Bilder der vier Evangelisten – in Wasserfarbe gemalt.Viktor Kühn: Kirchenchronik Groß Rosinsko.
Der Altar der alten Holzkirche hatte einen barocken Aufsatz mit einem Ölgemälde zwischen den korinthischen Säulen, das die Kreuzigung Christi mit Maria, Johannes und Maria Magdalena darstellte. Rechts und links der Säulen waren auch hier die vier Evangelisten in geschnitzten, flügelähnlichen Umrahmungen abgebildet. In einem Aufsatz darüber war ein Bild mit der Himmelfahrt Christi zu sehen.
Vor dem Altar hing ein hölzerners Hirschkopfgeweih, das als Kronleuchter diente.
Der Altar wurde an das Skansen-Freilichtmuseum in Olsztynek (Hohenstein) abgegeben und ist dort in der zentralen Dorfkirche – einer Nachbildung der Dorfkirche Reichenau – zu sehen.
Kirchengemeinde Kirchengeschichte Rożyńsk Wielki ist ein altes Kirchdorf.Dietrich Lange: Geographisches Ortsregister Ostpreußen (Großrosen). Bereits mit der Dorfgründung im Jahr 1471 war auch die Kirchengründung verbunden. Wohl schon den 1530er Jahren übernahm die Kirche das lutherische Bekenntnis und blieb so bis 1945 eine evangelische Pfarrei mit einer überwiegend protestantischen Bevölkerung. Das änderte sich in Kriegsfolge 1945. Seither ist das Dorf fast ausnahmslos von Katholiken bewohnt.
Evangelisch (bis 1945) Pfarrei Anfangs war das Kirchspiel RosinskoDie Gemeinde behielt ihren bei der Gründung benutzten Namen – ohne den Zusatz – bis 1938 bei, als sie gezwungenermaßen den Namen „Großrosen“ übernahm. eine Filialgemeinde der Kirche in DrygallenFriedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 122–123. (1938–1945 Drigelsdorf, polnisch: Drygały) und wurde erst dann selbständig. Bis 1945 war sie in den Kirchenkreis Johannisburg (polnisch: Pisz) eingegliedert,Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 3: Dokumente. Göttingen 1968, S. 491. der zur Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union gehörte. Im Jahr 1926 zählte das Kirchspiel Rosinsko 2.953 Gemeindeglieder, die in 18 Ortschaften, Orten und Wohnplätzen wohnten.
Aufgrund von Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung wurde das Gebäude nicht mehr als evangelische Kirche benötigt. Es wurde der römisch-katholischen Kirche übereignet. Heute in Rożyńsk Wielki lebende evangelische Kirchenglieder gehören zur Kirchengemeinde in Biała Piska (Bialla, 1938–1945 Gehlenburg), einer Tochtergemeinde der Kirche in Pisz (Johannisburg) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.
Kirchspielorte Das Kirchspiel Rosinsko bestand vor 1945 aus 18 Orten: Ortsname Änderungsname1938–1945 Polnischer Name BzurrenSchulort Surren Bzury Czernien ab 1930Dornberg Ciernie Czyprken ab 1930Kolbitz Czyprki Dybowen Diebau Dybowo Groß Rosinsko Großrosen Rożyńsk Wielki Gutten RKsp. Rosinsko Reitzenstein Guty Rożyńskie Jebrammen Bachort Jebramki Kybissen Kibissen Kibisy Klein Rogallen Rogale Małe Klein Rosinsko Kleinrosen Rożyńsk Mały Krzywinsken Heldenhöh Krzywińskie Kurziontken Seeland Kurczątki Marchewken ab 1928Bergfelde Marchewki Nowaken Brüderfelde Nowaki Olschewen Kronfelde Olszewo Skrodzken Jagdhof Skrodzkie Tatzken Taczki Woytellen Woiten Wojtele
Pfarrer mini|Wilhelm v. Popowski Bis 1945 amtierten an der Kirche Rosinsko als evangelische Geistliche: Stanislaus Zabielski, bis 1564 Paul Rosnitzki, 1590 Andreas Stanckowius, 1646–1656 Thomas Johann Molitor, 1656–1682Pfarrer Molitor erlebte die Grausamkeiten des Tatareneinfalls 1656 mit. Er konnte sich durch Flucht in die Worguller Sümpfe retten, wo er sich von Wurzeln und Baumrinde ernährte und so überlebte. Die Erlebnisse der Bevölkerung hat er in einem Lied in masurischer Sprache festgehalten, das später in das masurische Gesangbuch übernommen und von Rektor Pisanski aus Angerburg (polnisch: Węgorzewo) ins Deutsche übertragen wurde. Am 3. Mai 1662 wurde das Lied in voller Länge beim preußischen Friedensdankfest in den Grenzbezirken zu Polen gesungen, wo es auch noch im 19. Jahrhundert erklang. Pfarrer Molitor wurde unter der großen Linde auf dem Kirchplatz begraben.U. a. Abdruck des Tatarenliedes Molitors in stark gekürzter Fassung in deutscher Sprache. Simon Meinecke, 1682–1718 Matthias Drigalski, 1718–1740 Johann Horn, 1741–1760 Melchior Jacob Kempen, 1758–1773 Johann Christ. Surminski, 1774–1788 Friedrich Krüger, 1788–1801 Bernhard Gottlieb Surminski, 1802–1814 Johann Samuel Fischer, 1814–1825 Karl Theodor Groß, 1826–1852 Hermann Friedrich Czygan, 1852–1871 Wilhelm Fr. Adolf von Popowski, 1871–1880v. Popowski (1825–1880) war Angehöriger des Corps Masovia. Adolf Benjamin K. Dziembowski, 1881–1882 Sylvester Suszczynski, 1883–1885 Emil Benjamin Ammon, 1886–1893 Adolf Louis H.C.F. Korella, 1894–1908 Otto Mattern, 1908–1919 Ernst Willamowski, 1920–1922 Erich Wisotzki, 1923–1929 Werner Buske, 1932 Viktor Kühn, 1936–1945
Katholisch (seit 1945) Pfarrei Seit 1945 ist die bisher evangelische Kirche in Rożyńsk Wielki römisch-katholisches Gotteshaus und St. Stephanus geweiht. Am 15. August 1982 wurde hier eine eigene Pfarrei errichtet. Sie gehört zum Dekanat Biała Piska im Bistum Ełk der römisch-katholischen Kirche in Polen. Ihr sind die beiden Filialkirchen in Dybówko (Dybowen (Gut), 1938–1945 Diebau (Gut)) und Kurzątki (Kurziontken, 1938–1945 Seeland) zugeordnet.
Pfarreiorte Zur Pfarrei gehören 18 Dörfer. Zwei von ihnen liegen im Gebiet der Landgemeinde Biała Piska, die übrigen im Gebiet der Landgemeinde Prostki: Ortsname Deutscher Name (Änderungsname) Ortsname Deutscher Name (Änderungsname) Bzury Bzurren (Surren) Krzywińskie Krzywinsken (Heldenhöh) Ciernie Czernien (Dornberg) Kurzątki Kurziontken (Seeland) Czyprki Czyprken (Kolbitz) Marchewki Marchewken (Bergfelde) Dmusy Dmussen (Dimussen) Nowaki Nowaken (Brüderfelde) Dybówko Dybowen (Diebau) (Gut) Olszewo Olschewen (Kronfelde) Dybowo Dybowen (Diebau) (Gemeinde) Rożyńsk Wielki Groß Rosinsko (Großrosen) Guty Rożyńskie Gutten R, Ksp. Rosinsko(Reitzenstein (Ostpr.)) Sokoły Jeziorne Sokollen R (Rosensee) Jebramki Jebrammen (Bachort) Taczki Tatzken Kibisy Kybissen (Kibissen) Wojtele Woytellen (Woiten)
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Erbaut in den 1890er Jahren Kategorie:Backsteinkirche Kategorie:Stephanus-Märtyrer-Kirche Kategorie:Kirchengebäude im Bistum Ełk Kategorie:Kirchengebäude in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Rozynsk Wielki (Prostki)Kirche Kategorie:Neugotisches Bauwerk in Polen Kategorie:Neugotisches Kirchengebäude Kategorie:Backsteinbauwerk des Historismus