mini|400px|Historische Ligaplatzierungen der ersten Männermannschaft des Bonner SC und seiner Vorgängervereine
Der Bonner Sport-Club 01/04 e. V.Amtsgericht Bonn, VR 3086 (kurz Bonner SC oder BSC) ist ein Sportverein aus der Bundesstadt Bonn im Süden Nordrhein-Westfalens. Er entstand im Juni 1965 durch den Zusammenschluss des 1901 gegründeten Bonner FV und der 1904 gebildeten Mannschaft Tura Bonn. Die Vereinsfarben sind gemäß dem alten Stadtwappen von Bonn Blau und Rot und das Logo des Vereins zeigt den Bonner Löwen, weswegen die Spieler der Mannschaft auch Rheinlöwen genannt werden. Spielstätte ist der rund 10.000 Zuschauer fassende Sportpark Nord. Der Verein ist vor allem durch seine erste Fußballmannschaft der Herren bekannt. Sie spielte in der Saison 1976/77 in der 2. Bundesliga, aktuell spielt sie in der viertklassigen Regionalliga West. Sie ist zudem Rekordsieger der Mittelrheinliga mit sieben gewonnenen Titeln (1968, 1972, 1976, 1985, 2001, 2016, 2025) und nahm bisher dreimal am DFB-Pokal teil (1977, 1979, 2017). Der in dem Bonner Stadtteil Nordstadt beheimatete Verein hat Stand 2025 insgesamt 775 Mitglieder.
In der Anfangsphase der deutschen Meisterschaft im Frauenfußball war das Team des Bonner SC sehr erfolgreich und wurde 1975 der zweite Deutsche Meister in der Geschichte des Frauenfußballs. Nach der Stilllegung der Frauenmannschaft in den 1980er-Jahren spielt in der Saison 2024/25 ein neugegründetes Frauenteam in der Kreisliga A und stieg im Premierenjahr als Meister direkt auf. Die vereinseigene Futsalabteilung BSC spielt in der zweithöchsten Spielklasse, der Futsalliga West. Außerdem besitzt der Verein eine unterklassige Tischtennisabteilung. Der Verein hatte von 1967 bis 1997 auch eine Rugbyabteilung, die mehrfach am Spielbetrieb der Rugby-Bundesliga teilnahm und sich später aus finanziellen Gründen vom Bonner SC ablöste und mit dem RC Bonn-Rhein-Sieg e. V. einen eigenen Verein gründete. Zudem spielt die Elektrorollstuhl-Fußballabteilung des Vereins in der Powerchair Football Bundesliga. mini|Der Sportpark Nord, Heimstadion des Bonner SC
Geschichte der ersten Männermannschaft Da der Bonner SC 1965 im Wesentlichen aus der Fusion zweier Bonner Vereine (Bonner FV und Tura) mit jeweils jahrzehntelanger Tradition hervorging, ist die Geschichte dieser beiden Vorläuferklubs auch Teil der Geschichte des BSC.
Bonner Fußballverein 1896 bis 1902: Ursprünge und Gründung Der Bonner FV wurde am 25. März 1901 im Gasthaus Vater Arndt gegründet. Die Initiative zur Vereinsbildung ging dabei von ehemaligen Fußballspielern des Bonner Turnvereins (BTV) aus.
Die Fußballmannschaft des BTV hatte bereits seit 1896 eigene Wettkämpfe ausgetragen und dabei in einem ersten überregional ausgetragenen Spiel den Kölner Turnverein mit 4:0 geschlagen. Zwei Jahre später stand die Bonner Mannschaft auf dem Exerzierplatz auf dem im Westen Bonns gelegenen Venusberg während des III. Kongresses des Zentralausschusses für Volks- und Jugendspiele dem Fußballclub München-Gladbach (später Mönchengladbach) gegenüber. Zudem trat der BTV in Duisburg gegen den dort beheimateten Turnverein an und gewann mit 3:1. Ab 1898 stellte die Stadt Bonn – auf Initiative des Lehrers, Fußballförderers und späteren Vereinspräsidenten Rudolf Weegmann – auf dem Kessenicher Feld dauerhaft ein Spielfeld zur Verfügung, das fortan, wie auch die Bonner Hofgartenwiese, für Fußballpartien genutzt werden sollte. Im ersten Spiel in dieser neuen Stätte gewann der BTV gegen die Turnvereinigung Düren mit 4:1.
Mit Gründung der Combinierten Bonner Fußballmannschaft während der Osterfeiertage 1899 konnten unter der Leitung des ersten Turnwarts Oskar Fräsdorf die Erfolge fortgesetzt werden. Die Bezeichnung „Combiniert“ erhielt das Team, da es sich sowohl aus Mitgliedern des Turnvereins als auch aus Studenten und Gymnasiasten zusammensetzte. Die neu formierte Elf – in der nur noch zwei BTV-Spieler standen – besiegte in ihrer ersten Partie am 30. Juli 1899 den Kölner FC 1899 in der Domstadt mit 3:1. Nachdem das November-Rückspiel im heimischen Bonn ebenfalls gewonnen werden konnte, folgten 1900 weitere bedeutende Partien gegen den SC München-Gladbach (2:0) und ein 2:2-Remis gegen den amtierenden belgischen Meister Racing Club de Bruxelles anlässlich des Rheinischen Spielfestes in Köln. Im Dezember 1900 besiegten die „Combinierten“ noch in Koblenz den Frankfurter Meister FC Germania mit 5:0, bevor dann Fräsdorf, hauptamtlich im Verwaltungsdienst beschäftigt, nach Koblenz versetzt wurde und somit die Betreuung der Mannschaft aufgeben musste.
1902 bis 1914: Anfangsjahre bis zum Ersten Weltkrieg mini|Die erste Mannschaft des Bonner Fußballvereins im Jahre 1908 Saisondaten 1902–1914 Saison Liga Level Platz Tore Punkte 1902/03 Bezirk 1 I 2. 36:7 13:31903/04 Bezirk 1 I 1. 27:9 12:0 1904/05 Bezirk 1 I DISQ. – – 1905/06 Bezirk 1 I 2. 27:14 14:6 1906/07 Bezirk 1 I 3. 20:20 7:9 1907/08 Bezirk 1 I 5. 22:26 5:11 1908/09 Bezirk 1 I 1. 24:12 15:15 1909/10 Zehnerliga I 6. 45:49 15:21 1910/11 Zehnerliga I 6. 41:34 17:19 1911/12 Zehnerliga I 6. 35:33 15:21 1912/13 Zehnerliga I 5. 35:33 18:18 1913/14 Zehnerliga I 2. 39:25 18:10
Im Herbst 1902 schloss sich der Bonner FV dem Rheinisch-Westfälischen Spielverband an und war dort fortan im Bezirk 1 aktiv. Von einem umfangreichen Meisterschaftsbetrieb konnte dort noch nicht die Rede sein, da die 35 beteiligten Mannschaften insgesamt zu nur 99 Partien kamen. Der BFV konnte alle Begegnungen zunächst siegreich gestalten, verlor dann aber im Spiel um die Meisterschaft gegen den Kölner Fußball-Club 1899 mit 0:1. Im anschließenden Jahr gelang allerdings gegen denselben Verein mit einem 4:2-Sieg in Köln-Merheim (Weidenpescher Park) die Revanche. Dadurch qualifizierte sich der BFV für das Endspiel um die Westdeutsche Meisterschaft des Jahres 1904, das mit 0:1 gegen den Duisburger SpV verloren ging.
mini|links|Der Sportplatz an der Bonner Richard-Wagner-Straße, Spielstätte des damaligen Bonner FV Mittlerweile hatte die Stadt Bonn das Kessenicher Feld verkauft und der BFV begann – mit großer Unterstützung der eigenen Anhänger – eine neue Spielstätte an der Richard-Wagner-Straße zu errichten. Das Eröffnungsspiel auf dem Platz an der Richard-Wagner-Straße fand am 17. September 1904 gegen Preußen Duisburg statt. Der BFV gehörte auch weiter zu den spielstärksten Mannschaften im Westdeutschen Spielverband und gewann in der Saison 1908/09 die Südkreismeisterschaft, schied dann aber im Kampf um die Verbandsmeisterschaft in der Zwischenrunde mit einem 1:3 gegen den Duisburger FV aus. Als Gründungsmitglied der in der Saison 1909/10 eingeführten Zehnerliga gehörte der BFV auch weiter zu den besten Teams und feierte mit Freundschaftsspielen gegen den FC Liverpool (1:5) und Young Fellows Zürich (2:1) sein zehnjähriges Vereinsbestehen. In der Saison 1912/13 schloss der Verein die Zehnerliga auf dem fünften Tabellenplatz ab. Die Verbandsliga wurde im Rahmen einer Umstrukturierung anschließend durch Kreisligen ersetzt, in der der BFV auf Anhieb den zweiten Platz hinter dem Kölner BC und im Anschluss den dritten Rang in der Westdeutschen Fußballmeisterschaft erreichte. Anschließend wurde aufgrund des Beginns des Ersten Weltkriegs der Spielbetrieb weitgehend eingestellt, der später unter äußerst widrigen Bedingungen in einer „Kriegsmeisterschaftsrunde“ wieder aufgenommen wurde. Insgesamt fielen dem Krieg, nach den historischen Klubaufzeichnungen, 48 Mitglieder – darunter auch Oskar Fräsdorf – zum Opfer. Zu den bedeutenden Spielern, die über die Bonner Stadtgrenzen hinaus bekannt waren, gehörten in dieser Zeit vor allem Theo Koenen und Josef Schümmelfeder. Beide nahmen an Länderspielen der deutschen Nationalmannschaft teil. Neben diesen beiden Akteuren wurde zudem Jean Schwister regelmäßig in die westdeutsche Auswahl berufen.
1918 bis 1933: Nach dem Ersten Weltkrieg bis zur Einführung der neuen Gauliga Saisondaten 1919–1933SaisonLigaLevelPlatzTorePunkte1919/20Rheinische SüdkreismeisterschaftI4. 56:40 26:181920/21RheingaumeisterschaftI4. 32:27 21:151921/22RheingaumeisterschaftI5. 36:44 17:191922/23RheingaumeisterschaftI7. 25:27 8:121923/24RheingaumeisterschaftI6. 42:38 20:201924/25RheingaumeisterschaftI2. 19:10 14:61925/26RheinbezirksmeisterschaftI4. 53:40 23:171926/27RheinbezirksmeisterschaftI2. 38:20 18:101927/28RheinbezirksmeisterschaftI2. 34:20 18:101928/29RheinbezirksmeisterschaftI5. 61:43 27:211929/30RheinbezirksmeisterschaftI6. 60:51 27:211930/31RheinbezirksmeisterschaftI5. 48:55 20:201931/32RheinbezirksmeisterschaftI4. 59:43 21:151932/33RheinbezirksmeisterschaftI6. 55:46 22:22mini|Zeitungsanzeige des Bonner FV zum „Entscheidungsspiel um den Kriegspokal“ gegen Elberfeld am 22. August 1914 Ludwig Trapet übernahm nach dem Krieg die Leitung des Vereins, der fortan um den Verbleib in der obersten Spielklasse bangen musste und diesen nur durch zwei Siege in den letzten beiden Partien sicherstellen konnte. Zuvor war 1920 die Tribüne im heimischen Platz an der Richard-Wagner-Straße abgebrannt und mit Hilfe einer Sammelaktion bei den Anhängern – die dadurch Anteilsscheine am Verein erwerben konnten – sowie durch eine Zuwendung des Staats und einem Darlehen seitens der Stadtverwaltung wieder aufgebaut worden. Erneut wurden anlässlich des 20-jährigen Vereinsbestehens mit dem VfR Mannheim, gegen den man 1:3 verlor, und VVA Amsterdam, das man mit dem gleichen Ergebnis besiegte, prominente Gegner eingeladen. Erwähnenswert waren in diesem Jahr zudem ein Freundschaftsspiel gegen den Klub ASV Hertha Wien, der sogar die damals enorme Summe von 10.000 Mark für seine Teilnahme erhielt, sowie die Partie einer Bonner Mannschaft, die sich aus BFV- und Tura-Bonn-Spielern zusammensetzte und gegen eine Kölner Auswahl mit 4:1 gewann und als Ur-Mannschaft des späteren Bonner SC angesehen werden kann.
Der BFV vereinigte sich im August 1922 mit dem F.C. Germania und trat fortan unter der offiziellen Bezeichnung Bonner Fußballverein 1901 (Vereinigter B.F.V. und F.C. Germania) an, wobei der ursprüngliche Plan, als Bonner Sportverein aufzutreten, an dem Protest großer Teile der Mitglieder scheiterte. Zwei Monate später schloss sich noch der Schwimmklub „Salamander“ diesem neuen Verein an, wobei die ursprüngliche Schwimmabteilung nach nur einem Jahr ihren Betrieb einstellte.
Während dieser Zeit – zwischen 1922 und 1926 – spielten der BFV und Tura erstmals in einer gemeinsamen Meisterschaftsrunde, wobei der BFV sechs und Tura nur eines der acht Derbys für sich entscheiden konnte. Mit Willi Hutter, der beruflich nach Bonn wechselte, bekam der BFV 1925 mit einem ehemaligen zweifachen Nationalspieler prominente Verstärkung und schlug mit dem Neuzugang unter anderem den Westdeutschen Meister der Jahre 1922 und 1923 (Arminia Bielefeld) in einem Freundschaftsspiel spektakulär mit 9:1.