mini|„Antzogen-Rennen“ zwischen „Graf Wolf von Fürstenberg“ – so die Bildunterschrift – (links) und dem König und späteren Kaiser Maximilian I. (rechts). Miniatur aus dem Turnierbuch Freydal (ca. 1512–1515), in dem Wolfgang auf vier Bildern erscheint (fol. 017 [hier gezeigt], 058, 113, 143).Stefan Krause: Das Turnierbuch Freydal Kaiser Maximilians I. In: Sabine Haag u. a. (Hrsg.): Kaiser Maximilian I. Der letzte Ritter und das höfische Turnier. Ausstellungskatalog Mannheim 2014, Schnell und Steiner, Regensburg 2014, S. 166–180, hier S. 166 und S. 169. Wolfgang (* 1. oder 3. AprilJulius Kindler von Knobloch: Oberbadisches Geschlechterbuch. Winter, Heidelberg 1894, Band 1, S. 404 (online). 1465; † 31. Dezember 1509 auf Schloss Ortenberg) war von 1484 bis zu seinem Tod Graf von Fürstenberg, außerdem Landgraf von der Baar, Herr zu Wolfach, Haslach und Hausach. Er stand in enger Beziehung zu den württembergischen Herrschern sowie dem Haus Habsburg und gehörte dadurch zu den einflussreichsten Männern seiner Zeit im Südwesten Deutschlands. Außerdem konnte er in seiner Regierungszeit das ursprünglich stark zersplitterte Territorium Fürstenberg bedeutend erweitern und eine zusammenhängende Landesherrschaft aufbauen. Durch diese beiden Entwicklungen fand in seiner Regierungszeit der Eintritt der Grafschaft in die eigentliche Reichspolitik statt.Wolfgang zu Fürstenberg im Marburger Repertorium zur Übersetzungsliteratur im deutschen Frühhumanismus

Leben und Regierung Regierungsantritt und Aufstieg Wolfgang von Fürstenberg entstammte der Hauptlinie der Familie Fürstenberg und war Sohn des von 1441 bis 1484 regierenden Grafen Konrad III. und der Gräfin Kunigund von Maetsch. Nach dem Tod seines Vaters am 24. April 1484 traten Wolfgang und sein Bruder Heinrich VII. gemeinsam die Regierung an.

1485 stand Wolfgang im Dienste des Kurfürsten Philipp von der Pfalz, im Jahr darauf schlug ihn Erzherzog Maximilian I. von Österreich vor seiner Königskrönung in Aachen am 5. April zum Ritter. Ab 1489 diente Wolfgang von Fürstenberg den württembergischen Herrschern auf verschiedene Weise, stieg aber gleichzeitig auch in die Reichspolitik ein: 1490 nahm er an der Belagerung des ungarisch besetzten Wien durch Maximilian teil,Michel von Ehenheim: Familienchronik und Memoiren, zitiert nach: Karl Ferdinand von Jung (Hrsg.): Miscellaneorum tom. III. Ansbach 1740, S. 306–373, hier S. 329 (online) am 30. August 1492 (nach anderen Angaben erst 1497) wurde er gegen eine Besoldung von 200 Gulden jährlich dessen Rat und stieg damit in Regierungspositionen auf. Um 1500 ernannte Maximilian Wolfgang zum „königlichen Rat und Kämmerer“. Mit der engen (auch persönlichen) Bindung an die Habsburger setzte dieser eine Tradition seiner Familie fort.

1497 wurde er mit Erlaubnis Maximilians zum württembergischen Landhofmeister ernannt. Als solcher stand er bis zum 25. November 1499 dem von Herzog Eberhard I. gegründeten zwölfköpfigen Regentschaftsrat vor, der nach dem Tod des Landesherrschers 1496 die Regierungsgeschäfte für dessen Nachfolger Eberhard II. übernahm, da dieser aufgrund seines „ungeregelten Lebenswandels“ für regierungsunfähig angesehen wurdeRiezler, Sigmund: Geschichte des Fürstlichen Hauses Fürstenberg und seiner Ahnen bis zum Jahre 1509. Tübingen 1883, S. 414, 417. Kurz darauf wurde der junge Herzog gestürzt; im Mai 1498 übertrug Maximilian dem minderjährigen Grafen Ulrich von Württemberg das Land, sodass Wolfgang und der Regentschaftsrat weiterhin die Regierungsgeschäfte führten.

Befehlshaber im Schwabenkrieg Im Schwabenkrieg gegen die Eidgenossenschaft wurde Wolfgang von Fürstenberg zunächst Anfang 1499 zum Oberbefehlshaber über die Württembergische Armee ernannt, die Ende Februar das von den Schweizern belagerte Engen entsetzte und sich mit den dort stationierten Truppen des Schwäbischen Bundes vereinigte. Mangels Unterstützung anderer deutscher Fürsten konnte sie jedoch nicht verhindern, dass die Schweizer den Hegau verwüsteten. Sie musste sich darauf beschränken, einige befestigte Orte zu verteidigen; lediglich am 23. Februar konnte bei Aach eine kleine Einheit der Eidgenossen geschlagen werden. Am 8. März wurde Wolfgang von Fürstenberg auf einem Bundestag des Schwäbischen Bundes in Überlingen zum obersten Feldhauptmann, also zum Oberbefehlshaber des Bundesheers ernannt; ihm wurden acht Kriegsräte zugewiesen. Als solcher unternahm er am 14. März einen Aufklärungsfeldzug nach Schaffhausen und griff am 4. April Neunkirch und Hallau an.

mini|Darstellung der Schlacht bei Schwaderloh aus der Chronik des Johannes Stumpf Am 10. April begann er mit einem Fähnlein (400 bis 600 Mann) Reisigern und ungefähr zehnmal so vielen Fußsoldaten eine Kampagne in den Thurgau, bei der am folgenden Tag die drei Dörfer Triboltingen, Ermatingen und Mannenbach erobert wurden. Als das Heer jedoch nach einer gründlichen Plünderung mit zwei erbeuteten Kanonen nach Konstanz zurückkehrte, wurde seine rechte Flanke von den Eidgenossen angegriffen. Die nun folgende Schlacht bei Schwaderloh kostete die Schwaben 1300 Mann, die Schweizer etwa 100: Das alkoholisierte und mit reicher Beute beladene Fußvolk Wolfgangs floh panisch, während sich die Kavallerie unter dem Grafen selbst gegen die Spießträger zu verteidigen hatte und dabei der Überlieferung zufolge große Tapferkeit bewies. Nach dieser Niederlage wurden die restlichen Truppen in den Hegau zurückgeführt. Ein zweiter Einfall der Eidgenossen konnte durch die schnelle Beschaffung von Verstärkung zurückgeschlagen und die Belagerung des Ortes Stockach im Hegau von außen beendet werden.

Wolfgangs Bruder Heinrich, der am 24. April von Maximilian zum obersten Feldhauptmann der vorderösterreichischen Lande, also zu seinem Kollegen ernannt wurde, kam bereits am 22. Juli in der Schlacht bei Dornach ums Leben. In dieser Zeit ist von Wolfgang keine größere Kriegshandlung mehr bekannt. Maximilian selbst war mittlerweile im Kriegsgebiet eingetroffen und führte selbst einige Angriffe, während sich der Schwäbische Bund aus Angst vor schweizerischen Offensiven auf reine Verteidigungsmaßnahmen konzentrierte und den König nicht unterstützte.

Letzte Jahre Graf Wolfgang und König Maximilian versuchten mehrfach, von den Schweizern die Herausgabe des Leichnams des gefallenen Heinrich zu erwirken, blieben jedoch erfolglos. Da nun das Erbe des Verstorbenen an seinen Bruder fiel, wurde dieser Alleinherrscher in der gesamten Grafschaft. Im August 1499 sowie in den Jahren 1504 bis 1506 war Maximilian mehrfach zu Besprechungen bei ihm zu Gast. Am 4. August 1501 erhielt Wolfgang von ihm den Auftrag, nach Beendigung des vorderösterreichischen Landtags mit zwölf gerüsteten Pferden zu ihm zu kommen.Regesta Imperii. XIV,3,1 Nr. 12288 (Urkunde vom 4. August 1501)

1502 wurde Wolfgang von Fürstenberg für einen Sold von 1600 Gulden „Oberster Hauptmann und Landvogt in den vorderen Landen, im Elsaß, Sundgau, Breisgau, in den vier Städten am Rhein, im Schwarzwald und in allem, was dazu gehört“.Regesta Imperii. XIV,4,1 Nr. 16050 (Urkunde vom 12. Februar 1502) Im gleichen Jahr ernannte ihn König Maximilian am 14. März als Nachfolger seines Bruders zum Hofmarschall. Da er sich dafür in Wien aufhalten musste, vertrat ihn als Landvogt sein Vorgänger in diesem Amt, Kaspar von Mörsberg.Dieter Mertens: Elsässer als Räte Maximilians I. In: Franz Fuchs, Paul-Joachim Heinig, Jörg Schwarz (Hrsg.): König, Fürsten und Reich im 15. Jahrhundert (= Regesta Imperii, Beihefte Bd. 29). Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2009, S. 101–119, hier S. 107. In seiner Funktion als Hofmarschall wurde Wolfgang 1503 als Diplomat zu Herzog Wilhelm von Jülich und Berg entsandt.Regesta Imperii. XIV,4,1 Nr. 18033 (Urkunde vom 28. Dezember 1503) Als württembergischer Landhofmeister trat er wohl mit Übernahme dieser Ämter zurück.

Als Maximilian 1504 im Landshuter Erbfolgekrieg über die pfälzischen Wittelsbacher siegte, war Wolfgang dessen Gesandter bei den Friedensverhandlungen mit seinem früheren Dienstherrn Kurfürst Philipp. Die pfälzische Hälfte der Landgrafschaft Ortenau wurde als eines der Ergebnisse von Maximilian konfisziert und als Reichspfandschaft an Wolfgang übertragen.Regesta Imperii. XIV,4,1 Nr. 19035 (Urkunde vom 7. August 1504) Im Jahr darauf schloss dieser als Bevollmächtigter des Königs dessen Verteidigungsbündnis mit Christoph von Baden.

Beim 17. Ordenskapitel in Middelburg 1505 wurde Wolfgang der 118. Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies.Chevaliers de la toison d’or Im folgenden Jahr nahm er als Obersthofmeister, Berater und Befehlshaber einer Truppe von 1200 Soldaten an der Reise von Maximilians Sohn König Philipp I. von Kastilien in das konfliktreiche Spanien teil. Einem Brief an seine Frau zufolge habe Wolfgang bei einem verheerenden Sturm bei der Überfahrt im Gegensatz zu der Mannschaft und selbst dem König keine religiösen Gelübde zu Pilgerfahrten oder Stiftungen abgelegt, sondern sich ruhig und todesbereit Gott ergeben. Nach einem nur kurzen Aufenthalt in Spanien kehrte er jedoch im November – wohl zur Deeskalation der Situation auf der iberischen Halbinsel – wieder mit seinen Soldaten nach Deutschland zurück.

Anfang 1509 war er Kommissar Maximilians auf dem Landtag in Bozen mit den Tiroler Landständen. Einige Monate später begleitete er den Habsburger, der mittlerweile Kaiser geworden war, nach Italien in den Krieg der Liga von Cambrai. Bei der Belagerung von Padua erkrankte er im Spätsommer und wurde in einer Sänfte nach Deutschland gebracht, wo er an Silvester starb. Es kam das Gerücht auf, dass er in Spanien vergiftet worden sei und sein Tod durch eine sich lange hinschleppende Krankheit verursacht wurde; dafür gibt es jedoch keine Belege. Der Leichnam wurde auf die verschiedenen Herrschaftssitze der Grafschaft aufgeteilt: Wolfgangs Herz wurde in Wolfach, seine Eingeweide in Haslach und sein restlicher Körper im Kloster Neudingen begraben. Bis zur Volljährigkeit seines Sohnes Friedrich II. regierte Wolfgangs Frau Elisabeth die Grafschaft (wie vermutlich auch bereits während der langen Abwesenheit ihres Mannes in den Jahren zuvor).

Innen- und Hausmachtspolitik mini|Wappen der Familie Fürstenberg im 15. Jahrhundert, Wappenbuch des St. Galler Abtes Ulrich Rösch Als die Seitenlinie Fürstenberg-Wolfach mit dem Tod des Vetters Heinrich VI. am 30. November 1490 ausstarb, erbten die Brüder Wolfgang und Heinrich VII. den Hauptteil von dessen Besitzungen. 1491 teilten sie die Grafschaft. Wolfgang erhielt unter anderem das Kinzigtal, während das Zentrum von Heinrichs Gebiet die Baar war. Als letzterer 1499 ebenfalls starb, war das gesamte Territorium des Hauses Fürstenberg wieder vereinigt.

Auch darüber hinaus konnte Graf Wolfgang die Grafschaft erweitern: 1488 kauften sein Bruder und er von der Witwe Barbara von Habsberg und ihren Söhnen Ulrich von Habsperg und Diepolt Donaueschingen samt dem dortigen Schloss, später Residenz der Familie Fürstenberg. 1492 löste Maximilian jedoch die Reichspfandschaft Bräunlingen ein, sodass diese Stadt der Grafschaft verloren ging.