mini|354x354px|Heiner Wilmer, 2026 Heiner Wilmer SCJ (* 9. April 1961 als Heinrich Theodor Wilmer in Schapen/Emsland) ist ein deutscher römisch-katholischer Theologe, Geistlicher und Ordensmann. Er war von 2015 bis 2018 Generaloberer der Ordensgemeinschaft der Herz-Jesu-Priester (Dehonianer) in Rom und von 2018 bis 2026 Bischof von Hildesheim. Wilmer ist seit dem 21. Juni 2026 Bischof von Münster und seit dem 24. Februar 2026 zudem der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.
Leben Herkunft Wilmer wurde im Emsland geboren und wuchs in Schapen auf einem Bauernhof auf. Nach der Grundschule in Schapen besuchte er von 1971 bis 1980 das Gymnasium Leoninum in Handrup, eine Schule in katholischer Trägerschaft seiner späteren Ordensgemeinschaft. Nach dem Abitur im Jahr 1980 trat er ins Noviziat des Ordens im Herz-Jesu-Kloster Freiburg ein. Von 1981 bis 1986 studierte er Theologie in Freiburg im Breisgau sowie Romanistik in Paris. Am 31. Mai 1987 spendete ihm der Freiburger Erzbischof Oskar Saier für den Orden der Herz-Jesu-Priester die Priesterweihe.
Studium Von 1987 bis 1989 studierte Wilmer in Rom Französische Philosophie an der Päpstlichen Universität Gregoriana. 1991 wurde er in Freiburg bei Hansjürgen Verweyen mit einer Arbeit zur Mystik zwischen Tun und Denken in der Philosophie Maurice Blondels zum Dr. theol. promoviert. Seine Dissertation wurde mit dem Bernhard-Welte-Preis ausgezeichnet.
Schuldienst Parallel nahm Wilmer ein Lehramtsstudium für Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg auf. Kurz vor seinem Ersten Staatsexamen lernte er den niederländischen Priester Henri Nouwen kennen. Auf dessen Bitte vertrat er ihn einige Monate als Seelsorger in der L’Arche Daybreak im kanadischen Toronto, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung. Nach seinem Zweiten Staatsexamen arbeitete Wilmer zwei Jahre lang als Schulseelsorger und Lehrer für Religion, Politik und Geschichte an der Liebfrauenschule Vechta und als Seelsorger in Vechta. 1997 ging er für ein Jahr in die Vereinigten Staaten, um an der Fordham Preparatory School, einer Jesuiten-Highschool in der Bronx, zu unterrichten. 1998 kehrte Wilmer nach Deutschland zurück und wurde Schulleiter am ordenseigenen Gymnasium Leoninum in Handrup (Emsland), an dem er zuvor selbst Schüler war.
Ordensoberer Ab 2007 war Wilmer Provinzial der deutschen Ordensprovinz der Herz-Jesu-Priester. Am 25. Mai 2015 wählte ihn das Generalkapitel seiner Ordensgemeinschaft in Rom im ersten Wahlgang zum Generaloberen. Die Amtszeit beträgt regulär sechs Jahre. Wilmer löste damit den Portugiesen José Ornelas Carvalho ab. Er war nach Alphons Maria Lellig der zweite Deutsche, der die Kongregation leitet.
Wilmer engagiert sich für soziale Projekte im Heiligen Land. 2010 wurde er von Kardinal-Großmeister John Patrick Foley zum Ritter des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem ernannt und am 10. Oktober 2010 in Dresden durch Reinhard Kardinal Marx, Großprior der deutschen Statthalterei, in den päpstlichen Laienorden investiert. 2019 folgte die Ernennung zum Großoffizier.
Bischof mini|Bischof Heiner Wilmer beim Evangelischen Kirchentag 2025 in Hannover mini|Segen-Spende der Gemeinde an den künftigen Bischof zu Münster im St-Paulus-Dom unter dem verhüllten Triumphkreuz, links: Dompropst Köppen und Diözesanadministrator Hamers Papst Franziskus ernannte Wilmer am 6. April 2018 zum Bischof von Hildesheim. Er trat die Nachfolge von Norbert Trelle an. Die Bischofsweihe durch den Erzbischof von Hamburg, Stefan Heße, fand am 1. September 2018 im Dom Mariä Himmelfahrt statt. Mitkonsekratoren waren Wilmers Vorgänger im Bischofsamt, Bischof Norbert Trelle, sowie Weihbischof Johannes Wübbe in Vertretung des erkrankten Bischofs seines Heimatbistums Osnabrück, Franz-Josef Bode.
Wilmer gehört der Vollversammlung und dem Ständigen Rat der Deutschen Bischofskonferenz an. Seit 2022 ist er Vorsitzender der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen. Als Vorsitzender der Kommission ist er zugleich der Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz bei der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Union (ComECE) in Brüssel. Von 2019 bis 2024 war er Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax, ein zentrales Beratungsgremium der römisch-katholischen Kirche in Deutschland. Mediale Spekulationen im Winter 2022/2023, Papst Franziskus werde Wilmer in der Nachfolge Luis Ladarias zum Präfekten des Dikasteriums für die Glaubenslehre ernennen, bestätigten sich nicht.Franca Giansoldati, Papa Francesco, conservatori in fibrillazione per il timore della scelta di un giovane vescovo progressista per l'ex Sant'Uffizio, ilmessaggero.it vom 23. Januar 2023. Am 24. Februar 2026 wurde Wilmer als Nachfolger des Limburger Bischofs Georg Bätzing zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt.Hannes Niemeyer, Bätzing-Nachfolger: Das ist das neue Gesicht der katholischen Kirche in Deutschland, merkur.de vom 24. Februar 2026.
Am 26. März 2026 ernannte ihn Papst Leo XIV. zum Bischof von Münster. Die Amtseinführung war am 21. Juni 2026 und wurde geleitet von Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln und Metropolit der Kirchenprovinz Köln, zu der das Bistum Münster gehört. Zuvor hatte er am 16. Juni 2026 den Treueeid gemäß Reichskonkordat „für sich und seinen Klerus“ beim NRW-Ministerpräsidenten Hendrik Wüst zu leisten. Damit versprach Wilmer per Eid der verfassungsmäßigen Ordnung die Treue.Treueeid gemäß Reichskonkordat Artikel 16:„Vor Gott und auf die Heiligen Evangelien schwöre und verspreche ich, so wie es einem Bischof geziemt, dem Deutschen Reich und dem Lande… Treue. Ich schwöre und verspreche, die verfassungsmäßig gebildete Regierung zu achten und von meinem Klerus achten zu lassen. In der pflichtmäßigen Sorge um das Wohl und das Interesse des deutschen Staatswesens werde ich in Ausübung des mir übertragenen geistlichen Amtes jeden Schaden zu verhüten trachten, der es bedrohen könnte.“
Wappen und Wahlspruch
Bischof von Hildesheim (2018–2026) mini|hochkant|Wappen von Heiner Wilmer als Bischof von Hildesheim (2018–2026) Das Wappen von Heiner Wilmer als Bischof von Hildesheim zeigt in Gold eine rote eingebogene Spitze. Gold und Rot sind die Farben des Bistums Hildesheim. Das heraldisch rechte goldene Feld zeigt in der Marienfarbe Blau das Gründungsreliquiar des Bistums Hildesheim (ohne den gotischen Fuß), das heraldisch linke ebenfalls in Blau das Kreuz der Dehonianer, das Bischof Wilmer auch als Brustkreuz trägt. In der roten eingebogenen Spitze sind drei weiße Schafe zu sehen, die an Wilmers Herkunftsort Schapen (niederdeutsch „Schafe“), aber auch an die Hirtengleichnisse Jesu erinnern. Der Schild wird von einem grünen Prälatenhut mit seitlich jeweils 6 (1,2,3) grünen Quasten (fiocchi) überhöht und ist mit einer goldenen, stilisierten Darstellung des romanischen Vortragekreuzes aus St. Godehard hinterlegt, das seinerseits dem Bernwardskreuz nachgestaltet ist.
Der Wahlspruch lautet .
Bischof von Münster (seit 2026) mini|hochkant|Wappen von Heiner Wilmer als Bischof von Münster Das Wappen ist dreigeteilt. Im rechten oberen Feld befindet sich das Wappen des Bistums Münster. Im linken oberen Feld ist das Kreuz der Herz-Jesu-Priester dargestellt, der Ordensgemeinschaft des Bischofs. Die blaue Farbe steht für seine persönliche Marienverehrung. Im unteren Feld befinden sich drei Schafe, die auf den Heimatort Schapen von Bischof Heiner Wilmer verweisen und zugleich sein Verständnis des bischöflichen Dienstes ausdrücken. Über dem Wappenschild befindet sich das Bernwardkreuz, das den Bezug zu seinem früheren Bistum Hildesheim widerspiegelt. Umrahmt wird das Wappen vom grünen Galero mit jeweils sechs Quasten.
Publizistisches Wirken Wilmer hat als Priester und Bischof mehrere Schriften veröffentlicht, in denen er sich mit religiösen, spirituellen und gesellschaftlichen Themen auseinandersetzt. Größere Aufmerksamkeit erreichte das 2013 erschienene autobiografische Werk Gott ist nicht nett. Darin stellt Wilmer seine persönlichen Lebenserfahrungen unter die Passagen eines Gebets, um seinen eigenen Lebensweg als „ein Priester auf der Suche nach dem Sinn“ zu reflektieren. Die Berichterstattung über seine Person nimmt immer wieder Bezug darauf.
Positionen Wilmer sieht einen Reformbedarf der Kirche in strukturellen Fragen, betont jedoch, dass es ebenso wichtig sei, fundamentale Glaubensfragen neu in den Blick zu nehmen, da zunehmend Christen Zweifel an einem Leben nach dem Tod haben sowie daran, dass Jesus der Sohn Gottes ist. Mit Blick auf den Synodalen Weg plädierte er deshalb bereits vor Beginn der ersten Sitzung dafür, die Herausforderung der Evangelisierung und Mission stärker in den Blick zu nehmen.
Zölibat Im Juni 2019 erklärte er gegenüber der Süddeutschen Zeitung zum Thema Zölibat der Priester, er selbst sei „leidenschaftlich gerne zölibatärer Ordensmann“. Aber die Ehelosigkeit könne noch stärker zum Leuchten gebracht werden, wenn sie nicht einfach für alle Kleriker verpflichtend sei. Wilmer sieht, dass die verpflichtende Ehelosigkeit von Priestern unter Umständen zu einer Vereinsamung führen kann. Er befürwortet die Diskussion über die Notwendigkeit der Zölibatsverpflichtung.
Ökumenische Bewegung Wilmer setzt sich für die Ökumene ein und betonte mehrfach die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen christlichen Konfessionen. Er sieht die Ökumene als einen Weg, um Einheit in der Vielfalt zu finden und gemeinsam an der Verbreitung des Evangeliums zu arbeiten. Er erkennt die Notwendigkeit, Unterschiede zu respektieren, aber gleichzeitig die gemeinsamen Grundlagen des christlichen Glaubens stärker zu betonen. Er fördert den Dialog und das gegenseitige Verständnis zwischen den Konfessionen und sieht darin eine Bereicherung für die Kirche. Wilmer glaubt, dass die Ökumene zur Vertiefung des Glaubens und zur Stärkung der christlichen Gemeinschaft entscheidend beitragen kann.
Leitungsverantwortung von Frauen Wilmer wünscht sich mehr Leitungsverantwortung für Frauen in der katholischen Kirche. Mit Blick auf die Frage nach der Weihe von Frauen wünscht er sich weiterhin eine offene Gesprächskultur. Es reiche heute nicht mehr aus, lediglich zu sagen: „Die Frage, ob Frauen zu den Weiheämtern zugelassen werden, ist erledigt.“
Machtmissbrauch und sexueller Missbrauch In einem Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger sagte Wilmer am 14. Dezember 2018, der Missbrauch von Macht stecke „in der DNA der Kirche“. Dies erfordere ein radikales Umdenken. Es gebe nicht nur den Einzelnen als Sünder, sondern auch „Strukturen des Bösen“ in der Kirche als Gemeinschaft; um das Böse in der Kirche einzudämmen, müsse es Gewaltenteilung in der Kirche geben. Er kritisierte Selbstherrlichkeit und Anspruchsdenken unter den Bischöfen. Wilmer berief sich ausdrücklich auf den von der Kirche gemaßregelten Theologen Eugen Drewermann und dessen Werke Strukturen des Bösen und Kleriker. Psychogramm eines Ideals sowie auf den Jesuiten Klaus Mertes, der zu Unrecht viel Prügel bezogen habe, weil er den Missbrauchsskandal öffentlich gemacht habe.
Wilmer betonte immer wieder die Notwendigkeit, den Opfern von sexuellem Missbrauch zuzuhören und ihnen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Wilmer sieht die Skandale als eine tiefe Krise und fordert eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Er unterstützt Maßnahmen, um Missbrauch in der Kirche zu verhindern und eine Kultur des Vertrauens und der Sicherheit zu fördern. Dazu müsse es Gewaltenteilung in der Kirche geben.
Sexualmoral und sexuelle Orientierung