mini|300px|Christuskirche, Eingangsseite Die Christuskirche in Prien am Chiemsee ist die evangelisch-lutherische Kirche in Prien am Chiemsee.

Geschichte Die evangelische Kirchengemeinde in Prien am Chiemsee hatte 1921 lediglich 89 Mitglieder. Gleichwohl beschloss sie, eine eigene Kirche zu errichten. Als Architekt konnte German Bestelmeyer gewonnen werden. Er entwarf ein Gebäude, das 150 Personen fassen konnte. Der Grundstein zur Kirche wurde am 24. Juli 1926 gelegt.Martin Hoffmann: Kirchenführer. S. 4.

Baugestalt Gebäude Bestelmeyer entwarf ein Oktogon mit Zeltdach, einem kleinen Vorbau als Eingangsbereich und einem an das Gebäude gestellten, gedrungenen Kirchturm mit Zwiebelhaube. Stilistisch weist das Gebäude Elemente von Heimatschutzstil und Historismus auf. Der Entwurf wurde in seiner Entstehungszeit sehr geschätzt, das Modell auf verschiedenen Ausstellungen gezeigt.Martin Hoffmann, S. 5, behauptet, das Modell sei auf Weltausstellungen in Budapest und Berlin gezeigt worden. In Budapest fand nie eine Weltausstellung statt, in Berlin wurden 1879 und 1896 „Weltausstellungen“ (Gewerbeausstellungen) gezeigt, also lange bevor es ein Modell der Kirche gab. Am 29. Juli 1927 wurde die Kirche eingeweiht.Martin Hoffmann: Kirchenführer. S. 6. Neben der Kirche befindet sich das Pfarrhaus.

Die Kirche ist heute ein Kulturdenkmal aufgrund des Denkmalschutzgesetzes des Freistaates Bayern.Verzeichnet unter Nr. D-1-87-162-36 durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege.

Ausstattung mini|Ehemaliger Altaraufsatz Das Ensemble aus Taufstein, Altartisch und Kanzel bestand aus rotem Ruhpoldinger Marmor und wurde nach Entwürfen von Bestelmeyer gefertigt. Während die letzten beiden Ausstattungsgegenstände bei der Renovierung 1997/1998 entfernt wurden, blieb der Taufstein an seinem Platz.Martin Hoffmann: Kirchenführer., S. 10. Die Reliefs der vier Evangelisten an der Südseite des Kirchenraums schmückten ursprünglich die 1997 entfernte Kanzel und stammen von Markus Heinlein.Martin Hoffmann: Kirchenführer. S. 12f.

Das übrige Mobiliar und die Kassettendecke wurden aus unbehandeltem Lärchenholz gefertigt.Martin Hoffmann: Kirchenführer. S. 5f. Über dem Altar befand sich ein Altarbild, das heute musealisiert die Ostwand der Kirche schmückt. Es kombiniert in historistischem Stil eine mittige, geschnitzte Kreuzigungsszene von Friedrich Lommel, gemalte „Flügel“ mit vier Szenen aus dem Leben Jesu von Paul Roloff und ornamentale Schnitzerei von Markus Heinlein.Martin Hoffmann: Kirchenführer. S. 7ff.

Der heute verwendete Altartisch wurde im Zuge der Renovierung 1997/1998 aufgestellt. Er steht auf drei geschnitzten Beinen und besteht ebenfalls aus Lärchenholz, die Tischplatte aus Ahorn.Martin Hoffmann: Kirchenführer. S. 11.

Die drei relativ hoch im Kirchenraum positionierten Fenster wurden nach 1958 von dem Priener Künstler Markus von Gosen mit Buntglasfenstern gestaltet. Sie zeigen die Verkündung der Geburt Christi an die Hirten, den auferstandenen Christus und eine Taube, Symbol des Heiligen Geistes. Ein viertes, rundes Fenster von Markus von Gosen, das die Symbole der vier Evangelisten zeigt, befindet sich im Gemeindesaal.Martin Hoffmann: Kirchenführer. S. 13–17.

Umbauten 1964 wurden Pfarrhaus und Kirche durch ein Gemeindehaus baulich verbunden. Um den Gemeindesaal gleichzeitig als Erweiterung des Kirchenraums nutzen zu können, wurde die Nordwand der Kirche durchbrochen. Sie ist heute mit einer großen Holztür verschlossen. Dieser Durchbruch ermöglicht es, bei Bedarf beide Räume als Einheit zu nutzen. Architekt des Umbaus war Gustav Gsaenger.

1997/1998 wurde die Einrichtung des Kirchenraums gewandelten liturgischen Anforderungen entsprechend umgestaltet. Architekt war Peter Schorr. Die frontale Ausrichtung der Sitzbänke wurde aufgegeben. Sie wurden in zwei Blöcken, die sich in einem Winkel von etwa 120 Grad einander zuwenden, aufgestellt. Der Podest des Altarraums wurde zusammen mit dem Altartisch entfernt und der Boden insgesamt so abgesenkt, dass der Übergang zum Gemeindesaal stufenlos wurde. Als Altar dient seitdem ein künstlerisch gestalteter Holztisch, der weiter ins Zentrum des Kirchenraums gerückt wurde. Die Kanzel wurde entfernt und durch ein Lesepult ersetzt. Das frühere Altarbild befindet sich nun an der Nordwand. Als „optischer Sockel“ wurde darunter die Altarplatte des entfernten, alten Altars in die Wand eingelassen.Martin Hoffmann: Kirchenführer. S. 8.

Orgel mini|Schmid-Orgel (1989) Die erste Orgel der Kirche erbaute 1939–1941 Georg Holländer aus Feuchtwangen. 1989 wurde eine neue Orgel von Gerhard Schmid mit 14 Registern auf zwei Manualen und Pedal eingeweiht.Martin Hoffmann: Kirchenführer. S. 19f. Die Disposition lautet:Orgeldatenbank Bayern v5 (2009) (online), abgerufen am 18. März 2026. I Rückpositiv C–g3 Holzgedackt 8′ Rohrflöte 4′ Principal 2′ Sifflöte ′ Krummhorn 8′ Tremulant II Hauptwerk C–g3 Spitzflöte 8′ Koppelflöte 4′ Principal 4′ Nasat ′ Schwiegel 2′ Mixtur III–IV ′ Tremulant Pedal C–f1 Subbass 16′ Gedacktbass 8′ Choralbass 4′

Literatur Martin Hoffmann: Kirchenführer. Evangelische Christuskirche Prien am Chiemsee und Evangelische Erlöserkirche Breitbrunn am Chiemsee. Saarbrücken 1999. Klaus-Martin Bresgott: Christuskirche Prien am Chiemsee, in: Neue Sakrale Räume. 100 Kirchen der Klassischen Moderne. Zürich 2019. S. 68f.

Anmerkungen

Einzelnachweise

Weblinks

Kategorie:Kirchengebäude im Landkreis Rosenheim Kategorie:Kirchengebäude im Chiemgau Kategorie:Kirchengebäude des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Rosenheim Kategorie:Bauwerk des Heimatschutzstils in Bayern Kategorie:Christuskirche Christuskirche Kategorie:Oktogon (Sakralbau) Kategorie:Erbaut in den 1920er Jahren Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Zentralbau in Deutschland Kategorie:Kirchengebäude des Heimatschutzstils Kategorie:Bauwerk in Prien am Chiemsee Kategorie:German Bestelmeyer Kategorie:Disposition einer Orgel