mini|Ingo Kühl im Atelier Berlin 2015 Ingo Kühl (* 29. Juni 1953 in Bovenau, Schleswig-Holstein) ist ein deutscher Maler, Zeichner, Bildhauer und Architekt.

Leben mini|Ingo Kühls Geburtshaus, damaliger Polizeiposten an der Bundesstraße 202 in Bovenau, 1957 mini|Papua-Neuguinea, Ost-Sepikgebiet, Maprik Distrikt, in einem Haus Tambaran, Ingo Kühl, Tomulopa Deko und indigene Männer (von links nach rechts), 2012 Ingo Kühl wuchs in Bovenau auf, wo sein Vater Polizist war. Seine Mutter, Tochter einer Kolonialwarenhändlerin und eines Bauunternehmers aus Schülldorf, starb 1957 im Alter von fünfunddreißig Jahren. Ein Jahr später heiratete sein Vater wieder, eine Bauerntochter aus Börm. 1964 zog die Familie nach Hanerau-Hademarschen. Nach Abschluss der dortigen Theodor-Storm-Realschule durchlief er eine Lehre als Zimmerer und Technischer Zeichner und besuchte das Technische Gymnasium in Rendsburg. 1970 reiste er das erste Mal nach Paris, war fasziniert von Leonardo da Vincis Mona Lisa im Louvre.

Von 1973 bis 1976 studierte er Architektur an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel und schloss als Diplomingenieur ab. Er arbeitete im Architekturbüro von Jürgen Jüchser in Haale und später als freier Mitarbeiter in Berlin in dessen Planungsring mit Peter R. Pawlik, immatrikulierte sich an der Technischen Universität Berlin, wechselte zur Universität der Künste Berlin und studierte von 1977 bis 1982 Architektur und Bildende Kunst. In dieser Zeit entstanden seine vom Surrealismus beeinflussten Zeichnungen zum Thema Architektur-Phantasien. Nach einer Begegnung mit dem Maler Heinz Trökes 1979, der ihn sehr beeindruckte, wandte er sich der freien Malerei zu.

Er unternahm Reisen nach London, Paris, Prag, Israel und nahm an einer Exkursion nach Teheran teil. Neben seinem Berliner Atelier richtete er sich in Garding auf Eiderstedt ein Atelier ein (1980 bis 1994). Das Erleben der Landschaft am Meer führte ihn, vom abstrakten Expressionismus ausgehend, zur Landschaftsmalerei. Parallel dazu entstanden Zeichnungen, Ölbilder und Skulpturen zur phantastischen Architektur. Diese Arbeiten reflektieren u. a. die utopische Literatur der Gläsernen Kette, einer Vereinigung von jungen Architekten und Schriftstellern, die 1919 vom Architekten Bruno Taut initiiert wurde.

1982 verbrachte er zwei Monate in New York in einem Atelier in Brooklyn. Zurückgekehrt nach Berlin war er zeitweilig freier Mitarbeiter in einem Architekturbüro und baute sich im Wedding ein Dachatelier aus. Gemeinsam mit Ulrich-Oliver Selka versuchte er 1984 eine der Architekturvisionen Hermann Finsterlins zu realisieren, das Projekt „Finsterlin Architektur 1917“ für die Landesgartenschau Sindelfingen. Von 1984 bis 1987 war Ingo Kühl Mitglied der Architektenkammer Berlin als Freischaffender Architekt.

1985 begegnete er im Centro Cultural São Lourenço im portugiesischen Almancil internationalen Künstlern, darunter João Cutileiro, José de Guimarães, Kurt Mühlenhaupt und Günter Grass. Durch Ute und Günter Grass lernte er Christiane und Heinz Ludwig Arnold kennen, die Sammler seiner Bilder wurden. Anlässlich der Vergabe des Weinpreises für Literatur, den Arnold 1986 an Sarah Kirsch verlieh, kam es in Göttingen zur Begegnung mit der Schriftstellerin. Sie schrieb Gedichte zu Bildern von Ingo Kühl, die 1988 in dem Buch Luft und Wasser im Steidl Verlag veröffentlicht wurden.

1989 hatte er sein Hauptatelier für zwei Jahre in einer Haubarg-Ruine im Kornkoog in Eiderstedt. Dort kam es zu einem künstlerischen Austausch mit dem Maler Bruno Kirstein, bevor er nach Berlin zurückkehrte.

1995 war er Artist in Residence im Centro Cultural São Lourenço. Während einer Reise über Bergen auf die Färöer und nach Island aquarellierte er Landschaften. Er ging eine Lebensgemeinschaft mit der Kunstpädagogin Annette Huber ein, die er 2001 heiratete. 1999 reiste er ins Baltikum und nach Skandinavien und malte in Reine in einem Rorbu eine Serie von Lofotenbildern. Es folgte im Jahr 2000 eine Reise um die Welt. Im November desselben Jahres richtete er sich ein Atelier in einem ehemaligen BauernhofDer Pynacker Hof auf Nordstrand auf yumpu.com, abgerufen am 14. Juni 2021 auf Nordstrand ein und malte dort bis Oktober 2001 eine Serie von Meeresbildern.

2001/2002 verbrachte er mit seiner Frau ein Jahr in der Südsee auf den Cook-Inseln, in Französisch-Polynesien, in Fidschi und Vanuatu. Nach der Teilnahme an einer Expedition des Vanuatu Kaljoral Senta zu Zeremonien der Indigenen auf Malakula wurden die dort entstandenen Arbeiten im Nationalmuseum von Vanuatu in einer Ausstellung gezeigt.Deutsch-vanuatische Beziehungen Insgesamt sind in der Südsee 69 Ölbilder, 154 Arbeiten auf Papier und 280 Blätter in Skizzenbüchern entstanden.

Seit 2002 hat Ingo Kühl ein Atelier in Keitum auf Sylt. Von hier aus unternahm er Reisen nach Chile, wo er auf Feuerland und in Punta Arenas 2005 den Bilderzyklus „Landschaften am Ende der Welt“ malteLandschaften am Ende der Welt / Paisajes del fin del mundo und das Kap Hoorn an Bord einer Segelyacht umrundete (2009 und 2015).Fotojob bei sechs Meter hohen Wellen, Westfälische Nachrichten, 3. Januar 2010

Im Rahmen eines internationalen Künstleraustausch-Projekts des Nordelbischen Missionszentrums in Hamburg malte er 2010 in Papua-Neuguinea gemeinsam mit dem einheimischen Bildhauer und Maler Tomulopa Deko das Gemälde The Creation.Ingo Kühl Papua New Guinea (ingokuehl.com PDF) Bei einem weiteren Aufenthalt in Vanuatu 2012 malte er in Port Vila vier großformatige Seebilder und reiste anschließend nach Papua-Neuguinea ins Sepik-Gebiet und auf die Trobriand-Inseln.Ingo Kühl Skizzenbuch Trobriand Islands (ingokuehl.com PDF).

Von 2014 bis 2020 unterhielt Ingo Kühl ein Atelier in Berlin-Friedenau in den Goerz-Höfen. Er lebt aktuell in Berlin-Schöneberg und Keitum auf Sylt.

Werk Malerei In seinem Frühwerk sind Anklänge an den Surrealismus, den Abstrakten Expressionismus, des Actionpaintings und Tachismus erkennbar. Ab 1983 setzte er sich mit der Landschaftsmalerei auseinander und nach einer Phase nahezu monochromer ungegenständlicher Bilder, die an die Arbeiten von Gotthard Graubner erinnern, wandte er sich wieder der gegenständlichen Malerei zu. Es entstanden die Bilderzyklen Färöer (1995), und Winterreise (nach Franz Schubert) (1995/96). 1998 malte er vier großformatige Ölbilder zum Thema Vier Jahreszeiten für das Johanniter-Krankenhaus im Fläming in Treuenbrietzen. Es folgten Bilderzyklen wie Landschaften am Ende der Welt (2005), Das Haus am Watt (2015) und Winterreise II (2025/26).Artikel in Dein Sylt

Plastische Arbeiten Seit 1986 formt er nach seinen Zeichnungen zum Thema Architektur-Phantasien Skulpturen in Ton und Gips, wovon 1988 eine in der Bildgießerei Hermann Noack in Bronze gegossen wurde. Sie diente als Modell für eine begehbare, unvollendete und temporäre Architektur-Skulptur Der achte Tag auf dem Obermarkt in Görlitz (1996) sowie für mehrere Güsse in Gips, Acrystal und Zellan. Des Weiteren schuf er acht farbige Tonreliefs zum Thema Seligpreisungen der Bergpredigt für das Seniorenheim neben der Christuskirche in Görlitz (1997) und die fünfteilige Serie Westküste, angeregt durch die Westküste Neuseelands. 2008 wurden drei Architektur-Skulpturen mit dem Titel Raum (Die ganze Stadt) in Bronze gegossen. Eine vergrößerte Version der Architektur-Skulptur von 1988 wurde 2009 in den Bildhauerwerkstätten Berlin (im Maßstab 5:1) hergestellt und in der Ausstellung Kunst am Strand in Rantum auf Sylt gezeigt. 2010 fertigte er in Keitum auf Sylt mit Tomulopa Deko zwei mit farbigen Schnitzereien versehene Skulpturen Hochzeitsstühle / Wedding Chairs in Form von Kundu-Trommeln. 2019 gestaltete er zwei Bronze-Reliefs für den "Tisch am Kliff" in Keitum / Sylt, den fünf Künstler gemeinsam zum Thema "5000 Jahre Sylter Geschichte" gestalteten. In diesem Zusammenhang entstand auch das Bronze-Relief "Boot in bewegter See" in einer Auflage von 7 Güssen.

Grafik Auf Architekturzeichnungen, Baupläne und technische Konstruktionen folgten Studien nach „alten und neueren Meistern“ und Dingen aus der sichtbaren Welt. Das grafische Werk umfasst Zeichnungen, Arbeiten Öl auf Papier, Aquarelle, Lithografien und Radierungen. Er veröffentlichte Grafiken zum Beispiel in der Mappe Vor Island, die er produzierte, bevor er nach Island reiste.

Signatur mini|Signatur von Ingo Kühl Ölbilder sind meist auf der Rückseite signiert (und mit einer Werkverzeichnis-Nummer versehen), während Arbeiten auf Papier auf der Vorderseite und Druckgrafiken unter dem Motiv signiert, nummeriert und datiert sind. Bei Skulpturen ist die Signatur eingraviert.

Ausstellungen (Auswahl) Einzelausstellungen Architektur-Phantasien – Arbeiten im Grenzbereich zwischen Malerei und Architektur, Hochschule der Künste Berlin 1981. Figures and form komposits, The Center for Art and Culture of Bedford Stuyvesant Inc., Brooklyn, New York 1982. Óleos, Centro Cultural São Lourenço, Almancil, Algarve, Portugal 1986.Ingo Kühl: Óleos - via artfacts Luft und Wasser, Nordfriesisches Museum, Nissenhaus, heute Nordfriesland Museum, Husum 1988. Himmel, Kardinal-von-Galen-Haus, Cloppenburg-Stapelfeld 1995. Winterreise nach Franz Schubert, zum Schubert-Almanach, Sender Freies Berlin (SFB), Haus des Rundfunks, Berlin 1996, Philharmonie, Berlin 1997. A velha ponte de madeira / Die alte Holzbrücke Quinta do Lago, Centro Cultural São Lourenço, Almancil, Algarve, Portugal 1998. Bilder in Portugal gemalt, Deutsch-Ibero-Amerikanische Gesellschaft, Frankfurt am Main 1999. Paisagens marinhas, Centro Cultural São Lourenço, Algarve, Portugal 2001. La Mer, Espace Culturel Français, Port Vila, Vanuatu, Südpazifik 2002.Visitor Artist exhibits in Port Vila, Artikel in der Trading Post, Port Vila, Vanuatu 9. Juni 2002. Dance – Masks – Ceremonies, Nationalmuseum der Republik Vanuatu / Nasonal Miusium blong Vanuatu, Port Vila, Südpazifik 2002.Deutsch-vanuatische Beziehungen via pangloss.de Landschaften am Ende der Welt, Botschaft der Republik Chile, Berlin 2003. Färöer, Königlich Dänische Botschaft, Berlin 2003/2004. Auf Besuch bei Kurt Mühlenhaupt, Kurt Mühlenhaupt Museum, Bergsdorf 2004. Südsee-Wellen, Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin – Museen Dahlem 2004/2005. Paisajes del Fin del Mundo, 1. Cooperativa de Arte, Santiago de Chile 2005. Macht der Natur, Museum der Stadt Bad Hersfeld 2005.Datensatz der Deutschen Nationalbibliothek Landschaften am Ende der Welt II, Botschaft der Republik Chile, Berlin 2006. Himmel und Erde, Kunstkreis und Stadt Cloppenburg – Katholische Akademie, Stapelfeld 2008. Ars Borealis, Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein, Kiel 2009.Webseite Landeskulturverband Schleswig-Holstein, Bernd Brandes-Druba: Beständig ist nur der Wandel The Creation / Die Schöpfung, mit Tomulopa Deko, University of Goroka, Papua-Neuguinea 2010. The Sea I-IV, Tree Top Lodge, Port Vila, Vanuatu, Südpazifik 2012. Winterreise, Kammermusiksaal der Philharmonie, Berlin 2013. Rund um Kap Hoorn, Botschaft der Republik Chile, Berlin 2013/2014. Retrospektive – 35 Jahre Malerei – zum 60. Geburtstag von Ingo Kühl, mit einer szenischen Lesung Meereslust im Werk von Ingo Kühl von und mit Ingrid Lucia Ernst am 22. Februar 2014, Stadtgalerie Alte Post, Westerland / Sylt 2014. In der Nähe des Meeres, Galerie Hovestadt, Nottuln 2014/2015.artfacts Auf dem Weg ins Unbekannte – Malerei und Skulptur, Kunsthaus Hänisch, Kappeln 2015.Ein Reisender in Sachen Kunst. Farbig – nicht bunt, mit Frauke Bohge, Haus des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb), Berlin 2015/2016. In der Nähe des Meeres – Bilder und Plastiken, Nordfriesland Museum. Nissenhaus, Husum 2018.Museumsverbund Nordfriesland Meeresnah – Werke von Ingo Kühl, Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein, Kiel 2018/2019.Meeresnah, Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein Weltrand – Aquarelle, Ölbilder und Skulpturen von Ingo Kühl, Stadtgalerie Alte Post, Westerland / Sylt 2019.Gemeinde Sylt, Ausstellung Weltrand von Ingo Kühl