Bentwisch ist ein Ortsteil der Stadt Wittenberge im Landkreis Prignitz in Brandenburg.

Geografie Der Ort liegt gut fünf Kilometer nördlich von Wittenberge und zehn Kilometer südwestlich von Perleberg. Gliederung und Struktur der Siedlung stellen ein gutes Beispiel für ein Angerdorf dar.

Die Ortslage ist umgeben vom Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe, dem Landschaftsschutzgebiet Brandenburgische Elbtalaue und dem Vogelschutzgebiet Unteres Elbtal. Teile der Gemarkung zählen darüber hinaus zum nördlich von hier liegenden FFH-Gebiet Silge.

Nachbarorte sind Dergenthin im Norden, Schilde und Weisen im Osten, Lindenberg im Süden, sowie Motrich und Wentdorf im Westen.

Geschichte und Etymologie Etymologie In der ersten schriftlichen Erwähnung des Ortes im Jahr 1345 wird er als in villis Bentewiths und 1441 als to der Bentwich bezeichnet.Neitmann (Hrsg.): Historisches Ortslexikon für Brandenburg – Teil 1 – Prignitz – A–M. 2012, S. 34. Der Name leitet sich aus dem Mecklenburgischen bent für Pfeifengräser ab und bedeutet so viel wie „Pfeifengraswiese“Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, S. 24, ISBN 3-937233-17-2..

Besitzgeschichte Markgraf Ludwig belehnte im Jahr 1345 den Perleberger Bürger Heinrich Konoid mit Einkünften aus dem Dorf Bentwisch. Seit dem 15. Jahrhundert sind zwei, später mehrere Besitzanteile nachweisbar. Der erste Anteil umfasste vor 1441 bis 1872 das Schloß Neuburg sowie die später verselbständigten Güter zu Klein Breese und Weisen über von Bentwisch. Vor 1441 bis 1491 befand sich dieser Besitz vollständig bei der Familie von Retzdorf zu Neuburg, anschließend war er geteilt. Von 1491 bis nach 1805 hielten die von Retzdorf zu Weisen und Klein Breese sowie weitere Besitzer, darunter die Familien von Lüderitz und von Möllendorf, anteilige Rechte. Bis 1563 verfügten sie über 1  Bentwisch, von 1563 bis 1597 über Bentwisch mit Ober- und Untergerichtsbarkeit (1571) sowie einem Anteil am Patronat (1581), seit 1597 über 1  Bentwisch. Parallel dazu besaßen die von Moltzan von 1491 bis 1563 die Hälfte von Neuburg mit 1  Bentwisch, die sie 1491 von den von Retzdorf erworben hatten. Dieser Anteil fiel 1563 an die von Retzdorf zurück, wurde jedoch 1597 zusammen mit dem Anteil an Neuburg an die von Wartenberg zu Uenze verkauft. Im Jahr 1617 gelangte er von dort an die von Quitzow zu Rühstädt und wurde 1702 mit der Hälfte von NeuburgLieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (= Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 34 an die von Lüderitz übertragen, die bereits zuvor im Wiederkaufsbesitz standen. Seit 1823 befand sich dieser Anteil bei Strilack und weiteren Besitzern, nach 1828 bei mehreren Hofwirten zu Weisen, jeweils über 1  Bentwisch. Im 18. Jahrhundert war der Besitz stark zersplittert: 1745 verfügten die von Lüderitz zu Klein Breese über zwei Bauern und zwei Kossäten, die von Lüderitz zu Weisen über zwei Kossäten, die von Möllendorf zu Klein Breese über drei Bauern und einen Kossäten, die von Retzdorf zu Weisen über vier Bauern und einen Kossäten sowie die von Möllendorf und von Retzdorf gemeinsam über fünf Bauern, von denen vier Bauernstellen an die von Grävenitz zu Schilde verpfändet waren. Im 19. Jahrhundert verfügten die Güter Klein Breese und Weisen über Anteile am Gericht (1800, 1846) und am Patronat (1860, 1900). Der zweite Anteil umfasste vor 1441 bis 1872 die Güter Mesendorf und Quitzow sowie seit 1688 auch Kuhwinkel, die sich im Besitz der von Platen bis 1789 zu Mesendorf und bis 1872 zu Kuhwinkel befanden. Dieser Anteil umfasste 1  Bentwisch (1441, 1564, 1645) mit einem Anteil am Patronat (1542). Im Jahr 1745 hielten die von Platen zu Mesendorf vier Bauern und einen Kossäten sowie die von Platen zu Kuhwinkel drei Bauern und zwei Kossäten. Im 19. Jahrhundert verfügten die Güter Mesendorf und Kuhwinkel über Anteile am Gericht (1800, 1846) und am Patronat (1860, 1900). Zudem wurden 1608 und 1610 Angehörige der Familie von Burghagen zu Bentwisch genannt. Vor 1687 bis nach 1849 besaßen von Grävenitz zu Schilde drei Höfe in Bentwisch (1693) beziehungsweise fünf Bauern (1727). Im Jahr 1745 verfügten sie pfandweise über vier Bauern der von Möllendorf und von Retzdorf (siehe erster Anteil) sowie über einen Anteil am Gericht (1800, 1846).Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (=Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 35

14. bis 16. Jahrhundert Bentwisch wird 1345 erstmals als Dorf erwähnt. Im Jahr 1441 lag das Dorf wüst, und 1491 sowie 1502 wird eine wüste Dorfstätte genannt, wobei zugleich eine Holzung zur Schwarte (1502: zur Schwartow) erwähnt wird.

1534 und 1543 war Bentwisch wieder besiedelt; zugleich kam es zu einem langjährigen Holzungsstreit mit dem Dorf und Gut Schilde. 1542 wird ein Pfarrhaus erwähnt, das 1558 zusätzlich einen Garten besaß. Zum Pfarrland gehörten Ackerflächen zu fünf oder sechs Scheffel Saat, 1558 konkret mit Roggen, vier Scheffel Gerste und fünf Scheffel Hafer. Die Pfarrwiesen lieferten vier oder sechs Fuder Heu, und der Pfarrer verfügte über freie Holzung, 1581 als Holzkavel bezeichnet. Er erhielt 11 ½ Wispel Roggen (1581 zusätzlich 9 Scheffel Gerste) von der Bentwischer Gemeinde sowie acht Scheffel Roggen von Koppe Krüger zu Sükow. 1542 wurden 100 Kommunikanten gezählt. In den Jahren 1542 und 1581 war kein Küster vorhanden; die Küsterei besaß Acker zu 2 Scheffel Saat und 1581 eine Wiese. 1573 erfolgte der Auskauf eines Vollhufen- und eines Halbhufenhofes durch die von Retzdorf. 1576 wurden 19 Hufner und neun Kossäten verzeichnet. 1599 stritt die Gemeinde Bentwisch mit den von Platen unter anderem um zwei Orte, die Farenhorst und Heidenbleck genannt wurden.

17. Jahrhundert Um 1600 war ein Küster vorhanden, der vom Hufner ein Viertel und vom Kossäten ½ Viertel Roggen erhalten sollte. 1608 und 1610 wird Bentwisch als Wohnsitz des Georg von Burghagen genannt. 1621 bestand ein Meierhof der von Quitzow, der an einen Pensionarius ausgetan war. Im Jahr 1629 war das Dorf im Dreißigjährigen Krieg stark in Mitleidenschaft gezogen. 1652 wurden 18 Hufner, sieben Kossäten und 50 Personen gezählt.

1686 bestanden 18 Hufner ohne Hufen, mit Acker zu je 18 Scheffel Wintersaat und 10 Scheffel Sommersaat; auf drei Höfen wohnten jeweils zwei Hauswirte. Weiterhin gab es neun Kossäten mit je acht Scheffel Wintersaat und fünf bzw. vier Scheffel Sommersaat, einen Kuhhirten, einen Schäfer und einen Schweinehirten. Die Bewohner berichteten, dass der lüderitzsche Meierhof einst Bauernhöfe gewesen seien; der dazugehörige Acker lag im Bentwischer Hufschlag nebst Kaveln in der Bentwischer Wischen, ein Teil davon war einem Kossäten zugelegt worden. Das Dorf bewirtschaftete drei Felder und erzielte beim Roggen das dritte, bei der Gerste das vierte Korn. Die Wiesen waren gut (ein Hufner gewann 10, ein Kossäte 6–8 Fuder Heu), ebenso Weide, Viehzucht und Acker; etwas Mast war vorhanden. Brennholz wurde in Kaveln gewonnen und konnte an der Elbe verkauft werden; eine Fischerei bestand nicht. Bentwisch wurde der 1. Klasse zugeordnet. 1690 entstand ein Gesundbrunnen, an dem viele Menschen Genesung fanden.

18. Jahrhundert 1719 wurden 18 Hufner, neun Kossäten, drei Paar Einlieger und zwei Hirten ohne Vieh verzeichnet; die 18 Hufner gaben je neun Groschen. 1734 wurden 18 Bauern, neun Kossäten, 17 Häusler sowie ein Schäfer und zwei Hirten genannt; die 18 Hufen umfassten insgesamt 25 Wispel und 17 Scheffel Saat. 1745 bestand das Dorf aus 21 Bauern und neun Kossäten. 1760 wurden 18 Hufner, neun Kossäten, vier Büdner, ein Paar Einlieger, ein Dorfschäfer und ein Kuhhirt gezählt. 1779 wird Bentwisch als adeliges Pfarrdorf verzeichnet. 1791 wurden 15 Bauern, sechs Halbbauern, mehrere Kossäten, 28 Häusler und ein Pfarrer verzeichnet; es bestanden 48 Feuerstellen.

19. Jahrhundert mini|Dorfkirche Bentwisch von 1875 1801 wurden 15 Ganzbauern, fünf Halbbauern, zehn Kossäten und 35 Einlieger sowie erneut 48 Feuerstellen gezählt. 1805 kauften sich sechs retzdorfsche Untertanen (je zwei Vollhufen-, Halbhufen- und Kossätenstellen) von allen Diensten und Prästationen frei und erhielten volles Eigentum ohne Ober- und Untergerichtsbarkeit.Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (=Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 36 1810 übernahm der vorherige Rektor und Schullehrer der ersten Abteilung der Elementarschule in Wittenberge, Hilfsprediger Johann Joachim Gehard Hahn, die hiesige Pfarrstelle. 1819 wurden 21 Hufner, neun Kossäten, ein Dorfschäfer, ein Kuhhirt und acht Paar Einlieger verzeichnet; die 18 Hufen gaben je 9 Groschen. 1846 bestanden 80 Wohnhäuser. 1852 wurde Dreifelderwirtschaft betrieben; die Wiesen waren einschürig, es gab Hütung und wenig Tannen. Pferde- und Rindviehzucht dienten dem Eigenbedarf, Hauptnahrungsquelle war der Ackerbau. 1860 wurden vier öffentliche, 95 Wohn- und 67 Wirtschaftsgebäude (darunter eine Getreidemühle) gezählt.

20. Jahrhundert 1900 bestanden 57 Häuser. Bentwisch wurde 1928 nach Garlin eingemeindet und 1931 als Wohnplatz geführt. 1939 bestanden 21 land- und forstwirtschaftliche Betriebe mit 20–100 ha, 7 mit 10–20 ha, 8 mit 5–10 ha und 22 mit 0,5–5 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche; 164 Personen gehörten der Landwirtschaft an, 103 arbeiteten in Industrie und Handwerk, 82 in Handel und Verkehr.

Nach 1945 wurden 53,25 ha enteignet und aufgeteilt: sieben Neubauern erhielten 5,73–7 ha, sieben weitere 14,17 ha, 10 Altbauern 15,07 ha; der Rest ging an Gemeinde und Landesforstverwaltung. 1955 entstand die erste LPG (Typ III) mit elf Mitgliedern und 109,74 ha. 1960 bestanden eine LPG Typ I mit 73 Mitgliedern und 536 ha sowie eine LPG Typ III mit 22 Mitgliedern und 268,53 ha. 1967 vereinigten sich beide LPG zur LPG Typ II Goldene Wische, die 1969 in Typ III überging. 1970 schloss sich die LPG Bentwisch mit der LPG Neue Zeit in Wittenberge zur LPG Neue Wische Bentwisch–Wittenberge zusammen; 1976 folgte der Anschluss der LPG Weisen. 1979 wurde die LPG Neue Wische in eine LPG Tierproduktion umgewandelt, 1980 in eine LPG Pflanzenproduktion Wittenberge mit Sitz in Bentwisch und 1983 in LPG Pflanzenproduktion Bentwisch umbenannt. 1990 vereinigte sich die LPG Pflanzenproduktion Bentwisch mit den LPG Tierproduktion in Bentwisch und Cumlosen; 1991 ging die LPG Bentwisch–Cumlosen in Liquidation.

Zuvor eine eigene Gemeinde verlor der Ort am 1. Mai 1973 seine Selbstständigkeit zugunsten einer Eingemeindung in die Stadt Wittenberge. Am 1. Januar 1983 wurde diese Eingliederung wieder aufgehoben und Bentwisch wiederum eine eigenverantwortliche Gemeinde. Diese Phase der neuerlichen Eigenständigkeit endete am 1. Dezember 1997 erneut zugunsten einer Wiedereingliederung nach Wittenberge.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Denkmalgeschütztes Wohnhaus in der Dorfstraße 1