Marie Karoline Schönfeld (* 13. Juli 1898 in Wien; † 19. September 1944 ebenda) war eine österreichische Regierungsassistentin und Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime. Sie wurde von der NS-Justiz zum Tode verurteilt und im Wiener Landesgericht durch das Fallbeil hingerichtet.
Leben Marie Schönfeld und ihr Bruder Franz Schönfeld (1890–1944) stammten aus einer Währinger Beamtenfamilie und wurden streng-katholisch erzogen. Sie zählten zu den Legitimisten und traten für die Wiederherstellung der k.u.k. Monarchie ein. Marie Schönfeld besuchte nach der Pflichtschule eine zweijährige Handelsschule und war danach für die Stadt Wien tätig. 1917 wurde sie Beamtin im Ministerium für öffentliche Arbeiten. Von 1919 bis 1934 war sie Mitglied der christlichen Beamtengewerkschaft und der Vaterländischen Front. Privat gehörte sie der Marianischen Jungfrauenkongregation an. Ab 1938 arbeitete sie in der Abwicklungsstelle der Vermögensverkehrsstelle (VVSt) als Stenotypistin. Diese Stelle war für die „Arisierung“ von jüdischen Vermögenswerten zuständig. Die Geschwister stellten gemeinsam „hochverräterische Hetz- und Schmähschriften“ her und verteilten sie vom Mai 1942 bis zu ihrer Festnahme am 20. Mai 1943 auf Straßen und in Postkästen oder verschickten sie per Post an verschiedene NSDAP- und Polizeidienststellen. Ein Flugblatt enthielt eine Parodie des Deutschlandlieds:
In einem weiteren, an die NSDAP-Gauleitung Wien geschickten, Flugblatt wurde gedroht, dass „wir in unserem gestohlenen Österreicherland Euch Eure Bäuche, die Ihr Euch auf unsere Kosten angefressen habt, aufschlitzen, Euch Eure Gedärme herausreißen und damit die Hitlerbilder bekränzen.“ Die Flugschriften wurden von Franz verfasst, Marie half bei der Vervielfältigung. Insgesamt erfasste die Gestapo rund 65 verschiedene Texte.
Todesurteil und Hinrichtung Marie und Franz Schönfeld wurden am 15. Juli 1944 vom Volksgerichtshof wegen „Vorbereitung zum Hochverrat und Feindbegünstigung“ zum Tode verurteilt.
Die Hinrichtung der Geschwister Schönfeld erfolgte am 19. September 1944 im Wiener Landesgericht.
Gedenken Marie Schönfeld wurde in der Schachtgräberanlage der Gruppe 40 des Wiener Zentralfriedhofes in Reihe 32, Nr. 182 bestattet.
Die Namen der Geschwister finden sich auf der Gedenktafel im ehemaligen Hinrichtungsraum des Wiener Landesgerichts.Nachkriegsjustiz, abgerufen am 10. April 2015.
Quellen Bailer, Maderthaner, Scholz (Hrsg.): „Die Vollstreckung verlief ohne Besonderheiten“. Hinrichtungen in Wien, 1938–1945. Wien, o. J, S. 90f. Online-Version (mit je drei Fotografien der Geschwister): S. 91. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes: Nicht mehr anonym, mit Fotos aus der Erkennungsdienstlichen Kartei der Gestapo Wien, abgerufen am 10. April 2015 Fein, Erich: Die Steine reden. Gedenkstätten des österreichischen Freiheitskampfes. Mahnmale für die Opfer des Faschismus. Eine Dokumentation. Wien 1975 Österreichische Frauen im Widerstand: Kurzbiografie Marie Karoline Schönfeld, verfasst von Karin Nusko, abgerufen am 12. April 2015 Willi Weinert: „Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer“: ein Führer durch den Ehrenhain der Gruppe 40 am Wiener Zentralfriedhof für die hingerichteten WiderstandskämpferInnen. Wiener Stern-Verlag, 3. Auflage 2011 books.google.at
Einzelnachweise
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