mini|An der Innenseite der nördlichen Ringmauer errichtetes Fundament für eine Latrine (freigelegt während der archäologischen Ausgrabung 2008) Die Burg Mole, auch Molen genannt, ist eine abgegangene hochmittelalterliche Wasserburg vom Typus einer Turmburg bzw. eines Festen Hauses im Elsavatal südlich von Heimbuchenthal im Landkreis Aschaffenburg in Bayern.

Der Burgstall ist ein Bodendenkmal nach der Bayerischen Denkmalliste, die auf Basis des bayerischen Denkmalschutzgesetzes vom 1. Oktober 1973 erstellt wurde.Denkmalliste Heimbuchenthal des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Nr. D-6-6121-0094, Untertägige Bauteile des befestigten frühneuzeitlichen Hofgutes "Höllengut" mit mittelalterlicher Burg "Zur Mole" als Vorgängerbebauung, nachqualifiziert (Stand 13. August 2016)

Lage Der Burgstall „Mole“ liegt im südwestlichen Teil des Spessarts, im Elsavatal zwischen der Ortschaft Heimbuchenthal und Hobbach. Das Burggelände liegt unmittelbar nördlich des ehemaligen Eisenhammers „Höllhammer“. Der Burgstall liegt auf der Gemarkung der Gemeinde Heimbuchenthal, östlich der bayerischen Staatsstraße 2308, und war westlich der Elsava nahe dem Talhang gebaut. Von 1910 bis 1968 passierte die Spessartbahn auf der Strecke Heimbuchenthal – Obernburg die Burgstelle.

Geologie Der Burgstall liegt im lehmhaltigen Auengrund der Nord-Süd verlaufenden Elsava, der hier ein sandiger Schwemmfächer des vom westlichen Hang kommenden Kirschengrabens aufgelagert ist. Das relative enge Tal ist von den Sandsteinhöhen (östlich die Kirchhöhe auf 355,4 m NHN, nordwestlich der Eichelsberg auf 425,6 m NHN und südwestlich der Höllenberg auf 411 m NHN) des Spessarts eingezwängt. Wenige Hundert Meter südlich des ehemaligen Höllenhammers mündet der Dammbach von Osten in die Elsava, die von hier aus in einem nun weiter geöffneten Talgrund nach Südwesten Richtung Eschau fließt, wo mit dem Wasserschloss Sommerau eine von der Vergangenheit her ähnliche, aber viel größere Wasserburg noch zu sehen ist.

Geschichte Bei der Burg Mole handelt es sich wahrscheinlich um den Höllenturm, der 1851 abgebrochen und dessen Steinmaterial für den Straßenbau verwendet wurde. 2008–2009 fanden zwei Ausgrabungskampagnen durch ein Gemeinschaftsprojekt des Heimat- und Geschichtsvereins Heimbuchenthal, der Gemeinde Heimbuchenthal und des Archäologischen Spessartprojekts mit maßgeblicher Förderung durch den Regierungsbezirk Unterfranken statt. Die Mole bei Heimbuchenthal. Eine Wasserburg mitten im Spessart auf www.spessartprojekt.de; erneut abgerufen am 18. April 2018

Keramiken, die vor dem Wohnturm einer wohl hölzernen Vorgängerburg zugeordnet werden, sind in Analogie zum Alten Schloss in Kleinwallstadt auf Ende des 13. Jahrhunderts zuweisbar, was mit einer Urkunde des Mainzer Erzbischofs Werner von Eppstein in Heimbuchenthal vom 16. August 1282 verbunden wird, in der dieser in einem Rechtsstreit zwischen einem Frankfurter Schultheißen Heinrich und dem Stiftskapitel von Frankfurt entscheidet, und von der abgeleitet wird, dass sich der Erzbischof bei seinem Besuch in Heimbuchenthal auf der „Mole“ aufgehalten habe und hier die Urkunde ausgefertigt wurde.

Die Burg „Mole“ selbst wird erstmals in einer Verkaufsurkunde vom 10. Mai 1363 erwähnt, in welcher der Besitzer der „Mole“, Rudolph von der Mulen, die Burganlage an Gerhusin Frischenbeckin verkaufte. Am 22. Februar 1383 erwarb der Aschaffenburger Vizedom Eberhard von Fechenbach die „Mole“ mitsamt all ihren umliegenden Besitztümern. Zwischen 1383 und 1423 kam die Burg in den Besitz des Forstmeisters Henne von Gelnhausen, denn dieser verkauft sie am 23. August 1423 an den Mainzer Erzbischof Konrad III. von Dhaun.M. Aulbach: im Heimbuchenthaler Geschichtsbuch 1282-1982, S. 32/33 Sein Nachfolger, Erzbischof Dietrich Schenk von Erbach, belehnte am 29. Dezember 1434 Hans von Hettersdorf mit der Burg. Möglicherweise hatte er sie schon 1430 vom Vorgänger Konrad III. von Dhaun bekommen. Als Gegenleistung musste sich Hans von Hettersdorf dazu verpflichten, dem Erzbischof mit drei Pferden zu dienen. Am 28. Februar 1438 wurde die Belehnung erneuert.Wolfgang Voss: Dietrich von Erbach, Erzbischof von Mainz (1434-1459). Studien zur Reichs-, Kirchen- und Landespolitik sowie zu den erzbischöflichen Räten. Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte. Bd. 112, Mainz 2004, S. 30 Diese Neubelehnung beendete Streitigkeiten zwischen dem Erzbischof und dem Herren von Hettersdorf, in dessen Verlauf die Mainzer das Haus auf der „Mole“ wohl fast komplett abbrechen und nach Steinheim bei Hanau (vermutlich zur Erweiterung der Burg Steinheim) bringen ließen, dass nur wenige Jahre zuvor 1425 sein Vorgänger Erzbischof Konrad III. von Dhaun erworben hatte. Funde eines Nischenkachelofens, dessen Reste auf etwa 1400 datiert werden und Ähnlichkeit mit Funden auf der 1399 zerstörten Burg Tannenberg bei Seeheim-Jugenheim an der Bergstraße aufweisen, sowie Reste einer Heiligenfigur (um 1430 im Bodenseeraum, vermutlich aus Konstanz), belegen, dass die Anlage bis ins 15. Jahrhundert bewohnt war. mini|Der südlich gelegene Höllenhammer

Ein archäologischer Glücksfall war die Art und Weise der Verlagerung von Inventar und Burg um die Jahreswende 1437/38. Vor dem Abtragen der Balken wurden das Ziegeldach und die mit Lehm gefüllten Gefache in den Burghof geworfen, wo sich der mittelalterliche Bauschutt bei der Ausgrabung von 2009 als jüngste Schicht bis in eine Höhe von einem halben Meter auftürmte und ergraben wurde.

1443 wechselte die nun nur noch als Lokalität „Mole“ genannte Burgstelle abermals den Besitzer. Andreas von Karbach kaufte die Burg oder ihre Reste am 23. Oktober von Hans von Hettersdorf. Seine Witwe Else von Aulenbach heiratete in zweiter Ehe Leonhard Kottwitz von Aulenbach und die „Mole“ ging in seinen Besitz über. Er verkaufte die Anlage um 1459 an Hamann Echter von Mespelbrunn. Die sogenannte Mole blieb nun bis ins ausgehende 17. Jahrhundert im Besitz dieser Familie und nach ihrem Aussterben im Mannesstamm 1655 bei ihrer Nachfolgern, den Grafen von Ingelheim genannt Echter von und zu Mespelbrunn.

Sie wird jedoch schon auf der Spessartkarte von Paul Pfinzing 1562 (Vorlage) / 1594 (Veröffentlichung) zwischen der südlich vorhandenen Mühle und dem nördlichen Hainbüchetal als „alts Zerbrochens Schlos“ und Ruine gekennzeichnet., Spessart Kulturweg Heimbuchenthal, Tafel 6, abgerufen am 14. November 2016

1686 veräußerte Maria Ottilie Freifrau von Ingelheim genannt Echter von und zu Mespelbrunn, den „ruinirten Burgsitz, die Altmühl genannt, so nicht anderst als ein alt verfallenes,… im Thal gelegenes Gemäuer ist“ erneut an ihren Verwandten, den Erzbischof von Mainz Anselm Franz von Ingelheim, im Tausch gegen ein Grundstück in Wintersbach.Friedrich Schunder: Die Rexroth-Geschichte. Hämmern, Gießen, Bewegen 1795-1995, Lohr am Main 1995, S. 19–21 Seit 1702 der nahe, südlich der Burganlage liegende, Eisenhammer Höllenhammer aufgebaut wurde, ein durch ein Wasserrad angetriebener Hammer zum Schmieden einfacher Eisenteile, der am 6. Dezember 1794 durch Johann Ludwig Rexroth erworben wurde, kann angenommen werden, das auch Steine der letzten Grundmauern für den Ausbau des Eisenhammers verwendet wurden. Darstellungen von 1820 bis 1835 zeigen, dass noch Ruinenreste der Burg mit einem nördlich vorgelagertem Teich vorhanden waren.

Eine umfangreichere Darstellung über die „Mole“ stammt von 1833: „Unweit des Hellhammers gegen Norden findet sich in der Mitte des Thales ein altes zum Theil verfallenes, viereckiges Gemäuer von 130 Schuh Umfang, mit 5 Fuß dicken Mauern, 3 Stockwerk hoch, welches von einem mit Mauern umgebenen Hofraume und einem Wassergraben, dessen Breite nicht mehr angegeben werden kann, eingeschlossen war.“Mangold: Kurze topographische Beschreibung des Hellhammers und dessen nächster Umgebung, Archiv des historischen Vereins für den Untermainkreis, Band 1/3, Aschaffenburg 1833, S. 143 f. Bei angenommenen Aschaffenburger Maßen kann mit diesen Angaben für die Ruine des Wohnturmes ein Umfang von 37,765 m errechnet werden, was sehr gut mit den ausgegrabenen Fundamenten von etwa 35,2 m in Übereinstimmung ist. 5 Fuß dicke Mauern würden 1,452 m entsprechen und passen sehr gut zu den gefundenen etwa 1,3 m dicken Fundamenten. Das Wissen um den Burgstall scheint in der Region bereits vollständig erloschen zu sein. Der Autor ergänzt, dass „über den eigentlichen Zweck dieser Gebäude (…) nichts Bestimmtes angegeben werden (kann).“ Die Anlage wird in die Römerzeit gelegt und als Versorgungsstützpunkt der römischen Truppen im Odenwald gedeutet. Es werden Raubgrabungen erwähnt, die allerdings außer „einige(n) Bündel(n) Pfeile(n) und viele(n) Menschenknochen von ungewöhnlicher Größe“ ohne weitere Funde waren.

Mit dem Ausbau des Straßennetzes im Elsavatal (Strecke von Heimbuchenthal nach Obernburg am Main) 1851 wurden die letzten obertägigen Reste der auf Privatgrund liegenden „Mole“ beseitigt. Letzte Reste des Burggrabens wurden verfüllt, der Boden eingeebnet und als Weideland genutzt. In den 1990er Jahren schließlich wurden auf die Burgstallflächen die Sedimente des benachbarten, südlich anschließenden Teiches ausgebreitet und das Bodenniveau dadurch nochmals etwa 1,50 m über die Grundmauerreste angehoben. Bis dahin lagen die Fundamente des Wohnturms nur knapp unter der Humusoberkante und waren im Sommer noch durch veränderten Bewuchs zu erkennen.Harald Rosmanitz: Der Burgstall Mole in Heimbuchenthal

Beschreibung mini|Ausgrabungsüberblick im Sommer 2008 im schmalen Tal der Elsava Die Beschreibung der Anlage basiert im Wesentlichen auf den Erkenntnissen der Ausgrabungen von 2008 und 2009. Es ließen sich neun Zeitabschnitte unterteilen, wobei die Perioden zwei bis sechs direkt der Burg zugeordnet werden können:

Eine eisenzeitliche Vorbesiedlung des Schwemmfächers des „Kirchgrabens“ genannten Wassergrabens direkt nördlich der Burgstelle Es entsteht erstmals eine hochmittelalterliche, hölzernen Vorbebauung, die nur als Motte vermutet werden kann, aus etwa um 1260 bis um 1290 und Abbruch derselben nachgewiesen durch eine ergrabene Brandschicht Die Errichtung der spätmittelalterlichen Burganlage als einfache beinahe quadratische Wasserburg mit einem speziellen Drainagesystem zur Entwässerung und Verfestigung des Untergrundes, steinernen Fundamenten, einer vorgelagerten Schutzmauer und der Anlage des Wohnturms aus der Zeit um 1330/1340 Eine Aus- und Umbauphase, gekennzeichnet durch die Anlage eines Stützgewölbes vor der westlichen Ringmauer, einer Verstärkung vor der Nordostecke der Ringmauer sowie der Anlage einer umlaufenden, randständigen Innenbebauung mit Latrine und gepflastertem Stall um ca. 1400 Auflassung des Burggrabens bald nach 1400 Die systematische Aufgabe der Burg, einhergehend mit dem Abtragen der hölzernen Obergeschosse und Inventar des Wohnturms in den Jahren 1437/1438 Die Niederlegung der Ringmauer im Zuge des Aus- und Aufbaus des „Höllhammers“ gegen Ende 17. Jahrhunderts Die noch vorhandene Landschaftsmarke der Ruine des Wohnturms wird um 1851 komplett abgetragen Auflagerung der Sedimente des südlich anschließenden Weihers bis um etwa 1995 bis in einer Höhe von plus 1,50 zum ursprünglichen Niveau der Flussaue des Elsavatalgrundes mini|hochkant|Das Feste Haus Ransbach im Hessenpark, Beispiel für den Wohnturm der Mole