Der Fernsehturm St. Chrischona, auch Sendeanlage St. Chrischona, ist ein 250 Meter hoher Fernsehturm der Betreibergesellschaft Swisscom in der Gemeinde Bettingen nordöstlich von Basel. Der topographisch günstige Standort auf dem namensgebenden Basler Hausberg St. Chrischona macht den Turm zum wichtigsten Baustein in der Sendeversorgung der Nordwestschweiz. Bereits seit Mitte der 1950er Jahre wird der Standort für Sendeanlagen genutzt.

Der weithin sichtbare Turm mit seiner markanten Dreibeinkonstruktion und einem Schaft mit polygonalem Grundriss wurde von 1980 bis 1983 errichtet und ist das höchste freistehende Bauwerk der Schweiz und das zweithöchste Bauwerk nach der Staumauer Grande Dixence. Im Jahr der Inbetriebnahme 1984 galt er aufgrund vieler technischer Sonderlösungen als der modernste Fernsehturm Europas. Neben dem regulären Sendebetrieb für Funk und Fernsehen dient er auch als Wasserturm und verfügt über Messinstrumente beispielsweise für Wetterdienste. Abgesehen von Sonderanlässen ist der Sendeturm grundsätzlich für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Geschichte Vorgängersendeanlagen St. Chrischona war bereits seit dem 23. April 1954Basler Stadtbuch, Ereignisse am 23. April 1954, zuletzt abgerufen am 28. Mai 2020 Standort eines Sendeturms der damals das Schweizer Fernsehprogramm übertrug und es in der Region Basel einführte.Haldemann: PTT-Mehrzweckanlage St. Chrischona, S. 272 Damit gehört der Sendestandort St. Chrischona zusammen mit dem Standort Uetliberg (seit 1953) und dem Standort Bern-Bantiger (seit 1954) zu den drei ältesten Standorten für Fernseh- und UKW-Ausstrahlung in der Schweiz.Haldemann: Die Mehrzweckanlage St. Chrischona, S. 340

Dieser erste 30 Meter hohe Stahlgittermast hatte nur zwei Antennen und war experimenteller Natur; er strahlte tageweise für wenige Stunden das Programm aus. Im Jahr 1954 gab es im Raum Basel 76 Fernsehgeräte. 1956 wurden die ersten Sendungen des Radio DRS über die UKW-Sendestation verbreitet. Die Sendeapparatur war damals in einem Holzhäuschen am Fusse des Sendemastes untergebracht. Bereits nach wenigen Jahren machten neue Kommunikationsbedürfnisse eine Erweiterung der Anlage notwendig. Dieser erste Sendemast war bis zum 28. Dezember 1959 in Betrieb., abgerufen am 28. Juni 2013

mini|Luftbild von St. Chrischona und dem alten Sendemast (rechts), 1976 Ab dem 29. Juni 1961, abgerufen am 28. Juni 2013 diente als Sendeturm auf St. Chrischona ein 136 Meter hoher gebrauchter Stahlfunkturm () als Antennenmast. Es handelte sich um einen in Beromünster abgebauten und in St. Chrischona wieder aufgebauten Turm. Er trug zuvor zusammen mit dem Reservesendeturm Beromünster eine T-Antenne, welche vormals für den Landessender Beromünster auf Mittelwelle sendete. Seit 1968 strahlte der Sender nach dem Farbfernsehsystem PAL aus.

Projektierung Weil der alte Beromünster-Turm die Bedürfnisse nicht mehr decken konnte, lobte die PTT als Vorläufergesellschaft der Schweizer Post und der Swisscom in den Jahren 1973/1974 einen Architekturwettbewerb für einen Fernsehturm aus, der die Region mit drei Fernseh- und zwei UKW-Programmen versorgen sollte. Gleichzeitig wurde die Frage erörtert, ob der Turm zusätzlich ein Wasserreservoir aufnehmen und als Turmrestaurant mit öffentlicher Besucherplattform dienen sollte.

Fünf Projektgruppen legten ihre Modelle vor. Den Zuschlag erhielt das Basler Büro Aegerter & Bosshardt, dessen Entwurf von dem sonst üblichen „Röhrenschema“ abwich und einen hexagonalen Querschnitt vorsah. Es war – ohne die technischen Installationen – mit damals veranschlagten 15,2 Mio. Schweizer Franken das billigste. Auf der mittleren Höhe des Turmkorbs auf 94 m waren ein französisches Restaurant und ein Selbstbedienungsrestaurant für je 200 Personen geplant. Für das Publikum sollte eine zusätzliche Aussichtsplattform auf 145 m Höhe errichtet werden. Die einzelnen Räumlichkeiten hätten auf verschiedene Turmkörbe verteilt werden sollen. Eine solche Lösung hätte den Turmschaft um 14 Meter erhöht.Projekt für den Fernsehturm St. Chrischona, Basel. In: Werk – Archithese, Band 62 Nr. 9, Bund Schweizer Architekten 1975, S. 797

Die für den Turmbau Verantwortlichen entschieden bereits damals, bewusst auf den öffentlichen Publikumsverkehr zu verzichten. Die Jury begründete das damals so:Günther Kühne: Keine Röhre, Ein Fernsehturm für Basel in: Bauwelt 43, 65. Jahrgang (18. November 1974), S. 1401

Um private Empfangsantennen nicht neu ausrichten zu müssen oder neue Richtstrahl-Gegenstationen einzurichten, wurde die Beibehaltung des Standortes entschieden, so dass nur 85 Meter nordwestlichRiner: Mehrzweckanlage St. Chrischona, S. 5 des alten provisorischen Turms der neue platziert wurde.Haldemann: PTT-Mehrzweckanlage St. Chrischona, S. 273

Neben der Nutzung als Sendeturm wurde der Fernsehturm St. Chrischona schon seit 1972 auch als Wasserturm projektiert. Die Notwendigkeit entstand aus der Mangelversorgung der Gemeinde St. Chrischona, deren Versorgung bis zur Errichtung des Fernsehturms durch einen Wassertank im 21 Meter hohen Kirchturm der Reformierten Chrischonakirche gewährleistet wurde. Die dort verfügbare Kapazität von 38 Kubikmeter des Wasserreservoirs reichte allerdings nur unzureichend aus, um den gestiegenen Bedarf der Bewohner und der Rehabilitationsklinik des Bürgerspitals Basel nach Trinkwasser zu befriedigen. Gleichzeitig sollte auch der Brandschutz im Gebiet St. Chrischona verbessert werden.Ratschlag betreffend Erstellung eines Wasserreservoirs im Fernsehturm St. Chrischona […], S. 3–4. Aus diesem Grund beschloss der Grosse Rat des Kantons Basel-Stadt Anfang der 1980er Jahre, insgesamt 1,43 Mio. Franken zu Lasten des Anlagekapitals der Industriellen Werke Basel als Kredit zu bewilligen.Ratschlag betreffend Erstellung eines Wasserreservoirs im Fernsehturm St. Chrischona […], S. 8–9.

Bau des Fernsehturms St. Chrischona (1980–1983) Bei Sondierungsgrabungen im Jahr 1979 für das Fundament wurde ein Fragment eines Mammutstosszahns freigelegt.Historische und Antiquarische Gesellschaft zu Basel (Hrsg.): Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde, Basel 1980, Band 80 Nachdem im selben Jahr der PTT-Verwaltungsrat den Baukredit in Höhe von 27,3 Mio. Franken bewilligt hatte, konnte nach Vorliegen der Baugenehmigung im Juli 1980 mit den Arbeiten begonnen werden.

Für die Gründung des Fundaments in 17 Meter Tiefe wurden Böschungen im 60-Grad-Winkel ausgehoben, die durch eine Abdeckung aus Spritzbeton geschützt wurden. Zusätzlich war eine Unterpallung – wie eine Unterfütterung zwischen dem Erdboden und der Sohlenkonstruktion genannt wird – mit Verankerungen in der Erde für die drei Fundamente notwendig. Die Konstruktion des Sockelbaus selbst war konventioneller Natur.

mini|Baufortschritt im Februar 1983 Eine bautechnische Herausforderung stellten aber die drei sich neigenden Stützpfeiler dar. Das Zusammentreffen der senkrechten Stäbe der mittleren Säule mit den Stäben der Stützpfeiler sowie der waagerechten Spannleiste erforderte ein sehr präzises Vorgehen. Für die Konstruktion der Stützpfeiler verwendete man ein auskragendes Gerüst, das in acht Segmente zu je 2,90 Meter Höhe aufgeteilt war. Um die Bauzeit zu verkürzen, wurden der Schaft und die drei Stützpfeiler gleichzeitig errichtet.Joseph Kalak: Telecommunications tower of St. Chrioschona, Switzerland, IABSE proceedings, 2/1986, S. 84/85 Im November 1981 erfolgte ihr Zusammenschluss.Haldemann: PTT-Mehrzweckanlage St. Chrischona, S. 276 Der Turmschaft wurde über eine mechanisch mitwachsende Betonschalung hochgezogen. Insgesamt 51 Anhübe von 2,90 Meter bis 3,05 Meter waren notwendig, um den gesamten Schaft zu betonieren. Für die Errichtung des Schaftes brauchte eine Baumannschaft aus zehn bis zwölf Arbeitern etwa ein Jahr.Riner: Mehrzweckanlage St. Chrischona, S. 6

Der Bau des Turmschaftes, der mit einer Kletterschalung errichtet wurde, dauerte bis zum Dezember 1983. Die Tragwerksplanung übernahm die Basler Firma Aegerter & Bosshardt. Für den architektonischen Entwurf war das Büro Vischer und Weber verantwortlich. Für die Bauarbeiten formierte sich ein Konsortium aus den Firmen Stamm AG, Stehlin + Vischer AG, Ed. Züblin + Cie AG und der BBG Basler Baugenossenschaft. Das Betonbauwerk wurde ebenso wie der Rohrmast für die Antennen mit einem mitwachsenden Kletterkran (Richier-Weitz GT 1184) realisiert.

Die technischen Installationen waren von Januar 1983 bis Juli 1984 vollzogen, so dass am 2. August 1984 der Turm in Betrieb genommen werden konnte und er damit den ausgedienten Stahlfunkturm von 1962 ersetzte. Die Baukosten beliefen sich insgesamt auf rund 50 Mio. Franken.

Seit der Inbetriebnahme 1984 mini|Luftbild des Fernsehturm St. Chrischona (1996)

Nach der Inbetriebnahme des neuen Fernsehturms – damals offiziell als Mehrzweckanlage St. Chrischona bezeichnet – wurde am 16. September 1985 mit dem zweiwöchigen Abbruch des 136 m hohen Stahlfunkturms begonnen.Wüthrich: Als die Mattscheibe noch ein Luxus war. S. 166.Eintrag in der Basler Stadtchronik am 16. September 1985, aufgerufen am 28. Mai 2020 Das Bauwerk ist mit 250 Meter Höhe bis heute () der höchste Fernsehturm der Schweiz. Er strahlte seit dem 29. August 1984 aufgrund eines Abkommens zwischen dem deutschen Bundespostministerium und der Schweizer Postverwaltung auch das 1. und 3. Rundfunkprogramm des damaligen Südwestfunks (SWF) aus, um die Versorgungslücke in der Region Hochrhein zu schliessen.Radke: Frisch gefunkt in St. Chrischona. Turmbau zu Basel, S. 79 Mittlerweile sendet der Turm alle vier Programme des Südwestrundfunks, des Nachfolgers des SWF. Aufgrund vieler technischer Speziallösungen galt der Sendeturm zur Zeit seiner Inbetriebnahme als modernster Europas.Radke: Frisch gefunkt in St. Chrischona. Turmbau zu Basel, S. 78

Im Jahr 1996 wurden Instandsetzungsarbeiten an den Stahlterrassen-Ankerplatten des Turms durchgeführt. Im Jahr 2006 wurde der Fernsehturm St. Chrischona auf die Ausstrahlung des digitalen Fernsehens umgerüstet und die Abstrahlung der analogen Programme am 26. November 2007 eingestellt.

mini|Tag der offenen Tür im September 2014 Das 30-jährige Bestehen des Sendeturms St. Chrischona beging die Swisscom Broadcast am 27. September 2014 mit einem Tag der offenen Tür am Fusse des Fernsehturms. Neben einem festlichen Rahmenprogramm konnten rund 700 Besucherbzbasel.ch: Die beste Aussicht gibt es von Basels Wahrzeichen aus, abgerufen am 29. September 2014 die ansonsten nur im Rahmen von Sonderführungen geöffnete Aussichtsplattform und Senderäume besichtigen.swisscom.ch: Tag der offenen Tür auf dem Sendeturm St. Chrischona, abgerufen am 29. September 2014

Am 22. März 2014 fand das erste Towerrunning für Berufsfeuerwehrleute statt.BFVOG Towerrunning 2014 – Ein Erfolg, zuletzt abgerufen am 21. April 2020 Im März 2019 jährte sich zum sechsten Mal die Veranstaltung, bei der die 46 Stockwerke und 799 Treppenstufen des Fernsehturms von Feuerwehrleuten in Brandschutzausrüstung emporgestiegen werden.BFVOG Towerrunning 2019, zuletzt abgerufen am 21. April 2020 2020 und 2021 fand die Veranstaltung aufgrund der COVID-19-Pandemie nicht statt., abgerufen am 29. September 2014

Da der Standort des Fernsehturms von überdurchschnittlich vielen Sonnenstunden geprägt ist, entschied sich der Betreiber, ab August 2017 entlang der nach Süden ausgerichteten Segmente des Turmschafts 435 Photovoltaik-Module zu montieren. Die insgesamt 710 Quadratmeter Fläche umfassende Anlage verteilt sich vertikal freihängend auf 75 Meter. Die Jahresproduktion der Anlage kann je nach Sonnenstunden etwa 118'000 Kilowattstunden betragen. Damit ist der Sendestandort St. Chrischona einer von 17, die die Swisscom Broadcast mit eigenen Photovoltaikanlagen ausgestattet hat.Pressemitteilung der Swisscom vom 19. Oktober 2017: Swisscom rüstet Sendestandort St. Chrischona mit Solaranlage aus, zuletzt aufgerufen am 2. August 2024 Die Kosten für diese Aufrüstung waren mit etwa 450'000 Franken veranschlagt.Telebasel: