mini|200px|Viktor Seßler Freiherr von Herzinger, 1857 Viktor Felix Seßler Freiherr von Herzinger (* 10. Dezember 1836 in Wien;Pfarre Alservorstadtkrankenahaus, Taufbuch 01-036, 1836–1837, S. 104., abgerufen am 11. März 2026. † 14. Jänner 1899 in GrazPfarre Graz St. Leonhard, Sterbebuch VIII, 1883–1899, S. 643., abgerufen am 17. März 2026.) war ein österreichischer Montanindustrieller und Politiker. Er führte mehrere Eisen- und Hüttenwerke und besaß umfangreichen Landbesitz in der oberen Steiermark. Von 1868 bis 1873 war er Abgeordneter zum Steiermärkischen Landtag.
Leben Viktor Seßler war der außereheliche Sohn der Antonia Seßler (31. Dezember 1804 in Krieglach – 16. Dezember 1836 in Wien)Pfarre Krieglach, Taufbuch 3, 1770–1805, S. 365., abgerufen am 12. März 2026. und des Arztes Josef Gugstascher aus Völs am Schlern. Antonia war von ihrem Vater, Josef Seßler, wegen dieser Messalliance verstoßen worden, weil ihm das Ansehen seiner Familie von größter Bedeutung war und er mit seiner Tochter "Pläne vorteilhaftester Verbindung hegte". Viktor Seßler wurde im Wiener Gebär- und Findelhaus geboren und seine Mutter starb sechs Tage nach der Geburt an Kindbettfieber.Pfarre Alservorstadtkrankenahaus, Sterbebuch 03-039, 1836, S. 481., abgerufen am 16. März 2026. Sein Großvater, der Vordernberger Radmeister Josef Seßler gilt als Industriepionier der Obersteiermark, da er bereits um 1840 bei Krieglach ein Walzwerk und bei Vordernberg einen Hochofen errichtet und damit unter anderem das gesamte Eisen für den Bau der Semmeringbahn geliefert hatte. Er adoptierte seinen Enkel und setzte ihn bereits 1838 als Universalerben ein. Nach seinem Tod erbte Viktor Seßler bereits als Fünfjähriger dessen gesamtes Vermögen.
Der Jurist Anton von Wasserfall als Kurator und Carl von Prevenhueber als Vormund übernahmen die Verwaltung des riesigen Besitzes für den noch unmündigen, 5-jährigen erbberechtigten Viktor Seßler. Carl von Prevenhueber war mit Eleonora Seßler verheiratet und damit der Onkel des minderjährigen Erben. Er verstarb bereits 1845. In Folge wurde Johann von Steiger-Amstein zum Vormund des jungen Rad- und Hammergewerken.
Nachdem er das Gymnasium absolviert hatte, trat er 1855 als Kadett in das 8. Husarenregiment ein. 1856 wurde er bereits zum Leutnant befördert, zwei Jahre später quittierte er jedoch seinen militärischen Dienst. Als Grund dafür nannte er seine Verehelichung und die gleichzeitig damit erfolgte Großjährigkeitserklärung, womit auch die Übernahme und Administration seiner Erbschaft verbunden war. 1859 trat er wegen des Italienfeldzugs als Unterleutnant im 52. Infanterieregiment, abermals in die kaiserliche Armee ein. 1860 wurde er zum Oberleutnant befördert. Im gleichen Jahr kam er in das 12. Ulanenregiment, worauf er 1861 seinen Militärdienst erneut aufgab, um sich seinen Gütern widmen zu können.
Viktor Seßler übernahm im Jahr 1861 schließlich die Leitung aller im Familienbesitz stehenden Eisen- und Hüttenwerke im Mürztal sowie der landwirtschaftlichen Güter Großlobming und Farrach, des Bergbaus in Fohnsdorf sowie weiterer Besitzungen im oberen Murtal. Seßlers Werke galten, nicht zuletzt durch die innovativen Ideen seines Onkels, Carl von Prevenhueber, als technisch besonders fortschrittlich. Ab den späten 1860er-Jahren geriet Seßler in wirtschaftliche Schwierigkeiten und verkaufte in der Folgezeit wesentliche Teile seiner Werke an die Vordernberg-Köflacher-Montanindustrie-Gesellschaft, einen Vorläufer der Österreichisch-Alpine Montangesellschaft.
mini|200px|Die Gölkkapelle bei Krieglach Viktor Seßler folgte beim Besitzerwerb von Bauernhöfen mit den dazugehörigen Wäldern der Tradition seines Großvaters. Allerdings soll es ihm nicht nur um die Sicherstellung der Brennstoffversorgung in seinen Hammer- und Eisenwerken gegangen sein. Vielmehr strebte er aus privaten Motiven nur der Jagd wegen ein großes geschlossenes Revier in den Fischbacher Alpen – von Krieglach über die Waldheimat bis in die Stanz – an. Jenes Gebiet war die engeren Heimat des Schriftstellers Peter Rosegger. In seinem 1887 erschienenen Roman Jakob der Letzte griff Rosegger diese Thematik auf. Der Historiker Othmar Pickl geht davon aus, dass die Figur des Kampelherren, eines reichen Industriellen, der die Bauern um ihren Besitz bringt, nach dem Vorbild Viktor Seßlers gestaltet wurde. Jedoch räumt Peter Rosegger ein, dass Seßler-Herzinger neben der Jagdleidenschaft auch ökonomische Interessen verfolgte. So führt er die enorme Geldmenge an, die nach dem Verkauf seiner Gewerkschaften langfristig sicher und gewinnbringend angelegt werden musste. Durch die Aufforstung der zuvor landwirtschaftlich genutzten Flächen, konnte nach Jahrzehnten mit einem entsprechenden Ertrag gerechnet werden.
Neben seinen industriellen Funktionen gründete Seßler die Steiermärkische Escomptebank sowie die Stadtsparkasse Judenburg und war in verschiedener Weise karitativ tätig. Trotz seines Rufs als ausschließlich auf wirtschaftlichen Gewinn bedachter „Kampelherr“ und entgegen der Annahme fehlender kultureller Interessen sind insbesondere die ab 1861 erfolgten Schenkungen Seßlers an das Joanneum in Graz hervorzuheben. Dabei handelte es sich vor allem um sakrale Kunstgegenstände aus dem Spätmittelalter, die überwiegend aus dem oberen Murtal stammen. Diese Objekte befinden sich heute im Bestand der Alten Galerie des Grazer Joanneums. 1870 stiftete er seine Kunstsammlung testamentarisch der Alten Galerie Graz, zu deren Beständen er dadurch einen wesentlichen Beitrag leistete. 1883 initiierte er in seinem Grazer Palais ein Treffen mit den Grafen Franz von Meran, Heinrich von Attems-Petzenstein sowie weiteren Gleichgesinnten, bei dem die Gründung des Landesmuseumsvereins Joanneum vorbereitet wurde. Darüber hinaus war er selbst in Folge Mitglied im Ankaufskomitee dieses Vereins.
Er verstarb 63-jährig an Entkräftung nach Wirbelcarcinom in der Merangasse 7 in Graz und wurde in die Krieglacher Familiengruft überführt.
Familie und Nachkommen Am 21. September 1858 heiratete er Helene Freiin v. Herzinger (1836–1882) in Prag, Tochter des Feldmarschall-Leutnants Anton Freiherr von Herzinger. 1866 wurde Seßler mit dem Prädikat von Herzinger in den Ritterstand, 1869 in den Freiherrenstand erhoben. Nach dem frühen Tod seiner Frau ließ Seßler die Gölkkapelle bei Krieglach als Grabkapelle mit Familiengruft umbauen bzw. erweitern. Auch er selbst wurde nach seinem Tod in der Kapelle beigesetzt. Seßler hatte drei Söhne: Viktor Anton Felix (17. Dezember 1859 – 22. Oktober 1919 in Salzburg)Pfarre St. Andrä, Sterbebuch 14, 1915–1919, S. 191., abgerufen am 23. März 2026. ⚭ 1889 Margarete von Wimpffen (1865–1936)Pfarre Siezenheim, Taufbuch 7, 1850–1873, S. 323., abgerufen am 23. März 2026.Pfarre St. Andrä, Sterbebuch 17, 1933–1938, S. 75., abgerufen am 23. März 2026. Anton Hugo Felix (7. August 1861 in GrazPfarre Graz St. Leonhard, Taufbuch XVI, 1859–1870, S. 84., abgerufen am 21. März 2026. −?) Josef Carl Felix (31. März 1868 in GrazPfarre Graz St. Leonhard, Taufbuch XVI, 1859–1870, S. 334., abgerufen am 21. März 2026. – 11. Juli 1919 in Krieglach)Pfarre Krieglach, Sterbebuch 7, 1896–1938, S. 298., abgerufen am 23. März 2026. ⚭ 1899 Clothild Metzger
Literatur
Othmar Pickl: Josef Seßler und die Anfänge der Mürztaler Eisenindustrie. in: Ferdinand Tremel (Hrsg.): Steirische Unternehmer des 19. und 20. Jahrhunderts. Eine Sammlung von Lebensbildern (= Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark. Sonderband 9). Graz 1965, S. 28–33. Manfred Weissenbacher: Die Familie Seßler(-Herzinger) und ihre Stanzer Hammerwerke im 19. Jahrhundert. In: Blätter für Heimatkunde. Jahrgang 83, Graz 2009, , S. 32–51 (PDF-Datei auf historischerverein-stmk.at). Manfred Weissenbacher: Die Stanzer Hammerwerke − ein migrations-, sozial- und wirtschaftsgeschichtlicher Beitrag zur steirischen Regionalgeschichte unter besonderer Berücksichtigung des 19. Jahrhunderts. Dissertation, Universität Graz 2006, S. 26–31.
Einzelnachweise
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