Hinzdorf ist ein Ortsteil der Stadt Wittenberge im Landkreis Prignitz in Brandenburg.
Geografie Der Ort liegt gut fünf Kilometer südöstlich von Wittenberge unmittelbar am rechten Ufer der Elbe. Er ist umgeben vom FFH-Gebiet Elbdeichvorland, dem Vogelschutzgebiet Unteres Elbtal, dem Naturschutzgebiet Wittenberge-Rühstädter Elbniederung, dem Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe und dem Landschaftsschutzgebiet Brandenburgische Elbtalaue.
Die Gemarkung wird im Norden durch die Karthane und die jenseits liegende Gemeinde Breese begrenzt. Im Osten grenzt das Gebiet an Klein Lüben und den zugehörigen Wohnplatz Scharleuk. Südlich fließt die Elbe und diese bildet hier die Grenze zu Beuster in Sachsen-Anhalt. Im Westen sind Schadebeuster und Zwischendeich die Nachbarorte.
Rund 1,2 Kilometer nordöstlich weist der Flurname Kerkhagen auf eine alt- und jungslawische Siedlung aus dem 9./10. bis 12. Jahrhundert hin. Östlich des Ortsrandes befindet sich außerdem eine jungslawische Siedlung aus dem 11. bis 12. Jahrhundert.Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (= Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 350
Geschichte und Etymologie Etymologie Im Jahr 1454 wird der Ort erstmals schriftlich erwähnt, damals in der Schreibweise Hinrickstorpp. 1490 ist der Ort in Belegen unter der Bezeichnung Hinrickstorp und 1542 unter Heinrichsdorff verzeichnet.Neitmann (Hrsg.): Historisches Ortslexikon für Brandenburg – Teil 1 – Prignitz – A–M. 2012, S. 350. Der Name leitet sich von mittelniederdeutschen Hinrik für Heinrich ab.Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, S. 78, ISBN 3-937233-17-2.
Besitzgeschichte Im Mittelalter war der Bischof von Havelberg Territorial- und Lehnsherr über Hinzdorf; im 15. Jahrhundert erfolgte die Weiterverlehnung. Ein erster Anteil lag spätestens seit 1454 bis 1802 bei der Familie von Retzdorf zu Neuburg und Hinzdorf, die zunächst das gesamte Dorf innehatte. Im Jahr 1490 ließ sie ein Drittel von Hinzdorf dem Bischof von Havelberg auf, das 1493 an die von Quitzow zu Rühstädt gelangte. Seitdem verfügten die von Retzdorf über zwei Drittel des Dorfes, einschließlich Ober- und Untergericht, eines Wohnhofs, dreier Hufner und zweier Kossäten (1556) sowie über zwei Drittel des Kirchenpatronats (1600, 1745). Von 1802 bis 1805 besaßen die von Saldern zu Wilsnack diesen Anteil, anschließend bis nach 1817 die von Brösigke zu Hinzdorf. Vor 1840 bis nach 1856 befand sich der Besitz beim Mühlenmeister Markuth zu Klein Leppin und seiner Erbin, der Witwe Markuth. Danach wurde er von Hofwirten in Hinzdorf aufgekauft, sodass das Rittergut 1864 „wegen Zerstückelung“ aus der Matrikel gelöscht wurde. Ein zweiter Anteil gehörte von 1490 beziehungsweise 1493 bis 1872 zum Gut Rühstädt (bis 1719 von Quitzow, 1719–1780 von Grumbkow, anschließend von Jagow). Dieser umfasste das 1490 aufgelassene und 1493 weiterveräußerte Drittel von Hinzdorf mit einem Drittel der Gerichtsbarkeit, Anteilen am freien Schulzenhof (1588) sowie am Kirchenpatronat (1600). Im Jahr 1745 bestand er aus zwei Bauernstellen.
15. und 16. Jahrhundert Hinzdorf wird 1454 erstmals als Dorf erwähnt. Bereits 1488 erlitt der Ort im Zuge mecklenburgischer Raubzüge Schäden; dabei wurden unter anderem vier Pferde geraubt. 1536 ist ein Wohnhof der Familie von Retzdorf belegt. 1576 bestand das Dorf aus fünf Hufnern und zwei Kossäten; 1588 wird ein Lehnschulze mit einem freien Hufenhof genannt. Bereits 1542 erhielt der Pfarrer von den Hufnern je einen Scheffel Roggen und von den Kossäten je einen halben Scheffel. Der Küster bezog Naturalien und geringe Geldabgaben aus den Haushalten.
17. Jahrhundert Das Kirchenpatronat lag um 1600 anteilig bei den von Retzdorf zu Hinzdorf und den von Quitzow zu Rühstädt. Im Jahr 1608 existierte ein Rittersitz der von Retzdorf. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Hinzdorf stark in Mitleidenschaft gezogen: 1641 galt es als „sehr verwüstet“, die Wälder waren stark geschädigt, der Ackerbau vernachlässigt und es waren kaum noch Untertanen vorhanden. 1652 lebten im Ort drei Hufner und zwei Kossäten bei insgesamt 13 Personen. 1684 ist erneut ein Rittersitz der von Retzdorf bezeugt. 1686 bestanden fünf Hufner ohne eigene Hufen, zwei Kossäten und ein Kuhhirt, der zugleich die Schweine hütete; die Aussaat betrug insgesamt 6 Wispel 8 Scheffel. Ein Lehnschulze war nicht vorhanden. Die Felder wurden ohne feste Schläge jährlich bestellt; der Ertrag lag bei Weizen beim siebenten, bei Roggen und Gerste beim sechsten Korn. Die Wiesen galten als gut (ein Hufner bis zu 12, ein Kossät 4–5 Fuder Heu). Ackerbau, Weidewirtschaft, Viehzucht und Fischerei wurden als gut eingeschätzt, jedoch führten Hochwasser der Elbe zu Schäden. Mast fehlte, Brennholz war nur notdürftig vorhanden; die wirtschaftliche Einstufung erfolgte in die erste Klasse.
18. Jahrhundert Im Jahr 1719 werden fünf Hufner, zwei Kossäten und ein Hirt ohne Vieh genannt; es bestanden fünf Hufen zu je 14 Groschen. 1734 lebten im Dorf fünf Bauern, zwei Kossäten, drei Häuslinge und zwei Hirten bei fünf Hufen und einer Aussaat von insgesamt 6 Wispel 8 Scheffel. 1745 wird Hinzdorf als Dorf mit Rittersitz beschrieben; es gab fünf Bauern und zwei Kossäten. 1760 bestanden fünf Hufner, zwei Kossäten und ein Kötter bei fünf Hufen. 1791 wurde Hinzdorf als Dorf mit Vorwerk geführt; es zählte fünf Bauern, zwei Kossäten, zwei Büdner, drei Häusler und einen Krüger bei 16 Feuerstellen.Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (=Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 351
19. Jahrhundert 1801 lebten im Ort fünf Ganzbauern, zwei Kossäten, zwei Büdner und vier Einlieger bei weiterhin 16 Feuerstellen; zudem bestand ein Gut. 1804 wurde das Rittergut durch die von Saldern für neun Jahre an den Schulzen und zwei Bauern verpachtet; dazu gehörte auch das Flurstück „hinter Telschow“, das teilweise an die Gemeinde Klein Lüben verpachtet werden konnte. 1819 bestanden fünf Hufner, zwei Kossäten, ein Kötter und ein Kuhhirt; wiederum werden fünf Hufen zu je 14 Groschen genannt. 1846 zählte das Dorf 20 Wohnhäuser. 1852 wurde die wirtschaftliche Situation näher beschrieben: Die Böden waren überwiegend sandig, teils lehmig und aufgeschwemmt, zwischen Elbe und Karthane gelegen; stellenweise handelte es sich um Kleiboden mit Raseneisenstein. Die Wiesen waren zweischürig, die Viehhaltung erfolgte auf Koppelweiden. Neben Pferde- und Rinderhaltung wurden vor allem Kälber und Fohlen gezüchtet und verkauft; Schafzucht spielte keine Rolle. Fischerei wurde in Elbe und Karthane sowohl mit Netzen als auch überwiegend mit Reusen betrieben. Es bestand eine Holländermühle. Haupterwerbsquellen waren Ackerbau (Getreide und Kartoffeln) und Viehzucht, daneben wurde Flachs für den Eigenbedarf angebaut. Im Jahr 1860 umfasste das Dorf 1011 Morgen (7 Morgen Gehöfte, 4 Morgen Gartenland, 224 Morgen Acker, 251 Morgen Wiese, 242 Morgen Weide, 183 Morgen Wald) sowie 273 Morgen im Gut (1 Morgen Gehöfte, 1 Morgen Gartenland, 65 Morgen Acker, 81 Morgen Wiese, 74 Morgen Weide, 51 Morgen Wald). Zugleich wurden ein öffentliches, 14 Wohn- und 21 Wirtschaftsgebäude (darunter eine Getreidemühle) im Gemeindeteil sowie zwei Wohn- und drei Wirtschaftsgebäude im Gutsbezirk gezählt. 1864 wurde das Rittergut parzelliert; 1873 wurde es mit einem Areal von 69 ha endgültig aufgeteilt, wobei 54 ha an die Gemeinde Hinzdorf und 15 ha an Klein Lüben fielen.
20. und 21. Jahrhundert mini|hochkant|Dorfkirche von 1908 Um 1900 bestand Hinzdorf aus 29 Häusern bei einer Fläche von 391 ha; diese Fläche ist auch für 1931 überliefert, als ebenfalls 29 Wohnhäuser gezählt wurden. 1907 bestanden unter anderem fünf Bauernhöfe (36–43 ha), ein Gastwirt (18 ha), ein Mühlenbesitzer (8 ha), ein Fischereibesitzer, ein Maurerpolier (2 ha) und ein Lehrer. 1939 gab es sechs land- und forstwirtschaftliche Betriebe mit 20–100 ha, vier mit 10–20 ha, einen mit 5–10 ha sowie elf Kleinbetriebe; insgesamt 62 Personen waren in der Landwirtschaft tätig, daneben 36 in Industrie und Handwerk sowie elf in Handel und Verkehr.
1946 gehörte der Ort zum Landkreis Westprignitz im neu gegründeten Land Brandenburg und verzeichnete 174 Einwohner. Am 25. Juli 1952 kam die damalige Gemeinde zum neu geschaffenen Kreis Perleberg und wurde am 20. Oktober 1971 ein Ortsteil der Stadt Wittenberge. Nach 1945 erfolgte eine Bodenreform; 1946 wurden 15,66 ha enteignet und aufgeteilt. 1958 entstand die LPG Elbestrom mit sieben Mitgliedern und 89,50 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche, 1960 eine LPG Typ I mit 13 Mitgliedern und 138,55 ha (ohne die Ortsteile Schadebeuster und Zwischendeich). 1970 wurde diese LPG der LPG Einigkeit in Gulow angeschlossen. Ab 17. Mai 1990 bestand der bisherige Kreis als Landkreis Perleberg fort und ging am 6. Dezember 1993 im heutigen Landkreis Prignitz auf. 2006 verfügte der Ort über 99 Einwohner.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Denkmalgeschütztes Wohnhaus in der Dorfstraße 24 Die Dorfkirche Hinzdorf ist ein neuromanischer Saalbau aus dem Jahr 1908. Im Innern befindet sich unter anderem eine gemauerte Kanzel und ein oktogonaler Taufstein aus dieser Zeit. Das Wohnhaus in der Dorfstraße 24 steht unter Denkmalschutz.
Literatur
Weblinks
Infos zur Stadt auf wittenberge.de
Einzelnachweise
Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Prignitz) Kategorie:Ersterwähnung 1454 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971 Kategorie:Ort an der Elbe Kategorie:Ort im Landkreis Prignitz Kategorie:Geographie (Wittenberge)