Die Weißruthenische Heimwehr (, Belaruskaja krajowaja abarona, BKA) war ein belarussischer Verband, der auf der deutschen Seite im Zweiten Weltkrieg kämpfte.

Geschichte Nachdem die Rote Armee immer weiter vorrückte, gingen die deutschen Besatzer dazu über, sogenannte Ostvölker zu bewaffnen.

Am 23. Februar 1944 entschied sich Generalkommissar Curt von Gottberg dazu, eine weißrussische Armee zu gründen, welche unter dem Kommando von Franzischak Kuschal stehen sollte, der bereits als Leiter des Weißruthenischen Selbstschutzkorps fungierte. Drei Wochen nach Billigung des Projekts begann die Mobilisierung der Soldaten. Dabei wurden alle ehemaligen Offiziere einberufen, sowohl der zaristischen als auch der polnischen Armee, sowie sämtliche Männer der Jahrgänge 1918 bis 1924. Wer sich nicht innerhalb der vorgegebenen Frist meldete, dem drohte die Todesstrafe. Des Weiteren wurden die Familien der Rekruten haftbar gemacht, um so das Überlaufen zu den Partisanen zu verhindern.

Die BKA diente dabei nicht nur zum Schutz gegen Partisanen und Sabotageanschläge, sondern kämpfte auch an der Front gegen sowjetische Truppen.Alexander Brakel: Unter Rotem Stern und Hakenkreuz.Baranowicze 1939 bis 1944. Das westliche Weißrussland unter sowjetischer und deutscher Besatzung. (= Zeitalter der Weltkriege. Band 5). Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn u. a. 2009, ISBN 978-3-506-76784-4, S. 220.

Anfang März 1944 erhielt jedes Gebietskommissariat einen einheimischen Kommandeur. Innerhalb von wenigen Wochen wurden über 40.000 Männer eingezogen, von denen lediglich 21.629 in 34 Bataillone eingeteilt wurden.Alexander Brakel: Unter Rotem Stern und Hakenkreuz.Baranowicze 1939 bis 1944. Das westliche Weißrussland unter sowjetischer und deutscher Besatzung. (= Zeitalter der Weltkriege. Band 5). Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn u. a. 2009, ISBN 978-3-506-76784-4, S. 220–222. Ein Teil der Rekruten wurde in sechs Heimwehr-Pionier-Bataillone und weitere in Wehrmacht-Pionier-Bataillone eingegliedert.Babette Quinkert: Propaganda und Terror in Weißrußland 1941-1944: Die deutsche "geistige" Kriegführung gegen Zivilbevölkerung und Partisanen. Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2009, ISBN 978-3-506-76596-3, S. 311. Die übrigen Rekruten wurden zu Tätigkeiten wie Schanzarbeiten verpflichtet oder sogar zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt. Tausende Mitglieder kehrten später der BKA den Rücken und liefen zu den Partisanen über.Alexander Brakel: Unter Rotem Stern und Hakenkreuz.Baranowicze 1939 bis 1944. Das westliche Weißrussland unter sowjetischer und deutscher Besatzung. (= Zeitalter der Weltkriege. Band 5). Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn u. a. 2009, ISBN 978-3-506-76784-4, S. 220–222.

Die Einheiten der BKA beteiligten sich aktiv am Partisanenkrieg bis Juli 1944. Ihre Kommandanten sollten sämtliche Aktionen mit der Wehrmachtsführung abstimmen. Jedoch fehlte in meisten Fällen die notwendige Koordination. Obwohl die Soldaten und Offiziere der BKA nicht ausreichend ausgebildet waren, leisteten einige Einheiten zum Teil erbitterten Widerstand gegen die Partisanenabteilungen. Zu den Militäraktionen zählte u. a. das gemeinsam mit der zur SS gehörenden Kampfgruppe von Gottberg, der 95. Infanterie-Division und der 201. Sicherungs-Division durchgeführte Unternehmen „Frühlingsfest“ im Gebiet südwestlich der Stadt Polazk und bei Lepel im Norden Weißrusslands.Dieter Pohl: Die Herrschaft der Wehrmacht. Deutsche Militärbesatzung und einheimische Bevölkerung in der Sowjetunion 1941–1944. Oldenbourg Verlag 2011, ISBN 978-3-596-18858-1, S. 293 Infolgedessen verloren die sowjetischen Untergrundkämpfer mehr als 80 Prozent ihres Kampfpersonals. Insgesamt wurden bei diesem Unternehmen 7000 Menschen ermordet, 7000 Gefangene gemacht und 11.000 Einwohner des Gebiets zur Zwangsarbeit in das Dritte Reich verschleppt.

Mit dem zunehmenden Vorrücken der Roten Armee wurden die Mitglieder in die 30. Waffen-Grenadier-Division der SS (weißruthenische Nr. 1)Gordon Williamson: Die SS. Hitlers Instrument der Macht, Kaiser, 2005, S. 246. versetzt. Während einige Angehörige der Weißruthenischen Heimwehr in Weißrussland blieben, gegen die Rote Armee Widerstand leisteten und von den sowjetischen Behörden entweder verhaftet oder getötet wurden (→Luftlandebataillon Dallwitz)Сергей Геннадьевич Чуев: Спецслужбы Третьего рейха (Sergei Gennadewitsch Tschujew: Spezialeinheiten des Dritten Reiches). Olma Media Group, Sankt Petersburg / Moskau 2003, ISBN 5-7654-2826-6 (lib.rus.ec), gelang anderen die Flucht nach Westen.Boris Ragula: Against the current: The memoirs of Boris Ragula. McGill-Queen's University Press 2005, ISBN 0-7735-2964-0, S. 73–95.

Einzelnachweise

Kategorie:Weißrussische Kollaboration Kategorie:Ausländische Freiwilligeneinheit der Waffen-SS Kategorie:Gegründet 1944 Kategorie:Aufgelöst 1945