mini|Blick vom Königsberg ins Luckauer Becken mit der Stadtsilhouette Luckaus
Walddrehna ()Eintrag „Serbski Drjenow“ in der niedersorbischen Ortsnamendatenbank auf dolnoserbski.de ist der größte Ortsteil der Gemeinde Heideblick im südbrandenburgischen Landkreis Dahme-Spreewald.
Lage Der Ort befindet sich etwa zwölf Kilometer südwestlich der Stadt Luckau an der Landesstraße 561. Das Dorf liegt direkt an der Berlin-Dresdener Eisenbahnlinie mit einem eigenen Haltepunkt. Die Regional-Express-Linie RE 8 hält alle zwei Stunden im Ort.
Walddrehna liegt auf dem Hochplateau des Niederlausitzer Grenzwalls, der etwa 1 km nordöstlich des Dorfes um etwa 70 m steil in das Luckaer Becken abfällt. Das Dorf ist an allen Seiten von Kiefernwäldern umgeben. Westlich grenzt Walddrehna an die Rochauer Heide, eines der größten geschlossenen Waldgebiete Brandenburgs. Die höchsten Erhebungen sind der Mosesberg und der Grüne Berg mit 140,5 m sowie der Königsberg mit 139,8 m. Unweit des Königsbergs in den Gehrener Bergen liegt auf der Gemarkung Walddrehnas der größte Findling Südbrandenburgs, der Teufelsstein.
Geschichte Erste urkundliche Erwähnung Der Ort wurde urkundlich erstmals im Jahre 1481 in einer Belehnungsurkunde als Drenau erwähnt. In früheren Urkunden aus den Jahren 1446 und 1460 ist ein Michel von Drenow erwähnt. Ab dem 15. Jahrhundert bekam der Ort den Zusatz Wendisch- oder Windisch-, um eine Verwechslung mit dem nahe gelegenen Deutsch- – später Fürstlich-Drehna – auszuschließen. Im Zuge der Germanisierung sorbischer Ortsnamen unter nationalsozialistischer Herrschaft wurde Wendisch-Drehna 1937 in „Walddrehna“ umbenannt. Im Gegensatz zu den meisten anderen umbenannten Orten erhielt Wendisch-Drehna seinen ursprünglichen Namen nach dem Krieg nicht zurück.
Frühgeschichte Zwei bronzezeitliche Urnengräber der Lausitzer Kultur zeugen von einer ersten Besiedelung in Walddrehna zwischen ca. 1400 und 500 v. Chr. Etwa 700 Jahre später, ca. 200 n. Chr., ließen sich in Walddrehna Germanen nieder. Bei bauhistorischen Untersuchungen an der Dorfkirche fielen Steine ungewöhnlicher Gestalt ins Auge. Bei diesen Steinen handelt es sich um sogenannte Schlackesteine, die als Abfallprodukte bei der Herstellung von Eisen entstanden. Hierbei wurde der eisenhaltige Raseneisenstein im sogenannten Rennofen verhüttet. Germanische Rennöfen wurden bei archäologischen Grabungen in der Nähe von Waltersdorf (bei Luckau) gefunden. Durch die Vielzahl von Schlackeresten, die um Walddrehna gefunden wurden, lässt dies auf eine germanische Eisenverhüttung im Ort schließen. Die hier ansässigen Germanen zogen während der großen Völkerwanderung in das Gebiet des heutigen Thüringens ab. Das freigewordene Gebiet östlich der Elbe wurde vom slawischen Stamm der Lusitzi besetzt.
Mittelalter Auf dem „Grünen Berg“ zwischen Walddrehna und Gehren errichteten unbekannte Erbauer um das Jahr 960 die angeblich nach dem Markgrafen Gero benannte Burg Jarina.Thietmar von Merseburg, Chronik, Buch VI, Kapitel 57: a Gerone dicta marchione = „nach Markgraf Gero benannt.“ Vermutungen, die Burg sei von Gero selbst erbaut worden, lassen sich nicht belegen. Wahrscheinlich steht die Errichtung der für die mittelalterliche Niederlausitz einzigartigen Höhenburg im Zusammenhang mit dem drei Jahre später belegten Feldzug des Markgrafen gegen den hier ansässigen Stamm der slawischen Lusitzi,Widukind von Corvey, Sachsengeschichte Buch III, Kapitel 67. deren Fürsten er dem ostfränkischen Kaiser Otto I. tributpflichtig machte.Ralf Gebuhr: Jarina und Liubusua – Kulturhistorische Studie zur Archäologie frühgeschichtlicher Burgen im Elbe-Elster-Raum. (=Studien zur Archäologie Europas, Bd. 6). Bonn 2007 S. 34 f., 71–104. Rund 50 Jahre später, wohl für das Jahr 1010, wurde die Burg im Zusammenhang mit den Polenfeldzügen Heinrichs II. in der Chronik des Thietmar von Merseburg erstmals erwähnt. Bei seinem dritten Feldzug gegen den polnischen Herzog Bolesław Chrobry, der die Machtstellung Heinrichs als gottunmittelbare Autorität nicht anerkennen wollte, versammelte er sein Heer in Belgern an der Elbe. Auf dem Weg in das Feindesland erkrankte Heinrich jedoch bei der Burg Jarina, die mittlerweile unter der Führung des Markgrafen Gero stand, und nahm sein Krankenbett auf dieser Burg. Hier nahmen sie zwei Brüder aus der Burg Brandenburg an der Havel fest, welche den Böhmenkönig aufgesucht hatten, um gegen Heinrich II. zu opponieren. Als sie sich weigerten von ihrem Plan zu berichten, wurden sie auf einer nahegelegenen Anhöhe, wohl auf dem Grünen Berg, gehängt. Der Kaiser kehrte in Begleitung einiger Bischöfe ins Reich zurück. Die übrigen Kontingente verwüsteten das umliegende Gebiet, bevor sie ebenfalls den Heimzug antraten. Nachdem das Gebiet zwischen Elbe und Lausitzer Neiße im 11./12. Jahrhundert endgültig unterworfen war, wanderten Siedler aus dem süd- und mitteldeutschen Raum in die noch dünn besiedelte Mark Lausitz ein und gründeten in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts das Straßendorf Wendischdrehna.Higounet, Charles: Die deutsche Ostsiedlung im Mittelalter. Siedler, Berlin 1986, ISBN 978-3-88680-141-1. Einige Jahre später, im letzten Viertel des 12. Jahrhunderts wurde die romanische Feldsteinkirche als Rechtecksaal mit eingezogener halbrunder Apsis errichtet und zählt somit als Teil einer kleinen Kirchengruppe südlich von Luckau zu den ältesten Bauwerken Brandenburgs. Nach einem Brand im 15. Jahrhundert wurde die Kirche im spätgotischen Stil wiederaufgebaut. Alle Fenster- und Türöffnungen wurden spitzbogig mit Formsteinarchivolten umgebaut. Auf den beiden Feldsteinrundpfeiler vor dem Westgiebel wurden hohe Spitzbogenarkaden aufgesetzt, auf denen ein achtseitiger Backsteinhelm ruht.Thomas Krause: Dorfkirche Walddrehna – Die Baugeschichte eines einzigartigen Baudenkmals. In: Annegret Gehrmann & Dirk Schumann (Hrsg.): Dorfkirchen in der Niederlausitz, Geschichte – Architektur – Denkmalpflege. Lukas, Berlin, 1. Auflage 2011, ISBN 978-3-86732-054-2, S. 429 Das Dorf gehörte von alters her zur Herrschaft Sonnewalde und bestand bis ins 16. Jahrhundert aus sieben Bauerngehöften, einer Schänke und einer Windmühle auf dem Grünen Berg. Wohl im ausgehenden 16. Jahrhundert wurde von den Herren von Sonnewalde am östlichen Dorfrand ein gräfliches Jagdschloss als zweigeschossiger Fachwerkbau errichtet, welches später als Försterei genutzt wurde.
Im mittelalterlichen Dorf Wendischdrehna kreuzten sich zwei der bedeutendsten Handelsrouten der Niederlausitz. Die eine führte von Hamburg und Lüneburg nach Schlesien, Böhmen und Österreich, während die zweite, als Frankfurter Geleis bezeichnet, Leipzig und Mitteldeutschland mit Frankfurt (Oder) und Ostpreußen verband und sich so zu Zeiten der Hanse zu einem der bedeutendsten Handelswege Mitteleuropas entwickeln konnte.Aurig, Rainer: Möglichkeiten und Grenzen interdisziplinärer Altstraßenforschung – vorwiegend mit Beispielen aus der westlichen Niederlausitz. In: Klaus Neitmann (Hrsg.): Im Schatten mächtiger Nachbarn – Politik, Wirtschaft und Kultur der Niederlausitz zwischen Böhmen, Sachsen und Brandenburg-Preußen. be.bra Berlin 2006, ISBN 978-3-937233-23-9. Im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts verlagerte sich der Wegeverlauf etwa 2 km nach Norden und entsprach nun der heutigen Bundesstraße 87.Lehmann, Rudolf: Geschichte des Markgrafentum Niederlausitz. Der Schicksalsweg einer ostdeutschen Landschaft und ihrer Menschen. Dresden 1937 Dieses hohe Verkehrsaufkommen war wahrscheinlich auch der Grund, warum das Dominikanerkloster Luckau um 1500 in Wendischdrehna einen Bettelsordensbezirk einrichtete.Franke, Ellen: Dominikanerkloster Luckau. In: Heinz-Dieter Heimann (Hrsg.): Klosterbuch Brandenburg Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. be.bra, Berlin 2007, ISBN 978-3-937233-26-0. Neben dem Handelsverkehr dienten die Handelsstraßen auch als bevorzugte Route für Pilger, da die nötige Infrastruktur vorhanden war. Der Handelsweg von Frankfurt/Oder nach Leipzig wurde somit zu einem der Hauptpilgerwege aus den östlichen deutschen Provinzen und Polen auf dem Jakobsweg zum Grab des Heiligen Jakobus in Santiago de Compostela. Neben der Landwirtschaft entwickelte sich der Bergbau zu einem wichtigen Erwerbszweig. Im Jahr 1561 wurde ausweislich einer Rechnung erstmals Kalk weiterverarbeitet und nach Sonnewalde geliefert.Informationstafel Walddrehna im Wandel der Zeiten, aufgestellt am Lindenplatz, Juli 2020.
Neuzeit Der größte Einschnitt in der Ortsgeschichte kam während des Dreißigjährigen Krieges im Winter der Jahre 1636/1637. Die schwedischen Truppen hausten in der Niederlausitz und verwüsteten und verbrannten auch das Dorf Wendischdrehna. Alle Einwohner wurden entweder getötet oder hatten das Dorf verlassen. Nur die Kirche, die Försterei und die Schänke haben die Schrecken dieses Krieges überstanden. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts errichtete der Graf Solms von Sonnewalde einen Gutsbezirk mit Gutshof, Schäferei und einer Ziegelei und beanspruchte damit gut 80 Prozent der Dorffläche. Er nutzte dabei einen zweigeschossigen Fachwerkbau aus dem 16. Jahrhundert, der als Forsthaus errichtet worden war und nun als Jagdschloss diente.Informationstafel Die Gräfliche Försterei, aufgestellt am Weltkriegsdenkmal, Juli 2020. Im Jahr 1718 bestand der Gutsbezirk Wendisch-Drehna mit einem Vorwerk Drehna, einem Krug, einem gräflichen Jagdschloss sowie einem Hammelstall. Das Jagdschloss sowie die Hälfte des Hammelstalls nutzte der Graf selbst; die übrigen Anteile wurden verpachtet. Zu den wirtschaftlich erfolgreichsten Pächtern zählte Heinrich Wilhelm Nathusius, der zu einem späteren Zeitpunkt auch die Güter in Weissagk und Waltersdorf pachtete.Informationstafel Das Gräfliche Gut, aufgestellt am Weltkriegsdenkmal, Juli 2020. Mit der Zeit siedelten sich wieder Bauern im Dorf an, die 252 ha bewirtschaften konnten. Bis zur einsetzenden Industrialisierung gab es im Ort 7 Großgärtner, 9 Mittelgärtner, 6 Kleingärtner und 2 Häusler sowie die Gutspächter und deren Angestellte.Ortschronik Walddrehna, unveröffentlichtes Manuskript Der Hammelstall wurde zu einem späteren Zeitpunkt zur Schäferei Karlshof ausgebaut; eine Überreste befinden sich im 21. Jahrhundert an der Straße nach Waltersdorf. Die Haupteinnahmequelle des Guts war jedoch die Brennerei, die einen 92%igen Sprit produzierte.
Industrialisierung mini|Fahne der Gewerkschaft für die Braunkohlenwerke Wendisch Drehna
Durch den Grafen Solms von Sonnenwalde wurde auf dem Gut in den Jahren 1833 bis 1836 eine Brennerei errichtet. Ebenfalls durch den Grafen wurde 1854 eine der ersten Braunkohlengruben in der Niederlausitz eröffnet. Hierbei wurde die Kohle unter Tage gefördert und mittels einer Haspel zu Tage gefördert. An gleicher Stelle wurde 20 Jahre später die Grube Franziska bergbehördlich angemeldet. Der Abbau erfolgte in flachen, unterirdischen Schächten die bis 40 m hinab reichten. Ab 1877 wurde die Kohle mittels einer Pferdebahn zum Bahnhof Wendischdrehna transportiert und verladen. In den sieben Jahren des Betriebs der Grube wurden 20.000 Tonnen Kohle gefördert.
Die eigentliche Industrialisierung setzte mit der Inbetriebnahme der Bahnstation Drähna der Berlin-Dresdener-Eisenbahn im Jahr 1875 ein. Dies führte zur Ansiedelung von mehreren Fabriken wie einer Blumentopf- und Tonwarenfabrik, einem Dampfsäge- und Hobelwerk, einer Dampfmühle und einer Konservenfabrik. Nach der Inbetriebnahme der Braunkohlengrube Barbarossa in der Nachbargemeinde Gehren wurde 1894 eine mit Dampfmaschine betriebene 3100 m lange Drahtseilbahn errichtet, welche die Kohle von Gehren zum Bahnhof Wendischdrehna transportierte. Später errichtete man südlich des Bahnhofs eine Preß-Kohlenfabrik (Brikettfabrik). Die Braunkohlenförderung im Förderraum Wendischdrehna wurde 1899 infolge einer Insolvenz eingestellt.