mini|Das Park Hotel Café Lück am Eröffnungstag, dem 15. Oktober 1909 Das Café Lück, ab 1909 auch als Park-Hotel bezeichnet, war ein bekanntes und exklusives Café und Hotel in Braunschweig, das an der Ecke Steinweg 22/Theaterwall 1 von 1861 bis 1961 betrieben wurde. Es war Schauplatz zweier historisch bedeutsamer Ereignisse in der Zeit des Nationalsozialismus in Braunschweig.Robert L. Hewitt: Workhorse of the Western Front. The Story of the 30th Infantry Division. Part five – The Battle of Germany. Washington D.C. 1946, ISBN 978-0-89839-036-0, S. 262.Ulrich Menzel: Die Steigbügelhalter. Annotierte Chronik zur Einbürgerung Hitlers in Braunschweig. Forschungsberichte aus dem Institut für Sozialwissenschaften (ISW), der Technischen Universität Braunschweig, Braunschweig 2014, , S. 110.Karl-Joachim Krause: Braunschweig zwischen Krieg und Frieden. Die Ereignisse vor und nach der Kapitulation der Stadt am 12. April 1945. S. 73.

Geschichte mini|Der Steinweg um 1898: Rechts das 1861 von Constantin Uhde erbaute „Café Lück“ mini|Bettenkarte des Park Hotels Braunschweig mit vier Modellen der Aufbettung zur Auswahl. In Deutsch, Englisch und Französisch. Ca. 1909. Das dreistöckige Gebäude wurde 1861 nach Plänen des Braunschweiger Architekten Constantin Uhde für den Konditor August Lück († 1870), „Hof-Traiteur u. Großherzogl. Hessischer Hoflieferant“,Dieter Heitefuß: Erinnerungen an Alt-Braunschweig 1930–1960. Braunschweig 1995, ISBN 3-9803243-3-8, S. 48. gebaut. Das Café wurde am 14. September 1861 eröffnet, nur gut zwei Wochen, bevor das nur wenige Meter entfernt schräg gegenüber liegende Staatstheater Braunschweig am 1. Oktober 1861 feierlich eingeweiht wurde.Norman-Mathias Pingel: Lück, Café. In: Luitgard Camerer, Manfred R. W. Garzmann, Wolf-Dieter Schuegraf, Norman-Mathias Pingel (Hrsg.): Braunschweiger Stadtlexikon. S. 148.

mini|Gesellschafts- und Hochzeitssaal für 180 Personen im Park Hotel Braunschweig Schon bald entwickelte sich das Café zu einem beliebten Treffpunkt für Künstler und Theaterleute in Braunschweig. Der „Glaskasten“ genannte, Wintergarten-ähnliche Vorbau auf der Ostseite sowie Musikkapellen, die im Kaffeegarten spielten, trugen zum exklusiven Ruf des Hauses bei. Viele lokale und nationale Künstler und Schauspieler wie zum Beispiel Heinz Rühmann besuchten das Café und wohnten im Hotel.

mini|Fremdenzimmer im Park Hotel Braunschweig. Salon aus Citronenholz 1895 übernahm Karl Kalms († 1938) das Haus und wandelte das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft um, deren Direktor er wurde. Das Unternehmen trug fortan den Namen „Conditorei und Restaurant Café Lück“. In den Folgejahren erwarb die Gesellschaft mehrere Grundstücke in der Nachbarschaft des Cafés am Theaterwall und der Mauernstraße. Von 1908 bis 1909 ließ er das bestehende Gebäude nach Plänen des Architekten Otto Eggeling mit Jugendstil-Elementen neu erbauen und gleichzeitig auch noch einen großen Hotelkomplex, das „Park-Hotel“, anbauen. Die Neueröffnung von Café und Hotel fand am 1. September 1909 statt.Jürgen Hodemacher: Braunschweigs Straßen – ihre Namen und ihre Geschichten, Band 1: Innenstadt. Cremlingen 1995, ISBN 3-927060-11-9, S. 307.

Ziel der Erneuerung war es, in Braunschweig eine den Ansprüchen eines internationalen Publikums an moderne Standards und zeitgemäßen Komfort entsprechende Hotellerie zu etablieren. Teil des Hauses waren nun neben dem Gastronomiebereich aus Weinrestaurant, Bierrestaurant, Offizierssaal, Fest- und Konferenzsälen, dem Glaskasten genannten großen Wintergarten, der Außenterrasse im Schatten der Kastanien und neben dem umfangreichen Veranstaltungsbetrieb mit Silvesterfeiern, Fastnachtsbällen, Tanz- und Wohltätigkeitstees und Konzertabenden samt eigener Hauskapelle auch 30 Fremdenzimmer für Übernachtungsgäste. Sie waren über trittschalldämmende Läufer auf den Fluren zu erreichen und boten entgegen dem damals noch üblichen Niveau sämtlich fließend warmes und kaltes Wasser, viele auch ein eigenes, marmorgefliestes Bad. Furore machten sie besonders dadurch, dass vier unterschiedliche Bettungen nach verschiedenen europäischen Standards angeboten wurden, zwischen denen der Gast frei wählen konnte. Modernen Ansprüchen entsprachen auch der vorhandene Lift, die Dampfheizung, das elektrische Licht, die in allen Fremdenzimmern vorhandenen Rufanlagen und Telefonanschlüsse und die Autogarage. Den Gästen zur Verfügung stand zudem ein Schreibmaschinenzimmer samt Stenographistin.

Das Park Hotel wurde am 15. Oktober 1909 eröffnet.Zur Geschichte des Park Hotels bis zum Tod von Karl Kalms 1938 vgl. Albrecht, S. 244–252. Es galt in der Stadt architektonisch als „Zierde für die Promenade und die ganze Straße“ und im Übrigen als „einer Stadt wie Braunschweig würdiges Hotel, Restaurant und Café.“ Dank der Unermüdlichkeit seines Direktors blieb das Café Lück ein beliebter Treffpunkt der Gesellschaft, vor allem auch der Theaterleute und der Theaterbesucher, denen abends nach Ende der Vorstellung ein behaglicher Aufenthalt ermöglicht wurde. Ein Magnet für Gäste aus der Region waren auch die zahlreichen Musikveranstaltungen am Nachmittag oder am Abend.Vgl. Albrecht, S. 361 f. Das Park Hotel wurde überregional geschätzt und hob nach allgemeiner Ansicht bedeutend die Attraktivität der Stadt für den Fremdenverkehr.Fritz von Noharra: Den Trauben nach! Eine herbstliche Autotour mit Randbemerkungen. In: Elegante Welt. Die Zeitschrift der Dame. September 1931, betr. das Park Hotel und seinen besonderen Komfort als „das bestgeleitete Hotel Deutschlands“. Darüber hinaus vgl. die Zeitungsberichterstattung im Oktober 1934 zum 25-jährigen Bestehen des Park Hotels (Ausschnittsammlung im Archiv der Kalms GmbH & Co. KG, Braunschweig). Im Juni 1928 erwarb Kalms noch das Grundstück Theaterwall 2 aus dem Besitz des Seifenfabrikanten Ernst Weber hinzuKaufvertrag für das Grundstück Bd. 43 A Bl. 67 Nr. ass. 3826 (Theaterwall 2), notariell beurkundet von Dr. Alfred Jürgens am 2.6.1928, Reg. Nr. 15442 (Fünfte Ausfertigung im Archiv der Kalms GmbH & Co. KG, Braunschweig). und ließ hier weitere elegante Hotelzimmer für Gäste sowie ein Musikzimmer und Konferenzräume einrichten, die über einen schwebenden Verbindungsgang vom ersten Obergeschoss des Park Hotels aus zu erreichen waren.

Das Hotelgebäude wurde während des Zweiten Weltkrieges 1944 zwar beschädigt, überstand ansonsten jedoch – im Gegensatz zu seiner unmittelbaren Umgebung – den verheerenden Bombenangriff vom 15. Oktober 1944 auf die Stadt. Nach dem Kriegsende beschlagnahmten die Alliierten das Gebäude und nutzen es bis 1952. Bis zu seinem Abriss 1961 diente es wieder als Hotel. Heute steht an gleicher Stelle ein modernes Gebäude, in dem sich unter anderem das „Café Haertle“ befindet.Website des „Café Haertle“

Im Park Hotel übernachteten Komponisten wie Max Reger (1916), Eugène d’Albert (1927), Hans Pfitzner (1935) und Eduard Künneke. Im Gästebuch des HotelsGästebuch des Park Hotels 1909–1955 im Archiv der Kalms GmbH & Co. KG, Braunschweig.Harald Duin: Das alte Café Lück. Im Sog des Theaters. Unterschriften von Henny Porten, Heinz Rühmann und Heinrich George im Gästebuch der Familie Kalms. In: Braunschweiger Zeitung. 20. April 1995, S. 17. verewigten sich u. a. die Schauspieler Henny Porten, Käthe Dorsch, Heinrich George und Heinz Rühmann, die Dirigenten Willy Czernik, Hermann Abendroth und Wilhelm Furtwängler, die Opernsängerin Margarete Bäumer, die Tenöre Helge Rosvaenge und Franz Völker, aber auch andere Vertreter der darstellenden Künste wie das dänische Komiker-Duo Pat und Patachon und der Schweizer Clown Grock. Eintragungen im Gästebuch aus der Zeit von Karl Kalms I. stammen auch von Marinehelden wie Felix Graf Luckner oder von Luftschiff- und Flugzeugpionieren wie Hugo Eckener, Elly Beinhorn und Wolfgang von Gronau, der am 17. Dezember 1932 eintrug: „nach Rückkehr vom Weltflug 1932 zum 13. Mal im Park Hotel“.

Historischer Ort Im „Café Lück“ fanden zwei für die jüngere Geschichte von Stadt und Land Braunschweig bedeutsame Ereignisse statt. Sie stehen in direktem Zusammenhang mit Aufstieg und Ende des Nationalsozialismus in Braunschweig.

Karl-Joachim Krause bezeichnete diese beiden Ereignisse am selben Ort in seinem 1994 erschienenen Buch Braunschweig zwischen Krieg und Frieden. Die Ereignisse vor und nach der Kapitulation der Stadt am 12. April 1945 als „Treppenwitz der Geschichte“:

Einbürgerung Adolf Hitlers

Das erste Ereignis fand am 17. Februar 1932 statt: Im Café trafen sich gegen 22:00 Uhr der NSDAP-Politiker Ernst Zörner, Präsident des Braunschweigischen Landtages und Freund Adolf Hitlers sowie Zörners Schwager, der Braunschweiger Unternehmer Carl Heimbs (Heimbs Kaffee), Vorstandsmitglied der Deutschen Volkspartei (DVP) sowie wahrscheinlich auch Friedrich Alpers, NSDAP-Mitglied, Braunschweigischer Minister sowie Angehöriger von SA- und SS.Ulrich Menzel: Annotierte Chronik zur Einbürgerung Hitlers in Braunschweig. S. 109–110. Aus der Berliner Parteizentrale der NSDAP war außerdem extra für diese Besprechung Hitlers juristischer Berater Hans Frank angereist.Ernst-August Roloff: Bürgertum und Nationalsozialismus 1930–1933. Braunschweigs Weg ins Dritte Reich. Hannover 1961, S. 93.

Grund des Zusammentreffens waren die seit etwa 1925 – zum Teil konspirativ – betriebenen Versuche zur Einbürgerung Adolf Hitlers. Nachdem mehrere dieser Versuche in den vorangegangenen Jahren zum Teil spektakulär gescheitert waren, waren etliche NSDAP-Politiker und nationalkonservative Abgeordnete des Braunschweigischen Landtages seit Anfang 1932 damit beschäftigt, Hitler die für die Reichspräsidentenwahlen am 13. März 1932 notwendige deutsche Staatsbürgerschaft zu verschaffen. Dazu sollte Hitler vom Land Braunschweig – nicht von der Stadt Braunschweig – die Stelle eines Regierungsrates in der braunschweigischen Gesandtschaft beim Reichsrat in Berlin verschafft werden.Ernst-August Roloff: Bürgertum und Nationalsozialismus 1930–1933. Braunschweigs Weg ins Dritte Reich. S. 94.

Das Treffen endete damit, dass sich Heimbs anbot, diesbezüglich bei Heinrich Wessel (DVP), Vizepräsident des Braunschweigischen Landtages, vorstellig zu werden und sich für die Einbürgerung Hitlers einzusetzen. Hitler wurde daraufhin nur eine Woche später, am 25. Februar 1932, vom Land Braunschweig als Regierungsrat beim Landeskultur- und Vermessungsamt mit Dienstpflicht als Sachbearbeiter bei der Braunschweigischen Gesandtschaft in Berlin angestellt.Schreiben des Staatsministers Küchenthal an den Braunschweigischen Gesandten Friedrich Boden in Berlin. auf vernetztes-gedaechtnis.deEinbürgerung – Professor Hitler – Zeitgeschichte. In: Der Spiegel. vom 27. September 1961.

Ulrich Menzel bezeichnet „das Treffen im Parkhotel [als] das Schlüsselereignis, das erkläret [sic!], warum trotz der vielen Bedenken und Widerstände die Einbürgerung [Hitlers] doch noch rechtzeitig zustande gekommen ist.“Ulrich Menzel: Die Steigbügelhalter. Annotierte Chronik zur Einbürgerung Hitlers in Braunschweig. S. 110 und S. 278 („Durchbruch“). Diese Einschätzung teilte auch der Historiker und Politiker Ernst August Roloff, Gründer der Bürgerlichen Einheitsliste (BEL).Ulrich Menzel: Die Steigbügelhalter. Annotierte Chronik zur Einbürgerung Hitlers in Braunschweig. S. 263.

Übergabe der Stadt Braunschweig

Das zweite Ereignis fand in den frühen Morgenstunden des 12. April 1945 statt. Weniger als einen Monat vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs näherten sich Verbände der 30. US-Infanteriedivision der 9. US-Armee von Westen kommend Braunschweig, um die schwer zerstörte Stadt nach Möglichkeit kampflos einzunehmen.