mini|300px|Arnold Mercators Kölner Stadtansicht von 1570 – Breite Straße („die breide straiß“) und Glockengasse („klockergaß“) in der Höhe der heutigen Schwertnergasse („swadergaß“) Breite Straße (auf Kölsch: Brëitstroß) ist der Straßenname einer geschichtsträchtigen Straße in der Kölner Altstadt-Nord. Sie erstreckt sich vom Kolpingplatz bis zur Apostelnstraße und verläuft in Ost-West-Richtung.

Entstehungsgeschichte Die heutige Breite Straße kann auf eine bis zur Römerzeit zurückgehende Geschichte zurückblicken.

Römerzeit Die Breite Straße war ursprünglich die breiteste Straße innerhalb der Stadtmauer Kölns und ist römischen Ursprungs.Gerhard Curdes/Markus Ulrich, Die Entwicklung des Kölner Stadtraumes, 1997, S. 78 Sie diente als römische Heerstraße, die vom Rhein durch das Ehrentor „porta Herae“ nach Gallien führteFerdinand Franz Wallraf/J. H. Richartz, Ausgewählte Schriften, 1861, S. 125 und hieß zunächst „In lata platea“ oder „Platea lata“. Sie war 50 römische Fuß (14,80 Meter) breitCarl von Veith, Das römische Köln, 2013, S. 13 und hat ihre ursprüngliche Linienführung erhalten.Hermann Keussen (u. a.), Köln: Werden, Wesen, Wollen einer deutschen Stadt, 1928, S. 6 Von Breite Straße bis Schildergasse konnten allerdings relativ wenig Spuren der römischen Bebauung nachgewiesen werden, vereinzelt stieß man auf Gruben mit Spuren des augusteischen Straßennetzes.Konrad Kraft/Maria R. Alföldi, Die Fundmünzen der römischen Zeit in Deutschland, 1984, S. 252 Das lässt auf eine Anlegung der „lata platea“ zwischen 31 vor Christus und 14 n. Chr. schließen. Eine im Jahre 1954 in heutiger Nr. 100 ausgegrabene, in West-Ost verlaufende Rinne hatte eine Breite von 22,50 Metern.Kurt Keyser/Theodor Kraus, Köln und die Rheinlande, 1961, S. 71

Die Breite Straße war neben den Hauptachsen – dem cardo maximus (die Nord-Süd-Achse, heutige Hohe Straße) und dem decumanus maximus (die Ost-West-Achse, heutige Schildergasse)Heinz Heineberg, Grundriss Allgemeine Geographie, Teil X, Stadtgeographie / Geographische Stadtforschung, 1989, S. 63 – eine der ältesten Straßen der antiken CCAA und die ursprüngliche „Ehrenstraße“ dieser Zeit, benannt nach der Ehrenpforte. Die Straße verlor ihren Namen erst im Mittelalter durch ihre westlich stadtauswärts führende Verlängerung, die heutige Ehrenstraße. Aber auch die heutigen Straßen Unter Sachsenhausen (zwischen 1183 und 1233), Severinstraße (Urkunde aus 1261) und Marzellenstraße hießen damals „lata platea“.

Mittelalter mini|Klarissenkloster Sankt Clara Im Mittelalter übersetzte man die „lata platea“ wörtlich mit „Breiderstraissen“, „breidere straissin“ oder „up der breyderstraissen“, die Auf dem Berlich begann und nach Osten führte. Einige Bürger nannten sich nach der Straße, so etwa der Brauer („braxator“) E(c)kbert de lata platea (er lebte vor 1302), ein Gerhard auf der Breiderstrassen (lebte zwischen dem 1. Mai 1289 und dem 26. Februar 1302) oder der 1324 erwähnte Kölner Bürger „Hermann von der Breite Straße“. Auf der Breite Straße befand sich zwischen 1165 und 1452 eine von etwa zwei Dutzend öffentlichen Badestuben (baitstoven),Kölnischer Geschichtsverein, Jahrbuch, Bände 46-48, 1975, S. 147 so etwa die „Krele“ (1392).

In heutiger Breite Straße 6 lag Haus „de Coggone“ (zur Kogge oder auch „de Kocgen“)im Mittelalter gab es in Köln noch keine Hausnummern, sondern die Häuser wurden nach ihren Eigentümern oder Bewohnern benannt des Teodericus Sapiens.Hermann Keussen, Topographie der Stadt Köln im Mittelalter, Band 1, 1910, S. 289, b 5-7 Es wurde später durch 3 nebeneinander gebaute Häuser in Nr. 4–8 unter dem Namen „Haus Troya“ (Troien oder Troyen) zusammengefasst. Das große Anwesen übernahm Tuchhändler Heinrich von Gozelin (1250–1311) im Jahre 1294 zu 1/3 und 1295 ganz von den Eheleuten Heinrich und Aleyd (Adelheid) Schalle gegen einen jährlichen Erbzins von 6 Mark in Erbleihe. Unmittelbar daneben (Nr. 10) lag Haus „Ichendorp“ (Ychendorp), das Matthias vom Schaf (Thijs vanme Schaiffe) gehörte. Ein Haus „Zum Esel“ (ad Asinum; „zum Eysell“) ist seit 1297 in Nr. 126 als Eigentum der Erbin Godelivis vom Esel (de Asino) belegt,Toni Diederich, Regesten zu den Urkunden des Amtleutearchivs St. Columba in Köln, 2009, S. 376 das 1435 in einem Erlass des Magistrats als Hopfenbrauerei „zum Esel auf der Ehrenstraße“ auftauchte;Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein, Ausgaben 21-22, 1870, S. 107 FN 1 hieraus leitet das heutige Gasthaus Bier-Esel seinen Ursprung ab.in diesem Teilabschnitt hieß die Breite Straße früher noch Ehrenstraße Das Haus „Ad amplum hostium“ („zum großen Feind“) Breite Straße/Auf dem Berlich erschien in den Schreinsbüchern am 9. August 1379. Das „Haus Dänemark“ in Nr. 37 gehörte der vermögenden Gertrud von Dänemark,Hugo Stehkämper, Bürger und Kirchen in Köln im Hochmittelalter, 2007, S. 158 ein Haus „zome Schatzavel“ („zome schaitzauwel“) wird um 1499 erwähnt. Das Haus Kronenberg (Cronemberch) in Nr. 101 gehörte Tilmann Kronenberg, „zo der steinen Kemenaden“Kemenade war ein durch einen Kamin heizbarer Raum (de Cemenata) stand in Nr. 159 / Ecke Schwertnergasse. Das „Brauhaus zum Palast“ lag auf der Breite Straße zwischen Langgasse und Röhrengasse.Hermann Keussen, Köln: Werden, Wesen, Wollen einer deutschen Stadt, Band 2, 1928, S. 436 In Arnold Mercators Kölner Stadtansicht von 1570 hieß sie schließlich „breide straiß“.

Auf der Breite Straße gab es drei Konvente. Der westlich unweit der Römermauer (Nr. 76) gelegene Beginenkonvent Graloch (oder Grauloch) wurde 1323 durch Priester Hermann Kneiart für 12 Beginen errichtet und bekam im Laufe der Zeit verschiedene Namen, so ab 1416 „St. Anna zum obersten Lämmchen“ („zom Lempgen“). Dieser erhielt 1484 die franziskanische Drittordensregel. Der östlich gelegene Beginenkonvent Sebrecht hieß zur Unterscheidung „St. Anna zum untersten Lämmchen“ und wurde 1288 durch Priester Hermann Bischof als Hospital Heiligkreuz („hospitalis sti. Joannis Baptistae in platea lata Coloniae“) in Nr. 123–127 gegründet,Eduard Hegel, Das mittelalterliche Pfarrsystem und seine kirchliche Infrastruktur in Köln um 1500, 1992, S. 19 wird um 1390 als Pilgerherberge geführtToni Diederich, Regesten zu den Urkunden des Amtleutearchivs St. Columba in Köln, 2009, S. 329 und erhielt um 1500 die Drittordensregel. Durch die Fürsprache des Kurfürst-Erzbischofs Maximilian Heinrich von Bayern erlangten die Ursulinen unter Anna Maria de Heers 1640 die Erlaubnis zum Kauf des Hauses „Landscron“ in der Breite Straße 164.Andreas Rutz, Bildung, Konfession, Geschlecht, 2006, S. 248 Ihr Haus „Landscron“ war später baufällig geworden, so dass sie 1650 zum Domhof umzogen. Das Klarissenkloster Sankt Clara wurde 1306 bezogen und lag im Bereich Auf dem Berlich („off dem beerlich“) / Zeughausstraße / St. Apernstraße / Breite Straße.

Von der Gründerzeit bis zum Zweiten Weltkrieg

Um 1720 wurden hier Spitzgiebelhäuser errichtet wie das Brauhaus „Zur Zweipann“ in Nr. 17, dessen Name auf die hier vorhandene doppelte Sudpfanne einer Brauerei hinwies. 1763 wurde in der Breite Straße ein Zucht- und Arbeitshaus gegründet, blieb hier jedoch nur bis Juli 1767.Joachim Kermann, Rheinisches Archiv, Ausgabe 82, 1972, S. 95

Das dreigeschossige Geyr’sche Palais-Hotel des Joseph Balthasar Freiherr von Geyr (1709–1784) in Nr. 92 galt als vornehmstes Stadtpalais in Köln, im Jahre 1754 im französischen Stil von Nikolaus Krakamp zusammen mit Architekt Johann Georg Leydel erbaut. Es verfügte neben zahlreichen Räumen über zwei Säle (Gobelinsaal „zum Hürtchen“), eine Dienerwohnung, Remisen und Ställe sowie einen teilweise im englischen Stil angelegten Garten.Hugo Stehkämper, Geschichte der Stadt Köln, Band 8, 2005, S. 257 Es beherbergte während der Franzosenzeit die französische Generalität, so etwa den letzten Gouverneur von Köln, General Horace-François Sébastiani (der am 11. Januar 1814 den Befehl zum Abzug erhielt). Napoleons jüngster Bruder Jérôme Bonaparte, König von Westfalen, stieg auf dem Rückzug nach der Schlacht von Leipzig am 2. November 1813 für eine Nacht hier ab.Helmut Signon, Wie war zu Köln es doch vordem ...: Geschichte und Geschichten aus zwei Jahrtausenden am Rhein, 1972, S. 290 Am 27. September 1818 logierte hier auch Fürst Metternich, am 28. September 1818 die Zarenfamilie des Alexander I. Das prunkvolle Palais wurde im Jahre 1911 abgerissen.

Der Kaiserliche Hof (Nr. 36–38) entstand 1794 durch den Umbau des Hofes von Bruno Schoeneweder (oder Schönwedder). Erbauer dieses Vorgängergebäudes „zur Lucht“ war Johann von der Lucht (van der Lüycht). Im „Kaiserlichen Hof“ logierten Prominente, so etwa im März 1806 Napoleons Schwager Joachim Murat. Im Oktober 1814 übernachtete hier der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm und erfuhr vom Weiterbau des Kölner Doms, am 27. September 1818 übernachtete hier Kaiser Franz von Österreich auf dem Weg zum Aachener Friedenskongress.Peter Fuchs (Hrsg.), Chronik zur Geschichte der Stadt Köln, Band 2, 1991, S. 120 Die Karnevalsreformer versammelten sich am Rosenmontag 1823 im „Kaiserlichen Hof“ und zogen durch die Apostelnstraße zwecks Formierung des ersten Rosenmontagszuges auf den Neumarkt.Helene Klauser, Kölner Karneval zwischen Uniform und Lebensform, 2007, S. 200 Johann Wolfgang von Goethe stieg hier im Februar 1824 während der Karnevalszeit ab, im Oktober 1825 kam Annette von Droste-Hülshoff während ihrer bis April 1826 dauernden Rheinreise. Inhaber des „Kaiserlichen Hofs“ war zu jener Zeit Hermann Disch. Der „Cour Impérial“ wurde in einem englischen Reisebuch von 1839 als „bei weitem beste Unterkunft Kölns“ beschrieben. Das älteste, noch heute bestehende Geschäft der Straße ist die 1842 gegründete „Konditorei Printen Schmitz“ (Nr. 87-91). Gründer Joseph Schmitz zog 1949 in die Breite Straße um.

mini|links|Breite Straße 103–135 – Kaufhaus Carl Peters (1914) mini|Breite Straße 132 – Wohn- und Geschäftshaus „Bäckermeister Blumacher“ (1878) Nach dem von Ferdinand Franz Wallraf konzipierten „Itinéraire de Cologne“ trug die Breite Straße ab 1. Januar 1813 den übersetzten französischen Namen „rue largeur“. Das Grundstück in Nr. 110 wurde am 14. August 1852 von Adolph Kolping erworben und das hierauf errichtete Gebäude als „Gesellenhospitium“ am 8. Mai 1853 eingeweiht; Kolping verstarb hier am 4. Dezember 1865. Seit dem 17. Dezember 1865 fungiert es als Ledigenheim für 120 Personen und heißt seitdem „Kolpinghaus“. Architekt Josef Seché errichtete 1878 in Nr. 132/St. Apernstraße das Wohn- und Geschäftshaus „Bäckermeister Blumacher“.Allgemeine Bauzeitung, Band 56, Wien 1891, S. 16 ff.

Das nach dem Unternehmer Carl Peters benannte Kaufhaus begann am 26. September 1891 in der Breite Straße 52 mit 9 Verkäufern und expandierte 1895 durch die Übernahme von zwei Etagen des Restaurants „Neue Welt“.Barbara Kirschbaum, „Der neue Citroën-ganz deutsch!“, 2002, S. 91 Am 20. Juni 1895 berichtete der Kölner Stadtanzeiger, dass die „Neue Welt“ zu einem „Kölner Geschäftshaus ersten Ranges“ umgebaut worden sei.Barbara Kirschbaum, „Der neue Citroën-ganz deutsch!“, 2002, S. 91 Peters erwarb 1909 an der Breite Straße drei benachbarte Grundstücke und ließ durch den Kölner Architekten Carl Moritz ab 1910 das in drei Bauabschnitten erbaute Kaufhaus Carl Peters (KCP) errichten, das an fünf Straßen grenzte (Breite Straße / Richmodstraße / Zeppelinstraße / Streitzeuggasse / Hämergasse) und 1914 eingeweiht wurde. Hier stellte Louis Blériot im Oktober 1909 nach der Flugwoche im Weidenpescher Park sein Flugzeug aus. Mit 28.000 m² Verkaufsfläche und 100 Schaufenstern war es das größte Kaufhaus Westdeutschlands jener Zeit. Das Kaufhaus Carl Peters brannte am 2. März 1945 ab, konnte aber bereits im Juni 1948 wiedereröffnet werden. Am 14. Januar 1926 eröffnete an der Breite Straße 4 der erste Laden der Einheitspreis-Handelsgesellschaft des Tietz-Konzerns unter dem Namen „Ehape“ mit 2.000 Artikeln, aus der später die Kaufhalle AG hervorging.